mini|Blick vom Wurgwitzer Schafberg Richtung Zauckerode; im Hintergrund der Windberg

Wurgwitz ist ein Stadtteil der sächsischen Großen Kreisstadt Freital im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Er befindet sich im Nordwesten des Stadtgebietes und setzt sich aus den drei Gemarkungen Wurgwitz, Niederhermsdorf und Kohlsdorf zusammen. Das vorwiegend ländlich geprägte Wurgwitz hat etwa 2500 Einwohner. Mit seiner Lage im Ballungsraum Dresden ist der Ort nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum Dresdens entfernt.

Der Ort wurde im Zusammenhang mit dem Streit um die Burg Thorun am nahen Burgwartsberg im Jahr 1206 erstmals urkundlich erwähnt, neben Wurgwitz auch Potschappel und Dresden. Wurgwitz war bis zum 1. Januar 1974 eine eigenständige Gemeinde, die anschließend in die Stadt Freital eingegliedert wurde. Gegenwärtig wird im Stadtteil einer der vier Ortschaftsräte Freitals gewählt.

Geographie mini|Ansicht vom Weg nach Saalhausen in das Tal des Quänebachs Geographische Lage Wurgwitz ist Freitals nordwestlichster Stadtteil und grenzt im Norden an die Fluren der Stadt Wilsdruff und der Landeshauptstadt Dresden, dort, wo das Döhlener Becken durch teilweise steile Bergrücken vom sächsischen Lösslehmgebiet abgegrenzt wird. Landschaftsbestimmend sind die durch die Wiederitz und den Hammerbach herausgebildeten Täler, die das Relief am Nordwestrand des Döhlener Beckens wesentlich beeinflussen.

Die Wurgwitzer Fluren bestehen aus Wiesen, Brachland, wenigen Hektar Ackerland, teilweise aufgegebenen Obstbaumkulturen und Siedlungsflächen mit Kleingärten. An den Talhängen entlang der Straßen in Richtung Kesselsdorf und Oberhermsdorf gibt es Hainbuchen-Eichen-Mischwald. Aufgrund der Tatsache, dass sich die Südhänge im Sommer kräftig aufheizen und das Klima sehr beständig ist, wurde in Wurgwitz früher Wein angebaut. Mit dem Auftreten der Reblaus um 1900 musste der Weinbau jedoch aufgegeben werden.

Die Wiederitz, ein linker Nebenfluss der Weißeritz, durchfließt Wurgwitz entlang der Straße von Kesselsdorf nach Potschappel. Westlich von Altfranken, nahe der A 17, entspringt der Hammerbach. Er fließt zwischen Kohlsdorf und Wurgwitz in südöstlicher Richtung; unterhalb der Hammersiedlung wird er zum Hammerteich aufgestaut. In Zauckerode mündet er in die Wiederitz. Der Oberhermsdorfer Bach entspringt im Wilsdruffer Ortsteil Oberhermsdorf und fließt dann durch den Dorfkern Niederhermsdorfs in die Wiederitz. Aus westlicher Richtung von Kleinopitz kommend schneidet der Quänebach die Wurgwitzer Fluren, speist das Freibad Zacke im Stadtteil Zauckerode und mündet kurz danach ebenfalls in die Wiederitz.

Nachbarorte und Ortsgliederung mini|links|Einige Häuser Kohlsdorfs Der Freitaler Stadtteil Wurgwitz setzt sich aus drei Gemarkungen zusammen. Niederhermsdorf bildet den Südwesten des Stadtteils und ist vor allem in Richtung Kleinopitz von weitläufigen Acker- und Weideflächen geprägt. Die Gemarkung Wurgwitz erstreckt sich im Wesentlichen über den Hang links der Wiederitz und rechts des Hammerbachs, wobei der südliche Gemarkungsteil recht dicht bebaut ist. Im Norden herrschen wieder Gras- und Weideflächen vor. Kohlsdorf als dritter Teilort befindet sich östlich von Wurgwitz und ist am dünnsten besiedelt. Nur entlang der Pennricher Straße und der Hohen Straße befinden sich dichter gesetzte Wohngebäude, die in den 1930er Jahren errichtet wurden. Teil von Kohlsdorf ist auch das Gut Hammer, die wenigen Häuser dort werden daher auch als „Hammersiedlung“ bzw. „Hammer-Wurgwitz“ bezeichnet. Am Bachlauf der Wiederitz wird zwischen Niederhermsdorf und Kesselsdorf die wüste Siedlung Bulsitz vermutet.

Die Umgebung ist recht dicht besiedelt, sodass die Orte zum Teil ineinander übergehen, etwa das südöstlich liegende Zauckerode, ebenfalls ein Freitaler Stadtteil. An der Grenze zwischen beiden Orten entstand in den 1990er Jahren eine Neubausiedlung, die seitdem keine landschaftlich erkennbare Abgrenzung zwischen den Dörfern mehr erkennen lässt. Auch entlang der Kesselsdorfer/Wilsdruffer Straße gehen die bebauten Flächen nahtlos ineinander über. Weniger deutlich ist dies bei den gering voneinander entfernten Orten Niederhermsdorf und Oberhermsdorf, westlich davon.

Wurgwitz grenzt an die Wilsdruffer Ortsteile Kesselsdorf im Nordwesten und Kleinopitz im Südwesten. Während nach Kesselsdorf eine Staatsstraße führt, ist Kleinopitz wie auch der südlich gelegene Stadtteil Saalhausen von Wurgwitz aus für Motorfahrzeuge nicht erreichbar. Östlich schließt sich Pesterwitz an die Gemarkung Kohlsdorf an, zwischen beiden Orten baut das Gut Pesterwitz auf Kohlsdorfer Flur seit den 1980er Jahren wieder Wein an. Das im Nordosten gelegene Altfranken gehört wie Pennrich und Zöllmen bereits zu Dresden.

Geschichte mini|Der alte Ortskern von Wurgwitz, die heutige Zöllmener Straße Ersterwähnung, Spätmittelalter und Frühe Neuzeit Zum Ende des 12. Jahrhunderts weitete sich der deutsche Einfluss in den durch Slawen besiedelten Gebieten immer weiter aus. Der Dohnaische Burggraf Heinrich ließ in dieser Zeit die Burg Thorun errichten. Ihre Position ist nicht genau belegt, es wird aber aufgrund von Grabungsbefunden vermutet, dass sich das Kastell auf dem Burgwartsberg bei Pesterwitz befunden haben muss. Das Domkapitel zu Meißen sah in der Errichtung eine Verletzung seines Hoheitsgebietes und ersuchte Papst Innozenz III., den Bau rückgängig zu machen. Zur Schlichtung des Streites wurde der Markgraf des Gaues Nisan, Dietrich der Bedrängte, verpflichtet. Er ordnete eine Grenzbegehung zur Klärung der Streitfrage an, zu der auch die Besitzer der in der Umgebung liegenden Dörfer geladen waren. Unter ihnen wurde „Hermannus de Worganewicz“ erwähnt, der Eigentümer des heutigen Wurgwitz. Überliefert ist sein Name in der 1206 verfassten Abschlussurkunde des Markgrafen, die das Gebiet zwischen der Quelle der Wiederitz (Zuchewidre) und deren Mündung in die Weißeritz (Bistrice) dem Meißner Hochstift zusprach. Die Burg Thorun wurde daraufhin geschleift.Kretzschmar 2006, S. 5 ff. Hermann hatte im Auftrag des Meißner Bischofs einen kleinen Landesausbauversuch in westliche Richtung unternommen, wo Nieder- und Oberhermsdorf entstanden (nach ihm benannt); einen umfassenderen Erfolg verhinderten die ebenfalls in der Nähe kolonisierenden Burggrafen von Dohna, die 1206 in ihre Schranken gewiesen wurden. Die Herren von Wurgwitz sind bis 1228 am bischöflichen Hof nachweisbar, ihre Nachfahren noch mindestens bis ins 15. Jahrhundert.

In dem im Hauptstaatsarchiv Dresden befindlichen Dokument werden zudem Dresden, Döhlen, Potschappel und Gompitz erstmals erwähnt. Kohlsdorf wurde erstmals 1450 als „Colostorff“ genannt, Niederhermsdorf tauchte 1381 als „Nydern Hermansdorf“ zum ersten Mal in Schriftdokumenten auf.

In der Zeit von Hermannus de Worganewicz bestand Wurgwitz nur aus wenigen kleinen Häusern und Dreiseitenhöfen, die sich entlang der heutigen Zöllmener Straße, dem Wiesenweg und der Straße Am Weinberg im Stile eines Gassendorfes reihten. Die Lage am Hang ermöglichte einen guten Überblick über das im Süden liegende Döhlener Becken, was aus strategischen Überlegungen von Vorteil war. Die Wortendung -ovici bedeutet im Slawischen „Siedlung der Leute“ oder „Dorf der Sippe“. Der wahrscheinliche slawische Ortsname Vrganovici stammt daher wohl von der Siedlung der Leute eines Vrogan.

mini|Karte der Schlacht von Kesselsdorf; am unteren Rand Niederhermsdorf Für das Jahr 1303 ist die Nennung von „Wrganewytz“ überliefert, 1308 die von „Wrganuwicz“. „Worgenwicz“ bzw. „Worgenewicz“ sind in Urkunden von 1378 erwähnt. Mitte des 15. Jahrhunderts tauchte „Worgewicz“, später auch „Wurgenwicz“ als Ortsname auf. Aus dem Jahr 1539 wurde „Wurgewitz“ überliefert, 1547 wurde das Dorf auch „Worgitz“ genannt. Zu dieser Zeit gab es im Ort 15 Inwohner und 13 „besessene Mann“, die 6½ Hufen Land bewirtschafteten.

Am Eingang zum Rittergut Wurgwitz wurde 1625 anlässlich des 100. Jahrestages des Augsburger Religionsfriedens eine Sommerlinde gepflanzt. Sie steht noch direkt an der Zöllmener Straße und ist als Naturdenkmal geschützt. In einer Urkunde von 1645 wurden 16 abgabenpflichtige Wurgwitzer namentlich aufgeführt. Während der Pestwelle starben 1680 in Kesselsdorf und Wurgwitz 36 Menschen. Im Dezember 1745 unterlag ein Heer aus Österreichern und Sachsen der preußischen Armee in der Schlacht bei Kesselsdorf nur wenige Kilometer vom Dorf entfernt. Nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges (1756–1763), der finanzielle Auswirkungen auf Wurgwitz hatte, lebten neun besessene Mann und fünf Häusler im Ort, sie bestellten acht Hufen Land zu je 13 Scheffel. Ebenfalls erwähnt wurden je fünf „wüste“ besessene Mann und Häusler. Bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts erwarb Christian Gottlieb Brendel das Wurgwitzer Rittergut mit der Gerichtsbarkeit über den Ort.Kretzschmar 2006, S. 15. Während des Deutschen Krieges waren 1866 preußische Soldaten in Wurgwitz stationiert.

Wurgwitz im Zeichen des Steinkohlenbergbaus Der genaue Beginn der Steinkohlengewinnung im Döhlener Becken ist nicht belegt. Es wird davon ausgegangen, dass bereits im 12. Jahrhundert vereinzelte Förderung von Steinkohle durch die zu dieser Zeit in der Region ansässigen Bauern erfolgte. An der Weißeritz erhielt Hans Biener vom sächsischen Herzog Moritz 1542 das dokumentierte Abbauprivileg auf Steinkohle. Über die Entdeckung der Steinkohle im Döhlener Becken erzählt eine Sage von einem Hirten, der im 15. oder Anfang des 16. Jahrhunderts bei Kohlsdorf Steine zum Schutz vor Wind aufgeschichtet haben soll:

Begünstigt durch die Hanglage von Wurgwitz konnten hin und wieder die parallel zur Oberfläche laufenden Kohlenflöze zutage treten. Von daher ist es wahrscheinlich, dass die Wurgwitzer Bauern schon früher mit einfachen Mitteln „horizontal“ Steinkohle abbauten. Für 1574 ist der Steinkohlenbergbau in Kohlsdorf durch Gutsbesitzer Georg Brendel überliefert.Kretzschmar 2006, S. 53. In Wurgwitz fanden die ersten Abteufungen von Steinkohlenschächten im 17. und 18. Jahrhundert statt. Standort dieser ersten Förderungen war das Gebiet um den ehemaligen Wurgwitzer Kleinbahnhof. Die Steinkohle wurde schnell Grundlage für viele Handwerksbetriebe, ab 1736 wurde sie als Feuerungsmaterial auch im sächsischen Silberbergbau eingesetzt. Der Bedarf an Kohle stieg weiter und überschritt die Kapazität der bisher rund dreißig kleinen Schächte, die sich 1785 zwischen Kohlsdorf und dem Burgwartsberg erstreckten. Zwischen der heutigen Zöllmener und der Kesselsdorfer Straße gab es eine Reihe weiterer Schachtanlagen, die zu den „Brendelschen Abbaufeldern“ zählten. So kam es 1786 zur Eröffnung eines Steinkohlenschachtes in Niederhermsdorf. Von 1800 bis 1842 wurde der Tiefe Weißeritzstolln zur Grubenentwässerung angelegt. Mit dem 1817 begonnenen und 1837 fertiggestellten Tiefen Elbstolln konnte auch das Wasser von tieferen Schächten abgeleitet werden.Kretzschmar 2006, S. 56.

Der Bergbau in der Wurgwitzer Gegend führte auch zur Verkehrserschließung. So wurde 1821 die heutige Kesselsdorfer Straße chausseeartig ausgebaut und als Kohlenstraße benutzt, um die Steinkohle aus dem Freitaler Revier in Richtung Freiberg zu transportieren. Die Ausbaumaßnahme war Teil eines umfassenden Straßenbauprogramms zur Erschließung des Landes. Am 1. Dezember 1856 ging die normalspurige Niederhermsdorfer Kohlezweigbahn vom Bahnhof Potschappel bis zum Albertschacht in Betrieb. Die Einweihung der Schmalspurbahn Freital-Potschappel–Nossen folgte am 1. Oktober 1886. Sie nutzte zwischen Potschappel und Wurgwitz das Gleis der Kohlezweigbahn mit (Dreischienengleis). Die Schmalspurstrecke diente auch der Personenbeförderung. Die Brücke Wurgwitz über die Kesselsdorfer Straße war die erste in Trestle-Bauweise errichtete in Europa.