Der M1 Abrams ist ein amerikanischer Kampfpanzer, der ursprünglich für das US-Militär entwickelt und seit 1980 in Serie produziert wurde. Der Panzer löste dort den älteren M60 ab und wurde im Laufe seines Dienstes immer weiterentwickelt und modernisiert. Benannt wurde das Fahrzeug nach US-General Creighton W. Abrams.
Der M1 Abrams bildet das Rückgrat der Panzertruppen der USA, Ägyptens, Saudi-Arabiens, Kuwaits und Australiens. In den USA und Ägypten wurden insgesamt über 9000 Exemplare gebaut.Produktionszahlen, Abschnitt 16 Globalsecurity.org.
Geschichte Entwicklung Die US Army nutzte ab Beginn der 1960er Jahre den M60 als Hauptwaffensystem der Panzertruppe. Der M60 war keine Neuentwicklung, sondern war „hastig aus den Teilen zweier vorhergehender Panzer zusammengeschustert“ worden.Kevin C. Millspaugh: The M1 Abrams Tank. S. 21. James H. Polk, Oberbefehlshaber der US-Truppen in Europa von 1967 bis 1971, äußerte, der M60 werde „beim besten Willen nicht der beste Panzer auf dem europäischen Schlachtfeld“ sein. Hinzu kam die Tatsache, dass der Warschauer Pakt bei einem Angriff auf die Bundesrepublik Deutschland doppelt so viele Panzer einsetzen konnte wie die NATO-Staaten. Darum riefen 1963, nur vier Jahre nach der Indienststellung des M60, die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik das Projekt Kampfpanzer 70 ins Leben. Der damalige Verteidigungsminister Robert McNamara war der größte Befürworter des Projekts. Er war der Meinung, dass die NATO-Verbündeten durch das Teilen von Ideen und Kosten Waffen nicht nur besser und günstiger produzieren könnten, sondern diese auch einfacher und günstiger zu unterhalten wären, als wenn jede Nation einen eigenen Weg ginge.Kevin C. Millspaugh: The M1 Abrams Tank. S. 22. McNamara und die Army hatten jedoch unterschiedliche Vorstellungen von dem Projekt: McNamaras Vorstellungen waren politisch motiviert, während die der Army taktisch motiviert waren. McNamara wollte in erster Linie die Zusammenarbeit zwischen den Nationen der NATO-Mitglieder vorantreiben, um neue Waffen schneller entwickeln zu können. Die Army hingegen wollte lediglich einen neuen möglichst modernen Kampfpanzer. Trotz der starken Unterstützung schlug das Programm nach acht Jahren fehl. Hauptgrund waren die hohen Stückkosten des neuen Panzers. Ein Exemplar sollte zwischen 850.000 und einer Million US-Dollar kosten. Der US-Kongress stoppte das Projekt, nachdem etwa 250 Millionen Dollar an Forschungs- und Entwicklungskosten investiert worden waren.
mini|Ein Vorserienexemplar des M1 von der Seite, der wie die Prototypen ebenfalls als XM1 bezeichnet wurde. Im Dezember 1971, kurz nach dem Scheitern des Kampfpanzer-70-Projekts, wurde das XM1 Main Battle Tank Program ins Leben gerufen, um das Konzept für einen neuen Kampfpanzer als Nachfolger des M60 zu entwickeln. Die damit beauftragte Arbeitsgruppe hatte ein Budget von 217.500 US-Dollar und fünf Monate Zeit. Ihre Aufgabe war nicht, einen neuen Panzer zu entwickeln, sondern lediglich die Anforderungen an diesen festzulegen. Die primären Fragen dabei waren:
Wie viel sollte das Fahrzeug wiegen? Wie groß sollte die Besatzung sein? Wie sollte es bewaffnet sein?
Die Auflage des US-Kongresses bei der Evaluierung der Eigenschaften war, dass das Fahrzeug maximal 500.000 Dollar pro Stück kosten dürfte. Ein Großteil der Evaluierungsphase wurde auf die Gewichtsfrage verwendet. Letztendlich empfahl die Arbeitsgruppe ein Gewicht zwischen 46 und 52 t, eine Besatzung von vier Soldaten und eine 105-mm-Hauptbewaffnung.Kevin C. Millspaugh: The M1 Abrams Tank. S. 23 f. Die Arbeitsgruppe legte im August 1972 ihren Bericht vor. Dieser wurde sodann einer nochmaligen Prüfung durch die Army unterzogen, um überflüssige Eigenschaften zu eliminieren und somit die Kosten zu minimieren, die letztendlich zum Scheitern des Projektes Kampfpanzer 70 geführt hatten. Zu den weggefallenen Eigenschaften zählten unter anderem die Ladeautomatik, der Fahrerplatz im Turm und das hydropneumatische Fahrwerk. Damals herrschte allerdings noch Uneinigkeit über das zu realisierende Schutzniveau. Die offizielle Gewichtsobergrenze für das Fahrzeug betrug zu diesem Zeitpunkt 47,2 t bei gleichzeitig hohem Schutzniveau. Diese Auflagen schienen nur schwer erfüllbar zu sein. Viele hohe Offiziere der Panzertruppe, die an der Entwicklung beteiligt waren, sprachen sich für eine Reduzierung der Panzerung und damit des Gewichts aus, um die Beweglichkeit des Fahrzeugs zu erhalten. Andere wiederum befürworteten das hohe Schutzniveau trotz des damit einhergehenden hohen Gewichts. Die endgültige Entscheidung darüber wurde vom späteren Namensgeber Creighton Abrams gefällt, der ein hohes Schutzniveau für die wichtigste Eigenschaft eines Kampfpanzers hielt und gleichzeitig von der Verwendung der Chobham-Panzerung überzeugt war. Das aus diesen Überlegungen resultierende finale Konzept wurde im Januar 1973 vom stellvertretenden Verteidigungsminister Bill Clements bewilligt. Laut Konzeption sollte der Panzer die alternde M60-Flotte ersetzen und den angenommenen Bedrohungen des Jahres 1980 gewachsen sein. Die Leistungen des M60 sollten dabei in allen Bereichen übertroffen werden.Kevin C. Millspaugh: The M1 Abrams Tank. S. 24.
mini|Ein XM1 von vorne mini|Aufbaubeschreibung des M1 In der Folge wurde ein auf sieben Jahre angelegtes Entwicklungsprogramm gestartet, das drei Phasen hatte: In Phase 1 sollten die Prototypen von zwei Unternehmen verglichen werden. Dabei handelte es sich zum einen um die Chrysler Corporation (heute General Dynamics Land Systems), die schon den M60 entwickelt hatte, und zum anderen um die General Motors Tochter Detroit Diesel Allison Division. Beide Unternehmen sollten jeweils einen Fahrgestellprototyp für Fahrversuche, einen Turm und eine Wanne für Beschusstests sowie ein komplettes Exemplar liefern. Die Fertigstellung der Prototypen sollte im Februar 1976 erfolgen. Bei der Entwicklung der Prototypen hatten beide Unternehmen lediglich folgende Auflagen:
Ein Maximalgewicht von 58 t. Eine Maximalbreite von 3,66 m (144 Zoll), um das europäische Bahnverlademaß einzuhalten. Signifikante Verbesserung in allen Bereichen gegenüber dem M60. Die Verlässlichkeits-, Verfügbarkeits-, Wartungs- und Haltbarkeitsstandards der US-Army sollten eingehalten werden. Maximale Stückkosten von 507.790 US-Dollar.
Innerhalb dieser Grenzen konnten die beiden Unternehmen ihre eigenen Vorstellungen hinsichtlich Schutz, Beweglichkeit und Transportierbarkeit verwirklichen, um die Forderungen zu erfüllen.Kevin C. Millspaugh: The M1 Abrams Tank. S. 26 f.
Kurz nachdem das Projekt bewilligt worden war, schlossen die USA und die Bundesrepublik 1974 ein Memorandum of Understanding ab, in dem vereinbart wurde, dass die Army einen Prototyp des Leopard 2 testen sollte. Das Ziel war, eine größtmögliche Standardisierung zwischen beiden Fahrzeugen zu erzielen. FMC bekundete Interesse daran, den Leopard 2 für die US Army zu fertigen.Kevin C. Millspaugh: The M1 Abrams Tank. S. 25 f. Die Wahl der Panzerung stand ebenfalls zur Debatte. Anfang 1974 schlugen die USA eine Änderung des Leopard-Designs vor, um die Burlington-Verbundpanzerung zu übernehmen, über deren Existenz die Bundesrepublik bereits im März 1970 informiert worden war. Die Leopard-Prototypen hatten noch eine perforierte Panzerung. Die US Army stand im Sommer 1974 vor der Wahl, die deutsche Panzerung zu übernehmen oder an ihrer Burlington festzuhalten, welche jedoch verglichen mit Panzerstahl keinen Gewichtsvorteil gegenüber Wuchtgeschossen bot. Da sich kein Konsens entwickelte, entschied sich General Creighton Abrams für die Verwendung der Burlington.Kelly, Orr: King of the Killing Zone: The Story of the M-1, America's Super Tank. New York 1989, S. 121. Diese wurde vom Ballistic Research Laboratory zur „Chobham-Panzerung“ weiterentwickelt, welche speziell auf die Bedürfnisse des XM1 zugeschnitten wurde. Auf deutscher Seite wurde daraufhin 1974 eine eigene Verbundpanzerung entwickelt.Walter J. Spielberger: Von der Zugmaschine zum Leopard 2. München 1980, S. 230. Im Rahmen des Memorandum of Understanding sollte auch der Leopard 2 hinsichtlich seiner Eignung als neuer Kampfpanzer getestet werden. Während der Tests zeigte sich, dass dieses Fahrzeug alle Forderungen der Army erfüllte oder übertraf. Wegen des höheren Gewichts und des höheren Preises erfolgte jedoch keine Übernahme des Leopard 2 als Kampfpanzer. Stattdessen sollten möglichst viele Baugruppen der beiden Panzer identisch sein. Wesentliche Änderungen waren am Leopard 2 der Einbau des in Lizenz gefertigten Laserentfernungsmessers des US-Unternehmens Hughes, der gegenüber dem EMES 13 billiger und serienreif war, sowie die Verwendung des WBG-Grundgerätes von Texas Instruments für das Wärmebildgerät WBG-X von Zeiss. Der XM1 übernahm die Gleisketten des Leopard 2 und sollte langfristig mit der Rheinmetall 120-mm-Glattrohrkanone ausgerüstet werden. Der Technologietransfer dazu begann 1979.
Bei der Entwicklung der ersten Prototypen sahen sich Chrysler und General Motors aufgrund des gestiegenen Gewichts gegenüber dem M60 und den höheren Anforderungen an Höchstgeschwindigkeit und Beschleunigungsvermögen mit der Herausforderung konfrontiert, einen Motor zu entwickeln, der mindestens die doppelte Maximalleistung hatte wie der alte M60-Motor. Chrysler verwendete eine modifizierte Helikopter-Gasturbine, während General Motors einen konventionelleren Weg beschritt und einen neuen Dieselmotor mit variabler Kompression entwickelte.Kevin C. Millspaugh: The M1 Abrams Tank. S. 27 f. Die Versuche mit den Prototypen waren im Februar 1976 abgeschlossen. Die Panzer beider Unternehmen erfüllten alle Anforderungen und hatten Stärken und Schwächen in unterschiedlichen Bereichen. Im Juli wurde mit der britischen Regierung vereinbart, dass die bereits im M60 genutzte 105-mm-Kanone verwendet werden sollte. Dabei wurde festgehalten, dass das langfristige Ziel der Entwicklung die Ausrüstung mit einer 120-mm-Kanone war. Nach dieser ersten Testreihe sollte die Auswahl für eines der beiden Modelle erfolgen; Verteidigungsminister Donald Rumsfeld drängte jedoch darauf, bereits den Prototyp mit einer 120-mm-Kanone auszurüsten. Trotz der Proteste seitens der Army, die eine Einstellung des Projekts aufgrund der absehbaren Verzögerungen fürchtete, begannen beide Unternehmen, ihre Entwürfe entsprechend zu ändern. Die Türme wurden modifiziert, um sowohl die 105-mm-Kanone als auch die 120-mm-Kanone aufnehmen zu können. Letztendlich erfolgte die Bewaffnung mit der 105-mm-Kanone M68. Der Grund für die Ausstattung des Panzers mit der leistungsmäßig unterlegenen Waffe war, dass eine bewährte Kanone verwendet werden sollte.Kevin C. Millspaugh: The M1 Abrams Tank. S. 47. Chrysler bekam den Zuschlag für die Produktion, weil Chryslers Angebot für die Serienproduktion 36 Millionen Dollar preisgünstiger als das Angebot von General Motors war.
Die als Engineering and Manufacturing Development bezeichnete Phase 2 des Entwicklungsprogramms begann im November 1976. Während dieser Phase baute Chrysler elf Vorserienexemplare, die intensiv getestet wurden. Gleichzeitig wurde, zusätzlich zur bereits vorhandenen Fabrik in Detroit, mit Lima Army Tank Plant eine weitere Fertigungsstätte für Panzer in Lima (Ohio) errichtet. Auf diese Weise sollten bis zu 60 Panzer im Monat hergestellt werden können. Beide Einrichtungen waren Eigentum der Vereinigten Staaten, wurden aber von Chrysler betrieben und unterhalten, da das Unternehmen am besten mit den Produktionsprozessen vertraut war.Kevin C. Millspaugh: The M1 Abrams Tank. S. 28. mini|M1 Abrams auf einem Oshkosh M1070