Die Windröschen (Anemone) bilden eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Zu dieser Gattung zählen 100 bis 150 Arten, die vor allem auf der Nordhalbkugel und dort schwerpunktmäßig in den gemäßigten Gebieten Asiens heimisch sind.

Beschreibung im nicht mehr gültigen Umfang der Gattung Anemone mini|Illustration des Apennin-Windröschen (Anemone apennina) in Flora Batava, Volume 14 mini|Illustration des Pazifischen Windröschen (Anemone multifida) in John Torrey: A Flora of the State of New York, 1843

Vegetative Merkmale Anemone-Arten wachsen als ausdauernde, krautige Pflanzen, je nach Art können sie sehr unterschiedliche Wuchshöhen (10 bis 60 Zentimeter) erreichen. Es werden Rhizome oder Knollen als Überdauerungsorgane gebildet.

Die meist vielen Laubblätter sind meist nur grundständig; zur Blütezeit fehlen die Grundblätter bei einigen Arten. Die Grundblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Die einfache oder zusammengesetzte Blattspreite kann gelappt oder geteilt sein. Die Blattränder sind glatt bis gezähnt.

Generative Merkmale Am aufrechten Stängel befindet sich je nach Art in unterschiedlicher Höhe ein Quirl (Wirtel) meist zwei bis sieben, selten bis zu neun einfache oder zusammengesetzte laubblatt- oder kelchblattähnlichen Hochblättern. Die endständigen, zymösen oder doldigen Blütenstände enthalten manchmal ein, meist zwei bis sieben, selten bis zu neun Blüten. Die Blütenstiele verlängern sich bis zur Fruchtreife.

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch. Die 4 bis 20 (selten bis 27) freien Blütenhüllblätter sind 1,5 bis 40 Millimeter lang. Die Farben der Blütenhüllblätter reichen von weiß über rosafarben bis rot, von violett bis blau, grün und gelb. Nektarien sind vorhanden. Es sind 10 bis 200 Staubblätter vorhanden. Es sind viele freie Fruchtblätter vorhanden, die jeweils nur eine Samenanlage enthalten. Ein Griffel ist ausgebildet.

Je Blüten werden viele, gestielte oder ungestielte, eiförmige bis verkehrt-eiförmige Früchte (Balgfrüchte oder Nüsschen) gebildet. Die Früchte sind bis zu 40, selten bis zu 50 Millimeter lang und manchmal behaart. Auf den Früchten ist meist der Griffel noch gut erkennbar.

Inhaltsstoffe und Giftigkeit Die Inhaltsstoffe und ihre Wirkungen werden für einzelne Arten untersucht. Die Ergebnisse gelten nicht für alle Anemone-Arten. An Inhaltsstoffen wurde ermittelt Anemonin, Protoanemonin sowie Ranunculin, die als Phytotoxine gelten.

Das Lacton Protoanemonin kommt als Toxin in Hahnenfußgewächsen vor. Das schwach giftige Protoanemonin wird beim Erhitzen oder bei der Trocknung zu ungefährlichen Anemonin, die beide eine bakterizide und fungizide Wirkung haben. Deshalb wurden Anemone-Arten früher bei Infektionskrankheiten verwendet.

Systematik und Verbreitung Taxonomie Die Erstveröffentlichung der Gattung Anemone erfolgte durch Carl von Linné 1753 in Species Plantarum, Tomus I, Seite 538 und 1754 in Genera Plantarum, 5. Auflage, Seite 241. Anemone nom. cons. wurde mit einem konservierten Typus konserviert in Shenzhen Internationaler Code der Nomenklatur für Algen, Pilze und Pflanzen ICN Artikel 14.9 & App. III. Als Lectotypus wurde 1913 Anemone coronaria durch Britton und Brown in Ill. Fl. N.U.S. 2. Auflage, 2, Seite 97 festgelegt. Gattungsname und Lectotypus wurden durch C. E. Jarvis: Seventy-two proposals for the conservation of types of selected Linnaean generic names, the report of Subcommittee 3C on the lectotypification of Linnaean generic names. in Taxon, Volume 41, Issue 3, 1992, Seite 557 konserviert.

Der botanische Gattungsname Anemone geht auf die Antike zurück. Plinius der Ältere bringt ihn mit dem griechischen anemos für „Wind“ in Verbindung. Anemona war auch eine Nymphe am Hofe der Göttin Flora. Der Sage nach soll sich Floras Gatte Zephyr, der Gott des Windes, in Anemona verliebt haben, worauf sie von der eifersüchtigen Göttin in eine Blume verwandelt wurde. Man nimmt aber eher an, dass der Name Anemone auf ein arabisches Wort für Adonis, nämlich an-nu'mān (= Blut) zurückzuführen ist und eine rotblühende Pflanzenart bezeichnet.

Äußere Systematik und botanische Geschichte Die Gattung Anemone nom. cons. gehört zur Tribus Anemoneae in der Unterfamilie Ranunculoideae innerhalb der Familie der Ranunculaceae. Der Umfang der Gattungen innerhalb der Tribus Anemoneae wird kontrovers diskutiert. Hoot al. gehen 2012 davon aus, dass etwa 200 Arten in eine artenreiche Gattung Anemone s. l. mit einigen Untergattungen, Sektionen, Untersektionen und Serien gehören.

Es gab früh unterschiedliche Auffassungen über den Umfang der Gattung Anemone. Schon ein Jahr nachdem Linné 1753 die Gattung Anemone aufgestellte, hat Miller 1754 Gardeners Dictionary ..., 4. Auflage von der Gattung Anemone die Gattungen Pulsatilla , Hepatica sowie Anemonoides abgetrennt. Kurz danach hat Adanson 1763 die nah verwandte Gattung Oriba aufgestellt. Jussieu fasste 1789 den Umfang Gattung Anemone wie Linné auf. Candolle erarbeitete 1817, 1824 die erste systematische Abhandlung der Gattung Anemone, bei der er Hepatica als eigenständige Gattung darstellte und Anemone, Hepatica, Knowltonia , Thalictrum , Hydrastis sowie Hamadryas und einige andere in die Tribus Anemoneae stellte; dabei gab es bei ihm in dieser Verwandtschaftsgruppe sechs Gruppen: Anemonanthea , Anemonospermos , Omalocarpus , Pulsatilloides , Pulsatilla sowie Preonanthus Die detaillierteste Systematik der Gattung Anemone s. l. erstellte Ulbrich 1905, 1906 mit 76 Arten weltweit; er anerkannte die Gattungen Pulsatilla, Knowltonia, Barneoudia sowie Capethia, aber bezeichnete Hepatica als Untergattung von Anemone. In der Untergattung Euanemone verzeichnete Ulbrich die sechs Sektionen: Anemonanthea , Omalocarpus , Pulsatilloides , Anemonidium , Eriocephalus , Rivularidium und vier Untersektionen und 17 Serien. Erst Tamura gliederte diese Verwandtschaftsgruppe 1967 neu. Nach Tamura wurde die Gattung Anemone s. l. weiter aufgegliedert. Durch Starodubtsev 1989, 1991 gab es eine weitere wichtige Revision der Gattung Anemone s. l. Viele Fragen zur Systematik der Gattung Anemone s. l. blieben auch bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts offen.

Mosyakin 2016 legt dar, dass eine Gattung Anemone s. str. mit deutlich kleinerem Umfang geben soll. Molekulargenetische Daten zeigen auch bei Jiang et al. 2017, dass die Tribus Anemoneae überarbeitet werden muss und dass die Gattung Anemone s. l. im bisherigen Umfang nicht monophyletisch ist. Bei Liu et al. wird 2018 die Innere Systematik und werden die Gattungen der Tribus Anemoneae diskutiert.

Hu et al. kommen 2024 zu folgender Einschätzung: Die Gattung Hepatica gilt als monophyletische Gruppe. Anemone s. l. ist paraphyletisch im phylogenetischen Baum. Die Hepatica + Anemone Klade und die Anemoclema + Clematis Klade weisen eine Schwesterverwandtschaft innerhalb der Tribus Anemoneae auf.

Arten und ihre Verbreitung Die je nach Autor 100 bis 150 Arten sind weltweit auf allen Kontinenten verbreitet, außer auf Antarktika. Hauptsächlich liegen die Areale in den Gemäßigten Gebieten. In China werden 2001 etwa 53 Arten verzeichnet, 22 davon gibt es nur dort. In Nordamerika kommen etwa 25 Arten vor. In Europa gibt es etwa 17 Arten.

Es gibt etwas mehr als 100 Anemone s. str.mini|Altai-Windröschen (Anemone altaica) mini|Balkan-Windröschen (Anemone blanda) mini|Anemone caroliniana mini|Kronen-Anemone (Anemone coronaria) mini|Anemone debilis mini|Habitus, Laubblätter und Blüten von Anemone drummondii im Habitat mini|Stern-Anemone (Anemone hortensis) mini|Anemone quinquefolia mini|Westmediterrane Anemone (Anemone palmata) mini|Anemone soyensis mini|Großes Windröschen (Anemone sylvestris) mini|Massenbestand des Großen Windröschens (Anemone sylvestris) mini|Anemone thomsonii mini|Dreiblatt-Windröschen (Anemone trifolia) mini|Blüten der Virginia-Anemone (Anemone virginiana) Anemone afghanica : Sie kommt vom östlichen bis südöstlichen Afghanistan vor. Anemone alaschanica (Syn.: Anemone narcissiflora var. alaschanica ): Sie kommt in der Mongolei sowie in der Inneren Mongolei vor. Altai-Windröschen (Anemone altaica ): In Asien kommt sie im Altai-Gebirge vor und sie kommt im europäischen Teil Russlands vor. Anemone amurensis : Sie kommt in Nordkorea, Russlands Fernem Osten und in den chinesischen Provinzen östliches Heilongjiang, östliches Jilin sowie im Fengcheng Xian im östlichen Liaoning vor. Anemone angustiloba Apennin-Windröschen (Anemone apennina ): Sie kommt in Italien, auf Sizilien, Korsika und auf der Balkanhalbinsel von Kroatien bis Bulgarien und Griechenland vor. Anemone baissunensis Anemone baizhishanica : Sie wurde 2021 aus der chinesischen Provinz Chongqing erstbeschrieben. Tiroler Windröschen (Anemone baldensis ): Es gibt Fundortangaben für Frankreich, Deutschland, Österreich, Liechtenstein, die Schweiz, Monaco, Italien, Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro und Rumänien. Anemone banketovii : Sie wurde 2018 aus Sibirien erstbeschrieben. Anemone baoxingensis : Sie wurde 2021 aus der chinesischen Provinz Chongqing erstbeschrieben. Anemone begoniifolia : Sie kommt in den chinesischen Provinzen Guangxi, Guizhou, südöstliches Sichuan sowie südöstliches Yunnan vor. Anemone berlandieri : Sie kommt in den US-Bundesstaaten Kansas, Oklahoma, Alabama, Arkansas, Florida, Louisiana, North Carolina, South Carolina, Virginia, Mississippi sowie Texas und im nördlichen Mexiko vor. Anemone biflora : Es gibt seit 2007 drei Varietäten: Anemone biflora var. biflora Turkestan-Windröschen (Anemone biflora var. eranthioides , Syn.: Anemone eranthioides ): Sie kommt in Zentralasien vor. Anemone biflora var. gortschakowii : Sie wurde 2007 erstbeschrieben. Balkan-Windröschen, auch Strahlen-Anemone genannt (Anemone blanda ): Sie kommt von Albanien, Bulgarien, Nordmazedonien und Griechenland, Zypern über die Türkei bis zum Kaukasusraum und Syrien vor. In Mittel- und Nordeuropa ist es ein Neophyt. Anemone bomiensis : Sie wurde 2021 aus Tibet erstbeschrieben. Anemone brachystema : Sie wurde 2014 aus Tibet erstbeschrieben. Anemone brevistyla : Dieser Endemit gedeiht im Gebüsch an Fließgewässern in Höhenlagen von etwa 1800 Metern nur im Dujiang Yan Shi sowie Tianquan Xian im zentralen Sichuan. Anemone bucharica Anemone caerulea : Sie kommt beispielsweise in Russland vor. Carolina-Anemone (Anemone caroliniana ): Sie kommt in den US-Bundesstaaten Illinois, Iowa, Kansas, Minnesota, Missouri, Nebraska, Oklahoma, South Dakota, Wisconsin, Alabama, Arkansas, Georgia, Louisiana, South Carolina, Mississippi, Tennessee sowie Texas vor. Anemone cathayensis Kaukasus-Windröschen (Anemone caucasica ): Sie kommt vom asiatischen Teil der Türkei bis zum Kaukasusraum vor. Kronen-Anemone, auch Garten-Anemone genannt (Anemone coronaria nom. cons.): Sie ist im Mittelmeerraum und in Kleinasien weitverbreitet. Prärie-Anemone (Anemone cylindrica ): Sie gedeiht in trockenen lichten Wäldern, in Prärien, auf Weiden, an Straßenrändern in Höhenlagen von 300 bis 3000 Metern in Nordamerika in Kanadas und in den USA. Anemone daofuensis : Sie wurde 2021 aus der chinesischen Provinz Sichuan erstbeschrieben. Anemone davidii : Sie gedeiht in Höhenlagen von 1000 bis 3500 Metern im Mêdog Xian im südöstlichen Tibet und in den chinesischen Provinzen Guizhou, westliches Hubei, westliches Hunan, Sichuan sowie nordwestliches Yunnan. Anemone debilis Kordilleren-Windröschen (Anemone decapetala ) (Südamerika) Anemone delavayi : Die zwei Varietäten kommen in den chinesischen Provinzen südwestliches Sichuan sowie nordwestliches Yunnan vor. Drummonds Windröschen (Anemone drummondii ): Es gibt zwei Varietäten im westlichen Nordamerika von Alaska über Kanada bis zu den westlichen US-Bundesstaaten. Anemone edwardsiana : Dieser Endemit kommt nur auf dem Edwards Plateau in Texas vor.