Trais-Horloff ist ein Stadtteil von Hungen im mittelhessischen Landkreis Gießen.

Geografische Lage Trais-Horloff liegt südlich von Hungen. Am westlichen Ortsrand verläuft die Bundesstraße 489. Der Ort liegt zwischen dem Trais-Horloffer See, umgangssprachlich auch Inheidener See genannt und dem Oberen Knappensee. In der Nähe fließt die Horloff. Es existiert ein Haltepunkt der Bahnstrecke Gießen–Gelnhausen.

Flächenstatistik 1854: Gemarkungsgröße 778 Morgen, davon 502 Äcker, 239 Wiesen.Philipp Alexander F. Walther, Das Großherzogthum Hessen, S. 457. 1961: (Hektar): 324, davon 6 Wald

Ortsgeschichte Mittelalter Der Ort wurde zwischen 750 und 790 oder 793 in zwei der bedeutendsten Kopiare hessischer Reichsklöster erwähnt. Zwischen 750 und 802 datiert eine Erwähnung im Codex Eberhardi: „... Rutfrit de Wetereiba tradidit bona sua in loco Tresa dicto“ (Rutfrit aus der Wetterau übergab seine Güter in dem Ort, der Trais genannt wird).Edmund Ernst Stengel: Fuldisches Urkundenbuch. Band 1. Nr. 339, S. 438. Der Codex Eberhardi entstand um 1160. Das zweite Kopiar ist der Lorscher Codex, verfasst um 1183–1195. Dort heißt es vom Tradenten Wolfhelm: „... in pago Wetdereiba in uilla Treise ...“ (im Gau Wetterau im Dorf Treise) habe er Güter an das Kloster Lorsch übergeben.Karl Glöckner: Codex Laureshamensis (CL) = Arbeiten der historischen Kommission für den Volksstaat Hessen 1. Darmstadt 1929. CL III 2983, S. 240. Hier verweist uilla (villa) auf die Siedlungsform Dorf.

Der Grundname des Ortsnamens ist nicht Horloff, wie fälschlich oft angenommen wird, sondern Trais. Erst im 14. Jahrhundert wird das Differenzierungsglied Horloff zugefügt. 1342 heißt es: „Hurftreyse“Meinhard Sponheimer (Bearbeiter): Urkundenbuch der Stadt Wetzlar. Band 2: 1214–1350. Marburg 1943 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck 8,2. Nr. 473, S. 224. und 1353: „... gelegen zuo Hurlfdreise“.Ludwig Baur: Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau. Darmstadt 1851. Nr. 806, S. 498. Aber noch 1522 erscheint der Ortsname noch ohne Differenzierungsglied, und dies bei der wichtigen Beschreibung des „Ottfer Gerichts“. Die Deutung des Grundnamens „Trais“ war in der Sprachforschung lange umstritten. So wurde das mittelhochdeutsche „dresch, drisch“ = nhd. „unbebautes Land“ auf Trais bezogen.Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage Berlin 1967. bearbeitet von Walther Mitzka. S. 143. Dagegen wird heute in der Namensforschung der Siedlungsname Trais als Gewässername angesehen. Diese Tradition hat sich regional noch in der Mundart erhalten.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 366 ff, S. 367 f. Die Mundartwörter Drees, Treis, Dreis weisen auf eine Mineralquelle hin, die in Trais-Horloff vorhanden ist.

Vergleichbare Ortsnamen bzw. Ortsnamenbildungen finden sich in Treis an der Lumda sowie dem nahe gelegenen Trais-Münzenberg.

Neuzeit Trais-Horloff gehörte in der Grafschaft Solms-Laubach zum Unteramt Utphe. Das Unteramt Utphe wurde 1522 aus den „Rieddörfer“ Inheiden, Trais-Horloff und Utphe sowie seit Beginn des 18. Jahrhunderts Wohnbach und der Feldmark der Wüstung Feldheim gebildet: „... das Ottfer gericht mit seinen dorfern Ottff, Ynheiden, Feltheym vnnd Treyß...“Archiv Lich, Urkunden Solms, Kasten 31.

Graf Philipp von Solms-Lich kaufte 1528 für 2.000 fl. von dem Kloster Haina dessen Hof in Utphe samt Zinsen zu Ober-Bessingen, Ettingshausen, Gonterskirchen, Laubach und Trais-Horloff.Friedrich Battenberg, Solmser Urkunden. Regesten zu den Urkundenbeständen und Kopiaren der Grafen und Fürsten von Solms im Staatsarchiv Darmstadt (Abteilungen B 9 und F 24 B), im gräflichen Archiv zu Laubach und im fürstlichen Archiv zu Lich. 1131–1913. Bd. 1–5, Darmstadt 1981–1986. Solmser Urkunden 3, Nr. 2654, 2680.

1825 war Trais-Horloff ein Dorf mit einer rückständigen Landwirtschaft. Wie in Inheiden gab es noch immer keine Stallfütterung und keine Viehmast. Von den 296 Einwohnern lebten die meisten von der Leineweberei.

Da die beiden „Salzbrunnen“ nur einen geringen Salzgehalt hatten, waren sie zuschüttet und die dortige Saline abgerissen worden.Johann Andreas Demian, Beschreibung oder Statistik und Topographie des Großherzogthums Hessen. 2 Bände, Mainz 1824–1825. Bd. 2: Topographie, S. 404 f.

Trais-Horloff als Stadtteil von Hungen Zum 31. Dezember 1970 erfolgte im Zuge der Gebietsreform in Hessen die freiwillige Eingliederung in die nahegelegene Kleinstadt Hungen. Für Trais-Horloff wurde wie für alle Stadtteile von Hungen ein Ortsbezirk eingerichtet.

Im alten Bahnhof wurde 1989 eine Projektwerkstatt eingerichtet. Am 23. Januar 2005 wurde das Jugendzentrum „JUZ“, welches sich im Kellerbereich des örtlichen Kindergartens befindet, offiziell eröffnet und wird seitdem von den Jugendlichen aus Trais-Horloff verwaltet und gepflegt.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Trais-Horloff angehört(e):

vor 1806: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Laubach (Anteil an der Herrschaft Münzenberg), Amt Utphe ab 1806: Rheinbund, Großherzogtum Hessen,Mediatisierung infolge der Rheinbundakte. Oberfürstentum Hessen, Amt Utphe (der Grafschaft Solms-Laubach) ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Utphe (der Grafschaft Solms-Laubach) ab 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt UtphePatrimonialgericht: Standesherrliches Amt Utphe des Grafen Solms-Laubach. ab 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk HungenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Laubach; 1822 gingen die Rechte des „standesherrlichen Amts Laubach“ an das Landgericht über, wo sie im Namen der Standesherren ausgeübt wurden) und Verwaltung. ab 1837: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Hungen ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Friedberg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied. Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1874: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis GießenIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt HungenAm 31. Dezember 1970 als Ortsbezirk zur Stadt Hungen. ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Stadt Hungen ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt Hungen ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen, Stadt Hungen

Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Trais-Horloff ab 1806 das „Patrimonialgericht der Grafen Solms-Laubach“ in Utphe zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Die zweite Instanz für die Patrimonialgerichte waren die standesherrlichen Justizkanzleien. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. Ab 1822 ließen die Grafen Solms-Laubach ihre Rechte am Gericht durch das Großherzogtum Hessen in ihrem Namen ausüben. „Landgericht Laubach“ war daher die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Trais-Horloff zuständig war. Auch auf sein Recht auf die zweite Instanz, die durch die Justizkanzlei in Hungen ausgeübt wurde verzichtete der Graf 1823. Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben. Mit dem 1. November 1848 wurden Utphe an den Landgerichtsbezirk Hungen abgegeben.Bekanntmachung, verschiedene Veränderungen in der Bezirkseintheilung der Landgerichte Laubach, Hungen, Lich und Butzbach betreffend vom 5. Oktober 1848 (Hess. Reg.Bl. S. 366)

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Hungen“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen. Am 1. Juni 1934 wurde das Amtsgericht Hungen aufgelöst und Trais-Horloff dem Amtsgericht Nidda zugeteilt. Bezieht sich auf das

Zum 1. Januar 2012 wurde das Amtsgericht Nidda gemäß Beschluss des hessischen Landtags aufgelöst und Trais-Horloff dem Amtsgericht Büdingen zugeteilt.Gesetz zur Änderung gerichtsorganisatorischer Regelungen vom 16. September 2011 (GVBl. I S. 409) Die übergeordneten Instanzen sind jetzt, das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Bodenschätze Torfstich 1837 wurde die Gewinnung von Torf durch den Grafen von Solms-Laubach freigegeben.

Mineralbrunnen und Mofetten 1854 gab es in der Gemarkung einen Mineralbrunnen und „mehrere Mofetten oder Erdlöcher, aus denen tödliches Gas strömt.“Philipp Alexander Ferdinand Walther, Das Großherzogthum Hessen nach Geschichte, Land, Volk, Staat und Oertlichkeit. Darmstadt 1854, S. 457.

Die Braunkohle und ihre industrielle Nutzung Der Gründerboom der Gründerzeit bewirkte, dass rasch die Wetterauer Braunkohlenvorkommen im Tiefbau erschlossen wurden. 1875 eröffnete man die Grube Friedrich bei Trais-Horloff. Eine Brikettfabrik wurde 1883 und eine Schwelerei 1898 in Betrieb genommen, aber schon 1903 schloss man wieder die Schwelerei.Eugen Rieß, Willy Roth, Berstadt. Bd. 2: Neue Zeiten. Rockenberg 2005. ISBN 3-923907-08-7, S. 251 f.

1879 wurde auf der Grube Friedrich eine Krankenkasse gegründet, die von 1880 bis 1888 als Kasse des Hessisch-Rheinischen Bergbauvereins firmierte. Anschließend hieß sie Kasse der Braunkohlengruben und Brikettfabrik Friedrich und bevor sie in der Reichsknappschaft aufging, Gewerkschaft Friedrich zu Hungen.C. Köbrich, Entstehung des Hessischen Knappschaftswesens. In: Die Fundgrube. Mitteilungen für und über den Hessischen Bergbau. Februar 1933.