Lunzenau ist eine Kleinstadt im Landkreis Mittelsachsen im mittleren Sachsen.

Geographie mini|links|Brücke über die Zwickauer Mulde, 2007 mini|Die Rochsburg im gleichnamigen Ortsteil Die Stadt liegt im Sächsischen Granulitgebirge, direkt an der Zwickauer Mulde und ist ungefähr 25 km von Mittweida, etwa 25 km von Chemnitz und rund 65 km von Leipzig entfernt.

Ortsteile Berthelsdorf Cossen Elsdorf (Ober- und Niederelsdorf) Göritzhain Himmelhartha Hohenkirchen Rochsburg Schlaisdorf (Groß- und Kleinschlaisdorf)

Geschichte mini|hochkant|Das Lunzenauer Rathaus, 2007 mini|Lunzenauer Heimathaus Der sorbische Name des Ortes lautet *Łǫčnov- bzw. *Łǫčin- (dt. Siedlung eines Łǫk(a) oder Siedlung an einer Biegung, weil altsorbisch *łuk etwa Bogen bedeutet);Ernst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen. Band I, Berlin 2001, ISBN 3-05-003728-8, S. 629f. es handelt sich um die südlichste Sorbensiedlung des sorbischen Kleingaues Rochelinzi (Rochlitz). 1170 wurde von deutschen Kolonisten neben dem bereits bestehenden sorbischen Weiler ein Reihendorf angelegt. Fünf Jahre später wurde Lunzenau als Besitz des Ritters Guntheros de Rohsberg (Gunther von Rochsburg) erwähnt. Im Jahr 1209 fand Hohenkirchen als für Lunzenau zuständige Pfarre Erwähnung. Lunzenau wurde im Jahr 1333 Stadtrecht verliehen. Sechs Jahre zuvor erfolgte die Ersterwähnung der Lunzenauer Muldenbrücke.

Aus der Stadtchronik

1390: erste Kirche wird erwähnt 1495: die Lunzenauer Fischerinnung wird gegründet 1500: erstes Pfarrgericht von Lunzenau 1523: die Bauern, die unter die Rochsburger Herrschaft fallen, legen gegen ihren Feudalherren Beschwerde beim Herzog von Sachsen ein 1572: das erste Lunzenauer Rathaus brennt ab 1574: die Schule wird erstmals urkundlich erwähnt 1633: die Pest wütet und halbiert die Bevölkerungszahl 1635: einem großen Stadtbrand fallen die Kirche, das Brauhaus und ca. die Hälfte aller Bürgerhäuser zum Opfer 1781: zweiter großer Stadtbrand – Kirche, Rathaus, das Diakonat mit der Schule, das Brau- und Malzhaus sowie ca. ⅔ der Häuser brennen nieder 1788: Weihe der 40 m hohen Kirche St. Jakobus 1790: Bauernaufstand gegen Rochsburger Herrschaft, Lunzenauer Bürger beteiligen sich daran, die Frondienste werden aufgekündigt 1831: Pfingsten – Großbrand in der „Gräflichen Schönburgschen Schäferei“, 300 Schafe sind mit verbrannt 1835: allgemeine Stadtordnung wird eingeführt 1839: Maihochwasser nach einem Wolkenbruch, 80 cm über der Straße, das Bachhaus und die Schneidemühle werden mit weggerissen 1849: Lunzenauer Kommunalgarde kämpft um die Errungenschaften der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848, der Hauptmann (Webergeselle Schlimper) wird zum Tode verurteilt und 1853 begnadigt 1872: die Göhrener Brücke wird in Betrieb genommen, die Eisenbahnstrecke Leipzig–Chemnitz eingeweiht 1858: verheerendes Hochwasser der Zwickauer Mulde 1898: elektrischer Strom auch in Lunzenau 1927: großes Unwetter zerstört alle Brücken und Wege am Unterlauf des Brausetalbaches 1945: Bombenabwurf über Elsdorf am 16. Januar, schwere Schäden an Gebäuden, keine Toten oder Verletzten. Am 15. April marschierten die US-Truppen ein, die Stadt wurde daraufhin von Bürgermeister Arnold übergeben, im Juni wechseln die Besatzungstruppen und die Sowjetarmee zieht ein 1954: schweres Hochwasser mit Gefährdung für die Muldenbrücke in Lunzenau, deren Fahrbahn gerade erweitert wurde 2000: Sanierungsarbeiten an der Stadtkirche „Sankt Jakobus“ beginnen 2002: August – „Jahrhundertflut“, an der Zwickauer Mulde werden historische Höchststände gemessen, es gibt keine größeren Schäden in Lunzenau 2013: Juni – erneut Hochwasser an der Zwickauer Mulde, die Pegelstände von 2002 werden um 20 cm übertroffen, Papierfabrik und die Gaststätte „Zum Prellbock“ sind stark betroffen

Schreibweisen des Ortsnamens Folgende Formen des Ortsnamens sind urkundlich belegt:Ernst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen. Band I, Berlin 2001, ISBN 3-05-003728-8, S. 629.

Eingemeindungen Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung BerthelsdorfStatistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen 1. Januar 1994 Cossen 1. Januar 1994 Elsdorf 1. Januar 1994 Göritzhain 1. Januar 1994 Großschlaisdorf (Schlaisdorf)Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 1. Januar 1948 in den neuen Ländern. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7.Ministerium des Innern des Landes Sachsen (Hrsg.): Verzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden und Nachweis über die Aufgliederung der selbständigen Gutsbezirke und Staatsforstreviere. 1952. 1. Juli 1949 Himmelhartha 1. April 1996 Hohenkirchen 1. Januar 1967 KleinschlaisdorfStatistische Bureau des königlichen Ministeriums des Inneren (Hrsg.): Gemeinde- und Ortsverzeichnis für das Königreich Sachsen. 1904. vor 1875 Eingemeindung nach Großschlaisdorf Niederelsdorf 1. Januar 1952 Zusammenschluss mit Oberelsdorf zu Elsdorf Oberelsdorf 1. Januar 1952 Zusammenschluss mit Niederelsdorf zu Elsdorf Rochsburg 1. Januar 1994

Politik

Stadtrat Seit der Stadtratswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 16 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

Zur konstituierenden Sitzung wurden zu den Stellvertretern des Bürgermeisters ein Vertreter der FWL und eine Stadträtin der Freien Sachsen gewählt. +letzte StadtratswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %CDU745,7640,7843,9Freie Wählergemeinschaft Lunzenau637,4950,3531,3Freie Sachsen317,0––––Linke––19,0210,8Grüne––––110,0SPD–––––4,0Wahlbeteiligung71,0 %63,6 %52,0 %

Bürgermeister Seit 2008 ist Ronny Hofmann (CDU) Bürgermeister. Er wurde zuletzt am 12. Juni 2022 mit 57 % erneut ins Amt gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl in Lunzenau vom 12. Juni 2022 +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2022Ronny HofmannCDU57,0201596,6200852,92001Franz LindenthalFWL51,41994FWG Lu48,7

Wappen Auf dem Wappen sind ein Fisch und ein Fischerhaus zu sehen.

Städtepartnerschaft Hörstel (Nordrhein-Westfalen)

Kultur und Sehenswürdigkeiten siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Lunzenau Schloss Rochsburg mit Museum Zum Prellbock, Bahnmuseum und Gaststätte mit Kofferhotel

Gemeindekirchen Kirche St. Jakobus mit Jehmlich-Orgel (1905)https://vogtlaendischer-orgelbau.de/orgel-lunzenau.html

Gedenkstätten Kriegerdenkmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges auf dem Friedhof in Lunzenau Mahnmal von 1952 im Heinrich-Heine-Park zur Erinnerung an die Opfer des Faschismus Denkmal für Max Vogler (1854–1889), Heimat- und Muldentaldichter

Parks Heinrich-Heine-Park Max-Vogler-Park Lunzenauer Muldenterrasse Kerns Garten

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr Die Bundesautobahn 72 ist über die Anschlussstelle Penig ca. 4 km entfernt, die Bundesstraße 175 führt unmittelbar am Ortsteil Elsdorf entlang, von wo die Staatsstraße S 247 über Lunzenau nach Mittweida führt. Die Staatsstraße S 242 verbindet Lunzenau mit Burgstädt und Geithain, die Kreisstraße K 8260 mit Penig und Obergräfenhain. Der Ortsteil Rochsburg ist über die Kreisstraße K 8260 mit Penig verbunden.

Die nächstgelegene Bahnstation ist Burgstädt an der Bahnstrecke von Chemnitz nach Leipzig, nachdem 2005 der Halt in Cossen aufgegeben und der Betrieb auf der durch die Stadt führenden Muldentalbahn 2002 eingestellt worden war. Der Personenverkehr auf letzterer ist durch eine täglich verkehrende Buslinie des VMS ersetzt. Weitere regelmäßige Busverbindungen bestehen werktags nach Burgstädt, Narsdorf, Wiederau und Mittweida.

Durch Lunzenau führt die Via Porphyria,Webseite der Via Porphyria der Lutherweg SachsenWebseite des Lutherwegs Sachsen und der Bilz-Rundwanderweg.

Wirtschaft Die Lunzenauer Papier- und Pappenfabrik wurde 1885 durch Wilhelm Vogel gegründet und 1965 in den VEB Patentpapierfabrik Penig eingegliedert. 1990 privatisierte die Treuhandanstalt den Lunzenauer Betriebsteil. In Lunzenau werden Rohfilzpappe und Sonderpappen hergestellt, die Produktion von Raufasertapeten wurde jedoch eingestellt.

Vogel gründete in Lunzenau zuerst eine Weberei für Möbelstoffe und ließ von 1873 bis 1877 einen Privatpark gestalten, der 1952 Heinrich-Heine-Park benannt wurde.

Bildung mini|Grundschule „An den Linden“, 2007 Evangelische Oberschule Grundschule „An den Linden“

Freizeit- und Sportanlagen Fußballplatz Reitanlage Pferdehof Meinig

Dichtung und Wahrheit Einer alten Überlieferung nach hat Lunzenau seinen Namen aus folgender Begebenheit:

Einst soll ein Ritter entlang das Muldentales gereist sein und als er des Nachts eine Ruhestätte suchte, fiel sein Blick hinab in das bewaldete Tal und er sah wie sich der volle Mond im Wasser des Flusses spiegelte und sprach: „Das ist Luna's Aue.“

Daraus soll nach der Überlieferung im Laufe der Zeit Lunzenau geworden sein.

Persönlichkeiten Ehrenbürger mini|hochkant|Max Vogler 1933: Martin Mutschmann (1879–1947), Reichsstatthalter, Verleihung anlässlich der 600-Jahr-Feier 2002: Werner Goldammer, Leiter des Lunzenauer Blasorchesters

Söhne und Töchter der Stadt Sophie Sabina Apitzsch (1692–1752), bekannt auch als „Prinz Lieschen“, Hochstaplerin Georg Theodor Hoffmann (1848–1919), in Rochsburg geborener Reichsgerichtsrat Theodor Salzmann (1854–1928), Musikpädagoge, Sänger, Komponist und Herausgeber von Musiksammlungen Max Vogler (1854–1889), Lyriker, Belletrist und Literaturhistoriker Paul Keller (1895–1969), in Rochsburg geborener Politiker (GB/BHE, GDP) Johannes Weck (1905–1965), Forstwissenschaftler und Hochschullehrer Willi Herold (1925–1946), Kriegsverbrecher Rolf Sieber (1929–2020), Hochschulrektor und Diplomat

Literatur Zur Stadt Hermann Löscher, Johannes Strehle: Geschichte der Stadt Lunzenau., Druck und Verlag Reinh. Schmidt Burgstädt, 1933. Lunzenau – Überblick über die geschichtliche Entwicklung. 1983.

Sonstige Max Vogler: Der Herr Kommerzienrat. Eine Anklage gegen den Lunzenauer Fabrikanten Vogel. 1883. Lothar Krügel: Dr. Max Vogler – Dichter, Schriftsteller und Wissenschaftler. herausgegeben zum 65. Todestag des Heimatdichters. 1954.

Weblinks

Atlas Mittelsachsen offizielle Internetpräsenz der Stadt Lunzenau

Einzelnachweise

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