Glandorf ist eine Gemeinde im Südwesten des Landkreises Osnabrück in Niedersachsen. Der Name rührt von der Bezeichnung Glanathorpe – Ansiedlung an der Glane – und wurde erstmals im Jahre 1070 urkundlich erwähnt.

Geografie Glandorf liegt in der nördlichen Randzone der Westfälischen Bucht wenige Kilometer südlich des Teutoburger Walds am Glaner Bach.

Glandorf grenzt im Norden an Lienen, im Osten an Bad Iburg und Bad Laer, im Süden an Warendorf und Sassenberg und im Westen an Ostbevern.

Gemeindegliederung Die Gemeinde Glandorf besteht aus folgenden Ortschaften:

Averfehrden (früher Narendorf) (573 Einwohner) Glandorf (4.279) Schierloh (297) Schwege (1.133) Sudendorf (333) Westendorf (251)

Gesamt 6.866 Einwohner (Stand: 1. Januar 2018).

Geschichte Der Name Glandorf ist vermutlich keltischen Ursprungs, denn Glane bedeutet wohl „hell, klar, glänzend, fließend“; zudem war „Glan“ Bestandteil des Namens des keltischen Wassergottes Glanus oder Glanos.Abbildung von der Kärntner Glan. Etwa im 6. Jahrhundert vor Christus wurden die Kelten durch die Germanen vertrieben, die das Gebiet daraufhin besiedelten. Anderer Ansicht ist der Namenforscher Hermann Jellinghaus. Gerade die Häufigkeit des Wortes „Glane“: wie z. B. Glaner Braut, Glanerbeek hält er für den Beweis germanischen Ursprungs; ein Adjektiv „glan“ bedeutet glänzend, blinkend; das zugehörige Verbum heißt glennen-glänzen oder glinan-glan-glunum.„Glane, Kr. Iburg, ursprünglich Teil von Bisbeck: Glana, Glano 1088 Glandorf: Glanathorpe 1070. Von dem in die Ems fließenden Bache Glane. Man hat das Wort für keltisch erklärt. Aber dann wäre es nicht so häufig: Glane bei Wildeshausen und bei Gronau, Glanhorst, Kr Minden, Glanemeier bei Barkhausen, Kr Mittlage, die Glenne, Kr Lippstadt, der Glenbach im Deister. Von einem Adjektiv glan, glänzend, blickend. Vgl. Doornkaat 1, 634 unter glennen, glänzend, zu einem Verbum *glinan-glan-glunum.“ siehe Hermann Jelinghaus: Dorfnamen um Osnabrück. Osnabrück 1922, S. 15. 1872 hat man ein altgermanisches Gräberfeld, Einzelurnen mit Knochenresten und Brandstellen, auf dem Donnerbrink ausgegraben. Im Mittelalter gehörte Glandorf wie seine Nachbargemeinden Bad Iburg, Bad Laer, Glane und Remsede zum Gau Sutherberge bzw. Suderberggau oder Gau Süderberge, dessen Name sich von der Lage südlich des Osning (Teutoburger Wald) herleiten lässt. Die erste urkundliche Erwähnung der Gegend geschieht in einer Urkunde Ludwigs des Deutschen vom 8. Dezember 851, in der mehrere Höfe in Laer und Erpen, in der Urkunde Arpingi genannt, dem Marienkloster in Herford geschenkt werden: „[…] in pago, quod dictur Sutherbergi, in villa quae nuncupatur Lodre […] et in eodem pago, in villa quae vocatur Arpingi.“Roger Wilmans: Die Kaiserurkunden der Provinz Westfalen: 777–1313. 1867, S. 113 f. Lodre ist hier das heutige Bad Laer, das bis ins 17. Jahrhundert noch Loder oder Loer geschrieben wurde. Glandorf war bis um 1200 eine Filiale der Mutterpfarre in Laer, hatte aber um 1400 schon einen zweiten Geistlichen. Wann die Loslösung von Laer erfolgt ist, lässt sich aus den Urkunden des Pfarrarchivs allerdings nicht ersehen.F. Jostes, W. Effmann: Vorchristliche Altertümer im Gaue Süderberge. 1888, S. 3.

Der Name Glandorf bzw. Glanathorpe wurde im Jahr 1070 erstmals urkundlich erwähnt (nach Spannhoff zwischen 1070 und 1074Christof Spannhoff: Wann wurde Glandorf erstmals schriftlich erwähnt? In: Heimat-Jahrbuch Osnabrücker Land 2021, ISBN 978-3-941611-21-4.). Laut einem Artikel in einer Beilage der „Osnabrücker Volkszeitung“ vom 4. August 1889 heißt es in der Urkunde, dass der damalige Eigentümer des Helfer Hofes in Lienen das Recht besaß, dreißig Schweine und einen Eber zur Eichelmast in die Glandorfer Mark zu treiben.

Nach der Schlacht bei Breitenfeld von 1631 besetzten die schwedischen Truppen im Dreißigjährigen Krieg das Bistum Osnabrück. Nachdem die Glandorfer Bevölkerung den Forderungen der schwedischen Söldner nicht mehr nachkommen konnte, steckten diese am 5. Mai 1636 das Dorf in Brand. Das Ereignis gibt eine in Stein gehauene Inschrift über der Brauttür in der Kirche St. Johannis an. Vor dem Brand soll es zu einigen Grausamkeiten gekommen sein. In der Heimatnovelle „Schwedenchronik“ von 1926 erzählt der geistliche Rat Bernhard Köster, dass die schwedischen Söldner auf dem Hof des damaligen Bürgermeister Schultewerth eine Tochter gekreuzigt und eine andere über dem Herdfeuer erstickt und dem Bürgermeister selbst den Schwedentrunk eingeflößt haben sollen.

Als Teil des Bistums Osnabrück wurde Glandorf 1803 nach dem Reichsdeputationshauptschluss von König Georg III. dem Kurfürstentum Hannover zugeschlagen. Allerdings wurde das Kurfürstentum noch im selben Jahr von französischen Truppen besetzt und 1807 mit dem von Napoléon geschaffenen Königreich Westphalen zusammengeschlossen. Das Kirchspiel Glandorf hieß nun Commune oder Mairie Glandorf und gehörte zum Canton Ostbevern, der dem Arrondissement Warendorf unterstellt war. Nach dem Zusammenbruch des französischen Imperiums fiel Glandorf ab 1814 ans Königreich Hannover.

Im Jahr 1833 setzte eine Auswanderungsbewegung nach Nordamerika ein. Der Osnabrücker Geistliche, Gymnasiallehrer und gebürtige Glandorfer Johann Wilhelm Horstmann schiffte sich im September 1833 mit sechs weiteren Glandorfer Männern aus dem Osnabrücker Amt Iburg in Amsterdam ein, erwarb im Dezember Land in Putnam County und gründete den Ort Glandorf (Ohio). Die Ehefrauen und zehn weitere Familien folgten der Gruppe 1834 und 1835 stießen nochmal neun Familien aus Glandorf dazu. Die Auswanderungswelle hielt bis Anfang des 20. Jahrhunderts an.

Am 1. Juli 1972 wurden die Gemeinden Averfehrden, Glandorf, Remsede, Schierloh, Schwege, Sudendorf und Westendorf in die Gemeinde Laer (ab dem 1. September 1975 Bad Laer) eingegliedert. Am 1. Mai 1981 wurde die Gemeinde Glandorf ausgegliedert. Mit Ausnahme von Remsede kamen alle damals nach Laer eingemeindeten Orte zur Gemeinde Glandorf.

Einwohnerentwicklung mini|Bevölkerungsentwicklung in Glandorf seit 1987 Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen der Gemeinde Glandorf im jeweiligen Gebietsstand und jeweils am 31. Dezember.

Bei den Zahlen handelt es sich um Fortschreibungen des Landesamts für Statistik NiedersachsenLandesamt für Statistik Niedersachsen (Hrsg.): LSN-Online – die kostenfreie Regionaldatenbank für Niedersachsen, Tabelle A100001G. auf der Basis der Volkszählung vom 9. Mai 2011.

Bei den Angaben aus den Jahren 1961 (6. Juni) und 1970 (27. Mai) handelt es sich um die Volkszählungsergebnisse einschließlich der Orte, die seit dem 1. Mai 1981 zu Glandorf gehören.

Jahr 1961 1970 1987 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2017 20182020 2021 Einwohner 4844 5077 5441 5686 6451 6706 6821 6724 6664 6665 68666598 6619

Religionen Glandorf ist traditionell eine katholische Gemeinde. Die Religionszugehörigkeit der Steuerzahler (Stand: 31. Dezember 2001) verteilt sich auf ca. 400 evangelische und ca. 2900 katholische. Als konfessionslos gelten etwa 280 Einwohner.Zahlen nach:

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat hat gegenwärtig 18 Mitglieder. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 6.001 und 7.000 Einwohnern. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Hinzu kommt der Bürgermeister als stimmberechtigtes Mitglied des Rates.

Die folgende Tabelle zeigt die Kommunalwahlergebnisse seit 1996. Rat der Gemeinde Glandorf: Wahlergebnisse und GemeinderäteCDUUWGSPDGRÜNEFDP Gesamt Wahl- beteiligung Wahlperiode % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Mandate %rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Gesamtanzahl der Sitze im Rat %2021–202642,5834,3611,727,514,111001866,82016–202147,1 935,7 617,2 3– –––1001864,742011–201655,1 1026,0 516,5 32,5 0––1001863,562006–201163,2 1212,7 222,8 41,3 0––1001870,12001–200672,2 149,7 215,8 32,4 0––1001969,4 1996–200170,1 1412,6 215,0 32,3 0––1001975,4 Prozentanteile gerundet.Quellen: LSN-Online – die kostenfreie Regionaldatenbank für NiedersachsenLandesamt für Statistik Niedersachsen (Hrsg.): LSN-Online – die kostenfreie Regionaldatenbank für Niedersachsen, Tabelle M5000314., Landkreis Osnabrück.Bei unterschiedlichen Angaben in den genannten Quellen wurden die Daten des Landesbetriebs für Statistik und Kommunikationstechnologie verwendet,da diese eine insgesamt höhere Plausibilität aufweisen.

Wappen und Flagge mini|150px|Hissflagge der Gemeinde

Gemeindepartnerschaften Glandorf (Ohio), USA Lichtenberg in der Gemeinde Feldberger Seenlandschaft im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte in Mecklenburg-Vorpommern

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Der Mittelpunkt des Ortes ist der Thieplatz. Hier lag in der Vergangenheit der offene Dorfbrunnen. Im Oktober 2010 wurde der von der Künstlerin Elisabeth Lumme neu gestaltete Brunnen über der etwa 100 Jahre alten Zisterne unter dem Thieplatz eingeweiht. Die historische Bausubstanz blieb bei der Umgestaltung weitestgehend erhalten.Anke Schneider: Ein Schmuckstück im Herzen Glandorfs. In: Neue Osnabrücker Zeitung, 25. Oktober 2010; abgerufen am 14. Oktober 2015. An den Thie grenzt die beinahe komplett erhaltene Kirchhofsburg, in deren näherer Umgebung mehrere alte Fachwerkhäuser stehen.

An der B 475 im Ortsteil Averfehrden ist der größte Findling im Raum Osnabrück aufgestellt. Der ursprünglich zusammenhängende Stein wurde ca. 300 m nordöstlich des Aufstellungsortes gefunden. Einige Jahre nach dem Versetzen des Steines an seinen heutigen Standort löste sich ein keilförmiges Bruchstück, das David genannt wird, während der große Rest Goliath heißt.

Kirchen Im Ortskern von Glandorf steht die katholische Pfarrkirche St. Johannis, die urkundlich erstmals im Jahr 1275 erwähnt wird. Die ältesten Teile der Kirchhofsburg stammen ebenfalls aus dieser Zeit. Vermutlich gab es schon ein älteres Gotteshaus an anderer Stelle. Ein möglicher Standort kann laut dem ungedruckten Manuskript Geschichte Glandorfs von Bernhard Köster auf der Urlage in Westendorf gewesen sein.

Eine weitere katholische Kirche, die Pfarrkirche St. Marien, steht im Ortsteil Schwege. Sie wurde auf Initiative des Lehrers Mathias Niehaus erbaut, der nach einem Gelübde einen Kalvarienberg nebst Kreuzweg, Ölgarten und Grabmal Christi anlegte. Im Jahr 1863 wurde an dieser Stelle die erste Kapelle mit passendem kleinen Turm erbaut. Im selben Jahr starb Mathias Niehaus, sein Werk wurde aber fortgeführt. Im Jahre 1865 folgte das Vikarienhaus und 1866 wurde die Kirche ohne Erlaubnis erweitert. Nur der kleine Turm, von dem man scherzhaft behauptete, er würde bei Regenwetter unter das Kirchendach gezogen, wurde erst nach dem Ersten Weltkrieg durch einen größeren Turm ersetzt.

Die evangelisch-lutherische Kirche Kripplein Christi steht im Ort Glandorf in der Nähe des Theresien-Hauses. Ursprünglich wurde sie von Karl Siebold aus Bethel bei Bielefeld als Notkirche entworfen, um einer Gemeinde als Provisorium zu dienen. Dabei sollte sie transportabel und leicht auf- und wieder abzubauen sein. Ihre Lebensdauer war ursprünglich auf 30 bis 40 Jahre festgelegt. Die Holzkirche wurde erstmals 1912 in Holsen-Ahle bei Bünde errichtet. Nach fast 40 Jahren sollte das baufällige Gebäude dort abgerissen werden, doch stattdessen wurde sie von der evangelischen Gemeinde 1952 gekauft und in Glandorf auf einem Steinfundament wieder aufgebaut. Dabei musste das verfaulte Holz entfernt und die Kirche um zwei Längssegmente von 450 auf 300 Plätze verkürzt werden.

Bauwerke Eine Galeriewindmühle nach holländischer Bauart ist das Wahrzeichen von Glandorf. Sie wurde im Jahre 1840 in Betrieb genommen und war bis 1960 im Dienst. 1970 erwarb die Gemeinde das Gebäude. Seit 2000 wird der Innenraum der Mühle als Standesamtszimmer genutzt. 2017 wurde die zwischenzeitlich baufällige Mühle restauriert.