Das Schloss Kossenblatt war ein Herrenhaus und königlich-preußisches Jagdschloss und Sommerresidenz bzw. Refugium. Es befindet sich im Dorf Kossenblatt, Gemeinde Tauche, bei Beeskow im Landkreis Oder-Spree und galt, neben Schloss Königs Wusterhausen, als Lieblingsschloss des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. Es ist heute, wie die meiste Zeit seines 300-jährigen Bestehens, ein leerstehendes, verlassenes Schloss, für das nie ein dauerhaftes Nutzungsverhältnis gefunden wurde. Wirklich und tatsächlich bewohnt wurde es in seiner Geschichte nur von einer Person: Eleonore von Dönhoff von 1711–1726, die wohl auch den Bau veranlasst und vorangetrieben hat. Der Legende nach soll sie den Türkenschatz ihres Mannes dort versteckt haben und spukt dort als Weiße Frau umher.Jeanette Bederke: Endlich Glück für Schloss Kossenblatt? 300 Jahre Besitzerwechsel und Leerstand haben Schloss Kossenblatt zugesetzt. Nun soll es wiederbelebt werden. In: Potsdamer Neueste Nachrichten. 7. Mai 2016; abgerufen am 28. März 2024.

Geschichte Familie von Oppen 1581 erwarb der brandenburgische Oberkammerherr Georg von Oppen das alte Herrenhaus im Dorf Kossenblatt, dessen Name sich vom slawischen Cossinbloth herleitet und Krummensumpf bedeutet.Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Band 2: „Oderland“; Links der Spree: Auf dem Hohen-Barnim: „Schloss Kossenblatt“ Das alte Herrenhaus, von dem nur das Kellergewölbe als Teil des Amtshauses die Zeit überstand, verblieb mit dem zugehörigen Dorf Werder über drei Generationen im Besitz derer von Oppen.

Familie von Barfus und von Dönhoff 1699 erwarb Generalfeldmarschall Hans Albrecht von Barfus das bescheidene, auf einer Insel in der Spree gelegene Anwesen für eine Summe von 32.000 Talern und 100 Dukaten. Barfus wollte das kleine Herrenhaus einem größeren Umbau unterziehen. 1702 begann die Bauarbeiten. Der Baumeister ist nicht zu ermitteln, obwohl sich die Baupläne erhalten haben. Ein gewisser Baumeister van Spieren aus Haarlem (Holland) ist eine Erfindung aus dem Roman von Albert Emil Brachvogel: „Die Grafen Barfus, 1869“, ein Werk, das auch Fontane nutzte.1909 hat ein Heimatforscher namens Gotthardt, der seinen Vornamen nicht preisgab, im Kreis Kalender von Beeskow-Starkow dies behauptet. Einen Beleg dafür gab er nicht. Wegen der ungünstigen Lage auf der Grabholzinsel, einem von der Spree umflossenen Sumpf und des fehlenden Untergrundes am Flusslauf, musste das Fundament mit Baumstämmen verstärkt werden, was die Bauzeit in die Länge zog. Der Auftraggeber von Barfus starb am 27. Dezember 1704, so dass er sein Schloss nie bewohnen konnte. Er wurde an der Kossenblatter Dorfkirche beigesetzt. 1705 legte sein ältester Sohn Friedrich Otto den Grundstein für das Schloss.

mini|Die von Karl Friedrich Ludwig von Barfus errichtete Kirche im heutigen Kwitajny Die Witwe, Eleonore von Barfus, geborene von Dönhoff, ließ den Bau fortführen. Grundriss und Bauplan befinden sich heute im Märkischen Museum zu Berlin. Im Juni 1711 konnte die Gräfin, die bis dahin auf dem angrenzenden Gutshof gewohnt hatte, das Schloss beziehen. Der Bau wurde aber erst im folgenden Jahr 1712 fertiggestellt. Der Älteste ihrer drei Söhne, Friedrich Otto wurde 1694 geboren und wie sein Vater Soldat. 1707 studierte er an der Ritterakademie Brandenburg und widmete sich frühzeitig dem Kriegsdienst. 1715 war er Adjutant des Grafen Christoph von Dohna bei der Belagerung von Stralsund. 1716 wohnte er dem Feldzug gegen die Türken in Ungarn bei, wurde als Major bei einem Kürassier-Regiment in der Schlacht bei Belgrad schwer verwundet und starb am 3. September 1717 an diesen Verletzungen in Wien. Auch der zweite Sohn, Karl Friedrich, war 1707 Zögling der Ritterakademie in Brandenburg, wurde Offizier und starb jung. So erbte Karl Friedrich Ludwig (geb. 1700), der dritte Sohn, das Schloss. Dieser überlebte zwar die Mutter, wurde aber schon zu Lebzeiten von seiner Mutter bevormundet. Nach ihrem Tode leitete sein Onkel Alexander von Dönhoff den Verkauf der Barfus’schen Güter und des Schlosses ein, um die die Allodifikation der Dönhoffschen Güter in Ostpreußen zu bewirken. Dieser war der Adjutant des Königs und hatte den Verkauf von Kossenblatt an den König „geleitet und befördert“, um von diesem für die Barfus-Güter in Ostpreußen – gemeint ist das Gut Quittainen, das eigentlich Karl Friedrich gehört hätte – die Aufhebung der Lehnsherrschaft zu erreichen. Karl Friedrich Ludwig von Barfuß ließ dort im Zeitraum 1714–1719 in der Mitte des Dorfes unweit des Schlosses eine neue Kirche im barocken Stil errichten. Diese wurde im zeitlichen Wechsel sowohl von der evangelisch-reformierten als auch von der evangelisch-lutherischen Gemeinde genutzt und steht noch heute als katholische Kirche. Für den Neubau hatte er selbst ein Orgelwerk sowie die Turmuhr und die Glocke beschafft.H. F. Elsner: Einige historische Nachrichten von den Evangel. Reformirten und Simultan-Kirchen zu Samrodt und Quittainen im Ostpreußischen Oberlande, nebst einem Wort über Union. In: Preußische Provinzial-Blätter. Band 18, Königsberg 1837, S. 237 ff. Günter de Bruyn vermutet, dass Karl Friedrich Ludwig von der Mutter enterbt wurde. Aber dazu müsste die Mutter auch die Erblasserin sein, was außerhalb des üblichen Rechts gewesen wäre. Es kann auch sein, dass er unmündig blieb und der Onkel zum Vormund bestimmt wurde. Ebenfalls durchaus möglich ist, dass die Immobilie mit einem Hypothekenkredit belastet war, den der Erbe nicht auslösen konnte. Er wurde mit dem Gut Ragow bei Beeskow abgefunden, dass Friedrich Wilhelm I. am 5. Juli 1737 für 53.000 Taler gekauft hatte. Karl Friedrich von Barfuss hat dort die letzten fünf Jahre seines Lebens verbracht und starb dort kinderlos 1741. Die Umstände lassen zumindest vermuten, dass sich um diesen ein dunkles Familienkapitel rankt. Dass das Leben von Karl Friedrich die üblichen Bahnen verlassen hatte, kann man auch in dem Büchlein von Franz Wilhelm von Barfus-Falkenburg nachlesen, welches auch Fontane vorgelegen hat: Dort steht:

Laut den Kirchenbücher soll er in der Kossenblatter Gruft beigesetzt worden sein.Günter de Bruyn: Kossenblatt. Das vergessene Königsschloss. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2014, E-Book-Position 667. Die Mutter Eleonore von Barfus, sie wurde jedenfalls nicht an der Seite ihres Mannes in Kossenblatt bestattet, sondern nach Friedrichstein überführt. Der Legende nach soll sie kurz vor ihrem Ableben Anweisung gegeben haben, das gesamte Schlossinventar zu Ungunsten ihres Sohnes im Garten zu verbrennen.

Auszug aus der Wanderung durch die Mark Brandenburg Erst seine Witwe, Eleonore geborene Gräfin von Dönhoff, führte den Schlossbau glücklich aus. Sie war eine stolze Frau, und es geht die Sage, dass sie bemüht gewesen sei, ihrem einzigen überlebenden Sohne sein Erbe nach Möglichkeit zu schädigen und zu schmälern. Sie ließ zu diesem Behuf einen holländischen Baumeister kommen, befahl ihm, unterhalb der Keller des Schlosses einen zweiten Keller zu graben und zu wölben, und tat dann alles hinein, was sie an Gold und Kostbarkeiten besaß. Danach gab sie Befehl, die Gruft in ihrer Gegenwart zu schließen und nahm dem Baumeister einen Eid ab, die Stelle niemandem zu verraten. Voll Zweifel aber, ob er den Eid auch halten werde, zog sie das Sichere vor und ließ ihn auf der Rückreise nach Holland aus dem Wege räumen. Der »Schatz«, so heißt es weiter, war nun glücklich beiseite gebracht, indessen die Bilder und Möbel waren noch da, die ganze Einrichtung eines reichen Schlosses. Auch das musste fort. Als sie fühlte, dass es mit ihr zum Letzten gehe, befahl sie, den gesamten Hausrat auf den Schlosshof zu tragen, und vergoldete Stühle und Tische, Spiegel und Konsolen, Diwans und Kommoden wurden nun zu einer Pyramide aufgetürmt. In einem Rollstuhl ließ sie sich dann an die Tür des Gartensaales fahren, gab Ordre, zwei Fackeln anzulegen, und starrte lang und befriedigt in die hoch aufschlagende Flamme. Sie fühlte das Feuer mehr, als dass sie es sah, denn die helle Mittagssonne stand über dem Schauspiel. Als alles niedergebrannt war, saß sie tot in ihrem Rollstuhl.Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Familie von Hohenzollern Friedrich Wilhelm I. 1736 erwarb König Friedrich Wilhelm I. das Schloss. Wie schon Schloss Königs Wusterhausen benutzte er dieses vornehmlich als Jagdschloss. Inwieweit die Initiative zum Kauf wirklich von Friedrich Wilhelm ausging, kann heute kaum mehr festgestellt werden.

Theodor Fontane berichtete wie folgt:

Tatsächlich fädelte der Bruder der Witwe, Alexander von Dönhoff, den Verkauf des Schlosses an König Friedrich Wilhelm I. ein. Die Hintergründe des Verkaufes mit dem bekanntermaßen sparsamen Soldatenkönig blieben bis heute unklar. Es kann aber von einer königlichen Vorteilsnahme ausgegangen werden. Fest steht, dass sich der König kaum für Schlösser interessiert hat.Als einziger preußischer Monarch hat er zeit seines Lebens – mit Ausnahme des Jagdschlosses Stern – nie selbst eines bauen lassen. Den Umbau des Königsberger Schlosses, den sein Vater eingeleitet hatte, ließ er bei seinem Regierungsantritt unterbinden, weshalb der Unfriedtbau unvollendet blieb. Das Schloss Charlottenburg ließ er lediglich im Winter beheizen, um Frostschäden vorzubeugen. Benutzt hat er das Lustschloss nie, die höfische Prachtentfaltung lehnte er ab. Daher bildet der Kauf des Schlosses Kossenblatt eine bemerkenswerte Ausnahme am Ende seines Lebens. Zu dieser Zeit war der nur 1,65 große Mann schon zweieinhalb Zentner schwer und kurzatmig. Sein Herz setzte zuweilen aus und die Wassersucht hatte ihn völlig aufgeschwemmt. Wahrscheinlich ging es den König mehr um den Erwerb des dazugehörigen Gutes. Dennoch hat er das Schloss nach seinem Geschmack herrichten lassen und auch zeitweilig genutzt.

Die Hofverwaltung ließ das Schloss gründlich reparieren und neu mit Mobiliar ausstatten. Der Grundbesitz wurde von der Hofkammer an Otto von Dietrich Schönholz auf Fürstenwalde verpachtet. Friedrich Wilhelm I. ließ rechts und links vom Reitstall zwei Pavillons errichten. Ferner ließ er 1736 eine neue Kanzel in die Kirche einbauen und sie um eine polygonale Sakristei im Osten erweitern. Der König hielt sich 1736, 1737 und 1738 mehrere Wochen in Kossenblatt auf, zuletzt im Jahr 1739, allerdings nur für 48 Stunden.

Bilder Friedrich Wilhelms

Neben der Jagd und dem Kurieren seines Gichtleidens und der Wassersucht gab sich König Friedrich Wilhelm I. in Kossenblatt der Malerei hin. Er fertigte um die 40 Porträtbilder an, die er mit zumeist dem Vermerk versah: „FRIDERICVS WILHELMVS in tormentis pinxit“, was bedeutet: „Friedricus Wilhelmus hat dieses in Schmerzen gemalt“. Einer adligen Dame übersandte er eines seiner stets mit weißer Schrift signierten Bilder mit den Worten: „Hier hat sich auch ein gewisser Kleck Mahler gefunden, von dessen Arbeit ich Euer Liebden eine Probe schicke.“ Überliefert ist, dass der König Helfer hatte, und zwar solche, die ihm die Farben anrührten, und solche, die ihm ein wenig zur Hand gingen. So zeichneten Künstler Umrisse, die Friedrich Wilhelm I. kolorierte. Dem Hofmaler Antoine Pesne wurde nachgesagt, diesem in kurzer Zeit zu Fortschritten verholfen zu haben. Lange Kerls aus seiner Riesengarde malte der Monarch „sehr ähnlich“ nach dem Gedächtnis, wie ein Zeitgenosse beobachtete. Gelegentlich hat er sich malend über Untergebene lustig gemacht, etwa als er den zum Hofnarren herabgewürdigten Akademiepräsidenten Jacob Paul von Gundling mit „Ohren eines vierfüßigen Tieres“ schmückte, wobei ein Hase als Symbol für sprichwörtliche Angst und Hasenfüßigkeit gemeint war.

Bei Fontanes Besuch im Schloss 1842 waren die meisten Bilder noch vorhanden oder waren aus dem Schloss Königs Wusterhausen wieder dorthin gebracht worden. Im Staats- und Empfangszimmer des Schlosses, das für Fontane das Eckzimmer des linken Flügels war, konnte er davon noch eine ganze Reihe in Augenschein nehmen:

Sonstige Aktivitäten des Königs