mini|Illustration Die Gemeine Esche, Gewöhnliche Esche oder Hohe Esche (Fraxinus excelsior), auch Hochesche und kurz nur Esche genannt, ist eine in Europa heimische Baumart aus der Gattung der Eschen. Mit einer Wuchshöhe bis 40 m zählt sie zu den höchsten Laubbäumen Europas. An exponierteren Standorten erreicht das Ölbaumgewächs jedoch nur um 15 bis 20 m. Durch die starke Konkurrenz der Buche, mit der sie häufig vergesellschaftet vorkommt, ist sie in größeren Beständen überwiegend in Waldgesellschaften auf feuchteren (Hartholzaue, Auwald) oder trockeneren Standorten (flachgründige Kalkböden) anzutreffen, auf denen die Konkurrenzkraft der Buche nachlässt. Eschenholz zählt zu den Edellaubhölzern. Nach Buche und Eiche gehört es zu den wichtigsten Laubnutzhölzern Mitteleuropas. Eschenholz wird meist eingesetzt, wenn hohe Ansprüche an Festigkeit und Elastizität gestellt werden. So wird es häufig zur Herstellung von Werkzeugstielen, Sportgeräten und von Biegeformteilen verwendet.

Seit Beginn der 1990er Jahre wird die Esche durch ein zuerst in Polen aufgetretenes und inzwischen in weiten Teilen Europas verbreitetes Eschensterben bedroht, das von dem Schlauchpilz Hymenoscyphus fraxineus verursacht wird.

Im Jahr 1967 wurde die Esche in Deutschland durch die Dr. Silvius-Wodarz-Stiftung Menschen für Bäume und deren Fachbeirat, das Kuratorium Baum des Jahres, zum Baum des Jahres ausgewählt.

Beschreibung Erscheinungsform mini|Gemeine Esche Die laubabwerfende Gemeine Esche erreicht eine Höhe von bis über 40 m und einen Stammdurchmesser von über 1 m, selten bis über 2,5 m.J. C. Loudon: Arboretum Et Fruticetum Britannicum. Vol. II, Second Edition, Bohn, 1854, S. 1227. Nach 100 Jahren hat sie durchschnittlich eine Höhe von 30 m und einen Brusthöhendurchmesser von 30 cm bis 40 cm. Das Höchstalter beträgt etwa 250 bis 300 Jahre. Die Stammachse ist meist gerade und gabelt sich nicht. In Randbereichen des Verbreitungsgebiets werden die zuvor genannten Werte jedoch deutlich unterschritten, oder sie kommt nur strauchförmig vor, etwa in Norwegen.P. Schütt u. a.: Enzyklopädie der Laubbäume. 2006, S. 262. Das Wachstum ist gewöhnlich gebunden, das heißt, der Austrieb eines Jahres ist vollständig in der Knospe des Vorjahres angelegt. Nur unter günstigen Bedingungen erfolgt das Wachstum frei und die Triebanlagen entfalten sich ohne Ruheperiode noch im selben Jahr. Bei jungen Bäumen kann das Auftreten von Bereicherungstrieben und Johannistrieben beobachtet werden.

Neben Lang- und Kurztrieben bildet die Esche noch sogenannte Lineartriebe, die länger sind als Kurztriebe, aber keine Verzweigungen bilden, wie Langtriebe dies tun. Die Äste stehen rechtwinklig zum Stamm; die Zweige zeigen senkrecht nach oben. Zweige, die nicht genügend Licht bekommen, sterben und brechen in Folge ab. Das beginnt üblicherweise nach etwa drei bis fünf Jahren.P. Schütt u. a.: Enzyklopädie der Laubbäume. 2006, S. 263.

Rinde und Holz Die Borke junger Bäume ist grünlich bis glänzend grau mit nur wenigen Korkporen. Nach etwa 15 bis 40 Jahren setzt die Verkorkung ein; eine Netzborke wird gebildet. Die Rinde selbst ist dick und reich an Sklerenchym, Bastfasern fehlen.P. Schütt u. a.: Enzyklopädie der Laubbäume. 2006, S. 264.

Das Holz ist ringporig, das Frühholz zeigt meist mehrreihige, grobe Gefäße, die sich deutlich vom Spätholz abheben. Dadurch sind die Jahresringe deutlich erkennbar. Die Gefäße des Spätholzes sind zerstreut angeordnet, klein und gerade noch erkennbar. Die Holzstrahlen sind schmal. Die Esche ist ein Kernholzbaum, deren Kern sich kaum vom breiten, hellgelblichen Splint unterscheidet. Erst ältere Bäume von 70 bis 80 Jahren und darüber zeigen einen hellbraunen Kern, der bei Nutzung des Holzes als Farbfehler angesehen wird.P. Schütt u. a.: Enzyklopädie der Laubbäume. 2006, S. 266. Eschen, die auf trockenen, kalkhaltigen Böden wachsen, zeigen schmalere Ringe und können im Alter einen Kern bilden, der dem Holz des Olivenbaums (Olea europaea) ähnelt. Man spricht dann von Oliveschen; das elastische Holz eignet sich gut für die Herstellung von Möbeln, Leitern und SportgerätenBeiträge zur Esche. 2002, S. 56..

Wurzeln Die Hauptwurzel wächst zuerst senkrecht in den Boden, stellt sich aber nach wenigen cm auf ein waagrechtes Wachstum um und entwickelt ein typisches Senkerwurzelsystem mit kräftigen, nahe der Oberfläche verlaufenden Seitenwurzeln. Von diesen und vom Stamm entspringen kräftige, senkrecht nach unten wachsende Wurzeln. Die Feinwurzeln treten in bestimmten Bereichen konzentriert auf und fehlen in anderen. Das Wurzelsystem einer 90-jährigen Esche breitet sich bis auf maximal etwa 350 cm Radialentfernung von der Stammbasis aus und gelangt in eine Bodentiefe von 140 cm.P. Schütt u. a.: Enzyklopädie der Laubbäume. 2006, S. 267.

Knospen und Blätter Die kurzen Knospen sind mit dichten, schwarzen und filzigen Haaren besetzt, die zum Schutz vor Frost und Verdunstung gebildet werden. Die Endknospen sind mit einer Länge und Breite von etwa 1 cm deutlich größer als die Seitenknospen, die nur bis zu 5 mm erreichen. Blütenknospen sind stumpfer und kugeliger als andere Knospen. Die Knospen sind Ende Juli fertig angelegt. Häufig sind an Haupttrieben die Knospen eines Knotens gegeneinander versetzt.

Die Blätter stehen kreuzweise gegenständig, nur an besonders wüchsigen Trieben finden sich dreizählige Blattquirle. Die Blätter werden mit dem 5 cm bis 10 cm langen Stiel bis zu 40 cm lang und sind üblicherweise 9- bis 15-zählig unpaarig gefiedert, selten treten weniger Fiederblättchen oder gar nur ein Fiederblatt ('Diversifolia', Einblatt-Esche) auf. Die Rhachis ist rinnig. Die einzelnen, sitzenden bis fast sitzenden, dünnledrigen Blättchen, nur das Enblättchen ist gestielt, sind 4 cm bis 10 cm lang und 1,2 cm bis 3,5 cm breit. Sie sind eiförmig bis verkehrt-eiförmig, zugespitzt bis geschwänzt und gesägt. Die Oberseite ist kahl und sattgrün. Die Unterseite ist weißgrün, der Mittelnerv und zum Teil die Seitennerven können locker filzig behaart sein. Die Seitenblättchen sind kurz gestielt oder sitzend, das Endblättchen ist länger gestielt. Die Blattspindel weist eine behaarte und mit Korkporen besetzte Furche auf, Nebenblätter fehlen. Die Blätter fallen meist noch grün vom Baum, nur im kontinentalen Osten des Verbreitungsgebiets (siehe unten) verfärben sich die Blätter manchmal gelblich.P. Schütt u. a.: Enzyklopädie der Laubbäume. 2006, S. 264–265.

Blüten und Früchte Die Esche wird frei stehend mit 20 bis 30 Jahren mannbar, in Gruppen mit anderen Bäumen nach 30 bis 35 Jahren. Sie ist oft zwittrig, wobei abhängig vom Individuum ein Geschlecht reduziert sein kann. Dies führt bis hin zu männlichen oder weiblichen Blüten. Es kommen also rein männliche, männliche und zwittrig, nur zwittrige, weibliche und zwittrige, nur weibliche Exemplare vor (Triözie, sowie Andro- und Gynomonözie, Andro-, Gynodiözie).Pierre Saumitou-Laprade et al.: Polygamy or subdioecy? The impact of diallelic self-incompatibility on the sexual system in Fraxinus excelsior (Oleaceae). In: Proceedings of the Royal Society B. Volume 285, Issue 1873, 2018, doi:10.1098/rspb.2018.0004.Flowering biology of Fraxinus excelsior auf oleaceae.info.

Die Blüten haben einen grünlichen, aus zwei Fruchtblättern entstandenen, synkarpen Fruchtknoten und zwei Staubblätter. Die Staubbeutel stehen auf kurzen Staubfäden und sind zunächst purpurrot. Kelch- und Kronblätter fehlen. Die Gemeine Esche wird als einzige Art in der Familie der Ölbaumgewächse durch Wind bestäubt (Anemophilie).Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. Ein botanisch-ökologischer Exkursionsbegleiter zu den wichtigsten Arten. 6., völlig neu bearbeitete Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2005, ISBN 3-494-01397-7, S. 208. Als Blütenstände werden seitenständige Rispen gebildet, die bereits im März/April (also vor den Laubblättern) an den Sprossen des Vorjahres erscheinen. Sie stehen zuerst aufrecht und hängen später über.P. Schütt u. a.: Enzyklopädie der Laubbäume. 2006, S. 268.

Als Früchte werden einsamige, einseitig geflügelte und flache Nussfrüchte (genannt Flügelnüsse) an dünnen Stielen gebildet. Sie sind 19 mm bis 35 mm lang und 4 mm bis 6 mm breit, schmal eiförmig, -eilanzettlich bis verkehrt-eiförmig, -eilanzettlich, bräunlich und schwach verdreht (tordiert). Die Nuss ist 8 mm bis 15 mm lang und 2 mm bis 3 mm breit, an der Basis rundlich und oben gewölbt zusammengedrückt. Der Flügelsaum der früher als Lingua avisOtto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 143. („Vogelszunge“)Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 198–199 (Lingua auis / Lingua avis „fogelszunge […] vogelszunge“ in Bezug auf die zungenähnliche, „blattartige“, Gestalt der Flügelnüsse). bezeichneten Frucht ist zungenförmig, oft ausgerandet, seltener zugespitzt und läuft maximal bis zur Hälfte der Nuss herab. Die Früchte werden von Oktober bis November reif und fallen während des ganzen Winters ab. Sie werden als Schraubenflieger verbreitet und erreichen dabei Entfernungen von 60 m, in seltenen Fällen bis zu 125 m.

Bilder

Keimung und Wachstum mini|Sämling mit Keim- und Primärblättern, etwa einen Monat alt

Die Gemeine Esche keimt epigäisch. Die Samen sind keimgehemmt und ruhen etwa zwei Winter, bevor sie austreiben, sie können aber auch sechs Jahre keimfähig im Boden verbleiben. Die Keimhemmung ist zum Teil dadurch bedingt, dass der Embryo zur Zeit der Fruchtreife erst die Hälfte der späteren Größe erreicht und nicht voll entwickelt ist. Außerdem wird der Ruhezustand des Samens durch die enthaltene Abscisinsäure gefördert.P. Schütt u. a.: Enzyklopädie der Laubbäume. 2006, S. 271.

Die beiden Keimblätter des Sämlings sind schmal, länglich und netznervig und erreichen eine Länge von 5 cm und eine Breite von 7 mm. Sie ähneln denen des Ahorns, unterscheiden sich aber von diesen durch die netzartige Nervatur. Die Primärblätter sind ungeteilt, die folgenden Laubblätter dreizählig gefiedert. Unter günstigen Lichtbedingungen auf Freiflächen oder in stark aufgelichteten Altbeständen nimmt die Esche rasch an Höhe zu; das Wachstum ist in einem Alter von 2 bis 15 Jahren am stärksten. Die Esche kann dann Trieblängen von bis zu 1,5 m je Jahr bilden. In dichten Beständen wird das Dickenwachstum gegenüber dem Höhenwachstum zurückgestellt; unter günstigen Bedingungen kann die Esche jedoch bis zu 9 mm breite Jahresringe bilden.

Chromosomenzahl Die Chromosomen­zahl der Gemeinen Esche beträgt 2n = 46.

Verbreitung und Standortansprüche mini|300px|Verbreitung