Das Trentino, amtlich Autonome Provinz Trient (, Provinzia Autonoma de Trent auf Ladinisch, Sèlbstendig Provintz vo Tria auf Zimbrisch, e Autonome Provinz va Trea't auf Fersentalerisch) ist eine Provinz im Norden Italiens und der südliche Teil der Region Trentino-Südtirol. Ihre Autonomie erhielt die Provinz 1972 durch das Zweite Autonomiestatut, mit dem die Region entmachtet und die Autonomie an die Provinzen Trient und Bozen – Südtirol übertragen wurde. Die Provinz hat Einwohner (), eine Gesamtfläche von rund 6200 Quadratkilometern und gliedert sich in 166 Gemeinden mit 15 Talgemeinschaften. Das Trentino ist zudem Teil der Europaregion Tirol–Südtirol–Trentino, die im Wesentlichen dem Gebiet des Kronlandes Tirol des früheren Kaisertums Österreich und der nachfolgenden österreichisch-ungarischen Monarchie entspricht.
Größte Stadt und Sitz der autonomen Landesregierung ist Trient, das vor allem für das im 16. Jahrhundert abgehaltene Konzil bekannt ist. Seit 1989 wirbt der Trentiner Fremdenverkehrsverband mit einem Schmetterling als Markenzeichen, da das Trentino in seinen Umrissen einem solchen ähnelt.Die Entstehung eines Markenzeichens auf Italienisch, abgerufen am 23. Mai 2017. Dabei wird auf einen Vergleich Cesare Battistis zurückgegriffen, der bereits Ende des 19. Jahrhunderts die Form des Landes mit der eines Schmetterlings beschrieben hat.Cesare Battisti: Il Trentino. Saggio di geografia fisica e di antropogeografia, S. 19. Der Naturpark Adamello-Brenta, die seenreiche Berglandschaft und nicht zuletzt die zahlreichen Skigebiete, darunter Madonna di Campiglio, verhalfen der Provinz ab den 1970er Jahren zu einem touristischen Aufschwung.
Namen Der Name Trentino bezeichnete ursprünglich ab dem 17. Jahrhundert das Land um die Stadt Trient (ältester Beleg 1670).Michael Mayr: Der italienische Irredentismus. 2. vermehrte und verbesserte Auflage. Innsbruck 1917, S. 261. Die Bewohner der Stadt wurden Trentini genannt. Seit dem 19. Jahrhundert wurde die Bezeichnung im Zuge der Sezessionsbestrebungen italienischer Nationalisten von Tirol und Österreich auf das gesamte Gebiet der beiden Tiroler Kreise Trient und Rovereto ausgedehnt. Die beiden im Zuge der Verwaltungsreform von 1803 errichteten Kreise umfassten die geschlossen italienisch besiedelten Gebiete Tirols, das ladinische Fassatal und weitere von Ladinern und Deutschen bewohnte Sprachinseln. Im Wesentlichen war damit das Gebiet der heutigen Autonomen Provinz Trient gemeint.
Erstmals im nationalpolitischen Sinne gebraucht wurde die Bezeichnung Trentino 1810 vom Juristen und ehemaligen Hofkanzler des Hochstifts Trient Francesco Vigilio Barbacovi.Francesco Vigilio Barbacovi: Considerazioni sulla prosperità dei popoli del Trentino ora riuniti al Regno d’Italia. Trento 1810. Die Bezeichnungen Trentino und Trentini wurden im Vormärz popularisiert, insbesondere mit dem Reisehandbuch des aus dem Nonsberg stammenden Priesters Gioseffo Pinamonti von 1836,Gioseffo Pinamonti: Trento. Sue vicinanze, commercio e costumi de’ Trentini. Trento 1836; hierzu ausf. Florian Huber: Religiöse Ethnographien. Religion, Raum und Nation in vormärzlichen Landesbeschreibungen. In: Hannes Obermair u. a. (Hrsg.): Regionale Zivilgesellschaft in Bewegung – Cittadini innanzi tutto. Folio, Wien/Bozen 2012, ISBN 978-3-85256-618-4, S. 12–31. und von der italienischen Nationalbewegung ab 1866 allgemein im nationalpolitischen Gegensatz zu Tirol und Tiroler gebraucht.Michael Mayr: Der italienische Irredentismus. 2. vermehrte und verbesserte Auflage, Innsbruck 1917, S. 266.
In ähnlicher Weise wurde von deutschsprachiger Seite im inoffiziellen Sprachgebrauch der Begriff Welschtirol (auch Welsch-Tirol), Welsch-Südtirol oder schlicht Südtirol für das heutige Trentino benutzt,vgl. Hans-Dieter Hübner: Unterwegs auf historischen Spuren. Wanderungen und Exkursionen zu den Schwerpunkten der österreich-ungarischen Südtiroloffensive 1916. Band 3, 2016: … südliche Teil der Grafschaft, man nannte ihn bis 1918 Welschtirol oder einfach Südtirol …Anton von Lutterotti: Südtiroler Landeskunde. Athesia, Bozen 2000, S. 7. um den italienisch- und ladinischsprachigen (auch jenen im heutigen Südtirol) vom deutschsprachigen Teil Tirols zu unterscheiden und jeglichen italienischen Ansprüchen auf diesen Teil Tirols auch sprachlich Einhalt zu gebieten. Der sich abzeichnende Nationalitätenkonflikt fand bereits in der Wahl des Landesnamens seinen Ausdruck und im Laufe des 19. Jahrhunderts bezeichneten sich italienisch Gesinnte zunehmend als Trentini und österreichisch Gesinnte als Tiroler.
Die Südtirol entsprechende Bezeichnung Tirolo Meridionale lebt in der Bezeichnung des Schützenbundes Compagnie Schützen del Tirolo Meridionale weiter (Welschtiroler Schützenbund). Hervorgehoben wird die Zugehörigkeit zu Alttirol auch im Namen des PATT (Partito Autonomista Trentino Tirolese), einer auf Autonomie bedachten Regionalpartei.
Amtlich trägt das Gebiet den Namen Autonome Provinz Trient, umgangssprachlich ist meist vom Trentino die Rede. Amtliche Bedeutung erhielt die Bezeichnung im Namen der 1948 errichteten Region Trentino-Südtirol, seit 1972 Autonome Region Trentino-Südtirol.
In den Minderheitensprachen wird das Trentino amtlich als Provinzia Autonoma de Trent (auf Ladinisch), Sèlbstendig Provintz vo Tria (auf Zimbrisch) und Autonome Provinz va Trea’t (auf Fersentalerisch) bezeichnet.
Geografie 400px|mini|Karte der Provinz Trient Geographische Lage Das Trentino liegt im mittleren Nordosten Italiens und bildet von der Salurner Klause im Norden bis ca. 15 km vor die Veroneser Klause im Süden einen Teil der Brennerachse. Im Norden grenzt es an Südtirol, im Osten, Südosten und Süden an die venetischen Provinzen Belluno, Vicenza und Verona, sowie im Westen und äußersten Nordwesten an die lombardischen Provinzen Brescia und Sondrio.
Westlich von Rovereto hat das Trentino Zugang zum Nordufer des Gardasees, den es sich mit den Provinzen Verona und Brescia teilt. Darüber hinaus hat es Anteil am Welterbe Dolomiten, deren Brentagruppe im Westen der Provinz vollständig im Trentino liegt, während die Rosengartengruppe, der Latemar, die Marmolata und die Palagruppe im Nordosten teilweise zum Trentino gehören.
Landschaftsbild Weite Teile des Trentino werden von einer bewaldeten Gebirgslandschaft eingenommen, wobei die Gipfel – mit Ausnahme im Süden des Landes – in der Regel jenseits der Baumgrenze liegen. Die Hochebenen hingegen werden als ausgedehnte Weideflächen für Almwirtschaften genutzt. Zudem gibt es im Trentino etliche Seen eiszeitlichen Ursprungs, die über die gesamte Provinz verstreut in verschiedenste Lagen eingebettet sind. Annähernd 300 sind es an der Zahl – ca. 10 % aller Seen des gesamten Alpenraums – mit insgesamt ca. 35 km² Wasserfläche.
Der Naturraum des Trentino lässt sich grob in fünf Talsysteme unterteilen, deren Bäche teilweise verschiedenen Flusssystemen angehören, und die unterschiedlich komplex mit ihren jeweiligen Seiten- und Nebentälern verflochten sind. Das Etschtal bildet dabei so etwas wie das zentrale Rückgrat und ist von Norden nach Süden in die Kulturlandschaften Rotaliana-Ebene, Trientner Becken und Vallagarina unterteilt. Das nordwestliche Talsystem erstreckt sich vom Tonalepass durchs Val di Sole und anschließend durchs breit geöffnete Nonstal bis in die Rotaliana-Ebene und wird größtenteils vom Nonsbach, dem wasserreichsten Nebenfluss der Etsch, durchflossen. Vom Nordosten her hingegen hat sich der Avisio von seiner Quelle an der Marmolata aus durchs Fassatal, das Fleimstal und schließlich das Cembratal seinen Weg zur Etsch gebahnt, in die er bei Lavis mündet. Östlich von Trient, jenseits der Wasserscheide von Marzola, erstreckt sich zwischen Caldonazzosee und Enego die Valsugana. Sie wird vom Brenta durchflossen, dessen Lauf am Abfluss des Caldonazzosees seinen Ursprung hat und der ein eigenes Flusssystem bildet, das am Oberlauf in der Valsugana vor allem von Gebirgsbächen südlich der Lagoraigruppe gespeist wird. Das komplexeste und vielfältigste Talsystem der Provinz bilden schließlich die südwestlichen Täler im Gebiet der Judikarien und der Valle dei Laghi. Dabei bilden die Inneren Judikarien sowie die Valle dei Laghi zwei parallel verlaufende Haupttäler, die der Fluss Sarca durch ein Seitental der Äußeren Judikarien verbindet, um schließlich im unteren Sarcatal bei Torbole in den Gardasee zu münden. Im Übrigen sind das untere Sarcatal und die Vallagarina die tiefstgelegenen Täler der Alpen.
Größere Ortschaften und die Städte sind entlang der Täler konzentriert, wobei das Etschtal mit Abstand am dichtesten besiedelt und entsprechend bebaut ist. Auf eine hohe Bevölkerungsdichte kommen auch das untere Sarcatal, in dem die Orte Riva del Garda, Arco und Torbole zu einem beinahe durchweg urbanisierten Raum zusammengewachsen sind, sowie die Valsugana.
Berge und Hochebenen Die Berge des Trentino gehören zu den südlichen Rätischen Alpen und den Dolomiten. Sie bestehen hauptsächlich aus Kalkgestein und Dolomit und gliedern sich in die Bereiche Adamello-, Presanella- und Brenta-Gruppe, die Judikarischen Alpen, die Dolomiten, die Lessinischen Alpen und die Sette Comuni. 60 Prozent des Provinzgebietes liegt oberhalb der 1000-m-Grenze. Der höchste Berg des Trentino ist der Monte Cevedale () in der Ortlergruppe, weitere bedeutende Gipfel sind: Palòn de la Mare () Punta San Matteo () Presanella () Monte Carè Alto () Marmolata () Cimon della Pala () Cima Tosa () Cima Brenta ()
Naturschutzgebiete Über ein Drittel der Gesamtfläche des Trentino steht unter Naturschutz bzw. Landschaftsschutz. Über 3700 Pflanzen- und Tierarten kommen im Trentino vor, darunter auch der Braunbär. Neben dem in der Provinz Trient gelegenen südöstlichen Teil des Nationalparks Stilfserjoch liegen in der Provinz noch die zwei Naturparks Adamello-Brenta und Paneveggio – Pale di San Martino. Des Weiteren gibt es 143 ausgewiesene Natura 2000 Schutzgebiete, 42 von der Provinz eingerichtete Biotope sowie 223 von den Gemeinden eingerichtete Biotope. 2015 wurde außerdem von der UNESCO das Biosphärenreservat Ledroalpen und Judikarien im Südwesten der Provinz anerkannt
Klima Das vielseitige Landschaftsbild des Trentino mit seinen unterschiedlich großen und unterschiedlich ausgerichteten Tälern, mit seinen zahlreichen Bergketten, Seen, Senken und Hügeln schlägt sich auch auf das Klima in der Provinz aus. Auf Basis der Temperaturen lassen sich prinzipiell vier Klimazonen unterscheiden: die niedrigen Zonen der Provinz mit dem Etschtal und dem nördlichen Bereich des Gardasees sind gekennzeichnet durch relativ kalte und schneearme Winter sowie durch heiße Sommer, die durch lokale Winde, wie der Ora abgekühlt werden; die Seitentäler wie die Valsugana und das Nonstal weisen dagegen moderatere Sommertemperaturen und etwas kältere Wintermonate auf; die Senken und Mulden im Bereich zwischen 500 und 1000 Höhenmetern, wie der Bleggio in den Äußeren Judikarien und der Talgrund des Fleimstals haben milde Sommermonate und kältere Winter sowie die Gebirgsbereiche mit kühlen bis milden und niederschlagsreichen Sommermonaten sowie kalten und schneereichen Wintern.