mini|Canon F-1 mit FD 1,2/55 mm miniatur|Canon F-1 Baujahr 1979 Canon F-1 bezeichnete die professionelle Kleinbild-Spiegelreflexkamera von Canon in den 1970er und 1980er Jahren. Sie hatte keinen Vorgänger, dem ersten Modell folgte die vollkommen neu konstruierte New F-1 und sie wurde von der Canon EOS-1 abgelöst. Die F-1 gehörte zur F-Serie und mit ihr kam auch das Canon FD-Bajonett heraus, die New F-1 war mit keiner anderen Canon-Kamera verwandt.

F-1 miniatur|Die drei „olympischen“ Modelle: F-1 Montreal 1976, F-1 Lake Pacid 1980 und New F-1 Los Angeles 1984 miniatur|Canon F-1 mit Motor Drive MF und FD 55mm f/1,2 Asperical

Zeitraum und Einordnung Die F-1 erschien nach fünfjähriger Entwicklungszeit im März 1970. Sie war die erste professionelle Spiegelreflex-Kamera von Canon. Von einem solchen Kamerasystem erwartete man seinerzeit folgende Eigenschaften: Stabile Konstruktion Ansetzbaren Motorantrieb s Belichtungszeit Wechselsucher Ansetzbares Langfilmmagazin All diese Eigenschaften trafen auf die F-1 zu. Damit sollte sie insbesondere eine Alternative zur Nikon F darstellen. Canon konnte mit der F-1 zwar noch nicht allzu sehr in den Profimarkt eindringen, aber mit einem zunehmend besseren Service und einigen technisch überlegenen Details, darunter insbesondere die beiden Teleobjektiven FD 300mm f2.8 S.S.C. Fluorite und FD 500mm f4.5 L mit ihren Linsen aus Calciumfluorid schon einmal Fuß fassen. Bis zum Erscheinen der Nikon F2 1971 handelte es sich überdies um die modernste professionelle Kamera. Canon produzierte 380.000 F-1.

Gehäuse Die F-1 hatte wie die später erschienene EF ein etwas breiteres Aluminiumgehäuse als die übrigen Vertreter der F-Serie, zu der sie gehörte. Den mit der Canon Pellix eingeführten kombinierten Abblend- und Selbstauslöserhebel gab es auch an ihr. Wie man es von einer professionellen Kamera erwartete, gab es die F-1 nur in Schwarz.

Sucher Prismensucher Ausgeliefert wurde die F-1 mit einem Prismensucher, der die Kamera recht kompakt hielt. Servo-Sucher EE Mit dem Servo-Sucher EE verwandelte sich die F-1 in einen Blendenautomaten. Die Bezeichnung EE bedeutete Electronic Eye und war auch bei anderen Herstellern für eine vollautomatische Belichtungssteuerung üblich. Der Sucher überragte dazu das Zeiteneinstellrad der Kamera und besaß ein eigenes Rad, dessen Stellung auf die Kamera übertragen wurde. Die Elektronik des Suchers umfasste 19 Transistoren. Sie ermittelte zur eingestellten Zeit die passende Blende und übertrug diese mit einem Servomotor auf das Objektiv. Dazu musste nach dem Ansetzen des Suchers noch ein Gestänge zum Bajonettsockel installiert werden. Der Messbereich reichte bei ISO 100/21° von f/1,2 bei s bis f/11 bei s. Dem Servosucher fehlte das Batteriefach, er musste durch ein Spiralkabel entweder mit der Stromversorgung des Motorantriebs verbunden werden, oder aber mit dem Batteriepaket für 8 oder dem für 10 Mignonzellen, die entsprechend voluminös ausfielen. Da der Sucher ebenfalls recht groß ausfiel, wurde die F-1 recht unhandlich, zumal das Verschlusszeitenrad unergonomisch hoch lag. So lag der Haupteinsatzgebiet des Servosuchers im fernbedienten oder zeitgesteuerten Auslösen der Kamera etwa für wissenschaftliche Dokumentationen mit dem Langfilmmagazin. Auf diesen Verwendungszweck wies die Gebrauchsanweisung ausdrücklich hin. Verstärkersucher T Canon verfolgte mit der F-1 das Konzept eines separaten Messverstärkers für Nachtaufnahmen, wie es vom Canon Booster bekannt war. Im Gegensatz zu diesem hatte der Zusatz hier aber seine eigenen CdS-Zellen, so dass es sich um einen kompletten Prismensucher handelte. Wie der Servosucher EE hatte auch der Verstärkersucher T ein eigenes Zeiteinstellrad, überdies gab es einen eigenen Auslöser. Das Zeiteinstellrad war zweigeteilt in die orangefarbenen beschriftete Zeiten vom s bis 3 s und in weißfarbenen beschrifteten Zeiten von 1 s bis 60 s. Zeiten aus dem weißfarbenen Bereich wurden auf das Einstellrad der Kamera übertragen, der Auslöser wirkte direkt auf den Kameraauslöser und es kam das Belichtungsmesswerk der Kamera zum Einsatz. Zeiten aus dem orangefarbenen Bereich stellten die Kamera auf B und die Sucherelektronik hielt den Kameraauslöser beim Auslösen so lange gedrückt, bis die gewählte Zeit abgelaufen war. Außerdem wurde das Messwerk des Suchers mit seinem Messverstärker aktiviert. Der Messbereich für den orangefarbenen Bereich reichte bei ISO 100/21° von s bei f/22 bis 15 s bei f/1,2, Die Filmempfindlichkeit konnte von ISO 25/15° bis ISO 12800/42° eingestellt werden. Der Verstärkersucher hatte eine eigene 6-V-Batterie, für den Betrieb bei großer Kälte konnte aber auch mit einem speziellen 6-V-Kabel das 12-V-Magazin angeschlossen werden. Lichtschachtsucher Zum Standardzubehör für eine Kamera mit auswechselbarem Sucher gehörte ein Lichtschachtsucher, den es auch für die F-1 gab. Er zeigte wie üblich ein seitenverkehrtes Bild und war mit einer ausklappbaren Lupe mit fünffacher Vergrößerung ausgerüstet. Dieser Sucher erlaubte keine Belichtungsmessung, weswegen er sich vorzugsweise für Studioaufnahmen eignete. Sportsucher Der Sportsucher ermöglicht es, bei 6 cm Augenabstand noch das gesamte Bild mitsamt den Anzeigen zu überblicken. Dies war für Brillenträger und dann interessant, wenn mit Schutzbrille fotografiert werden musste. Sein Einblick konnte von oben auf hinten gedreht werden Chimney Sucher CPP-1 Dieser spezielle Sucher wurde ausschließlich mit der F-R Modifikation für opthalmalogische Zwecke verwendet.

Einstellscheiben Die Einstellscheibe der F-1 ließ sich nach Abnehmen des Sucher herausnehmen. Es gab folgende Scheiben, wobei der Typ A zum Serienumfang gehörte. Das etwas dunklere Rechteck zeigt den Messbereich der Selektivmessung.

Mattscheiben Typ Sucherbild Fokussierhilfe A frameless|hochkant=0.7 Mikroprismenring B frameless|hochkant=0.7 Schnittbildindikator C frameless|hochkant=0.7 Vollmattscheibe D frameless|hochkant=0.7 Gittermattscheibe E frameless|hochkant=0.7 Mikroprismenring mit Schnittbildindikator F frameless|hochkant=0.7 Mikroprismenraster für lichtstarke Objektive G frameless|hochkant=0.7 Mikroprismenraster für lichtschwache Objektive H frameless|hochkant=0.7 Messskalenkreuz I frameless|hochkant=0.7 Doppelfadenkreuz

Belichtungsmessung Zur Messung leitete die Kamera über einen teildurchlässigen Spiegel etwa 12 % aus der Bildmitte auf die Fotosensoren, so dass dieser rechteckige Messbereich auf der Einstellscheibe im Sucher etwas dunkler erschien. Solch eine Selektivmessung gab es bei Nikon nicht, sie war ein häufiger Grund, wenn die Wahl auf Canon fiel. Die Messung ging im Falle des Standard- oder Sportsuchers mit einer Nachführmessung vonstatten, bei der wie gewohnt zwei Zeiger am Bildrand zur Deckung gebracht werden mussten.

Verschluss Die F-1 besaß einen horizontal ablaufenden Metall-Schlitzverschluss mit s als kürzeste Verschluss- und s als kürzeste Blitzsynchronzeit. Aus Erprobungen wusste Canon, dass 100.000 Auslösungen ohne Probleme erreichbar waren.olypedia.de, Canon F-1, mit Verweis auf Einführung in die Canon F-1, Canon Inc., Tokyo (1972), abgerufen am 21. November 2020.

Rückwand Die Rückwand der F-1 ließ sich gegen ein Langfilmmagazin oder ein Rückteil für Dateneinbelichtungen tauschen: Langfilmmagazin 250 Das Langfilmmagazin 250 nahm einen 10 m langen 35-mm-Film auf und ermöglichte damit 250 Aufnahmen. Zu seinem Lieferumfang gehörten zwei spezielle Kassetten, die in der Dunkelkammer befüllt wurden. Dies ging auch ohne Hilfsmittel, dafür war aber das Filmladegerät 250 vorgesehen, welches ein Einstellrad besaß, mit dem man die gewünschte Filmlänge in Schritten von 10 Bildern einstellen konnte. Dann ging das Umspulen mit einer Handkurbel vonstatten. Das Langfilmmagazin besaß einen eingebauten Motor, der über Kontakte, also ohne Kabel, vom Motor Drive mit Strom versorgt wurde. Grundsätzlich konnte man den Film aber auch mit dem Schnellspannhebel an der Kamera transportieren und das transportierte Stück manuell am Langfilmmagazin aufwickeln. Data Back F Das auf der Photokina 1978 vorgestellte Datenrückteil entsprach bis auf die Abmessungen dem Canon Data Back A, es musste also an den Mittelkontakt der Kamera angeschlossen werden und besaß eine 6-V-Batterie zur Stromversorgung. Polaroid-Magazin Es ließen sich auch die Polaroidmagazine NPC (Forscher), CR-PC, CR-PC1 und CR-PB anschließen.

Filmtransport An jede F-1 konnte nach Abnehmen der Bodenplatte ein motorischer Filmtransport (Motorantrieb) angeschlossen werden. Dies war ungewöhnlich, da bei anderen Herstellern noch häufig spezielle Ausführungen für den motorischen Filmtransport existierten, beispielsweise die Minolta XM oder die Asahi Pentax K2. Motor Drive Unit (MD) Zunächst gab es mit dem MD nur einen ziemlich unhandlichen Antrieb. Er bestand aus einem Anbau unterhalb der Kamera, aus dem seitlich ein langer runder Handgriff nach unten herausragte, in welchem der Elektromotor untergebracht war. Die Stromversorgung bestand aus einem separaten 15-V-Batteriemagazin und dem Spiralkabel MD. Alternativ konnte das Batterieteil D mit einem speziellen Klemmschuh auf die Bodenplatte des Motorteils aufgeschoben werden. Die Batterieprüfung ging noch mit einem externen Gerät vonstatten. Der MD eignete sich vorzugsweise für den Stativeinsatz, weniger für das Fotografieren aus der Hand. Er erreichte eine Bildfrequenz von 3/s und besaß einen eingebauten Timer, der sich an der Unterseite des Handgriffs für Intervallaufnahmen von 0,5 s bis 60 s. einstellen ließ. Mit Erscheinen des Typs MF hatte er keine Bedeutung mehr und verschwand wieder aus dem Programm. Schnellschusskamera Eine Besonderheit stellt die im September 1972 auf der Photokina Köln vorgestellte „Schnellschusskamera“ F-1 mit vier bis neun Bildern pro Sekunde dar, die einen Membranspiegel besitzt, der nicht hochschwingt, weil er als teildurchlässiger Spiegel ausgeführt ist. Dadurch kann der Fotograf ein bewegtes Objekt stets im Sucher behalten. Die Kamera kostete seinerzeit rund 3000 DM und wurde nur auf Bestellung an professionelle Fotografen geliefert. Motor Drive MF 1973 kam ein Antrieb mit modernem Aussehen hinzu, der das Kameragehäuse nach unten verlängerte und einen Handgriff mit Auslöser und Batterieprüftaste besaß. Diesen Handgriff konnte man von der Motoreinheit abkoppeln, mit dem Spiralkabel MF verbinden und so von der Kamera getrennt auslösen. Der MF erreichte eine Aufnahmefrequenz von 3,5/s und konnte auch via Fernauslöser aktiviert werden. Darüber hinaus konnte der Timer L für Auslöseintervalle von 30 s bis 3 min angeschlossen werden. Power Winder F Zur Photokina 1978 erschien mit dem Power Winder F noch ein langsamer Antrieb für eine Aufnahmefrequenz von 2/s, der mit seinem integrierten Batteriefach ungefähr die Größe des Motordrive MF ohne Batteriefach hatte. An den Winder konnte ebenfalls ein Fernauslöser, aber kein Timer angeschlossen werden.

Stromversorgung Wie alle anderen Kameras der F-Serie arbeitete auch die F-1 mit dem alten 1,35 V Batterietyp PX 625. Sie benötigte davon eine Zelle. Der moderne Zellentyp 635 mit 1,5 V eignet sich nicht. Wie die übrigen Kameras der F-Serie benötigte auch die F-1 ihre Batterie ausschließlich für die Belichtungsmessung und Sucheranzeige; alles Übrige funktionierte auch ohne Stromversorgung.

Blitzen Wegen der auswechselbaren Sucher besaß die F-1 standardmäßig keinen Zubehörschuh. Man konnte aber einen Blitzschuh auf den Rückspulkurbelsockel aufschieben:

Blitzkuppler L Der Blitzkuppler L stellte einen Blitzschuh mit Kontakten für die CAT-Blitzautomatik zur Verfügung und besaß eine Lampe, welche die neben dem Sucherfenster befindlichen Zeiger des Belichtungsmessers beleuchtete. Beleuchtungsaufsatz F Der auf der Photokina 1978 vorgestellte Beleuchtungsaufsatz F stellte sozusagen einen halben Blitzkuppler L dar, handelte es sich doch um eine Leuchte ohne Blitzschuh. Blitzkoppler D