mini|Hohe Esse Halsbrücke um 1900 mini|Schlackenhalde „Hohe Esse“, davor die Feinhütte Halsbrücke mini|Altväterbrücke. Der parallel zu ihr verlaufene Aquädukt wurde 1690 erbaut und 1893 gesprengt. mini|Medaille 1690, Münzstätte Dresden. Auf der Vorderseite die Altväter-Wasserleitung (Aquädukt), auf der Rückseite die Fundgrube St. Anna. mini|St.-Lorenz-Kirche
Halsbrücke ist eine Gemeinde im Landkreis Mittelsachsen.
Geographie Halsbrücke liegt 5 km nördlich von Freiberg, ca. 25 Kilometer von Dresden entfernt, auf dem linken Ufer der Freiberger Mulde, die hier eine größere Flussschleife beschreibt. Der Ort hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von etwa einem Kilometer und eine Ost-West-Ausdehnung von etwa zwei Kilometern. Der tiefste Punkt liegt bei etwa 296 m ü. NN und der höchste Punkt bei etwa 375 m ü. NN.
Zum Ortsteil Halsbrücke der gleichnamigen Gemeinde gehören neben Halsbrücke die Gemeindeteile Hals und Neubau am linken Ufer der Freiberger Mulde sowie Sand mit Grüneburg am rechten Ufer der Freiberger Mulde.
Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind Bobritzsch-Hilbersdorf, Freiberg, Großschirma und Reinsberg (alle im Landkreis Mittelsachsen) sowie Wilsdruff und Tharandt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.
Gemeindegliederung Zur Gemeinde Halsbrücke zählen folgende Ortsteile: Conradsdorf mit den Gemeindeteilen Kleinsiebenlehn, Hinterhäuser und Gegentrum Erlicht Haida Halsbrücke mit den Gemeindeteilen Neubau, Sand, Grüneburg und Hals Hetzdorf mit seinen Ortsteilen Wüsthetzdorf, Neuwüsthetzdorf, Hutha, Herrndorf Krummenhennersdorf mit Gemeindeteil Forsthäuser Niederschöna Oberschaar Tuttendorf
Geschichte mini|Halsbrücke-Neubau, Rittergut, Herrenhaus 2015 Das als Inselgut im Lehnbuch von Markgraf Friedrich III. von Meißen 1349 erstmals bezeichnete Vorwerk und spätere Kanzleilehngut „zcu dem Halse“ lag am südlichen „halsförmigen“ Rücken der großen Muldenschlinge nordwestlich des Ortes. Das Gut „Hals“ gehörte ursprünglich dem Kloster Altzella, seit dem 16. Jahrhundert gehörte es der Stadt Freiberg.Das Rittergut Hals im „Handbuch der Geographie“, S. 612Das Rittergut Hals auf www.sachsens-schloesser.de
In die späteren Ortsnamen czu der brucken am Hals (1441), an der Halßbrücken (1654), Halßbrücke (1706) ist die früher vorhandene Muldenbrücke oberhalb der jetzigen Straßenbrücke mit einbezogen. Um 1791 wird Halsbrücke als Bergflecken bezeichnet. Das Vorwerk Neubau, etwa um 1600 im Bereich des Rittergutes Hals angelegt, war ein Erblehngut, das ursprünglich Pudewitzsches Vorwerk hieß.
Der frühere Ortsteil Sand (1778 aufn Sande, 1796/1804 „das Dorf Sand“) am anderen Ufer der Freiberger Mulde entstand Ende des 17. Jahrhunderts auf dem Erlerschen Gut, welches zum Rittergut Krummenhennersdorf gehörte. Zu Sand gehörte die kleine Siedlung Grüneburg.Grüneburg im „Handbuch der Geographie“, S. 611f.
Die Freiberger Mulde bildete im Bereich von Halsbrücke bis ins 19. Jahrhundert die Grenze zweier landesherrlicher Verwaltungsbezirke. Halsbrücke und die Vorwerke Hals und Neubau am linken Ufer der Freiberger Mulde lagen bis 1856 im kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Kreisamt Freiberg.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 72 f. Sand und Grüneburg am rechten Ufer der Freiberger Mulde gehörten dagegen bis 1836 zum Kreisamt Meißen, erst dann wurden sie ebenfalls dem Kreisamt Freiberg angeschlossen.Sand mit Grüneburg als Ort im Kreisamt Freiberg, Buch „Handbuch der Geographie“, S. 638f. 1856 kamen Halsbrücke und Sand zum Gerichtsamt Freiberg und nach Trennung von Justiz und Verwaltung 1875 zur Amtshauptmannschaft Freiberg. Im Jahr 1933 erfolgte die Eingemeindung von Sand nach Halsbrücke.
Halsbrücke hatte keine eigene Kirche. Der Ort war nach Tuttendorf gepfarrt. Die Kirche St. Lorenz am Schulberg in Halsbrücke wurde 1985 bis 1991 erbaut und 1992 geweiht. Von 1890 bis 1975 war Halsbrücke Endpunkt der Nebenbahn Freiberg–Halsbrücke.
Um 1956 wurde in Halsbrücke die heutige Oberschule Halsbrücke in der Geschwister-Scholl-Straße 8 errichtet. Für deren künstlerische Ausgestaltung wurden von der Regierung der DDR etwa 30 000 DM bereitgestellt, und eine Gruppe vor allem Freiberger bildender Künstler schuf dafür Werke, wozu im Stadt- und Bergbaumuseum die Ausstellung „Freiberger Künstler schaffen für die neue Schule in Halsbrücke“ stattfand.
Durch die zweite Kreisreform in der DDR kam die Gemeinde Halsbrücke im Jahr 1952 zum Kreis Freiberg im Bezirk Chemnitz (1953 in Bezirk Karl-Marx-Stadt umbenannt), der ab 1990 als sächsischer Landkreis Freiberg fortgeführt wurde und im Jahr 2008 im Landkreis Mittelsachsen aufging.
Bergbau und Verhüttung Der zum Freiberger Revier zählende Bergbau und die Verhüttung sind eng mit der Geschichte von Halsbrücke verbunden. Die erste Erwähnung einer Grube war 1519 St. Lazarus beim Halshaus. Im Jahr 1612 legten die Gruben St. Lorenz und Rheinischer Wein eine eigene gewerkschaftliche Hütte an, aus welcher 1663 die Halsbrücker Schmelzhütte hervorging. Von dem nach einem Brand von 1792 bis 1794Otfried Wagenbreth, Eberhard Wächtler (Hrsg.) A. Becke et al.: Der Freiberger Bergbau. Technische Denkmale und Geschichte. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig, 1986, S. 254 neu errichteten kurfürstlichen Amalgamierwerk ist der Südflügel noch vorhanden.
Im Jahre 1862 entstand in der Halsbrücker Hütte eine Goldscheideanstalt, die überwiegend nicht aus Sachsen kommende Rohkonzentrate verarbeitete. Ab 1888 stellte man auf das Plattnersche Extraktionsverfahren mit Chlor um und seit 1903 arbeitete die Goldgewinnung mit einem elektrolytischen Verfahren.Otfried Wagenbreth, Eberhard Wächtler (Hrsg.): Der Freiberger Bergbau. Technische Denkmale und Geschichte. Leipzig 1986, S. 81.
Wilhelm August Lampadius errichtete 1815 die erste europäische Leuchtgasanstalt in der Hütte Halsbrücke. 1853 wurde eine Bleiwarenfabrik, 1862 eine Goldscheideanstalt und 1865 eine Schwefelsäurefabrik gegründet. Für die Planung zur Verlegung der Dresdner Münze wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts unter anderem als neuer Standort die Halsbrücker Hütten vorgeschlagen. Die Hüttenleitung wies darauf hin, „dass erst kürzlich eine zweite Mahlmühle vom Staat gekauft worden sei, die genügend Wasserkraft besitze und Halsbrücke alles biete, was beide Orte (Pulvermühle in Dresden-Löbtau und Muldenhütten) zusammen kaum zu bieten vermögen.“ Die Regierung entschied sich jedoch für die geplante Münzstätte Muldenhütten.Max Barduleck: Die letzten Jahre der Münze in Dresden. Werkverzeichnis 1865 bis 1911, herausgegeben von Paul Arnold, Berlin 1981, S. 51
Die 1888/98 erbaute Halsbrücker Esse mit zugehörigem 500 Meter langen Rauchkanal zur Ableitung der Rauchgase der Halsbrücker Schmelzhütten, als „Hohe Esse“ von Halsbrücke Wahrzeichen des Ortes, war einst höchster Schornstein der Welt.
Im Jahr 1709 entstand die Gewerkschaft Halsbrücker Vereinigt Feld durch Zusammenschluss der Hauptgruben (1746 eingestellt). 1861 begann man mit dem „Wiederangriff der Tiefbaue auf dem Halsbrücker Spat“ mit der Grube Beihilfe Erbstolln, die von 1874 bis zur Stilllegung im Jahr 1900 7171 kg Silber lieferte. Die Wiederinbetriebnahme erfolgte 1935. Die letzten Nutzung war im Jahre 1968.
Die Schlackenhalde Hohe Esse, auch Seilbahnhalde genannt, wurde 1917 errichtet, da für die Verbringung der Schlacke aus der Halsbrücker Bleihütte das Tal der Mulde nicht mehr ausreichte. Dort lagern bis zu 285.000 t Bleischlacke.
Das 8. Lichtloch des Rothschönberger Stollns mit Treibehaus für eine Dampfförderanlage, 1872 errichtet, und die Kaue des Stollns von 1865 befinden sich westlich am Muldenhang. Das Treibehaus wurde 1990 vollständig neu aufgebaut. Die Kaue des 8. Lichtlochs ist noch original erhalten. Das 7. Lichtloch des Stollns befindet sich etwa 800 m westlich davon. Die Anlage war von 1844 bis 1876 in Betrieb. Die erhaltenen übertägigen Anlagen des 7. Lichtlochs sind die Bergschmiede und das 1844 errichtete Pulverhaus, das 1850 errichtete Treibehaus sowie Teile des Aufschlaggrabens und teilweise freigelegte Radstuben.
Der Rothschönberger Stolln, von 1844 bis 1877 gebaut, mit seinen Verzweigungen über 50 km lang, war das bedeutendste wasserwirtschaftliche Werk des Freiberger Bergbaus zur Ableitung der Grubenwässer.
Der Rote Graben, um 1613 angelegt, ist der bekannteste Kunstgraben. Er diente der Zuführung von Aufschlagwasser für den Betrieb der Hütte, der Erzwäsche sowie der Kunst- und Kehrräder. Die Erzwäsche der Grube Oberes Neues Geschrei, mit Radkammer und freigelegtem Kunstgraben wurde um 1840 erbaut.
Im Jahr 1788 wurde von Johann Friedrich Mende zu Hebung von Erzkähnen im Verlauf des Churprinzer Bergwerkskanals ein Kahnhebehaus erbaut, welches als vermutlich ältestes Schiffshebewerk der Welt gilt. Das Kahnhebehaus wurde 1868 stillgelegt.
Im Jahr 1945 wurde der VEB Bleihütte und 1961 der VEB Bergbau und Hüttenkombinat Albert Funk gegründet, aus dem 1990 die SAXONIA AG Metallhütten- und Verarbeitungswerke Freiberg hervorgegangen sind.
Eingemeindungen Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung ConradsdorfStatistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen 1. März 1994 ErlichtGemeinde- und Ortsverzeichnis für das Königreich Sachsen, 1904, Herausgeber: Statistische Bureau des königlichen Ministeriums des Inneren vor 1875 Eingemeindung nach Herrndorf FalkenbergGemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches BundesamtVerzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden und Nachweis über die Aufgliederung der selbständigen Gutsbezirke und Staatsforstreviere, 1952, Herausgeber: Ministerium des Innern des Landes Sachsen 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Conradsdorf Hals, Gutsbezirk um 1922 Herrndorf 1. April 1948 Eingemeindung nach Hetzdorf Hetzdorf 1. März 1994 Eingemeindung nach Niederschöna Hutha vor 1875 Eingemeindung nach Herrndorf Krummenhennersdorf 1. März 1994 Krummenhennersdorf, Gutsbezirk um 1922 Eingemeindung nach Krummenhennersdorf Neubau, Gutsbezirk um 1922 Niederschöna 1. Januar 2006 Niederschöna, Gutsbezirk um 1922 Eingemeindung nach Niederschöna Oberschaar (mit Haida) 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Niederschöna Oberschaar, Gutsbezirk um 1922 Eingemeindung nach Oberschaar Sand (mit Grüneburg)Das Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943 1. September 1933 Tuttendorf 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Conradsdorf Wüsthetzdorf 1. Januar 1887 Eingemeindung nach Hetzdorf
Einwohnerentwicklung Stand jeweils 31. Dezembervgl. : 1786 bis 1925 1786: 19 Häusler 1834: 1200 1871: 1568 1890: 1760 1910: 1414 1925: 13511939 bis 2000 1939: 2001 1946: 2353 1950: 2436 1964: 2941 1990: 1913 2000: 3760
Entwicklung der Einwohnerzahl ab 1982 (31. Dezember) mit Gebietsstand Januar 2007: 1982 bis 1988 1982: 6382 1983: 6331 1984: 6263 1985: 6216 1986: 6050 1987: 5974 1988: 59101989 bis 1995 1989: 5814 1990: 5697 1991: 5615 1992: 5567 1993: 5565 1994: 5571 1995: 56281996 bis 2002 1996: 5763 1997: 5840 1998: 5854 1999: 5883 2000: 5861 2001: 5783 2002: 57332003 bis 2013 2003: 5731 2004: 5655 2005: 5599 2006: 5572 2007: 5539 2012: 5263 2013: 5213
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen
1933 wurde Sand nach Halsbrücke eingemeindet. 1994 erfolgte der Zusammenschluss mit Conradsdorf und Krummenhennersdorf zur Landgemeinde Halsbrücke. Am 1. Januar 2006 erfolgte die Eingemeindung von Niederschöna, demzufolge die Gemeinde Niederschöna und deren Ortsteile Hetzdorf, Oberschaar, Haida und Erlicht Ortsteile der Gemeinde Halsbrücke wurden.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands
Gedenkstätten Grabstätten auf dem Friedhof des Ortsteiles Conradsdorf für vier unbekannte KZ-Häftlinge, die bei einem Todesmarsch der Außenlager Leipzig und Colditz des KZ Buchenwald im April 1945 von SS-Männern ermordet wurden.