mini|Pfarrkirche St. Johannes Evangelist in Gais mini|Talansicht bei Uttenheim Gais (mundartlich [ˈgɔɑs]; italienisch ebenfalls Gais) ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) in Südtirol (Italien). Sie liegt im Tauferer Tal in der Nähe von Bruneck.

Geographie miniatur|links|Lage von Gais nördlich von Bruneck Die Gemeinde Gais erstreckt sich auf einer Fläche von 60,34 km² im Tauferer Tal und in den umliegenden Bergen. Das Tauferer Tal zweigt bei Bruneck – Gais’ südlicher Nachbargemeinde – Richtung Norden vom Pustertal ab und wird von der Ahr durchflossen. Der zu Gais gehörende Abschnitt, der im Norden an Sand in Taufers grenzt, verläuft nahezu eben und bietet zwei dörflichen Siedlungen Platz. Das südliche der beiden Dörfer ist der Hauptort Gais (830–) am Fuß des Bärentaler Murkegels, das nördliche die Fraktion Uttenheim (840–).

Auf seiner Westseite wird das Tauferer Tal von den südöstlichsten Ausläufern der Pfunderer Berge, einer Untergruppe der Zillertaler Alpen, flankiert. Dort befinden sich, etwas südwestlich von Uttenheim an steilen Hängen, auf über Höhe die verstreuten Höfe der Bergfraktion Lanebach.

Im Osten begrenzt die Rieserfernergruppe das Tauferer Tal. Auf einer Höhe von ca.  befinden sich hier zwei besonders sonnenexponierte Fraktionen der Gemeinde: zum einen Mühlbach an den Hängen des beim Hauptort ins Tauferer Tal einmündenden Mühlbachtals, zum anderen Tesselberg etwas südlich nahe der Gemeindegrenze zu Percha. Überragt werden die beiden Dörfer im Nordosten von den Hochgebirgsregionen um die höchsten Gaiser Gipfel, darunter die Große Windschar (), die Schwarze Wand () und der Morgenkofel (), die im Naturpark Rieserferner-Ahrn unter Schutz gestellt sind.

Namen Der Name „Gais“ – urkundlich erstmals in den Jahren 985–993 im Traditionsbuch des Hochstifts Brixen als Geizes genannt,Oswald Redlich: Die Traditionsbücher des Hochstifts Brixen vom 10. bis in das 14. Jahrhundert (= Acta Tirolensia. Band 1). Wagner, Innsbruck 1886, S. 7, Nr. 14. auch als GeizzesCodex diplomaticus Austriaco-Frisingensis. Urkunden und Urbare zur Geschichte der ehemals Freisingischen Besitzungen in Österreich. Band 31, Wien 1870, S. 49 unten (Google Buch). und um 1200 als Gaizes – leitet möglicherweise vom Germanischen her und könnte vielleicht auf die indogermanische Wurzel ghi- und die Endung -d zurückgeführt werden. *ghid könnte so viel wie „rinnen“ oder „etwas nahe am rinnenden Wasser“ oder auch „Murbruch“, „Schuttkegel“ bedeuten. Da der Ort am Fuße eines Murkegels liegt, trifft „Anschwemmungsland“ auf die Ortschaft zu.

Im 19. Jahrhundert und vorher waren auch die Schreibweisen „Gaiß“ oder „Gaiss“ in Gebrauch.

Geschichte Die archäologischen Funde lassen auf kleine Dauersiedlungen in grauer Vorzeit schließen. Auf dem Ahtalerbühel stand eine bronzezeitliche Siedlung, ebenso auf dem Gebiet der heutigen Kehlburg. Eine prähistorische Wallburg lässt sich auf der Gaisinger Pipe nachweisen.

Das KirchdorfLexikoneintrag zu Tauferer Tal, in: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 19, Leipzig/Wien 1909, S. 353 (zeno.org). ist im Frühmittelalter durch die Bajuwaren besiedelt worden, die den vorrömischen Namen übernommen haben.Johannes Ortner: Pipe, Pirra, Pustertal. Erkundungen der Namenlandschaft im Brunecker Becken. Vortrag, gehalten am 7. Februar 2017 in Bruneck.

Im Mittelalter gehörten die heutigen Fraktionen von Gais zum Gericht Uttenheim, aus dem 1811 verschiedene Gemeinden hervorgingen, darunter die Gemeinde Uttenheim mit den Fraktionen Uttenheim und Gais. Das Gericht Uttenheim hatte seinen Sitz ab dem 17. Jahrhundert in Gais. 1814 wurden die Orte wieder selbstständige Gemeinden.

Im Rahmen der Koalitionskriege fanden am 6. und 7. November 1809 in Gais Kämpfe zwischen der Landwehr und französischen Truppen statt, die mit der Einnahme des Dorfs durch die Franzosen endeten.Johann Jakob Staffler: Tirol und Vorarlberg, statistisch und topographisch, mit geschichtlichen Bemerkungen. Theil II, Band 2, Innsbruck 1844, S. 260 (Google Buch).

Gais gehörte bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zum Gerichtsbezirk Taufers und war Teil des Bezirks Bruneck.

Im Jahr 1928 wurde aus den zuvor eigenständigen Gemeinden Gais, Uttenheim, Mühlbach und Tesselberg die Gemeinde Gais gebildet.

Kirchspiel Eine im Dorf vorhandene Pfarrkirche wurde schon um 990 erwähnt; unter den Ortspfarrern wird um 1207 Heinrich genannt, gefolgt von Friedrich, zugleich Domherr von Brixen, der 1214–1246 erwähnt wird.Georg Tinkhauser: Topographisch-historisch-statistische Beschreibung der Diöcese Brixen. Band 1, Brixen 1855, S. 417–420 (Google Buch). Das Dorf hatte viel unter Überschwemmungen zu leiden, weshalb der Standort der Kirche im Laufe der Jahrhunderte mehrfach erhöht werden musste.

Zur katholischen Pfarrei Gais gehörten im 19. Jahrhundert die Dörfer Aufhofen, St. Georgen und Tesselberg.

Politik Bürgermeister Bürgermeister seit 1952: Florian Kronbichler: 1952–1974 Sebastian Jaufenthaler: 1974–1980 Max Brugger: 1980–2005 Romana Stifter: 2005–2015 Christian Gartner: 2015–2025 Alexander Dariz: seit 2025

Wappen Im Jahr 1956 verlieh die italienische Regierung der Gemeinde ein Wappen, das keine Beziehung zum Ort und zu seiner Geschichte hatte. 1986 beschloss der Gemeinderat, es durch ein neues zu ersetzen. Der Evangelist Johannes, dessen Symbol der Adler ist, war der erste Kirchenpatron der Gemeinde Gais. Deshalb enthält das neue Gemeindewappen in der rechten Hälfte einen Adler. Die Balken in den Farben Blau-Gold-Blau entstammen dem Wappen des ehemaligen Gerichts Uttenheim.

Bevölkerung Gais ist gemäß den erhobenen Sprachgruppenzugehörigkeitserklärungen bzw. Sprachgruppenzuordnungserklärungen eine weitgehend deutschsprachige Gemeinde. Als Berechnungsgrundlage der folgenden Prozentwerte wurden die gültigen Erklärungen von Personen mit italienischer Staatsbürgerschaft herangezogen. Verteilung nach Sprachgruppenzugehörigkeits- bzw. Sprachgruppenzuordnungserklärungen Sprache 1981 1991 2001 2011 2024 Deutsch 98,53 % 98,06 % 96,68 % 97,05 % 96,07 % Italienisch 1,07 % 1,78 % 3,09 % 2,65 % 3,60 % Ladinisch 0,40 % 0,16 % 0,22 % 0,29 % 0,33 %

Verkehr Für den Kraftverkehr ist die Gemeinde in erster Linie durch die SS 621 erschlossen. Der Ort hatte bis 1957 zwei Bahnhöfe auf der Tauferer Bahn.

Bildung Auf dem Gemeindegebiet befinden sich zwei Grundschulen im Hauptort Gais und in Uttenheim, die zusammen dem deutschen Schulsprengel der Nachbargemeinde Bruneck I angeschlossen sind.

Zudem bestehen in Gais und Uttenheim Kindergärten.

Sehenswertes

Pfarrkirche zum heiligen Johannes dem Evangelisten in Gais Pfarrkirche zur heiligen Margareth in Uttenheim Kuratiekirche zu den Heiligen 14 Nothelfern in Mühlbach Kuratiekirche zu den Heiligen Chrysant und Daria in Tesselberg Burg Neuhaus Kapelle zu Mariä Heimsuchung in Gais Kapelle zum Hl. Erasmus Kehlburg Feuerwehrhelmmuseum Kulturweg Gais Mühlbacher Badl

Mit Gais verbundene Persönlichkeiten Meister von Uttenheim (Notname) (um 1470), Maler Franz Anton Sinnacher (1772–1836), Historiker, Pädagoge und Priester, betreute hier um 1820 die Pfarrei GaisFranz Anton Sinnacher: Beyträge zur Geschichte der Kirche Säben und Brixen in Tyrol, Band 2, Brixen 1822, S. 33 (Google Buch). Heinrich Bacher (1897–1972), Bauer und Bildhauer Franz Bacher (1903–1981), Bildhauer Ivo Muser (* 1962), Bischof von Bozen-Brixen Christof Innerhofer (* 1984), Skifahrer

Heimatlied Das Gaisinger Heimatlied wurde am 3. Oktober 1944 von Pfarrer Anton Hopfgartner verfasst. Kandidus Weitlaner, Kooperator in Gais von 1943 bis 1949, schrieb in einer Vorbemerkung zum Text des Heimatliedes: Gais gehört jetzt auch zu den wenigen glücklichen Dörfern, die ein eigenes Heimatlied besitzen.

Ich weiß ein Dorf, gar lieb und traut, Am stillen Lauf der Ahr, Ins weite Tal hineingebaut: Das lieb' ich immerdar. Rings der Erlen Grün Und der Felder Prach! Kommt's mir in den Sinn, Herz und Aug' mir lacht. [: 's ist die Heimat mein, Die ich lieb' so heiß, 's ist mein Sonnenschein, Mein liebes Gais. :]

Die Sonne grüßt vom Kehlburgschloß Am Morgen froh ins Tal; Es thront – ein Ritter hoch zu Roß – Auf tannumrauschtem Wall. Und vom West geschwind Grüßt auch Burg Neuhaus, Wie ein Märchenkind Lieblich überaus. [: 's ist die Heimat mein, Die ich lieb' so heiß, 's ist mein Sonnenschein, Mein liebes Gais. :]

Der Löffler und der Keilbachspitz Im hellen Firnenschnee, Der Peitler ragt im Sonnenblitz Rotleuchtend in die Höh'. Rings der Wunderblick, In der Mitte drin Liegt das Erdenstück, Wo ich geboren bin: [: 's ist die Heimat mein, Die ich lieb' so heiß, 's ist mein Sonnenschein, Mein liebes Gais. :]

Und mitten in der Heimat mein Ein Gotteshaus so schön, Ein Turm so schlank und frei und fein, Er ragt zu Himmelshöh'n. Glocken hell und rein, Stimmt mit froher Weis', Stimmet jubelnd ein In der Heimat Preis: [: 's ist die Heimat mein, Die ich lieb' so heiß, 's ist mein Sonnenschein, Mein liebes Gais. :]Albert Willeit und Albert Forer (Hrsg.): Gais im Tauferer Tal. Dorfbuch zum 1000-Jahr-Jubiläum. Komitee 1000-Jahre Gais, Gais 1986, S. 7.

Partnerschaften Coburg (Deutschland, Bayern)

Literatur Richard Heuberger: Eine Kundschaft des 14. Jahrhunderts über die Entstehung der Pfarre Gais. In: Zeitschrift des Ferdinandeums für Tirol und Vorarlberg 57 (1913), S. 362–368 (). Karl Finsterwalder: Der Pustertaler Ortsname Gais in der Sicht altgermanischer Sprachschöpfung. Mit Seitenblicken auf die "Gissübel"-Namen. In: Der Schlern 43 (1969), S. 155–158. Albert Willeit (Hrsg.): Gais im Tauferer Tal. Dorfbuch zum 1000-Jahr-Jubiläum. Komitee 1000-Jahre-Gais, Gais 1986 (online). Lydia Reichegger: Geschichte Uttenheims in Mittelalter und Frühneuzeit. In: Der Schlern 67 (1993), S. 471–480, 535–554. Helmuth Auer, Simon Auer: Dorfbuch Uttenheim-Lanebach. Gemeinde Gais, Gais 2007 (online).

Weblinks

Homepage der Gemeinde Gais

Kulturweg Gais

Einzelnachweise

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