mini|Neubau des Hotel Adlon
Das Hotel Adlon Kempinski ist eines der luxuriösesten und bekanntesten Hotels in Deutschland. Es liegt in der Dorotheenstadt im Berliner Ortsteil Mitte am Boulevard Unter den Linden 77, unweit des Brandenburger Tors am Pariser Platz. Es wurde 1997 eröffnet und folgt der Tradition des 1907 eröffneten ursprünglichen Hotels Adlon, das 1945 ausbrannte und bis auf einen Seitenflügel abgerissen wurde, der bis 1984 stand.
Das Hotel Adlon war 2018 mit einem Umsatz von 58 Millionen Euro das viert-umsatzstärkste Hotel in Deutschland. Es gehört zum Hotelverbund The Leading Hotels of the World.
Altes Hotel Adlon mini|Erstes Hotel Adlon in der Zeit der Weimarer Republik, 1926
Vorgeschichte Um 1900 wurde es bei der europäischen Oberschicht modern, Bälle, Diners und andere Festlichkeiten auf großen öffentlichen Bühnen zu zelebrieren. Diese Bühnen der Gesellschaft waren Hotels, die – nach US-amerikanischem Vorbild – allen Luxus erfüllten, den die damalige Welt zu bieten hatte. Hotels, und da war Deutschland keine Ausnahme, waren in früheren Jahrhunderten nur als reine Übernachtungsmöglichkeit angesehen worden. Ein Fest oder gar einen großen Empfang in solch einem Rahmen auszurichten, war zunächst unvorstellbar, da sowohl der Adel als auch das reiche Großbürgertum daran gewöhnt waren, zu Hause oder auf einem Landsitz zu feiern.
In den Vereinigten Staaten gab es solch eine Entwicklung nicht. Früh eröffneten in den großen Zentren, wie New York oder Boston, Luxushotels, die sich nicht nur auf Schlafmöglichkeiten reduzierten, sondern ebenso Raum für private Vergnügungen boten, wie Spielezimmer, Rauchersalons, Bibliotheken und Cafés. Diese neue Art des Hotellebens drang nach Europa und zeigte bald erste Wirkungen in den Großstädten. In Paris und bald darauf in London eröffnete das feine Ritz, in Sankt Petersburg das Hotel Astoria, in Wien das feudale Hotel Imperial. Auch in Deutschland gab es elegante Hotels, wie das Bristol oder das Grand Hotel de Rome, doch waren diese im Vergleich zur neuen Spitzenklasse altmodisch und antiquiert. So brannte das Berlin der Kaiserzeit darauf, endlich auch eine dieser großen Adressen zu besitzen, um so mit den anderen Metropolen gleichzuziehen. Kaiser Wilhelm II. unterstützte das Projekt und half bei der Baugrundbeschaffung. 1905 kaufte der Hotelier Lorenz Adlon zwei Grundstücke am Boulevard Unter den Linden.
Am 24. Oktober 1907 berichtete die Vossische Zeitung in Berlin:
Baugeschichte Lorenz Adlon war ein ehrgeiziger Geschäftsmann, der – klein angefangen – mehrere Lokalitäten und Kaffeehäuser besaß (unter anderem im Zoologischen Garten) und aus dem so entstandenen Vermögen den Bau finanzierte. Mit den Genehmigungen hatte er keine Probleme, da der deutsche Kaiser schon bald auf das Projekt aufmerksam wurde und alles in seiner Macht stehende tat, um Adlon zu unterstützen. Für knapp zwei Jahre wurde die Adresse Unter den Linden, an der zuvor das von Karl Friedrich Schinkel erbaute Palais Redern stand, zur Baustelle. Dieser Bau im italienischen Renaissancestil, zu dem ein von Landschaftsarchitekt Peter Joseph Lenné gestalteter Garten gehörte, stand unter Denkmalschutz; sein vom Monarchen persönlich genehmigter Abriss 1906 löste erhebliche öffentliche Proteste in Bürgerschaft und Presse aus.
Führende Architekten wie Carl Gause oder Robert Leibnitz begleiteten die Arbeiten. Als dann die Außenfassade sichtbar wurde, waren einige Berliner zuerst verwundert. Sie hatten einen repräsentativen Bau der Feudalarchitektur erwartet, ein Pendant zum Berliner Stadtschloss. Stattdessen zeigte das Gebäude klare, klassizistische Linien, mit vereinzelten Jugendstilzierraten. Hier wurde zum ersten Mal deutlich, dass Lorenz Adlon sich als Ästhet verstand. Weder war es seine Absicht gewesen, dem kaiserlichen Hof Konkurrenz zu machen, noch sollte das Hotel den Pariser Platz dominieren. Die Gesamtansicht wirkte abgestimmt, das Hotel nahm die klaren Linien des Brandenburger Tores auf und harmonierte so mit seiner Umgebung. Mit dem Palais Arnim bildete es die Südostecke des Pariser Platzes.
Hinter klassisch-konservativen Mauern verbarg sich eine einzigartige technische Ausstattung. Elektrizität und fließend warmes Wasser gehörten zum Standard der Gästezimmer. In den unteren Etagen konnten ein Café, ein Restaurant, eine Lounge, eine weitläufige Lobby, ein Rauchsalon, eine Bibliothek, ein Damenzimmer, ein Musiksalon sowie ein Wintergarten, in dem die Gäste ihren Tee zu sich nahmen, rund um die Uhr genutzt werden. Hinzu kamen große Konferenzräume und ein Ballsaal. Die Raumausstattung fast aller Bereiche war in Neobarock oder im Louis-seize-Stil gehalten, dazu gab es meist Inneneinrichtungsstücke der Mainzer Möbelfirma Bembé, bei der Lorenz Adlon einst eine Lehre als Tischler angefangen hatte. Die Ausstattung der Speisesäle, des Festsaals, des Wintergartens und der Bar im Adam-Style übernahm die Berliner Kunsttischlerei Kimbel & Friederichsen.Melitta Jonas: Wilhelm Kimbel. Ein Historist in der Moderne. In: Christian Juranek u. a.: Art Déco. Kunst des Historismus? (= Edition Schloss Wernigerode, Bd. 22), Janos Stekovics, Wettin-Löbejün OT Dößel 2019, ISBN 978-3-89923-402-2.
Die Vossische Zeitung schrieb anlässlich der Eröffnung:
Die offizielle Einweihung nahm Kaiser Wilhelm II. am 27. Oktober 1907 vor.Berlin-Kalender 1997. Hrsg. Luisenstädtischer Bildungsverein, 1997, ISBN 3-89542-089-1, S. 196: 27. Oktober.
Mythos Adlon Die Eröffnung war ein voller Erfolg, und schon in den ersten Jahren begann das Hotel Adlon, wie es jetzt offiziell hieß, eine Institution zu werden. Familien des Hochadels verkauften ihre Winterpalais’ in Berlin, um in den Suiten des Hotels zu residieren. Selbst Wilhelm II. floh vor den zugigen Räumen seines Schlosses in die luxuriösen und gut beheizten Zimmer des Adlon. Auch das Auswärtige Amt nutzte das Hotel gern als inoffizielles Gästehaus, da es noch keine geeigneten Unterbringungen für hohe Besucher aus dem Ausland gab. Unter der Führung seines Gründers entwickelte sich das Adlon zu einem Haus des Sehens und Gesehen-Werdens. Europas Könige und Kaiser, der Zar von Russland, der Maharadscha von Patiala, aber auch Industrielle und Politiker wie Thomas Alva Edison, Henry Ford, John D. Rockefeller, Walther Rathenau, Gustav Stresemann und Aristide Briand waren berühmte Gäste der frühen Jahre. mini|Ball der Auslandspresse im Hotel Adlon, 1930er Jahre
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs änderte sich vorerst nur die Gästeliste. Hofgesellschaft und Großbürgertum waren mit der alten Welt untergegangen. Wo früher der Kaiser nächtigte, fanden sich nun reiche US-Amerikaner ein, die auf Urlaubsreise in Europa waren und die bald den Namen des Hotels über den Atlantik brachten. 1919 hatten die US-amerikanischen Besatzer ihr Hauptquartier im Adlon. Über dem Hotel wehte jedoch nicht die US-Flagge, sondern die des Roten Kreuzes.Die in Paris erschienene Zeitung The stars and stripes berichtete in der Ausgabe vom 25. April 1919, ein Arzt der US-Armee habe von seiner Verlobten eine 1,50 breite Flagge des Roten Kreuzes genäht bekommen, die er über dem Adlon aufhängte. Die Goldenen Zwanziger brachten auch goldene Zeiten für das Adlon. Charlie Chaplin verlor auf dem Weg in das Hotel seine Hosenknöpfe an die Berliner, Marlene Dietrich wurde hier entdeckt. Die Berliner Morgenpost schrieb 1929: „In der großen Halle des Hotels hörte man die Sprachen aller Kulturnationen durcheinander schwirren“. Zwischen 1925 und 1930 hatte das Hotel fast zwei Millionen Besucher, es galt inzwischen als feste Einrichtung in Berlin, ja als Sehenswürdigkeit. Der Grieben-Reiseführer von 1928 nannte das Adlon ein „Hotel allerersten Ranges, mit 450 Hotelbetten“, der Baedeker lobte das Weinrestaurant im Adlon als „besonders vornehm“.
Letzte Jahre des alten Adlon Mittelbar nach der am 30. Januar 1933 durch die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler erfolgten Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde im April 1933 kurzzeitig das Außenpolitische Amt der NSDAP (APA) von Alfred Rosenberg in einem Seitenflügel des Gebäudes eingerichtet.Reinhard Bollmus: Das Amt Rosenberg und seine Gegner. Studien zum Machtkampf im nationalsozialistischen Herrschaftssystem. Stuttgart 1970, S. 19, 42. Der stetige Aufschwung des Hotels nahm mit dem Beginn des NS-Regimes im Deutschen Reich allmählich ein Ende. Dies lag vor allem an der abnehmenden Zahl US-amerikanischer Touristen. Allerdings gab es Höhepunkte, wie die Olympischen Spiele 1936. Louis Adlon hatte inzwischen die Hotelführung mit seiner Frau Hedda übernommen. Die nationalsozialistische Prominenz wählte den Kaiserhof am Wilhelmplatz, der schon 1932 Hitlers Quartier gewesen war, und nicht das Adlon als neuen Treffpunkt und als Hauptausrichtungsort für Festlichkeiten; Historiker gehen davon aus, dass die Atmosphäre des Adlon zu weltoffen und zu international war und so nicht zu dem „Deutschtum-Fanatismus“ passte. 1943 nahm die Zahl der Gäste wieder zu, da der Kaiserhof am nahe gelegenen Wilhelmplatz bei einem Bombenangriff vollständig zerstört worden war.
In den Jahren 1943/44 wurde unter dem Pariser Platz der Adlon-Bunker gebaut. Er verfügte auf zwei Etagen über insgesamt 420 Quadratmeter mit 20 Räumen je Etage. Der Bunker bot (in der unteren Etage) den Gästen des Hotels den gewohnten Luxus und diente sowohl ihnen als auch (in der oberen Etage) dem Personal der benachbarten Generalbauinspektion für die Reichshauptstadt zum Schutz.Berliner Zeitung am 29. November 2025, S. 14: mini|Blick vom Brandenburger Tor auf die Straße Unter den Linden, rechts die Ruine des Adlon mit der massiven Luftschutzmauer um das Erdgeschoss aus der Kriegszeit, März 1950
Das Adlon stand, zuletzt auch als Lazarett genutzt, bis zur Kapitulation Berlins am 2. Mai 1945 unbeschädigt am sonst zerstörten Pariser Platz. In den ersten Tagen danach brannte das Gebäude, besetzt von feiernden und plündernden Rotarmisten,ZDF-Dokumentation am 6. Januar 2013 um 21.50 Uhr. aus ungeklärter Ursache aus – bis auf einen Seitenflügel. Die Mauern blieben vorerst stehen und wurden erst 1952 beseitigt. Der verbliebene Seitenflügel diente bis Anfang der 1980er Jahre – mit seit dem Mauerbau 1961 zugemauerten Westfenstern – als Hotel und Restaurant der Handelsorganisation HOReiseführer DDR, VEB F. A. Brockhaus Verlag (Leipzig), 1969. und zuletzt bis zur Sprengung 1984 als Internat für Berufsschüler.Götz Eckardt (Hrsg.): Schicksale deutscher Baudenkmale im zweiten Weltkrieg. Eine Dokumentation der Schäden und Totalverluste auf dem Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik. Band 1. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1980, S. 46 f., mit Abbildung.
Der Besitzer des Hotels, Louis Adlon, wurde am 25. April 1945 von Angehörigen der Roten Armee in seinem Wohnhaus in Neu Fahrland festgenommen und verstarb „nach einer Odyssee“ am 7. Mai 1945 „an Herzschwäche“ auf einer Straße in Falkensee. In: Märkische Allgemeine, 11. Januar 2013. Seine Frau Hedda überlebte das Kriegsende und verstarb 1967.
Küche Im historischen Adlon wurde eine Vielzahl von Gerichten neu geschaffen. Zu diesen zählen beispielsweise: Seezungenfilet Adlon Kalbssteak Adlon
Neues Hotel Adlon Kempinski Hotelhauptgebäude mini|Neubau, um 1996 mini|Hotel Adlon und Brunnen am Pariser Platz mini|Schriftzug auf dem Dach des Hotels