mini|hochkant=1.35|Luftbild Taufkirchen (Vils), Blick von Norden mini|hochkant=1.35|Ortsteil Winkl mini|hochkant=1.35|Ortsteil Johannrettenbach

Taufkirchen (Vils) ist eine Gemeinde im Landkreis Erding (Oberbayern), die im Osten an den niederbayerischen Landkreis Landshut grenzt und von der Vils durchzogen wird.

Taufkirchen ist nach Erding und Dorfen die drittgrößte Gemeinde im Landkreis Erding.

Geografie Lage Der Hauptort befindet sich am Schnittpunkt der Bundesstraße 15 und der Bundesstraße 388 und liegt etwa 22 km südlich von Landshut, 18 km östlich der Kreisstadt Erding, 9 km nördlich von Dorfen sowie 23 km südwestlich von Vilsbiburg. Zum Flughafen München sind es 30 km und in die Landeshauptstadt München rund 55 km.

Naturräumlich gehört die Gemeinde zum tertiären Isar-Inn-Hügelland; die Gemeinde liegt im Erdinger Holzland an der Großen Vils. Die Flussniederung der Vils hat eine Höhenlage zwischen bei Hörgersdorf und in den Mooswiesen bei Winkel.

Gemeindegliederung

Es gibt 147 Gemeindeteile:

Es gibt die Gemarkungen Eibach (nur Gemarkungsteil 1), Gebensbach, Hubenstein, Hofkirchen, Moosen (Vils), Taufkirchen (Vils), Wambach,

Geschichte Bis zum 18. Jahrhundert Die Gründung Taufkirchens dürfte in das 7. und 8. Jahrhundert, also in die Zeit der Christianisierung fallen. Wahrscheinlich wurde nahe der Vils eine – sicherlich hölzerne – Taufkirche gebaut, die einem Freiengeschlecht und dem späteren Ort den Namen gab. Zur damaligen Zeit gehörte Taufkirchen zur alten Pfarrei Moosen, die bereits 769 unter Herzog Tassilo erstmals erwähnt wird. Während dieser Zeit hatte Taufkirchen nur das Taufrecht. Erst 1263 ist in einem Streit mit Moosen die Taufkirchner Kirche als Pfarrkirche genannt.

Das Freiengeschlecht der Edlen „de taufkirchen“ lässt sich bis ins 13. Jahrhundert nachweisen. Nach 1263 sind keine urkundlichen Nachweise der Edlen von Taufkirchen mehr zu finden. Das Wasserschloss Taufkirchen wird um 1263 ausdrücklich erwähnt und bildet fortan die Kernzelle, aus der sich der Ort entwickelte. Die jeweiligen Schlossherren waren die Grund- und Gerichtsherren im Ortsbereich und der nächsten Umgebung, da ihr Grundbesitz zur Hofmark erhoben wurde.

Ab 1377 kamen die Herren von Fraunberg als Besitzer von Taufkirchen vor. Im Heiligen Jahr 1500 durchzogen viele Pilger auf ihrer Romreise durch Taufkirchner Gebiet, was aus der Straßenkarte von Erhard Etzlaub aus diesem Jahr hervorgehen dürfte. Im Jahre 1522 kam Ladislaus von Fraunberg aus der Haager Linie in den Besitz von Taufkirchen. Mit ihm brachen die Wirrnisse und Unruhen der Glaubensspaltung über den Ort herein. Um sich die Mittel für seine glänzende Hochzeit zu verschaffen, verkaufte er 1554 Schloss und Hofmark für 41.000 Gulden an den Kaufmann Hans Jakob Fugger.

Von da an bis 1672 herrschten die Grafen Fugger in Taufkirchen. Sie setzten alles wieder in einen guten Zustand, und Hans Jakob Fugger ließ einen Zwinger um das Schloss errichten, durch den man sich im Kriegsfall verteidigen konnte. Der Altar in der Schlosskapelle trägt auch ihr Wappen. 1609 wurde erstmals ein „Schulmeister“ am Ort erwähnt. Unter den Fuggern kam eine schwere Zeit über Taufkirchen, insbesondere während des Dreißigjährigen Krieges. Am 13. Mai 1632 fielen die Schweden in Taufkirchen ein und im Jahre 1633 waren die Kaiserlichen im Ort. 1634 kamen wieder die Schweden und besetzten bis 1648 abwechselnd mit den Franzosen die Gegend. Das Bräuhaus wurde 1642 während der Fuggerherrschaft gebaut.

mini|Pfarrkirche St. Pauli Bekehrung mini|Innenraum der Pfarrkirche

Durch die wiederholten kriegerischen Ereignisse wurde das Vermögen der Fugger in Anspruch genommen, und das Schloss musste 1658 an den Reichsfreiherrn Ferdinand von Puech zwangsversteigert werden. Die Freiherrn von Puech herrschten als Schlossbesitzer von 1672 bis 1723 in Taufkirchen. Baron Adam von Puech erweiterte die Hofmark um die Orte Frauenvils, Aham, Schaffhausen, Reckenbach, Eldering, Adlberg, Heldering, Stadl, Wegmann, Kirchlern. Nachdem Adlberg zu seiner Hofmark gehört hatte, verlegte Adam von Puech kurzerhand den Adlberger Markt nach Taufkirchen. Adam von Puech starb im Jahre 1722 kinderlos; in der Folgezeit wechselten die Besitzverhältnisse für das Schloss und die zugehörigen Güter recht häufig.

Jahrhundertelang war das Schloss der wirtschaftliche Mittelpunkt des Ortes, was aus den beiden von Michael Wening 1699 angefertigten Ansichten vom Schloss Taufkirchen hervorgeht. Die meisten Ortsbewohner arbeiteten als Knechte, Mägde, Taglöhner und Handwerker bei der Herrschaft. Über eigene Höfe und Werkstätten verfügten sie aber nicht.

Ab 1818 Das bayerische Gemeindeedikt von 1818 führte zur Bildung der heutigen Gemeinde. Es bestand aber zudem noch ein Patrimonialgericht II. Klasse. Die letzten Reste der Adelsherrschaft wurden 1848 aufgehoben.

1917 gründeten Taufkirchener Bürger eine Genossenschaft und kauften das Schloss mit 800 Tagwerk Grund und der zugehörigen Brauerei.

Ab 1945 1948 begann die industrielle Polstermöbelfertigung im Himolla-Werk, das schnell größter Arbeitgeber der Gemeinde wurde.

Im Jahr 1979 wurde der katholische Pfarrverband Taufkirchen (Vils) gegründet, der seitdem die vier bestehenden Pfarreien Taufkirchen, Moosen, Wambach und Hofkirchen umfasst.

Eingemeindungen Taufkirchen an der Vils wurde bei der Gebietsreform am 1. Januar 1972 mit den ehemaligen Gemeinden Gebensbach, Hofkirchen, Moosen (mit dem am 1. Oktober 1925 eingemeindeten Hubenstein) und Wambach sowie einem Teil der Gemeinde Eibach politisch zu einer Großgemeinde zusammengeschlossen.

Einwohnerentwicklung Gemäß Bayerischem Landesamt für Statistik (GENESIS-Datenbank) bzw. der Gemeindeverwaltung haben sich die Einwohnerzahlen jeweils zum 31. Dezember eines Jahres wie folgt entwickelt: Jahr 1960 1970 1980 1990 1995 2000 2005 2007 2009 2011 2012 2013 Einwohner 6.608 7.791 8.041 8.137 8.196 8.676 8.937 8.967 8.962 9.163 9.265 9.377 Jahr 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 Einwohner 9.566 9.750 10.061 10.100 10.107 10.290 10.440 10.550 10.81210.94911.042 mini|390x390px|Einwohnerentwicklung zwischen 1960 und 2024 Seit 1972, dem Jahr der Gemeindereform, hat sich die Einwohnerzahl bis 2015 um 1728 Personen erhöht. Das entspricht einem Wachstum von 22,36 Prozent. In den letzten zehn (fünf) Jahren nahm die Einwohnerzahl um 9,40 (6,41) Prozent zu. Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 7.851 auf 10.107 um 2.256 Einwohner bzw. um 28,7 %.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat von Taufkirchen besteht aus dem ersten Bürgermeister und vierundzwanzig Gemeinderäten. Zur Ausübung seiner Aufgaben besitzt der Gemeinderat zwei ständige Ausschüsse, den Grundstücks- und Bauausschuss, sowie den Rechnungsprüfungsausschuss. Hinzu kommen insgesamt 15 Referate, die sich mit den speziellen Fragen der Gemeindepolitik auseinandersetzen.

Die Kommunalwahl vom 15. März 2020 führte für die Wahlperiode 2020–2026 zu folgender Sitzverteilung: mini|Rathaus Partei / Liste Sitze CSU 9 Freie Wähler 4 SPD 3 Einigkeit Moosen (EiMo) 3 AfD 3 Wahlgemeinschaft Gebensbach–Wambach (WGW) 2

Bürgermeister Erster Bürgermeister seit Mai 2020 ist Stefan Haberl (CSU). Sein Vorgänger von 1996 bis 2020 war Franz Hofstetter (CSU).

Wappen

Raumordnung Die Gemeinde beteiligt sich am 1997 gebildeten Ostbündnis. Zusammen mit Dorfen bildet Taufkirchen (Vils) seit 2018 ein Mittelzentrum.

Gemeindepartnerschaften Seit 1999 besteht eine Partnerschaft mit der Stadt West Chicago im US-Bundesstaat Illinois.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant=1.5|Wasserschloss Taufkirchen (Vils) von Süden

Bauwerke

St. Pauli Bekehrung in Taufkirchen (Vils) Wasserschloss Taufkirchen, 1263 erstmals erwähnt Johanneskirche, 1956 erbaut von Olaf Andreas Gulbransson Urzeitmuseum, mit Bayerns größten Dinosaurierskelett, einem Dinopark mit über 20 lebensgroßen Modellen und den Knochen von zwei Urzeit-Elefanten; Kulturpreis 2020 des Landkreises Erding

mini|Blick auf den Eingang des Urzeitmuseums Waldbad Taufkirchen, beheiztes Freibad seit 1968 Weidenhain S-amhain, rund 8000 m² großer Weiden- und Skulpturenpark

mini|Weiden- und Skulpturenpark Kinocafé Taufkirchen (Vils), seit 1952 Bücherei Taufkirchen (Vils), seit 1966, heute mit über 16.000 Medien im Bestand Kulturhaus Taufkirchen (Vils), Event-Location für Musik- und Kulturveranstaltungen Erlensee, Moor-Badesee mit Campingplatz und Gasthaus mini|ErlenseeHeimatkundliches Gemeindearchiv, seit 2020, Museum und Dokumentesammlung zur Geschichte Taufkirchens Zwergerlwald, im Wald gelegene und überregional bekannte Attraktion mit über 500 Zwergen und einer kleinen Kapelle Begehbares Kunstwerk „Meditationsraum“ des Münchener Künstlers Rupprecht Geiger im Park der Taufkirchener Klinik

Regelmäßige Veranstaltungen Als eine Art Start in die Frühlingszeit wird seit 2018 jeweils im März im Wasserschloss und auf der Schlosswiese der Taufkirchner Trachtenmarkt veranstaltet, der mit zahlreichen Ausstellern rund um das Thema Tracht und Brauchtum aufwartet.

Am Wochenende nach Christi Himmelfahrt wird in der Landshuter Straße und in der Bräuhausstraße der Adlberger Markt, dessen Ursprung bereits auf das Jahr 1689 zurückgeht, veranstaltet. Den Höhepunkt bildet dabei ein großes Straßenfest am Abend mit Live-Musik.

Seit 1960 wird jährlich in der zweiten Juliwoche ein Volksfest begangen.

Am traditionellen Wochenende (der 3. Sonntag im Oktober) der bayerischen Kirchweih findet im Wasserschloss Taufkirchen der TaufKirtamarkt statt. Alljährlich präsentieren und verkaufen etliche Aussteller aus allen Bereichen des Kunsthandwerks hier ihre Erzeugnisse.

Am selben Ort wird seit 1995 jährlich am 2. Adventswochenende der Advent im Schloss veranstaltet.

Im musikalischen Bereich genießen der Jazz im Schloss (seit 1995) und das Elektronic Open Air & Indoor Festival im Waldbad Taufkirchen (seit 2014) eine überregionale Bekanntheit.

Vereinsleben mini|Blick auf Reitplatz und Reithalle Taufkirchen (Vils)

1893 TSV 1893 Taufkirchen/Vils e. V. mit über 1500 Mitgliedern 1899 Heimat- und Verschönerungsverein Taufkirchen (Vils); Kulturpreis 2007 des Landkreises Erding 1955 Liedertafel Taufkirchen (Vils); Kulturpreis 2000 des Landkreises Erding 1959 Reit- und Fahrverein Taufkirchen/Vils mit etwa 400 Mitgliedern 1960 BSG Ball Sport Gemeinschaft Taufkirchen mit rund 550 Mitgliedern 1978 Sektion Taufkirchen/Vils des Deutschen Alpenvereins (DAV) mit rund 1380 Mitgliedern (Stand: 31. Dezember 2021), abgerufen am 21. August 2022 1994 SOVIE – Soziale Verantwortung in Eigeninitiative e. V.; Tassillo-Kultursozialpreis 2016 der Süddeutschen Zeitung 2000 OASE-Lebenskreis e. V. zur Förderung und Wahrung der Menschlichkeit; Bürgerkulturpreis 2004 des Bayerischen Landtags 2008 Taufkirchener Tafel mit über 70 ehrenamtlichen Mitarbeitenden 2011 BSV Bogen- u. Sportverein Taufkirchen/Vils e. V. mit über 60 Mitgliedern

Wirtschaft und Infrastruktur Unternehmen Der größte Arbeitgeber im Ort und im östlichen Landkreis ist der Polstermöbelhersteller Himolla mit 1100 Arbeitsplätzen.

Mit seinen rund 700 Beschäftigten ist das Kbo-Isar-Amper-Klinikum der zweitgrößte Arbeitgeber. Das Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie verfügt über 180 Betten zur stationären Versorgung von Patienten. Hinzukommen 154 Betten in den Stationen der 1998 eröffneten Frauenforensik. mini|Frauenforensik Taufkirchen (Vils) – Blick auf die Hauptpforte

Die 1948 gegründete Spedition Fürmetz betreibt knapp 200 Lkw und beschäftigt mehr als 200 Mitarbeiter.

Auch ist die bereits 1642 gegründete Brauerei Taufkirchener mit ihren Biersorten und dem Angebot an alkoholfreien Getränken eine regionale Größe. mini|Brauerei Taufkirchen (Vils)

In Taufkirchen befindet sich der Hauptsitz der 2001 gegründeten und mittlerweile 13 Standorte zählenden Raiffeisen-Waren GmbH Erdinger Land.

Seit 2010 gibt es die Gemeindewerke Taufkirchen, die die Region mit Strom, Erdgas und Fernwärme versorgen.

Bildung