Die Nordwest-Zeitung (NWZ) ist eine 1946 von Fritz Bock gegründete Regionalzeitung für das nordwestliche Niedersachsen, die täglich außer sonntags in Oldenburg erscheint. Sie wird herausgegeben von der Nordwest-Zeitung Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, einer Tochtergesellschaft der Nordwest Medien GmbH & Co. KG. Die NWZ erscheint im Berliner Format.
Die Nordwest Mediengruppe und damit auch die Nordwest-Zeitung wurden zum 1. Januar 2026 von der Madsack Mediengruppe übernommen.
Geschichte Der Zeitungsverleger Fritz Bock gründete im Jahr 1946 unter Lizenz der britischen Militärregierung eine der ersten Regionalzeitungen in Nordwest-Niedersachsen nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Am 26. April 1946 erschien die erste Ausgabe. Die Nordwest-Zeitung war über Jahrzehnte ein familiengeführtes Unternehmen der Familien KöserVgl. zum 1938 geborenen Verlagsgeschäftführer Köser, Reinhard. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 673. und von Bothmer; mit der Übernahme durch die Madsack Mediengruppe ab 2026 endete diese Phase der Unternehmensgeschichte.
Vor 1945 hatte Bock eine Schlüsselrolle in der oldenburgischen Presse inne: Seit 1916 war er Geschäftsführer der Oldenburger Nachrichten, der damals meistgelesenen Zeitung im Oldenburger Land, die sich bereits früh offen an die Seite der Nationalsozialisten stellte. Unter seiner Leitung lobte das Blatt Adolf Hitler in den frühen 1930er Jahren in Überschriften und Berichten und trug mit der parteinahen Berichterstattung zum Aufstieg der NSDAP im Land Oldenburg bei.
Im Jahre 1933 blieb die Zeitung als linientreues Organ bestehen, Bock wurde zum „Verlagsdirektor“ befördert und führte das Haus im Krieg zeitweise faktisch allein; am 1. März 1940 trat er der NSDAP (Mitgliedsnummer 7513982) bei. Die Oldenburger Nachrichten veröffentlichten fortan antisemitische Hetze und Kriegspropaganda, befürworteten wiederholt Hinrichtungen und führten 1939 die Kriegsbeilage „Der Waffenträger“ ein. Entgegen späteren Darstellungen wurde die Zeitung 1943 nicht „verboten“, sondern aus Materialmangel mit dem örtlichen NSDAP-Blatt zusammengelegt, was die Redaktion als Beitrag „für Führer, Volk und Reich“ rechtfertigte.
Ab 1945 arbeitete Bock für die britische Besatzungsmacht und erhielt 1946 gemeinsam mit dem Journalisten Joachim Pabst die Lizenz zur Gründung der Nordwest-Zeitung; Pabst war Mitglied des Kultur-Entnazifizierungsausschusses, was zeitgenössische Entscheidungen der Militärregierung mit erklären könnte. Die junge NWZ nutzte zunächst die Gebäude der Oldenburger Nachrichten; kurz vor Bocks Tod 1954 übernahm sie die wiedergegründeten Oldenburger Nachrichten, deren Name seither im Zeitungskopf der NWZ fortgeführt wird.
Die unternehmenseigene Erinnerungskultur stellte Bock über Jahrzehnte hinweg als „unbelastet“ und als Förderer demokratischer Werte dar; teils wurde ihm sogar die Hilfe für jüdische Familien bei der Ausreise in die USA zugeschrieben, ohne dafür Belege vorzulegen.
In den 1950er Jahren begann die Nordwest-Zeitung eine Kooperation mit der Ostfriesen-Zeitung und weihte unterdessen das neue Verlagsgebäude in Oldenburg ein.
Im Oktober 1969 wurde die Anzeigenkooperation Zeitungsregion Nordwest gegründet. Dieser Kooperation gehören heute sieben Verlage mit zehn Titeln an. Die täglich verkaufte Auflage lag bei der letzten veröffentlichten Angabe im 4. Quartal 2019 bei 242.248 Exemplaren.Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu.
mini|Das Medienhaus der Nordwest-Zeitung in Oldenburg. Wie auch andere Verlage entwickelte sich das Unternehmen in den 1970er und 1980er Jahren vor allem im technischen Bereich stark. So begann man 1971 mit der Einführung der elektronischen Datenverarbeitung sowohl im technischen als auch im kommerziellen Bereich. 1977 erfolgte die Umstellung vom Bleisatz auf den Fotosatz und 2002 auf den Computersatz.
mini|Innenaufnahme der Produktionshallen der NWZ-Tochtergesellschaft WE-Druck, in denen die Nordwest-Zeitung gedruckt wird. Am 2. Januar 1981 gründete das Unternehmen die Schwestergesellschaft WE-Druck GmbH & Co. KG. Vom Moment der Gründung an wurde neben dem Druck der Lokalausgaben auch der Mantelseiten-Druck für kooperierende Zeitungen vorbereitet. Am 11. April 1983 schließlich wurde die erste Ausgabe der Nordwest-Zeitung durch WE-Druck herausgebracht.
Anfang August 1993 gründete die Nordwest-MedienGmbH & Co. KG die NWZ-Zustellgesellschaft mbH & Co. KG; Abonnenten wurden nun im Kerngebiet ausschließlich durch die neu gegründete Gesellschaft beliefert.
Ende der 1990er Jahre wurde die NWZ Holding gegründet, mit der sich die Nordwest-Zeitung neben dem Tagesgeschäft seitdem als Gesellschafter an Rundfunk- und Fernsehsendern sowie kleineren Lokalzeitungen aus Nordwestdeutschland beteiligt.
Am 12. April 2007 startete der IPTV-Ableger NWZ TV in einer Kooperation mit der Film- und Fernsehen Agentur Deichblick aus Bremen. Mit diesem Dienst stieg die Nordwest-Zeitung aktiv in den Markt der lokalen Fernsehberichterstattung ein. Die Inhalte wurden im Crossmedia-Verfahren sowohl im Bereich Fernsehen und Online als auch in den jeweiligen Printmedien des Unternehmens verbreitet.
Im Jahre 2009 begann die NWZ zur Verbreiterung des Geschäftsfeldes mit Investitionen in Online-Start-up-Unternehmen. Erste Akquisitionen waren Minderheitenanteile an der Partnerbörse Fischkopf, dem Berliner Lead-Generation-Unternehmen Käuferportal und beim 360°-Panorama-Dienstleister Panolife sowie der Einstieg beim Bezirksfußballportal Snoa, das 2013 verkauft wurde.
In der Folge erwarb die NWZ weitere Beteiligungen im Online-Bereich, vor allem an jungen Online-Start-ups. Dazu gehören oder gehörten der Rubrikenportalanbieter VRS-Media, der Internetvermarkter Clipkit und das Performance-Werbenetzwerk Plista, das Ende 2013 erfolgreich an den britischen Werbedienstleister WPP verkauft wurde.
Ende 2010 wurde die NWZ Digital zur Bündelung der Aktivitäten im Online-Beteiligungsbereich gegründet. 2011 und 2012 folgten weitere Beteiligungen an jungen Online-Unternehmen: die Online-Marktingfirma Adnord.media, der Location Based Service-Anbieter Servtag, die Gutscheinplattformen QP media und Affiliprint, der Branchenbuchdienst Digitale Seiten und der Online-Mess-Software Dienstleister Meetrics. Es folgten Beteiligungen an den Stuttgarter RegioHelden, den Hamburger Start-ups Finanzcheck und Happy-Car sowie der Jobbörse Kimeta, der Shoppingplattform Simply Local, AX Semantics, einem Dienstleister für automatisierte Textgenerierung und der Shoppingplattform LocaFox.Übersicht auf der Website der Beteiligungsgesellschaft NWZ Digital.
Am 26. April 2016 feierte der Verlag sein 70. Jubiläum seit dem Erscheinen der ersten Ausgabe der Nordwest-Zeitung. Zu diesem Anlass wurde an den darauf folgenden 70 Erscheinungstagen der Zeitung jeweils eine Titelseite der vergangenen 70 Jahre neu abgedruckt und mit einer zugehörigen Chronik aus dem Oldenburger Land redaktionell begleitet.70 Jahre NWZ – 70 Tage Blick zurück, NWZonline.de. Abgerufen am 16. August 2016. Im gleichen Jahr feierte der Online-Ableger der NWZ, der durchweg sowohl als NWZonline.de als auch als NWZonline geschrieben wird, 20-jähriges Bestehen.Keine Bildschirmschoner! – 20 Jahre NWZ im Überblick, Atavist.com. Abgerufen am 16. August 2016.
Im Juli 2019 begannen die Erdarbeiten für ein neues VerlagsgebäudeNWZonline.de: Neues Verlagsgebäude. Abgerufen am 18. Juli 2019. neben der Druckerei der NWZ in Etzhorn. Am 30. September 2019 folgte die Grundsteinlegung.NWZonline.de: NWZ zieht 2020 in Neubau. Abgerufen am 15. April 2021. Zum 2. Oktober 2020 zogen alle Mitarbeiter aus dem alten Verlagsgebäude in der Peterstraße in die Wilhelmshavener Heerstraße. Die Zeitung erscheint im Berliner Format.
Verbreitung Lokalausgaben Das Kernverbreitungsgebiet der NWZ umfasst im Wesentlichen die niedersächsischen Kreise des Oldenburger Landes: die Stadt Oldenburg sowie die Landkreise Cloppenburg, Vechta, Oldenburg, Ammerland, Wesermarsch, Wittmund und Friesland. Mehrere verschiedene Lokalausgaben berichten über die Regionen: Die Oldenburger Nachrichten, die Oldenburger Kreiszeitung (mit Zeitung für Ganderkesee), die Ammerländer Nachrichten, die Wesermarsch-Zeitung, Der Münsterländer, die Kreiszeitung Friesland (als Jeverlandbote oder als Der Gemeinnützige) und seit 2022 der Anzeiger für Harlingerland in Jever und Wittmund.
Monopolist im Einzeitungskreis ist die NWZ in Oldenburg (Stadt) und dem Kreis Ammerland. In den anderen Gebieten tritt sie gegen örtliche Blätter an. Nach eigenen Angaben hat die Zeitung im Kerngebiet um Oldenburg einen Marktanteil von etwa 70 Prozent, im gesamten Verbreitungsgebiet von etwa 50 Prozent.
Mantelseiten Die NWZ beliefert auch andere Blätter mit den eigenen überregionalen Mantelseiten: Die Wilhelmshavener Zeitung sowie das Jeversche Wochenblatt. Es handelt sich bei Lokalausgaben und Mantelseiten jeweils um Kopfblätter.
Das Delmenhorster Kreisblatt in der kreisfreien Stadt Delmenhorst hat hingegen diese Zusammenarbeit 2005 gekündigt und sich dem Bremer Weser-Kurier als Mantelgeber zugewendet. Ähnlich verfuhren 2005 die Rheiderland-Zeitung in Weener sowie die Zeitungsgruppe Ostfriesland in Leer mit ihren Titel Ostfriesen-Zeitung und Ostfriesische Nachrichten in Aurich. Im April 2021 beendete auch der Ostfriesische Kurier aus Norden die Partnerschaft. Beide Verlage wechselten von der NWZ zur Neuen Osnabrücker Zeitung. Auch die Grafschafter Nachrichten sind aus der Kooperation mit der NWZ ausgeschert.
Auflage Tageszeitung Die Nordwest-Zeitung hat wie die meisten deutschen Tageszeitungen in den vergangenen Jahren an Auflage eingebüßt. Sie beträgt gegenwärtig Der Anteil der Abonnements an der verkauften Auflage liegt bei Prozent.
Digitale Ausgabe Für Desktop, Tabletcomputer und Smartphone bietet der Verlag parallel zur gedruckten Tageszeitung eine digitale Variante mit den entsprechenden Lokalausgaben an. Der Anteil der digitalen Ausgabe an der verkauften Gesamtauflage lag 2018 bei 14,9 Prozent.laut IVW, Print & ePaper, viertes Quartal 2018, Mo-Sa.
Digitales Archiv Seit Juli 2016 stellt die Nordwest-Zeitung im Internet ein vollständig digitalisiertes Zeitungsarchiv zur Verfügung. Enthalten sind alle Ausgaben seit der Gründung der Zeitung im April 1946. Laut Angabe des Verlags wurden mehr als 3,5 Millionen Zeitungsseiten eingescannt und sind dank Texterkennung im Volltext durchsuchbar.Mit der NWZ auf eine Zeitreise gehen Artikel auf NWZonline.de vom 22. Juli 2016. Abgerufen am 29. Juli 2016.
Organisation Der Verlag ist klassisch in Hauptabteilungen organisiert. Neben der Redaktion gibt es die operativen Bereiche Privatkunden sowie Geschäftskunden, den Bereich Personal und Recht und das Controlling. Aus dem Geschäftskundenbereich wurde 2010 die Abteilung Online herausgelöst; sie ist seitdem eigenständige Hauptabteilung.NWZonline.de – NWZ Mediengruppe stellt sich vor .
Der Betriebsrat der Nordwest-Zeitung ist mit Mitgliedern der Gewerkschaften Ver.di, Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union und Deutscher Journalisten-Verband besetzt und verantwortlich für die Mitarbeiter-Interessen der in den Verlag integrierten Gesellschaften.
2014 wurde im Verlag ein eigenständiges, bereichsübergreifendes Innovationsmanagement aufgesetzt. In Zusammenarbeit mit der Universität Bremen wurde eine gemeinschaftliche Lehrveranstaltung zum Innovationsprozess in der NWZ Mediengruppe angeboten.Universität Bremen – Lehrveranstaltungen WiSe 2015/2016 Liste der Lehrveranstaltungen Uni Bremen Winter-Semester 2015/2016. Abgerufen am 9. Juni 2016.
Zum 1. Januar 2026 wurde die Nordwest Mediengruppe (Nordwest-Zeitung Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG) mitsamt der Nordwest-Zeitung, dem Webangebot NWZonline, der Emder Zeitung und dem Anzeiger für Harlingerland von der Madsack Mediengruppe übernommen.
Beteiligungen und Kooperationen