Als () wird in der spanischen Landessprache ein Fußballspiel zwischen den Herrenprofimannschaften von Real Madrid und dem FC Barcelona bezeichnet. Das Aufeinandertreffen der erfolgreichsten Klubs aus den beiden größten Metropolen Spaniens gilt als eines der bedeutendsten Duelle des Klubfußballs und erregt seit einiger Zeit auch außerhalb des Landes großes Interesse. Die Gründe für die Rivalität sind vielschichtig und reichen von der sportlichen Konkurrenz über die regionalen Gegensätze Kastiliens und Kataloniens bis zu den politisch unterschiedlichen Strömungen, die den Mannschaften zugeschrieben werden. Da die Städte fast 500 Kilometer Luftlinie trennen und die Vereine weder aus derselben Stadt noch aus derselben Region stammen, handelt es sich beim Clásico um kein Derby.
Terminologie Für die Begegnungen zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona waren und sind verschiedene Bezeichnungen im Umlauf, neben El Clásico (auf Spanisch) bzw. El clàssic (auf Katalanisch) etwa El Superclásico (‚Der Superklassiker‘), El Derbi (‚Das Derby‘), El Gran Derbi (‚Das Große Derby‘) oder El Derbi español (‚Das spanische Derby‘). In Spanien ist der Terminus El Clásico am gebräuchlichsten, eine Bezeichnung, die sich auch im übrigen Europa durchsetzte. Im spanischsprachigen Mittel- und Südamerika ist dies anders, da El Clásico dort auch für andere Duelle steht – insbesondere jene zwischen Club América und Deportivo Guadalajara in Mexiko, Barcelona SC und CS Emelec in Ecuador sowie für das Stadtderby zwischen Boca Juniors und River Plate in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires (siehe Superclásico). Deshalb wird in diesen Ländern das Aufeinandertreffen von Real Madrid und dem FC Barcelona meist als El Derbi español bezeichnet – obwohl es sich im engeren Sinn nicht um ein Derby handelt, da die Vereine weder aus derselben Stadt noch aus derselben Region kommen.
Weitere Begegnungen im Fußball werden in Anlehnung an dieses Aufeinandertreffen ähnlich bezeichnet, so die Spiele zwischen Paris Saint-Germain und Olympique Marseille in Frankreich (siehe Le Classique). Im deutschen Fußball wird teils die ironische Bezeichnung El Plastico für ein Spiel zwischen den mit vielen Sponsorengeldern aufgebauten Vereinen der TSG 1899 Hoffenheim und RB Leipzig verwendet, wobei die „Künstlichkeit“ der Clubs durch die Anspielung an den Begriff Plastik (umgangssprachlich für Kunststoff) dargestellt wird.
Hintergründe mini|Camp Nou – Die Heimstätte des FC Barcelona mini|Santiago Bernabéu – Das Stadion Real Madrids Die Gründe für die ausgeprägte Rivalität zwischen den beiden Vereinen sind vielschichtig. Zum einen repräsentieren sie die beiden einwohnermäßig größten und wirtschaftlich bedeutendsten Metropolen des Landes, nämlich Madrid und Barcelona, zwei Städte mit Gemeinsamkeiten, aber auch zahlreichen Unterschieden. Erstere ist die Hauptstadt Spaniens, befindet sich im Zentrum des Landes auf 667 Metern über dem Meeresspiegel und gehört zu der historischen Landschaft Kastilien, letztere wiederum ist ein bedeutender Mittelmeerhafen an der Nordostküste des Landes und ihrerseits die Hauptstadt Kataloniens. Geographische, soziopolitische, kulturelle und historische Gegensätze prägen seit jeher die Rivalität zwischen den beiden Städten und Regionen, was sich in der Folge auch auf den Sport im Allgemeinen und den Fußball im Konkreten auswirkte.
Verstärkt wurde diese Konfrontation auch während der franquistischen Epoche, als besonders in Katalonien der eigene Fußballklub zu einem Symbol des Widerstandes gegen die Zentralregierung und der Verteidigung der katalanischen Kultur wurde. Zeitgleich wurde Real Madrid, Klub aus der verhassten Hauptstadt und sportlich zumeist größter Rivale um die Titel, die Rolle des Antagonisten zugeschoben, des Repräsentanten des zentralistischen und franquistischen Spaniens. Dies war und ist allerdings bei Real-Fans umstritten, fühlt man sich doch als unpolitischer Fußballklub.
Zwar brachte die Transition in Spanien von 1975 bis 1982 eine gewisse Entspannung, doch die Tatsache, dass es sich um die mit Abstand erfolgreichsten und anhängerstärksten Sportvereine des Landes handelt, sie folglich regelmäßig um nationale und internationale Trophäen konkurrieren, und natürlich die von Konfrontation geprägte und immer noch für viele präsente Geschichte, reichen aus, um die große Rivalität am Leben zu halten.
Geschichte Frühe Jahre (1902–1936) Das erste Aufeinandertreffen der beiden Teams fand am 13. Mai 1902, im Zuge der Copa de la Coronación (Krönungspokal Alfons XIII.), einem Vorgängerwettbewerb der Copa del Rey, statt. Der FC Barcelona, damals bereits mit sechs Ausländern in seinen Reihen (darunter der Deutsche Udo Steinberg), konnte das gerade erst gegründete Real Madrid, damals noch unter dem Namen Madrid Foot Ball Club, in der spanischen Hauptstadt mit 3:1 schlagen. Udo Steinberg erzielte die ersten beiden Tore für Barcelona, ist also der erste Torschütze des El Clásico.Martin Pelzl: Wie ein Sachse den FC Barcelona zum Sieg im ersten El Clásico gegen Real Madrid schießt – In Chemnitz aufgewachsen, in Mittweida studiert, in Katalonien unsterblich geworden: Der Weihnachten vor 100 Jahren gestorbene Multisportler Udo Steinberg war maßgeblich am ersten großen Sieg des FC Barcelona über Real Madrid beteiligt. In: Leipziger Volkszeitung online, Printveröffentlichung am 28. Dezember 2019 (lvz.de); abgerufen am 31. Dezember 2019
1916 gab es im Halbfinale des Pokalbewerbs das erste von Polemik geprägte Aufeinandertreffen zwischen den Vereinen. Beide hatten jeweils ihre Heimspiele gewonnen, also kam es, wie zu jener Zeit üblich, zu einem Wiederholungsspiel. Dieses endete in einem denkwürdigen Match nach regulärer Spielzeit mit 4:4 und nach der Verlängerung mit 6:6, was ein weiteres Entscheidungsduell nötig machte. Als Madrid FC nach einem 2:2 in der regulären Spielzeit schließlich in der Verlängerung 4:2 in Führung ging, verließen die Spieler des FC Barcelona das Feld unter Protest, man fühle sich vom Schiedsrichter benachteiligt. Als die Madrilenen in der Folge das Finale erreichten, mussten sie gerade in Barcelona gegen Athletic Bilbao antreten. Die Madrider Spieler beklagten sich über die aggressive Stimmung von Seiten der katalanischen Fans, letztlich musste man, trotz 0:4-Niederlage gegen Athletic, von der Polizei aus dem Stadion eskortiert werden.
Interessanterweise bestand der Wettbewerb dadurch, dass die zwei anderen qualifizierten Mannschaften abgesagt hatten, in dieser Spielzeit lediglich aus diesem Halbfinale, das letztlich insgesamt vier Spiele hervorbrachte, und dem Finale gegen das per Freilos gesetzte Athletic Bilbao. Abgesehen vom Heimspiel Barças hatte Santiago Bernabéu in jedem der Spiele getroffen und wurde mit sechs Toren aus diesem einen Halbfinale Torschützenkönig. Für Barcelona hatten Vicente Martínez und Paulino Alcántara fünf bzw. vier Tore geschossen.
Die erste Ligabegegnung fand am 17. Februar 1929 in Barcelona statt und das Spiel endete mit einem 1:2 für Real Madrid. Nach einer starken Hinrunde wurden die Madrilenen in der Rückrunde vom FC Barcelona überholt, so dass diese sich die erste Meisterschaft sicherten.
Am 3. Februar 1935 feierten die Madrilenen mit einem 8:2 im Estadio de Chamartín den bisher höchsten Sieg bei einem Ligaspiel zwischen den beiden Kontrahenten. Die Tore der Gastgeber erzielten Sañudo (4), Lazcano (3) und Regueiro, für die Gäste trafen Escolà und Guzmán.
Erster politischer Konflikt Bei Ausbruch des Bürgerkrieges im Jahre 1936 ersuchte Real Madrid, damals wegen der Zweiten Spanischen Republik unter dem Namen Madrid FC, angeführt von ihrem damaligen Trainer Francisco Bru, der lange für Barcelona gespielt hatte, um eine Teilnahme an der katalanischen Meisterschaft, um den Kriegswirren in der Landeshauptstadt zu entkommen. Die Madrilenen erklärten sich bereit, ihre Heimspiele im Estadi de Montjuïc zu bestreiten. Dieses Vorhaben scheiterte letztlich einzig am Veto des FC Barcelona, während die restlichen katalanischen Klubs und die Spielergewerkschaft sich für eine Aufnahme der Hauptstädter aussprachen. Der Ausschluss führte zu internen Konflikten, die katalanische Spielergewerkschaft, angeführt vom Barça-Spieler Martí Ventolrà, drohte sogar mit Streik. Am 3. November 1936 verzichtete Madrid FC schließlich auf eine Teilnahme an der katalanischen Meisterschaft.
Franquistische Diktatur (1939–1975) Obwohl die Duelle zwischen den Klubs seit jeher von der Rivalität der beiden bedeutendsten Städte Spaniens, Madrid und Barcelona, und auch von den Differenzen zwischen den historischen Regionen Kastilien und Katalonien, geprägt waren, so begannen die größten Spannungen erst nach dem spanischen Bürgerkrieg (1936–39). Im zerrütteten und von politischen Spannungen geprägten Land begründeten eine Reihe von umstrittenen Begegnungen und Entscheidungen die bis heute währende Rivalität zwischen den Klubs:
11:1 in Madrid Am 13. Juni 1943 trafen die beiden Klubs in einem Rückspiel der Copa del Rey in Madrid aufeinander. Das Hinspiel hatten die favorisierten Katalanen mit 3:0 für sich entschieden. Real Madrid, das die Liga nur auf dem enttäuschenden zehnten Platz beenden konnte, gewann im Rückspiel mit 11:1 (8:0), Spieler des FC Barcelona und katalanische Medien allerdings beklagten sich über Einschüchterungsversuche von Seiten eines Sicherheitsdirektors in der Umkleidekabine vor dem Spiel. Viele sehen besonders in diesen Ereignissen den Startschuss der großen Rivalität zwischen den Vereinen. Die gegenseitigen Beschuldigungen und Beschimpfungen führten sogar so weit, dass der spanische Verband beide Klubpräsidenten, Marqués de la Mesa de Asta auf Seiten der Katalanen und Antonio Santos Peralba auf der der Madrilenen, zum Rücktritt bewog.
Der Fall Di Stéfano