Dieser Teil der Liste lateinischer Phrasen enthält mit dem Buchstaben T beginnende Phrasen.

150px|ohne|rahmenlos|Initiale T

Tabula Tabula gratulatoria „Liste der Glückwünsche“

Tabula rasa „geschabte, geglättete Tafel“ – sinngemäß „leere Tafel“

Die Römer schrieben gewöhnlich auf Wachs-Täfelchen, die man radierte, indem man mit dem flachen Ende des Schreibgriffels (stilus) das Wachs wieder glättete. John Locke gebrauchte den Ausdruck, um den menschlichen Geist bei der Geburt, vor dem Erwerb jeglicher Kenntnisse, zu beschreiben.

Siehe auch Saepe stilum vertas!

Tabula votiva „Votivtafel“

An Wallfahrtsorten häufig zu sehende Bilder mit der Darstellung von Notlagen oder Wundern; auch Abbildungen von Gliedmaßen in Miniaturform. Die Votivtafeln sind Gott oder einem Heiligen gewidmet, um eine Bitte oder Dank auszudrücken.

Taedium Taedium vitae „Lebensüberdruss“

Talis/Taliter Talis qualis „als solcher“

Taliter qualiter „so ,so“, „einigermaßen“, „mittelmäßig“ – auch „so gut es eben geht“.

Beispiele: „Jeder erste und taliter qualiter beste“. Gotthold Ephraim Lessing an Karl Gotthelf Lessing am 2. Februar 1774: „Ein deutsches Lexikon zusammenzuschreiben, diesen albernen Gedanken habe ich lange aufgegeben; und ich würde ihn nun wohl am wenigsten wieder hervorsuchen, da ich ihn taliter qualiter von einem andern ausgeführt sehe. Aus diesem taliter qualiter wirst du indeß abnehmen, daß ich mit Adelungs Arbeit nicht ganz zufrieden bin.“.

Tam Tam deest avaro, quod habet, quam quod non habet. „Dem Habgierigen fehlt sowohl, was er hat, als auch, was er nicht hat.“ – Publilius Syrus, Sententiae T 3.

Tam similis est quam ovo ovum. „So ähnlich wie ein Ei dem andern“ – nach einer Formulierung aus der Apocolocynthosis des Philosophen Seneca.

Tamen Tamen est laudanda voluntas. „Dennoch ist der Wille zu loben.“

Verkürzte Form von „Ut desint vires, tamen est laudanda voluntas.“ („Wenn auch die Kräfte fehlen, ist der Wille dennoch zu loben.“ – Ovid, Epistulae ex Ponto 3,4,79).

Tandem Tandem „schließlich, endlich, zuletzt“

Der lateinische Begriff wurde in England auf ein Gefährt übertragen, bei dem die Pferde einzeln hintereinander angespannt werden (siehe Artikel). Das beruht vermutlich auf einem küchenlateinischen Scherz: Die englische Übersetzung von tandem ist unter anderem „at length“ und diese auf einen Zeitraum bezogene Phrase wurde dann umgedeutet auf die räumliche Anordnung der Pferde „der Länge nach“.

Vom Fuhrwerk wurde die Bezeichnung später für den gleichnamigen Fahrradtyp übernommen.

Tandem bona causa triumphat. „Am Ende triumphiert die gute Sache!“

Inschrift am Haus Paland im Erkelenzer Ortsteil Borschemich. Die Inschrift bezieht sich wahrscheinlich auf den Ausgang eines langen Rechts- oder Erbschaftsstreits.

Ferner Wahlspruch von Kurfürst Gebhard I. von Waldburg.

Tandem patientia victrix. „Endlich ist die Geduld Siegerin.“

Dieser Wahlspruch ziert eine der Medaillen der Stadt Osnabrück mit Bildern der Friedensstifter von 1648.

„Sit pax in terris tandem [et] patientia victrix“ („Friede sei endlich auf Erden [und] die Geduld siegreich“) ist die Aufschrift auf einigen der sogenannten Friedenswunschdukaten der Stadt Nürnberg aus dem Jahr 1632.

mini|hochkant|Tandem vicisti: Julian wird vom heiligen Mercurius getötet. Tandem vicisti, Galilaee. „Am Ende hast du gewonnen, Galiläer.“

Angeblich die letzten Worte des römischen Kaisers Julian, der vom Christentum zum Heidentum zurückgekehrt war. Als „Galiläer“ ist hier Jesus angesprochen. Der Spruch ist erst im 5. Jahrhundert bei Theodoret bezeugt, der Kirchengeschichte aus christlicher Perspektive schrieb. Bereits der Kirchenvater Hieronymus hatte Julians frühen Tod als verdiente Strafe für seinen Abfall vom Christentum gedeutet.

Tantae/Tantum Tantae molis erat Romanam condere gentem. „Solche Mühsal war es, das Volk der Römer zu gründen.“ – Vergil, Aeneis 1,33.

Tantum deus intelligitur, quantum diligitur. „Gott wird soweit begriffen, als er geliebt wird.“

Tantum devolutum, quantum appellatum. „So weit abgewälzt, wie weit angefochten.“ – Bezeichnet den Devolutiveffekt von Rechtsbehelfen.

Tantum religio potuit suadere malorum. „So viel Übles hat Glauben anzuraten vermocht.“ – Lukrez, De rerum natura 1,101.

Warnung vor religiösem Wahn angesichts der Opferung Iphigenies vor der Abfahrt der Griechen nach Troja.

Tarde Tarde venientibus ossa „den [zu] spät Kommenden die Knochen“

Die Rechte sind für die Aufgeweckten geschrieben, den zu spät Kommenden bleiben nur Knochen. Entspricht dem deutschen Sprichwort „Wer nicht kommt zur rechten Zeit, der muss sehen, was übrig bleibt.“

Andere Variante: sero venientibus ossa.

Taurum Taurum tollet, qui vitulum sustulerit. „Einen Stier wird tragen, wer ein Kalb gehoben hat.“

Dieses Zitat von Petronius spielt auf Milon von Kroton an, einen der berühmtesten Athleten (Ringer) der Antike. Der Legende zufolge stemmte er täglich ein Kalb. Mit dem heranwachsenden Tier wuchs seine Kraft, bis er schließlich den ausgewachsenen Stier stemmen konnte.

Te/Temet Te Deum laudamus „Dich, Gott, loben wir.“

Anfang eines Lob- und Dankgesangs der katholischen Kirche. Der Legende nach sollen die Heiligen Augustinus und Ambrosius gemeinsam diesen Gesang komponiert haben. Er beginnt mit den folgenden Worten: „Te Deum laudamus. Te Dominum confitemur. Te aeternum patrem omnis terra veneratur.“ („Großer Gott, wir loben dich, Herr, wir preisen deine Stärke. Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke. Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit.“)

Te intus et in cute novi. „Dich kenne ich innen und unter der Haut.“ – Persius, Saturae 3,30.

Eigentlich ein Pleonasmus: Mit in cute ist nochmals gesagt, dass man das Innere, das unter der Erscheinung Verborgene, kennt, jemanden also ganz wörtlich durchschaut. Es handelt sich wohl um eine umgangssprachliche oder sprichwörtliche Wendung. Ähnlich spielerisch geht das deutsche „Ich kenne ihn in- und auswendig“ mit den Worten und Bedeutungen um.

Te ipsum cura, medice. „Heil dich selbst, Arzt!“

mini|hochkant|Petrus Abaelardus und Heloisa in einer Handschrift des 14. Jahrhunderts Te semper, ut omnibus patet, immoderato amore complexa sum. „Ich habe dich immer, wie alle wissen, in maßloser Liebe umarmt.“ – Die Äbtissin Heloisa in einem Brief an ihren früheren Geliebten, den Philosophen und Theologen Petrus Abaelardus.

Siehe auch Tua me ad religionis habitum iussio, non divina traxit dilectio.

Temet nosce „Erkenne dich selbst!“

Übersetzung ins Lateinische der griechischen Inschrift Gnothi seauton () am Apollotempel im Heiligtum von Delphi.

Auf diesen Ursprung weist zum Beispiel Cicero hin (De finibus bonorum et malorum 5,44): „Iubet igitur nos Pythius Apollo noscere nosmet ipsos“ („So befiehlt uns also der Apollo von Delphi, uns selbst zu erkennen“).

Diese Variante wurde sehr populär durch ihre Verwendung in den Filmen Matrix und Matrix Revolutions.

Das Enklitikum -met wurde eher im informellen, umgangssprachlichen Latein verwendet. Andere Variante in klassischem Latein: Nosce te ipsum.

Tempora Tempora Heroica „das heroische Zeitalter“

Tempora mutantur, nos et mutamur in illis. „Die Zeiten ändern sich und wir ändern uns mit ihnen.“

Tempora si fuerint nubila, solus eris. „Im Unglück wirst du allein sein.“

Verkürzung eines Zitats von Ovid: Donec eris felix, multos numerabis amicos. Tempora si fuerint nubila, solus eris.

Tempus Tempus clausum „geschlossene Zeit“ – in der katholischen Kirche Bezeichnung für die Bußzeiten im Kirchenjahr, die Fastenzeit und den Advent

Tempus curat omnia. „Die Zeit heilt alles.“

Tempus edax rerum „die gefräßige Zeit“ – Ovid, Metamorphoses 15,234

Davon abgeleitet ist die Redewendung Zahn der Zeit.

Tempus fert rosas. „Zeit bringt Rosen.“

Mit dieser sprichwörtlichen Redensart drückten die Paracelsisten ihren Zukunftsoptimismus hinsichtlich der Höherentwicklung der Heilkunst aus.

Tempus flendi et tempus ridendi „eine Zeit zu weinen und eine Zeit zu lachen“ – Zitat aus dem alttestamentlichen Buch Kohelet 3,4 (, )

mini|hochkant|Tempus fugit an einer Uhr Tempus fugit. „Die Zeit flieht.“

Die Zeit geht dahin, die Zeit rast; an Sonnenuhren oft ergänzt durch „velut umbra“ („wie der Schatten“).

Verkürzt aus „tempus irreparabile fugit“ („Unersetzlich flieht die Zeit dahin“ – Vergil, Georgica 3,284).

Vergleiche Utendum est aetate, cito pede labitur aetas.

Tempus ipsum affert consilium. „Die Zeit selbst bringt Rat herbei.“ – „Kommt Zeit, kommt Rat.“

Tempus peto. „Ich erbitte Zeit.“

Im Lateinunterricht altsprachlicher Gymnasien verwendeter Terminus, wenn man zur Toilette gehen musste. Die Antwort des Lehrers lautete in der Regel: „Habeas.“ („Du sollst sie haben.“)

mini|hochkant|Tempus valet volat velat an einer Kirchenuhr in Resiutta im Friaul Tempus valet, volat, velat. „Die Zeit ist stark, sie fliegt, sie verhüllt.“

Tempus vincit omnia. „Die Zeit besiegt alles.“

Vergleiche omnia vincit amor und labor omnia vincit.

Teneo Teneo, quia teneor. „Ich halte, weil ich gehalten werde.“ – Motto der Bekennenden Kirche, später Lebensmotto von Johannes Rau.

Ter Ter in die (tid) „dreimal täglich“ – Hinweis auf ärztlichen Verschreibungen

Terminus Terminus „Grenze“

Das Wort Terminus bezeichnet unter anderem ein Fachwort einer Fachsprache, die sprachliche Benennung eines gedanklich klar umrissenen, abgegrenzten Begriffs, in der römischen Mythologie den Gott der Grenzsteine oder das Ende einer Frist (daher „Termin“).

Terminus, a quo „Zeitpunkt, von dem an …“ – „Anfangstermin“

Terminus, ad quem „Zeitpunkt, bis zu dem …“ – „Endtermin“

Terminus, ante quem „Zeitpunkt, vor dem …“

Terminus technicus für Datierungen: ein zeitlich gesicherter Sachverhalt, vor dem der zu datierende Vorgang geschehen sein muss.

Gelegentlich auch als „Terminus, post quem non“ („Zeitpunkt, nach dem nicht …“) bezeichnet.

Terminus, post quem „Zeitpunkt, nach dem …“

Terminus technicus für Datierungen: ein zeitlich gesicherter Sachverhalt, nach dem der zu datierende Vorgang geschehen sein muss.

Gelegentlich auch als „Terminus, ante quem non“ („Zeitpunkt, vor dem nicht …“) bezeichnet.

Terminus technicus „Fachausdruck“ – fachsprachliche Benennung

Terra mini|Weltkarte von Rumold Mercator mit dem Südkontinent „Terra Australis“ Terra Australis incognita „das unbekannte Südland“

Bezeichnung eines in der Antike postulierten, hypothetischen Südkontinentes. Geprägt hat den Namen Claudius Ptolemäus, der glaubte, dass alle Meere von Land umgeben seien, so wie das Mittelmeer und deshalb eine große im Süden liegende Landmasse voraussagte. Darauf zurück geht die Bezeichnung des australischen Kontinents.

Terra firma „fester Grund“ – bekanntes Gebiet

Terra incognita „unbekanntes Land“

Terra nova „neues Land“ – lateinischer Name für Neufundland

Terra nullius „Niemandsland“

Unbesiedeltes Land; Land, das niemandes Eigentum ist. Das Konzept der „terra nullius“ spielte eine wichtige Rolle bei der ideologischen Rechtfertigung von Kolonisation.

Terra, quae lacte et melle manabat „Das Land, in dem Milch und Honig fließt“ – Bezeichnung des verheißenen Landes im 4. Buch Mose 16,13 (, ).

Terribilis mini|Inschrift Terribilis est locus iste … an einer Kirche in Monterrey, Mexiko Terribilis est locus iste. Hic domus Dei est et porta caeli. „Ehrfurcht gebietend ist dieser Ort! Hier ist das Haus Gottes und die Pforte des Himmels.“

Die zitierten Worte stammen vom biblischen Stammvater Jakob, der im Traum die Himmelsleiter gesehen hatte, auf der die Engel auf- und niederstiegen (vergleiche , ).

Terror mini|hochkant|Französischer Marschallstab: „… decus pacis“ Terror belli decus pacis „Schrecken im Krieg, Zierde in Friedenszeiten“ – Inschrift auf dem französischen Marschallstab

Tertium/Tertius Tertium Comparationis „das Dritte des Vergleiches“ – „der dritte Punkt in einem Vergleich“

Zwei Dinge, die miteinander verglichen werden, haben eine dritte Größe gemeinsam, die ihre Vergleichbarkeit bewirkt.

Tertium non datur.