miniatur|Saalhof vom Eisernen Steg aus mit Rententurm, Bernusbau und Burnitzbau (von links), März 2009 mini|Freier Blick auf den Saalhof während des Neubaues des Historischen Museums (2012) mini|Saalhof und neues Historisches Museum vom Maintower aus (2018) Der Saalhof – mit dem Rententurm, der ehemaligen Zollstelle, an seiner Westseite – ist das älteste erhaltene Bauwerk der Altstadt von Frankfurt am Main. Die Anfänge reichen bis zum Ende des 12. Jahrhunderts zurück, als im Zusammenhang mit der benachbarten älteren Königspfalz Frankfurt ein Wohnturm mit im Norden anschließendem zweigeschossigem Wohnbau errichtet wurde. Ab 1200 wurde der Wohnturm nach Osten durch einen Kapellenanbau erweitert.
Funktion und Verhältnis des Saalhofes zur älteren Königspfalz Frankfurt sind in der Forschung sehr umstritten.Fritz Arens: Der Saalhof zu Frankfurt und die Burg zu Babenhausen, zwei staufische Wehr- und Wohnbauten am Mittelrhein. In: Mainzer Zeitschrift 71/72 (1976/77), S. 1–56. Die Deutungen reichen von einem Ersatz (oder einer Ergänzung) der frühmittelalterlichen Pfalz durch eine kleine staufische Reichsburg bis hin zum Sitz eines abhängigen Reichsministerialen als örtlichem Vertreter des Königs. Ab 1333 war der Saalhof in der Hand des Frankfurter Patriziers Jakob Knoblauch, galt aber bis Ende des 17. Jahrhunderts noch als Reichslehen. Er diente während der Frankfurter Messen als Ausstellungshalle holländischer Tuchmacher. Zahlreiche spätere Umbauten folgten, darunter das zum Fahrtor gelegene Zoll- und Wachhaus, der Rententurm (1454–1456), der barocke Bernusbau (1715–1717) und der 1840–1842 im Stil der italienischen Romanik errichtete Burnitzbau. Nach der Zerstörung durch die Luftangriffe auf Frankfurt am Main 1944 wurden die zum Main hin gelegenen Bauten wieder errichtet. Auf dem dahinter gelegenen Gelände entstand Anfang der 1970er Jahre der Neubau des Historischen Museums.
Lage und Umgebung mini|Das Fahrtor wurde 1840 abgerissen mini|links|Bernusbau und Rententurm um 1760, vor der Aufschüttung des Mainufers
Der Saalhof erstreckt sich zwischen dem Fahrtor im Westen, dem Mainufer im Süden und dem Geistpförtchen im Osten. Seine Nordgrenze bildet die Saalgasse, die ihren Namen erst seit dem 17. Jahrhundert führt. Vorher hieß sie Heilig-Geist-Gasse nach dem 1840 abgerissenen alten Hospital zum Heiligen Geist. Von der ursprünglichen engen Bebauung an der Saalgasse und am Geistpförtchen ist durch die Kriegszerstörungen nichts geblieben.
Das Ufer vor dem Saalhof bildete vom Mittelalter bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Frankfurts wichtigsten Hafen. Auf dem flussaufwärts gelegenen Uferabschnitt wurde hauptsächlich Holz umgeschlagen, das mit Flößen vom Oberlauf des Mains herbeigeschafft wurde. Unterhalb des Saalhofes lag der Stapelplatz für Wein, der vor allem aus Franken oder dem Rheingau stammte. Auch das Mainzer Marktschiff, das täglich die Strecke nach Mainz und zurück befuhr, hatte hier seine Anlegestelle.
Nach der Aufschüttung und Verbreiterung des Ufers wurde der Mainkai zur wichtigen innerstädtischen Verkehrsachse. 1859 nahm die Städtische Verbindungsbahn ihren Betrieb auf, die bis 1913 eine wichtige Rolle im Personenverkehr spielte. Direkt vor dem Saalhof befand sich der Haltepunkt Frankfurt (Main) Fahrtor. Seit 1913 dient die Strecke als Hafenbahn vor allem dem Güterverkehr zwischen den Frankfurter Häfen. Lediglich 1945 nahm die Strecke für einige Monate wegen der Zerstörung der Mainbrücken nochmals eine Rolle im Personenverkehr wahr. An Wochenenden verkehren seit 1978 gelegentlich die Museumszüge der Historischen Eisenbahn Frankfurt.
Der Saalhof im Mittelalter mini|Der Saalhof in Fabers Belagerungsplan von 1552. Hinter der Palisade am Hafenkai der Rententurm. mini|Der Saalhof auf dem Merianplan von 1628 mini|Karte des Saalhofgeländes von 1861 mini|Grundrisse und Schnittbilder der Saalhofkapelle(die Angaben zur Datierung sind veraltet) Ende der karolingischen Pfalz Die Anfang des 9. Jahrhunderts entstandene Königspfalz Frankfurt auf dem Domhügel, westlich der Salvatorkirche, hatte etwa 200 Jahre lang den karolingischen und ottonischen Herrschern als eine der wichtigsten Residenzen gedient, bis ihr östlicher Trakt mit der Königshalle durch einen Brand zerstört wurde. Die Katastrophe wird in keiner zeitgenössischen Chronik erwähnt, so dass über die Umstände und den genauen Zeitpunkt nichts bekannt ist. Archäologische Befunde erlauben zumindest die Aussage, dass der Brand nach dem 10. Jahrhundert stattgefunden haben muss und danach wohl auch ein in seinem Umfang jedoch nicht gesicherter Wiederaufbau erfolgte.
König Heinrich II. hatte sich während seiner Regierungszeit zwischen Weihnachten 1002 und Weihnachten 1017 dreizehnmal in der Frankfurter Königspfalz aufgehalten. Für die nächsten 120 Jahre, die in die Epoche des Herrschergeschlechtes der Salier fallen, sind dagegen nur sehr wenige Herrscheraufenthalte in Frankfurt belegt: Im September 1027 berief sein Nachfolger, Kaiser Konrad II., eine Synode von 23 Bischöfen und 9 Äbten nach Frankfurt, die sich jedoch nicht in der Pfalz, sondern in der Salvatorkirche versammelten.
Sein Nachfolger Heinrich III. kam während seiner Regierungszeit nur einmal nach Frankfurt, und das nur zufällig: Auf der Reise nach Trebur erkrankte er im Oktober 1045 so schwer, dass er mehrere Wochen lang in Frankfurt verweilen musste. Bis in die Stauferzeit sind nur drei weitere Herrscherbesuche in Frankfurt urkundlich bezeugt, nämlich durch Heinrich IV. (1069) und Heinrich V. (1109 und 1112).
Die Salier suchten allerdings auch andere alte Königsorte vergleichsweise selten auf und verlagerten ihre Aufenthalte zunehmend in Bischofssitze. Somit ist es möglich, dass erst die ausbleibenden Besuche zu einer Vernachlässigung der Anlage und ihrem Verfall führten. Gegen eine frühe Aufgabe spricht auch die nach archäologischem Befund keinesfalls vollständige Zerstörung der Königspfalz durch den Brand und die Hinweise auf einen Wiederaufbau. Schließlich ist die seltene Anwesenheit von Herrschern kein direktes Argument für eine Zerstörung der Gebäude, vielmehr müssen sogar entsprechende Räumlichkeiten vorhanden gewesen sein, damit es überhaupt zu einem Herrscheraufenthalt kam.
Jüngere Publikationen entfernen sich daher zunehmend von einem quantitativ in der Literatur noch überwiegenden frühen Aufgabezeitpunkt der Pfalz im 11. Jahrhundert. Dies wird vor allem durch die Keramikforschung der letzten Jahrzehnte unterstützt, wonach die Keramik aus der Abbruchschicht der Pfalz nicht vor der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts hergestellt wurde.
Staufischer Neubau An einer wichtigen Lande- und Zollstelle in nächster Nähe einer Mainfurt wurde im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts ein burgartiges Anwesen errichtet, das sich um einen Wohnturm in der Südostecke gruppierte. Die geringen Ausmaße und das Fehlen eines Saalbaus weisen eher auf eine untergeordnete Nutzung hin, vielleicht als Sitz eines Reichsministerialen.Fritz Arens: Der Saalhof zu Frankfurt und die Burg zu Babenhausen, zwei staufische Wehr- und Wohnbauten am Mittelrhein. In: Mainzer Zeitschrift 71/72 (1976/77), S. 1–56. Siehe auch die Forschungsgeschichte zur Königspfalz Frankfurt.
Im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts gruppierten sich um die Frankfurter Königspfalz eine Anzahl von Burgen. Die Reichsdienstmannenburg Münzenberg (erbaut vielleicht etwa 1153 bis 1165)Die Datierung ist in der Forschung sehr umstritten und reicht bis zum letzten Jahrzehnt des 12. Jahrhunderts (so: Gerd Strickhausen: Burgen der Ludowinger in Thüringen, Hessen und dem Rheinland. Studien zu Architektur und Landesherrschaft im Hochmittelalter. Darmstadt and Marburg 1998). sperrte den nördlichen Zugang der Wetterau, die Reichsburg Gelnhausen (erbaut um 1170)Auch hier ist die Datierung in der Forschung umstritten. den nordöstlichen durch das Kinzigtal. Von Frankfurt bis zum nördlichen Vorposten, der Boyneburg, verlief eine Linie staufischer Macht gegen das welfische Herzogtum Sachsen. Auf Reichsdienstmannenburgen wie Büdingen, Babenhausen, Dreieichenhain, Reichsburgen wie Königstein, Kronberg, Glauberg gründete sich die staufische Herrschaft in diesem Gebiet. Auch ein Vorposten gegen den meist stauferfeindlichen Erzbischof von Mainz war mit der Burg in Frankfurt gewonnen.
Der Saalhof bestand aus einem von Ringmauern umgebenen Burghof von etwa 25 auf 30 Metern, an dessen Ostseite sich der zweistöckige Wohntrakt mit einem saalartigen Raum im Obergeschoss befand. Dieser Obergeschosssaal maß etwa 7,70 auf 8 Meter und war 5 Meter hoch. Ebenfalls im östlichen Bautrakt befand sich ein 18,50 Meter hoher dreistöckiger Wohnturm. Unter König Philipp von Schwaben wurde an der Ostseite des Turmes ab 1200 ein Kapellenbau angefügt, der um 1210 bis 1215 aufgestockt wurde. Dendrochronologische Untersuchungen erhaltener Holzbalken weisen ebenso wie der Stil der romanischen Kapitelle darauf hin, dass der Bau der Kapelle im Jahr 1200 begann.E. Mack: Von der Steinzeit zur Stauferzeit. Frankfurt 1994, S. 242. Als man Ende des 12. Jahrhunderts das Stadtgebiet erweiterte und mit einer neuen Mauer, der Staufenmauer, einfriedete, wurde auch der Saalhof in diese Verteidigungsanlage einbezogen. Zur Landseite hin wurde sie als 2,50 bis 3 Meter dicke Mauer aus Bruchsteinen errichtet, mit fortlaufender Bogenstellung im Inneren, mit Wehrgang und einem tiefen trockenen Graben. Am Mainufer diente die Burgmauer gleichzeitig als Stadtmauer. Im Hof befanden sich gemauerte Brunnen. Die gesamte Fläche betrug nicht mehr als 1560 Quadratmeter und war damit deutlich kleiner als vergleichbare Burgen in Büdingen oder Gelnhausen.
mini|links|hochkant|Fenster im Obergeschoss der Kapelle mini|links|hochkant|Kapitelle
Der Wohnturm mit dem Kapellenbau und der Wohnbau im Norden sind die einzigen bis heute erhaltenen Teile des Saalhofes, und – abgesehen von der erst 1928 durch Eingemeindung zu Frankfurt gekommenen Justinuskirche in Höchst – das älteste Bauwerk Frankfurts. Die etwa 6,80 auf 6,50 Meter messende und 6,00 Meter hohe Kapelle wird von einem Bandrippengewölbe überspannt, das von acht Säulen getragen wird. Die Wandgliederung mit ihren Säulen wurde nachträglich an den heutigen Raum angepasst.Laut E. Mack: Von der Steinzeit zur Stauferzeit. Frankfurt 1994, S. 243f., waren die Saalhofkapelle und der unter ihr gelegene, nur von oben zugängliche Raum, jedoch als Aufbewahrungsort für die Reichskleinodien vorgesehen. Die Ermordung des Bauherrn, Philipps von Schwaben, am 21. Juni 1208 in Bamberg habe jedoch diese Pläne durchkreuzt.
Den Zugang in die Stadt, der vom Main zum Römerberg führte, schützte das Fahrtor, welches mehrfach erneuert und erst 1840 als Verkehrshindernis abgerissen wurde. Sein Erker wurde dabei an die Westfassade des zum Saalhof gelegenen Zollhauses übertragen.
mini|Wohnturm und Saalhofkapelle vom Mainufer aus Zur staufischen Burg gehörten außer dem Saalhof noch weitere benachbarte Anlagen. Da die Salvatorkirche im Laufe des 12. Jahrhunderts immer baufälliger geworden war, diente vermutlich die Alte Nikolaikirche als Kapelle für die Burgmannschaft und den Hofstaat. Die 1989 bei der Renovierung ausgegrabenen Fundamente ihres romanischen Vorgängerbaus stammen aus der Zeit Konrads III. Auch die 1942 bei Tiefbauarbeiten auf dem Römerberg entdeckten Reste eines monumentalen runden Wehrturmes gehörten wohl zu der staufischen Burg. Er hatte eine Mauerstärke von 6,20 Meter und einen Durchmesser von 21,75 Meter. Seine geplante Höhe von 45 Meter soll er zwar nie erreicht haben, aber um 1240 der höchste Turm Deutschlands gewesen sein.
Zu ihrem Burgbannbezirk gehörten etwa 100 Orte. Die Dorfbewohner durften in Kriegszeiten Schutz hinter der Stadtmauer suchen, und das städtische Wegegeld war ihnen erlassen. Dafür waren sie zur Instandhaltung der Mauern und Gräben verpflichtet. Die äußersten Punkte im Norden waren Köppern und Dillingen, im Süden Messel und Urberach, im Westen Breckenheim und im Osten Kilianstädten.