mini|Briefmarke zum 100. Geburtstag Eiermanns im Jahr 2004 mini|Wohnhaus Dienstbach in Berlin-Nikolassee (1936) mini|Wohnhaus Steingroever in Berlin-Westend (1936–1937) mini|Auergesellschaft in Berlin-Moabit (1937–1938) mini|Total-Feuerlöschgerätewerk in Apolda (1938–1939) mini|Fabrikanlage Märkischer Metallbau in Oranienburg (1940–1941) mini|Matthäuskirche (Pforzheim) (1951–1953) mini|Verwaltungsgebäude Burda Moden in Offenburg (1953–1954) mini|Neckermann-Zentrale in Frankfurt am Main (1958–1961) mini|Steag-Zentrale (Ruhrkohlehaus II) in Essen (1956–1960) mini|Verwaltungs­gebäude des Stahlbauwerks Gustav Müller in Offenburg (1958–1961) mini|Eiermanns eigenes Wohnhaus in Baden-Baden (1958–1962) mini|Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin (1959–1963) mini|Deutsche Botschaft Washington, D.C. (1959–1964) mini|Hotel Prinz Carl in Buchen (Odenwald) (1965–1967) mini|Ehemaliges IBM-Hauptquartier in Stuttgart (1967–1972) mini|Olivetti-Niederlassung in der Bürostadt Frankfurt-Niederrad (1968–1972) mini|Meistermann-Fresko am Verwaltungsgebäude der Firma Zettelmeyer in Konz (1970) Egon Fritz Wilhelm Eiermann (* 29. September 1904 in Neuendorf; † 19. Juli 1970 in Baden-Baden) war ein deutscher Architekt, Möbeldesigner und Hochschullehrer. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Architekten der Nachkriegsmoderne. Eiermann war ordentlicher Professor an der Architekturfakultät der Technischen Hochschule Karlsruhe.

Leben

Herkunft und Ausbildung Egon Eiermanns Vater Wilhelm (1874–1948), der aus Buchen im badischen Odenwald stammte, war Konstrukteur bei der Lokomotivenfabrik Orenstein & Koppel in Nowawes. Seine Mutter war die Berlinerin Emma Gellhorn (1875–1959). Er hatte in Katharina (1906–1961) eine jüngere Schwester.

Nach dem Abitur am Althoff-Gymnasium und dem Architekturstudium an der Technischen Hochschule Berlin bei Hans Poelzig von 1923 bis 1927 ging Egon Eiermann in das Baubüro der Rudolph Karstadt AG in Hamburg (unter Leitung von Philipp Schaefer) und anschließend zu den Berliner Elektrizitätswerken.

Im Jahre 1925 entwarf Egon Eiermann die Filmbauten für Rochus Glieses Film Karriere.

Familie Im Jahr 1940 heiratete Eiermann die Innenarchitektin Charlotte Friedhelm (1912–2001). Aus der Ehe, die bis 1952 bestand, ging Sohn Andreas (geboren 1942) hervor. 1954 heiratete er die Architektin Brigitte Feyerabendt (1924–2019), die zuvor an der TH Karlsruhe unter anderem bei Eiermann studiert hatte. Aus dieser Ehe ging die Tochter Anna (geboren 1956) hervor.Stadtlexikon Karlsruhe, Webportal der Stadt Karlsruhe. Die Familie Eiermann wohnte einige Jahre in Karlsruhe. 1962 baute sich Eiermann ein Wohnhaus mit Atelier an der Straße Krippenhof in Baden-Baden. Die Villa Eiermann und die 1960 vollendete Villa Hardenberg sind (abgesehen von der Siedlung Hettingen) Eiermanns einzige Wohnhäuser der Nachkriegszeit. Obwohl sie im Nachkriegswerk Eiermanns ein Alleinstellungsmerkmal haben, markieren sie den Höhepunkt seiner Tätigkeit als Schöpfer von Wohnhäusern. Dass die beiden Häuser in Baden-Baden errichtet wurden, ist im Hinblick auf die dortige Villenkultur kein Zufall. Die Villa ist eine typische Bauaufgabe der Kurstadt.Ulrich Coenen: Egon Eiermann in Mittelbaden, S. 53–85

Egon Eiermann wurde im Familiengrab auf dem Friedhof in Buchen beigesetzt.

Wirken

Bürogründung und erste Erfolge Ab 1931 entwarf er in einem zusammen mit Fritz Jaenecke (1903–1978) gegründeten Büro zunächst diverse Wohnhäuser in Berlin und Umgebung. Die Auftragslage verbesserte sich dabei rapide. Jaenecke stieg 1934 wegen persönlicher Differenzen mit Eiermann aus der Büropartnerschaft aus. Zwischen 1934 und 1938 wurden nach Vorgaben und unter Leitung von Eiermann sämtliche Geschäftsstellen des Berliner Bestattungsunternehmens Grieneisen in einheitlichem Corporate Design umgestaltet (Fassaden, Innenausstattung, sowie als Logo ein dreiarmiger Leuchter mit Schriftzug und Jahreszahl).

Für die NS-Propagandaausstellung Gebt mir vier Jahre Zeit gestaltete Eiermann Halle II und den Filmraum auf dem Messegelände in Berlin. Eiermann hatte sich 1936 an einem vom Propagandaministerium ausgeschriebenen Wettbewerb für die Schau beteiligt, die unter der Schirmherrschaft von Joseph Goebbels stand und 1937 von Adolf Hitler persönlich eröffnet wurde. Ein Kniefall vor dem NS-System ist das je nach Quelle 18 oder 20 Meter hohe „Führerportrait“ in der Ausstellungshalle, umgeben von Maschinen, Motoren und Waffen, die die Dynamik des NS-Staats zeigen sollten. Hitler war hingerissen. „Führer ist begeistert“, schrieb Goebbels in sein Tagebuch.Ulrich Coenen: Egon Eiermann, S. 21–23. Christoph Kivelitz: Die Propagandaausstellung in europäischen Diktaturen. Dissertation, Berlin 1999, S. 93.

Ab 1938 plante das Büro Industriebauten, z. B. für die Auergesellschaft in Berlin, die Total-Werke Foerstner & Co. in Apolda, die Märkische Metallbau GmbH in Oranienburg und die Rickmerswerft in Bremerhaven.Ulrich Coenen: Egon Eiermann, S. 24–29.

1942 entwarf Eiermann die Krankenhaus-Sonderanlage Beelitz (sog. Ausweichkrankenhaus) in Beelitz-Heilstätten bei Berlin. 1943 bis 1945 verlegte er sein Büro und Wohnsitz von Berlin in ein Nebengebäude dieses Krankenhauses, da ihm die Waldlage bei Bombardierungen sicherer erschien.

Eiermann ist ein typischer Vertreter der modernen Architekten in Deutschland, die sich im NS-Regime vor allem auf Industriebau konzentriert haben, weil der Gestaltungsfreiraum dort größer war als bei öffentlichen Bauaufgaben. Eiermann legte zwischen 1933 und 1945 den Grundstein für seinen Erfolg in der jungen Bundesrepublik und hat aber das getan, was alle Deutschen getan haben, die in dieser Zeit beruflich erfolgreich sein wollten. Er hat sein Gewissen hintenangestellt und sich den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen des verbrecherischen Regimes angepasst. Das gilt auch für die meisten Bauherren Eiermanns nach 1945.Ulrich Coenen: Egon Eiermann, S. 13 und 29.

Nachkriegszeit Da sich Eiermann im nationalsozialistischen Deutschland vorrangig dem Industriebau widmete, konnte er sich unbehelligt weiter stilistisch in einer modernen Richtung entwickeln. Er setzte seine Leichtigkeit und Frische vermittelnde, den Fortschritt symbolisierende Architektur selbst bei Rüstungsbetrieben, wie z. B. der Rickmerswerft, ohne politische Bedenken um. Es gelang ihm, seine Karriere ungehindert im Nachkriegs-Westdeutschland fortzusetzen, was ihn schließlich zu einem der einflussreichsten Architekten seiner Zeit werden ließ. Seine in Stahlskelettbauweise ausgeführten Industriebauten, wie die 1949 bis 1951 entstandene Taschentuchweberei in Blumberg, eine klar gefügte Fabrikanlage (im Herbst 2009 abgebrochen), für die er den Hugo-Häring-Preis erhielt, erlangten in den Jahren des Wiederaufbaus Vorbildcharakter.

1946 bis 1948 war er zunächst selbstständiger Architekt in Mosbach im Odenwald. 1947 folgte Eiermann als Nachfolger auf den Lehrstuhl von Hermann Alker einem Ruf als Professor an die Fakultät für Architektur an der Technischen Hochschule Karlsruhe. Er lehrte dort bis kurz vor seinem Tod im Jahre 1970 und prägte für lange Zeit das Profil der Hochschule. Zu seinen Schülern gehörten der spätere Erbauer der Ruhr-Universität Bochum, Hans-Günther Bierwirth, der einen Teil seiner Assistentenzeit bei Eiermann verbrachte, der Frankfurter Architekt Hubertus von Allwörden sowie der Architekturtheoretiker Oswald Mathias Ungers. Akademie der Künste und der Architekturfotograf Klaus Kinold.

In der Architektur und auch in der Lehre war Eiermann der Antipode des in Berlin lehrenden Hans Scharoun, dessen organischer Architektur er die geometrische Strenge und Präzision moderner Architektur in der Tradition eines Ludwig Mies van der Rohe entgegensetzte. Auf Studienreisen in die USA lernte er 1950 Walter Gropius und Marcel Breuer kennen, 1956 auch Ludwig Mies van der Rohe. 1951 bis 1953 wurde im Pforzheimer Stadtteil Arlinger nach Plänen von Egon Eiermann die Matthäuskirche erbaut; sie gehört zu den wichtigsten Kirchenneubauten der Nachkriegsmoderne. Vorbild war die französische Kirche Notre-Dame in Le Raincy bei Paris von Auguste Perret (1922).

Einen weiteren Höhepunkt seiner Karriere markierte der international beachtete, Deutsche Pavillon für die Weltausstellung in Brüssel, den er in Zusammenarbeit mit Sep Ruf als elegante Pavillongruppe aus acht durch Stege verbundenen Einzelbauten entwarf. Dieses Gebäude wurde, ähnlich wie der Kanzlerbungalow von Sep Ruf in Bonn, zum Symbol eines neuen, bescheidenen und weltoffenen Deutschland der Nachkriegszeit.

Im Jahr 1967 hatte Egon Eiermann den Vorsitz der Jury im Architekturwettbewerb für den Olympiapark in München. Der Vorschlag von Behnisch & Partner mit der berühmten Zeltdachkonstruktion ging dabei als Sieger unter 93 Einsendungen hervor.

Die wichtigsten Bauten der letzten Schaffensperiode sind der Eiermann-Campus für IBM in Stuttgart-Vaihingen sowie die signifikant trichterartigen, als Hängehochhaus konzipierten Verwaltungstürme der Firma Olivetti in Frankfurt am Main, die erst zwei Jahre nach seinem Tod fertiggestellt wurden.

Ein viel kritisierter Aspekt in Eiermanns Biografie ist seine Tätigkeit für die Merkur, Horten & Co. in Stuttgart. Dort war er beteiligt an einem Kaufhausneubau an der Stelle des berühmten Kaufhauses Schocken von Erich Mendelsohn. Um seinen eigenen Bau zu realisieren, nahm er einen Abriss dieses architektonischen Jahrhundertwerks trotz der Proteste der Stuttgarter Architektur-Studenten und zahlreicher deutscher und ausländischer Architekten und Kunstwissenschaftler in Kauf.Thomas Borgmann: In: Stuttgarter Zeitung, 6. Mai 2010; Judith Breuer: Verloren, aber nicht vergessen: das Kaufhaus Schocken in Stuttgart. In: Denkmalpflege in Baden - Württemberg. Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege 48. Jg., 2019, S. 151–153, 156. Der Neubau 1960/61 für Horten war eines der ersten Gebäude mit einer vorgesetzten abstrakten Fassade, die das Gebäude nahezu vollständig bekleidet, dabei keinen Bezug auf den stadträumlichen Kontext nimmt und die innere Gliederung sowie den Maßstab des Gebäudes nicht ablesbar macht, siehe auch Hortenkachel, ein Prinzip, als dessen Erfinder Eiermann bisweilen fälschlicherweise bezeichnet wird.

mini|Langer Eugen, Bonn – Detail

Werk Egon Eiermanns Architektur zeichnet sich durch Einfachheit, strenge Geometrie und unmittelbare Erkennbarkeit der Funktion aus. Wie bei vielen Architekten der Moderne nehmen seine Bauten in der Regel keinen Bezug auf die umgebende Stadtlandschaft, obwohl es ihm seiner Auffassung nach wichtig erschien, eine gelungene Verschmelzung von Gebäude und Umgebung zu erschaffen. Mehr als 30 Bauten Eiermanns stehen in Deutschland unter Denkmalschutz.Egon Eiermann – Denkmalgeschützte Bauten. (PDF; 39 kB) Eiermann-Gesellschaft; abgerufen am 14. Februar 2014. Sein umfangreiches Werkarchiv liegt im Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau.

Bauten 1931–1932: Haus Hesse in Berlin-Lankwitz 1934: Einfamilienhaus Kleinwächter 1934–1935: Wohnhaus Dr. Bolle in Berlin-Dahlem 1936: Wohnhaus Dienstbach in Berlin-Nikolassee 1936: Wohnhaus Paul Henckels in Kleinmachnowvilmoskoerte.wordpress.com Wohnhaus von Paul Henckel in Kleinmachnow. 1936–1937: Wohnhaus Steingroever in Berlin-WestendHerta Steingroever: Mein Leben im Eiermann-Haus. Vom Haus und seinen Bewohnern. Eigenverlag, Berlin 2022, ISBN 978-3-00-071568-6. 1936–1937: Wohnhaus Matthies in Potsdam-Babelsberg 1938: Fabrikanlage der Auergesellschaft in Berlin-Moabit 1938–1939: Total-Feuerlöschgerätewerk in ApoldaJasmin Kunst: Apolda, 1938/39: Feuerlöschgerätewerk. In: Bauwelt, Heft 27/2019; Digitalisat (PDF; 0,9 MB). 1940–1941: Haus Vollberg in Berlin-Grunewald (Gartenanlagen von Herta Hammerbacher) 1940–1941: Märkische Metallbau GmbH in Oranienburgblog.hotze.net blog.hotze.net Hotze: Egon No. 63 und Stellwerk Or: Ein Sonntagsausflug nach Oranienburg