Pfinztal ist die einwohnerstärkste Gemeinde in Baden-Württemberg ohne Stadtrecht und liegt im Landkreis Karlsruhe im Nordwesten des Landes.
Sie besteht aus den früher selbstständigen Gemeinden Berghausen, Kleinsteinbach, Söllingen und Wöschbach, die sich am 1. Januar 1974 im Rahmen der Gebietsreform in Baden-Württemberg zusammenschlossen.
Geografische Lage Lage Pfinztal liegt am Rande des Kraichgaus. Im Westen grenzt Pfinztal an die Stadt Karlsruhe, im Norden an die Gemeinden Weingarten (Baden) und Walzbachtal, im Süden an die Gemeinde Karlsbad und im Osten an den Enzkreis. Die Lage im Tal der Pfinz, einem Nebenfluss des Rheins, gab der Gemeinde ihren Namen. Die Region wird auch als „Pfinz-Kraichgau“ bezeichnet.
Naturraum Die Gemeinde ist umgeben von Wäldern, Wiesen, Obst- und Rebhängen. Von der naturräumlichen Gliederung Deutschlands her gehört Pfinztal zur naturräumlichen Haupteinheit Nr. 125 (Kraichgau) und dort zur Untereinheit 125.2 (Kraich-Saalbach-Hügelland) im Südwestdeutschen Schichtstufenland gemäß der Systematik des Handbuchs der naturräumlichen Gliederung Deutschlands.
Gemeindegliederung Die Gemeinde Pfinztal besteht aus den früher selbstständigen Gemeinden Berghausen, Kleinsteinbach, Söllingen und Wöschbach. Zu den ehemaligen Gemeinden Berghausen, Kleinsteinbach und Wöschbach gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer. Zur ehemaligen Gemeinde Söllingen gehören das Dorf Söllingen und die Häuser der Badischen Wolframerzegesellschaft (vormals „Hammerwerk“).
In den vier ehemaligen Gemeinden sind Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender eingerichtet.
Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Berghausen liegen die Wüstungen Hefingen, Salchhofen und Sluchelingen. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Söllingen deutet der Flurname Kalkofen auf eine heute nicht mehr existierende Siedlung hin.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 112–114.
Nachbargemeinden An Pfinztal grenzen die Gemeinden Walzbachtal, Weingarten (Baden), Karlsbad (Baden), Remchingen, Königsbach-Stein und die Stadt Karlsruhe.
Geschichte Im Oktober 1969 legte die Dichtel-Kommission dem baden-württembergischen Innenministerium ein Gutachten vor, wonach die Gemeinden die Auswahl zwischen zwei Modellen hatten: 1. Zusammenschluss mehrerer Gemeinden zu einer Einheitsgemeinde (Zuschuss = 30 DM/Kopf) oder 2. die Bildung einer Verwaltungsgemeinschaft von mehreren Gemeinden bei Wahrung der Eigenständigkeit (Zuschuss = 7 DM/Kopf). Ende 1972 ließ die Landesregierung anklingen, dass sich die vier Gemeinden Berghausen, Kleinsteinbach, Söllingen und Wöschbach bis zum 30. Juni 1973 zum Zusammenschluss zu einer Einheitsgemeinde einigen sollten, da nur dann die in Aussicht gestellten Fusionsprämien (ca. 8 Millionen DM) gezahlt würden. Am 7. Juni 1973 wurde der Fusionsvertrag von den Bürgermeistern im Emil-Frommel-Haus in Söllingen unterzeichnet.
So wurde Pfinztal im Rahmen der Gemeindereform am 1. Januar 1974 durch Vereinigung der vier Gemeinden gebildet.
Der Zusammenschluss machte die Umbenennung einiger Straßen notwendig.
Die erhaltene Fusionsprämie wurde entsprechend dem Fusionsvertrag eingesetzt. Der größte Teil floss in das Bildungszentrum. Mit dem Rest wurden die Wunschkataloge der vier Ortsteile abgearbeitet.
Ortsteile Berghausen
miniatur|Berghausen Berghausen ist der älteste und mit über 7.000 Einwohnern der größte Ortsteil von Pfinztal. Dementsprechend befinden sich dort auch viele wichtige öffentliche Einrichtungen, welche der Gesamtgemeinde dienen, zum Beispiel das Bildungszentrum Pfinztal mit Gymnasium, Realschule sowie Grund- und Werkrealschule direkt an der Stadtbahnlinie Karlsruhe-Pforzheim.
Berghausen wurde erstmals im Jahre 771 nach Christus erwähnt, als ein gewisser Herolt dem Kloster Lorsch einen Weinberg von barchûsen (Häuser bei den Heustadeln) schenkte. Allerdings wurde ein Schädeldach und Kieferteile eines Menschen aus der Altsteinzeit und Steingeräte und Tongefäße aus der Jungsteinzeit gefunden. Berghausen ist somit nach Bretten der zweitälteste Ort im Landkreis Karlsruhe.
Wie schon im Dreißigjährigen Krieg wurde Berghausen auch während der Pfälzischen Kriege (1688 bis 1697) stark in Mitleidenschaft gezogen.
1859 fuhren die ersten Eisenbahnzüge durch Berghausen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts siedelten sich in Berghausen erstmals Unternehmen der Industrie an. Diese Entwicklung wurde durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen. Berghausen hatte als Folge des Zweiten Weltkrieges von 1939 bis 1945 viele Kriegsopfer zu verzeichnen. In der Nacht vom 24. auf den 25. April 1944 wurde bei einem schweren Luftangriff ein Drittel des Dorfes zerstört, bei dem vier Menschen getötet wurden. Geschichte Berghausens
Kleinsteinbach
mini|Der Bocksbach in Kleinsteinbach Mit seinen rund 2.400 Einwohnern ist Kleinsteinbach der kleinste Ortsteil von Pfinztal.
Kleinsteinbach wurde 1328 erstmals urkundlich als Niedern Steinbach erwähnt. Vom 14. bis in das 16. Jahrhundert verfügten die Herren von Remchingen als Lehnsleute der badischen Markgrafen über Kleinsteinbach. 1692 wurde der Ort im Zuge eines Krieges mit Frankreich nahezu komplett verwüstet und ausgeplündert.
Bis ins 19. Jahrhundert war Kleinsteinbach mit Ausnahme einiger Handwerks- und Steinbruchbetriebe ein Bauerndorf. Dies änderte sich mit dem Eisenbahnbau 1859. Heute findet man in der Ortschaft eine Grundschule, eine christliche Privatschule, zwei Kindergärten und Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf.
Söllingen
mini|Blick von der Pfinzbrücke in Söllingen Söllingen (5.900 Einwohner) ist der Sitz der Gemeindeverwaltung von Pfinztal. In der Ortsmitte ist die Verwaltung in drei Gebäuden untergebracht. Flächenmäßig ist Söllingen der größte Ort der Gemeinde. Genau wie Berghausen und Kleinsteinbach ist Söllingen an der Stadtbahnstrecke Karlsruhe-Pforzheim (mit 3 Haltestellen) angeschlossen.
Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1085. 2010 feierte Söllingen deshalb sein 925-jähriges Bestehen. Im 12. Jahrhundert war Söllingen im Besitz der Klöster Gottesau, Herrenalb und Hirsau. Im 16. Jahrhundert ging der Ort an die Markgrafschaft Baden. 1867 entstand die Bahnverbindung zwischen den Städten Karlsruhe und Pforzheim. Im gleichen Zug erhielt Söllingen einen Bahnhof.
Das Gewerbe und später die Industrie gewannen im 19. Jahrhundert große Bedeutung für die Gemeinde. An der Gemarkungsgrenze zu Kleinsteinbach entstand ein für die damalige Zeit bedeutendes Industrieunternehmen, das Wolframwerk. Die Metallindustrie, die sich insbesondere im benachbarten Durlach angesiedelt hatte, gab auch den Bewohnern von Söllingen neue Verdienst- und Arbeitsmöglichkeiten. Rund 800 Heimatvertriebene fanden nach dem Zweiten Weltkrieg in Söllingen ein neues Zuhause.
Wöschbach
Der Ortsteil Wöschbach (3.000 Einwohner) ist über Berghausen zu erreichen und liegt abseits der Hauptverkehrsstraßen im Wöschbacher Tal. Wöschbach wurde im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Wöschbach blieb vom Deutschen Bauernkrieg und von der Reformation unberührt. Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges und in den Kriegsjahren 1691–1693 verlor es fast die gesamte Bevölkerung.
In den beiden Weltkriegen starben viele Einwohner, öffentliche Gebäude und Wohnhäuser wurden zerstört. Etwa 400 Heimatvertriebene fanden nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Wöschbach ein neues Zuhause. Zu diesem Zeitpunkt hatte Wöschbach etwa 1200 Einwohner. Die Bautätigkeit nahm nach Kriegsende stark zu.
Einwohnerentwicklung Einwohnerentwicklung der Pfinztaler Ortsteile 1961: 12.578 Einwohner 1970: 14.874 Einwohner 1975: 15.047 Einwohner 1980: 14.511 Einwohner 1985: 14.672 Einwohner 1990: 15.452 Einwohner 1995: 17.194 Einwohner 2000: 17.917 Einwohner 2005: 18.001 Einwohner 2010: 17.907 Einwohner 2015: 17.914 Einwohner 2020: 18.685 Einwohner Die Angaben zu den Jahren 1961 und 1970 sind Volkszählungsergebnisse. Es handelt sich um die Summen der Einwohnerzahlen der damals noch selbständigen Vorläufergemeinden.
Religionen 2012 waren 43,9 % der Bevölkerung in Pfinztal protestantisch und 26,8 % römisch-katholisch. Daneben verfügen auch die evangelische Liebenzeller Gemeinschaft, die Neuapostolische Kirche, die evangelisch-freikirchliche Christusgemeinde und die AB Gemeinschaft über Gemeinden in den einzelnen Ortsteilen.
Die drei evangelischen Kirchengemeinden Berghausen-Wöschbach, Söllingen und Kleinsteinbach gehören seit dem 1. Januar 2014 zum Evangelischen Kirchenbezirk Karlsruhe-Land. Die mit der politischen Gemeinde Pfinztal deckungsgleiche katholische Seelsorgeeinheit Pfinztal gehört zum Dekanat Pforzheim des Erzbistums Freiburg. Die neuapostolischen Gemeinden der vier Ortsteile gehören zum Kirchenbezirk Söllingen der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland.
Sehenswürdigkeiten mini|Evangelische Thomaskirche in Kleinsteinbach Bauwerke Kirchen Im Ortsteil Kleinsteinbach steht eine Kirche des Weinbrenner-Klassizismus in Baden. Sie wurde von 1806 bis 1817 von Friedrich Weinbrenner selbst entworfen.
Die evangelische Martinskirche in Berghausen war ursprünglich ein Wehrturm im romanischen Baustil. Das kleine schmale Fenster an der Nordostseite wurde nachträglich im spätgotischen Stil eingefügt, aus gleicher Zeit ist der Wandtabernakel (vor 1356) im Inneren des Turms. Im Jahre 1754 wurde das ehemalige spitzere Dach in diese Form gebracht. 1862 wurden die Hohlziegel durch schwarzen Schiefer ersetzt. Als die Kirche 1961 zu klein und zudem sanierungsbedürftig wurde, hat man das alte Kirchenschiff abgerissen. Dabei fand man einige Münzen (die älteste von 1277) und viele alte Grundmauern und Gräber. Die Abdeckplatte eines Grabes war aus dem Bruchstück einer römischen Türschwelle. Der neue Grundriss des Gotteshauses, ein langgezogenes Sechseck stammt von Architekten G. Einwächter, bietet 660 Sitzplätze und wurde 1962 seiner Bestimmung übergeben.
Heimatmuseum Das Heimatmuseum Pfinztal befindet sich im Bürgerhaus in Pfinztal-Söllingen. Es wird darin die Frühgeschichte von Pfinztal und auch die Entstehung der Gemeinden dokumentiert. Von Landwirtschaft über Handwerk bis hin zur Industrie wird das Leben im 18. und 19. Jahrhundert dargestellt.
Brunnen In Pfinztal stehen verschiedene Brunnen. Einer davon ist z. B. der Storchbrunnen in Berghausen, dessen Brunnentrog um 1828 erbaut wurde und der damit der älteste erhaltene Brunnen in Pfinztal ist. Außerdem gibt es in Berghausen einen Brunnen „Alter Friedhof“, den Bahnhofsplatzbrunnen, den Dorfbrunnen an der Oberlinstraße Ecke Kelterstraße und den 2000 erbauten Löwenbrunnen, dessen Löwe von einer Brunnensäule des ehemaligen Wasserschlosses von Berghausen stammt.
Der neueste Brunnen in Berghausen ist die Wasserwand am Europaplatz. Er wurde 2002 vom Architekten Gekehler & Bäuerlein erbaut.
Etwas jünger ist der Alte Dorfbrunnen in Kleinsteinbach. Er ist der einzige Brunnen in Kleinsteinbach. Er wurde etwas vor 1911 erbaut. Der Künstler ist nicht bekannt.
Im Jahr 1986/87 wurde in Söllingen der Krottenlachbrunnen angelegt. Direkt neben dem Rathaus befindet sich der 1992 eingeweihte Rathausbrunnen. Außerdem gibt es in Söllingen noch den Hirschtalbrunnen, den Alten Dorfbrunnen und den Brunnen am Bürgerhaus.
Der Maurerbrunnen und der Ölfunzelbrunnen in Wöschbach gehören zu den neuesten Brunnen in Pfinztal. Sie wurden 2002/03 im Auftrag der Gemeinde Pfinztal von Friedhelm Zilly erbaut. In Wöschbach ist außerdem noch ein Brunnen am Beginn des Kreuzwanderweges zu finden.
Gedenkstätten