Die Geschichte der Straßenbahn Nürnberg beginnt am 25. August 1881. Noch im selben Jahr wurde das Netz auch auf die Nachbarstadt Fürth ausgedehnt und so bürgerte sich bald der Name Nürnberg-Fürther Straßenbahn ein. Zunächst als privates Unternehmen gegründet, ging der Betrieb der Straßenbahn Nürnberg im Jahr 1903 mitsamt Streckennetz in den Besitz der Stadt Nürnberg über und wurde von ihr unter verschiedenen offiziellen Namen weitergeführt. Das Netz wuchs bis kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, verlor dann durch Kriegseinwirkung einen Teil der Streckenlänge, und wurde schließlich im Zuge des Baus der U-Bahn mehr und mehr verkürzt. Eine vollständige Einstellung der Straßenbahn konnte jedoch abgewendet werden und im 21. Jahrhundert wächst das Netz wieder. Seit der Einstellung des Straßenbahnverkehrs nach und in Fürth im Jahr 1981 sind die beiden Städte durch die U-Bahn miteinander verbunden, seit 2010 zusätzlich auch durch die S-Bahn Nürnberg. Der Name des Netzes wurde 1981 mit Ende des Verkehrs nach und in Fürth offiziell wie im Volksmund auf Straßenbahn Nürnberg geändert. Im Bezug auf die Zeit vor 1981 ist jedoch auch der alte Name nach wie vor in Gebrauch.
Allgemeine Geschichte Die Zeit der Pferdebahn mini|links|Karolinenstraße mit Pferdebahnen, um 1890 mini|Straßenbahnnetz 1896
Pläne für eine Straßenbahn in Nürnberg gehen bereits auf den 23. April 1864 zurück, als sich Theodor von Cramer-Klett in einer Eingabe an die Stadt Nürnberg wandte, um die Betriebserlaubnis für eine Pferdebahn zu erhalten. Zwar wurde am 20. Juni 1867 die Konzession für eine Linie Staatsbahnhof – Wöhrder Tor erteilt, doch verhinderten die Kriege von 1866 und 1870/71 deren Bau. Erst der Bewerbung des Bremer Kaufmanns Heinrich Alfes am 20. September 1879 war Erfolg beschieden, und so begannen am 11. Juli 1881 die Bauarbeiten für die erste Nürnberger Pferdebahnlinie Staatsbahnhof – Lorenzer Altstadt – Plärrer, die am 25. August 1881 feierlich eröffnet wurde.
Noch im selben Jahr wurde das Netz um die Strecken Staatsbahnhof – Maxfeld, Plärrer – Fürth Obstmarkt und Bauerngasse – Plärrer – Hallertor – Hauptmarkt – Laufer Tor erweitert. Die ersten Strecken waren alle eingleisig und mit Ausweichstellen angelegt. 1882 wurde neben den Streckenerweiterungen Lorenzkirche – St. Peter – Dutzendteich und Laufer Tor – St. Jobst am 15. Juni zum ersten Mal ein Fahrplan herausgegeben. Das Netz wuchs im Lauf der 1890er Jahre um die Strecken Fürth Obstmarkt – Fürth Theatergasse, Bauerngasse – Schlachthof, Staatsbahnhof – Sterntor – Tafelfeldstraße – Aufseßplatz und eine Verbindungsstrecke vom Plärrer zum Sterntor. Daneben wurden die Strecken nach der Stabilisierung des Betriebsergebnisses zweigleisig ausgebaut und 1891 erste Überlegungen zur Elektrifizierung des Netzes angestellt.
Elektrizität ist die Zukunft mini|links|Elektrischer Straßenbahntriebwagen am Königstor, um 1902 mini|Straßenbahnnetz 1903
Auf Grund der Vorteile des elektrischen Straßenbahnbetriebs durch höhere Geschwindigkeiten, bessere Beschleunigung, leistungsfähigere Bahnen, welche die Zugbildung – und damit mehr Platz für Fahrgäste – ermöglichten, sowie geringere Betriebskosten entschied die Nürnberg-Fürther Straßenbahn-Gesellschaft 1894, die „weiße Linie“ (Maxfeld – Hauptbahnhof – Plärrer – Fürth) auf elektrischen Betrieb umzurüsten. Die Ausführung wurde der Berliner AEG übertragen, die alle Anlagen auf eigene Rechnung bauen musste und diese beim Scheitern des Probebetriebs auch wieder entfernen sollte. Im Gegenzug wurde festgelegt, dass bei einem Erfolg das gesamte Netz von der AEG umgerüstet werden sollte. Die Probestrecke wurde am 2. Mai 1896 eröffnet. Nachdem sich die Technik bewährt hatte, wurde das restliche Netz bis zum 20. Juli 1898 elektrifiziert.
Mit bzw. nach der Einführung des elektrischen Betriebs wurden die letzten Neubaustrecken Maxfeld – Stadtpark, Fürth Theatergasse – Fürth Maxbrücke, Fürth Mathildenstraße – Fürth Holzstraße und Hallertor – Centralfriedhof unter Regie der privaten Nürnberg-Fürther Straßenbahn realisiert.
Die Straßenbahn in städtischer Hand mini|links|Strassenbahn-Anlehen der Stadt Nürnberg vom 27. Mai 1903 zur Finanzierung des Erwerbes der Nürnberg-Fürther Strassenbahn mini|Straßenbahnnetz 1914
Das Kapital der Straßenbahngesellschaft war durch die Umrüstung der Strecken auf elektrischen Betrieb gebunden, und so konnte sie die von der Stadt Nürnberg geforderten Netzerweiterungen in die 1899 eingemeindeten Vororte und die neu entstandenen Industrieansiedlungen nicht ausführen. Darum sah sich die Stadt gezwungen, eigene Überlegungen über neue Strecken anzustellen und beantragte bei der bayerischen Regierung die Lizenz zum Bau und Betrieb einer eigenen Straßenbahn, die sie 1902 erhielt. Dies wurde jedoch von der privaten Straßenbahngesellschaft nicht geduldet, und so verklagte sie die Stadt Nürnberg, führte aber gleichzeitig Verhandlungen zur Übernahme des Betriebs durch die Stadt. Am 6. Juni 1903 ging die Nürnberg-Fürther Straßenbahn mit Fahrzeugen, Gleisanlagen und Personal in den Besitz der Stadt Nürnberg über – damit war der Weg frei, das Stadtgebiet flächenmäßig mit der Straßenbahn zu erschließen. Das Gleisnetz wurde daraufhin bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs von 50 auf 127 km erweitert, jedoch wurde die Verbindung der Städte Nürnberg und Erlangen, die bereits 1907 angedacht war, bis heute nicht realisiert. Im 21. Jahrhundert werden Pläne dazu unter dem Namen Stadt-Umland-Bahn Nürnberg–Erlangen–Herzogenaurach wieder verfolgt. Am 22. April 1906 wurde das bisherige Schema der farbigen Liniensignale aufgegeben und alle Linien mit Nummern versehen.
Der Erste Weltkrieg stellte die Verkehrsbetriebe wegen des fehlenden Personals, das zum Kriegsdienst eingezogen worden war, vor Probleme. Diese wurden jedoch für damalige Verhältnisse unkonventionell gelöst, indem Frauen an die Stelle der Schaffner und später auch Fahrer traten. Trotz dieser Maßnahmen konnten Betriebseinschränkungen nicht gänzlich vermieden werden. Nach Kriegsende wurden die Frauen wieder entlassen, die vor dem Krieg nicht abgeschlossenen Baumaßnahmen beendet und der normale Betriebszustand wiederhergestellt.
Während der Inflationszeit gab die Gesellschaft ihr eigenes Notgeld heraus. Die ansprechend gestalteten Münzen zeigen regionale Motive. (englisch)
Schnellstraßenbahn und Omnibus Als die Ludwigseisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth im Jahr 1922 ihren Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen einstellen musste, pachtete die Nürnberg-Fürther Straßenbahn deren Gleiskörper und richtete auf ihm eine viergleisige Schnellstraßenbahnstrecke ein, die ab 10. September 1927 durch die neue Linie 31 bedient wurde. Diese Schnelllinie nutzte dabei das innere Gleispaar, um die regulären Züge zu überholen, und benötigte für eine Fahrt zwischen Plärrer und Fürth/Bahnhofstraße zwölf Minuten. (Zum Vergleich: die U1 benötigt für dieselbe Strecke heute elf Minuten) Zur besseren Unterscheidung gegenüber den normalen Straßenbahnlinien erhielt sie eine rote Liniennummer mit roter Schrift auf weißem Grund, was ihr den Namen Rote 31 einbrachte. Der Betrieb wurde jedoch mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 eingestellt.
Als Ergänzung zum Straßenbahnnetz richtete die Nürnberg-Fürther Straßenbahn am 15. Januar 1923 die erste Kraftomnibuslinie von Schweinau über Eibach und Reichelsdorf nach Mühlhof ein. Sie sollte ursprünglich der Vorlaufbetrieb für eine später zu errichtende Straßenbahnstrecke sein, da die eben erst eingemeindeten Stadtteile noch zu dünn besiedelt waren. Im Jahr 2023 beging die VAG ein Jubiläum „100 Jahre Bus in Nürnberg“ mit Bezug auf diese Strecke.https://www.vag.de/ihre-vag/projekte/100-jahre-bushttps://blog.vag.de/einblick/historische-busse-100-jahre-busbetrieb-erste-kraftwagen/ Bis 1929 entstanden 14 weitere Linien, deren weitere Entwicklung unter Stadtbus Nürnberg zu finden ist. Der Busverkehr wurde bald auch auf das benachbarte Erlangen ausgedehnt, was neben wirtschaftlichen Problemen ein weiterer Grund war, dass die Pläne aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg für eine Straßenbahnlinie auf dieser Relation nicht wieder aufgegriffen wurden.
Am 23. März 1925 wurde mit Einrichtung von vier neuen Straßenbahnlinien das System von einstelligen Stammlinien und zweistelligen Verstärkerlinien eingeführt. Die zweite Ziffer der Verstärkerlinien gab dabei die Zugehörigkeit zur Stammlinie an, so war z. B. die Linie 41 die (vierte) Verstärkerlinie der Linie 1. Aus diesem Schema fiel die Linie 21, die trotz ihrer Nummerierung als Verstärkerlinie als gleichberechtigte Stammlinie neben der Linie 1 nach Fürth fuhr, da beide Linien unterschiedliche Start- und Endpunkte aufwiesen. In diese Zeit fällt auch die mit 23 größte Anzahl an Straßenbahnlinien, die vom 20. Oktober 1929 bis 24. August 1930 im Netz der Nürnberg-Fürther Straßenbahn unterwegs war.
Zwischen 1933 und 1945 mini|Straßenbahnnetz 1939 mini|Liniennetzplan 1939
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde Nürnberg von Adolf Hitler zur „Stadt der Reichsparteitage“ ernannt. Dies hatte Konsequenzen für die Verkehrsbetriebe, mussten sie von da an doch für den Transport der Massen (beim Parteitag 1938 wurden an einem Tag über eine Million Menschen transportiert) zum Aufmarschgelände am Dutzendteich sorgen. Dafür wurden die Gleisanlagen an vielen Stellen umgebaut und erweitert, so wurden beispielsweise die Strecken entlang des Altstadtrings zum großen Teil in die Straßenmitte verlegt oder auf eigenem Gleiskörper trassiert sowie zahlreiche Schleifen und Hinterstellmöglichkeiten für Sonderwagen geschaffen. Die einzigen wirklichen Neubaustrecken entstanden nur in direkter Nähe zum Aufmarschgelände und der SS-Kaserne und bestanden aus den Unterpflasterstrecken im Zuge der heutigen Allersberger, Bayern-, Franken- und Münchener Straße, die am 4. September 1938 in Betrieb genommen wurden. Diese Strecken kann man durchaus als Vorläufer einer Unterpflasterstraßenbahn sehen, die damals dem störungsfreien Straßenbahnbetrieb dienten und ferner einen besseren Blick auf die neuerbaute SS-Unterkunft ermöglichte, den Hitler persönlich gewünscht hatte. Bis dahin war der Straßenbahnbetrieb immer wieder durch die Aufmarschkolonnen der SS unterbrochen worden. Anfänglich wurde eine Hochbahnstrecke gebaut, die kurz darauf aber wieder abgebrochen und durch die Unterpflasterstrecke ersetzt wurde. Durch diese Maßnahmen wuchs das Netz auf seine größte Ausdehnung von 73 km an.
Am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Wie schon im Ersten Weltkrieg musste der Straßenbahnbetrieb wegen der Einberufung des männlichen Dienstpersonals eingeschränkt werden und wie damals wurden die Stellen mit Frauen besetzt. Einige Verstärkerlinien und die Burgringlinie 5 wurden vorübergehend eingestellt, die Schnellstraßenbahn Rote 31 nahm ihren Betrieb im Anschluss nicht wieder auf. Im weiteren Kriegsverlauf wurden Hitlerjungen und Arbeitsmaiden verpflichtet und später Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter eingesetzt, um den Straßenbahnbetrieb aufrechtzuerhalten. Für zusätzliche Einschränkungen sorgten außerdem die erlassenen Verdunkelungsvorschriften. Durch das Reichsleistungsgesetz war Nürnberg verpflichtet, überzählige Fahrzeuge, die als Vorhalt für die Reichsparteitage in großem Maße vorhanden waren, an andere deutsche Städte oder Städte in besetzten Gebieten (u. a. nach Kattowitz, Krakau, Posen und Graz) abzugeben.
Ab 1943 war Nürnberg immer häufiger Ziel alliierter Luftangriffe, die immer wieder für kurze Betriebsunterbrechungen sorgten, die aber durch die Netzstruktur relativ gut kompensiert werden konnten. Der verheerende Luftangriff vom 2. Januar 1945 richtete so schwere Schäden an der Infrastruktur (Versorgung, Netz und Fahrzeuge) an, dass der Betrieb nur noch auf wenigen Abschnitten aufrechterhalten werden konnte. Mit dem Einmarsch amerikanischer Streitkräfte am 16. April 1945 in Nürnberg wurde der Betrieb auf dem letzten Abschnitt vom Plärrer nach Muggenhof eingestellt.