mini|Howard Carter blickt am rechten Türflügel des innersten Schreins vorbei auf den Quarzit-Sarkophag Tutanchamuns. Hinter ihm ein ägyptischer Vorarbeiter und Arthur R. Callender.Nicholas Reeves: The Complete Tutankhamun. London 1995, S. 64.Thomas Hoving: Der goldene Pharao Tut-ench-Amun. München / Zürich 1978, S. 202.Dies geschah am 3. Januar 1924 oder wurde für die Aufnahme am 4. Januar 1924 nachgestellt. Fotograf war Harry Burton im Auftrag des Metropolitan Museum of Art (vgl. KV62). In der Auswahl des Griffith Instituts (Oxford) wird die Aufnahme (bezeichnet als p0643) auf den 4. Januar 1924 datiert. Laut Carters Tagebuch wurden die Türen des dritten und des vierten Schreins am 3. Januar 1924 geöffnet, anwesend war auch Burton (für Einzelheiten wird auf „Mace’s diary“ verwiesen). Aufnahmen Burtons von den Türen und dem Sarkophag sind jedoch lediglich für den 4. Januar vermerkt.

mini|hochkant|Der äußere der vier vergoldeten Schreine, Ägyptisches Museum, Kairo

Der Fluch des Pharao bezeichnet die Vorstellung, dass die altägyptischen Könige (Pharaonen) ihre Gräber mit magischen Sprüchen gegen Eindringlinge geschützt hätten. Dieser Fluch wird vorwiegend mit Todesfällen in Verbindung gebracht, die sich in den Jahren nach der Öffnung des GrabesSowohl in der Presse als auch in unterschiedlicher Literatur wird hierzu kein exaktes Datum oder Ereignis angegeben. Auch wird vergleichsweise oft nur eine unbestimmte Sargöffnung in diesem Zusammenhang genannt. Zwischen dem 5. November 1922 und dem 16. Februar 1923 kommen fünf verschiedene Tage als „Tag der Graböffnung“ in Frage, darunter die ersten Durchbrüche der jeweiligen Türdurchgänge. Hinzu kommt die englische Bezeichnung official opening für Termine am 29. November 1922 und am 18. Februar 1923, die nicht als Graböffnung, sondern als Eröffnung o. ä. übersetzt werden sollte. Opening (of) the tomb kann damit auf sieben unterschiedliche Tage zutreffen. des Tutanchamun (KV62) im Tal der Könige durch Howard Carter im Jahre 1922 ereigneten. Eine weitere Bezeichnung ist deshalb der Fluch des Tutanchamun. Anderen Gräbern in und außerhalb Ägyptens werden ebenfalls Flüche zugeschrieben, wenn die Grabesruhe eines Verstorbenen gestört wird.

Ihren Ursprung hat die Legende um den „Fluch des Pharao“ in den 1820er Jahren. Zu dieser Zeit fand nahe dem Londoner Piccadilly Circus eine bizarre Theateraufführung statt, in der Mumien ausgewickelt wurden (vgl. auch Mumien-Partys). Es wird vermutet, dass die Schriftstellerin Jane C. Loudon dadurch zu ihrem Buch The Mummy!: Or a Tale of the Twenty-Second Century inspiriert wurde.Curse of the mummy's tomb invented by Victorian writers. In: The Independent. vom 31. Dezember 2000 (englisch). Weitere Erzählungen um Mumien, darunter eine von Arthur Conan Doyle, folgten und gingen der Entdeckung des Grabes voraus.

Die Geschichte um den „Fluch des Pharao“ fand zur Zeit der Entdeckung des Grabes des Tutanchamun im Tal der Könige und ihrer Entstehung in der zeitgenössischen Berichterstattung der Tageszeitungen ein großes Medienecho und wurde auch in den folgenden Jahrzehnten in Literatur und Film verschiedentlich thematisiert. Die Wirksamkeit oder Existenz eines Fluches im Zusammenhang mit der Öffnung des Grabes des jungen Königs oder anderer Gräber ist nicht nachgewiesen. Der bis in unsere Zeit andauernde Glaube an den „Fluch des Tutanchamun“ beruht auf Aberglaube, Gerüchten, Fehlinterpretationen und Unverständnis alter ägyptischer Texte und ist die Auslegung verschiedener Ereignisse durch Journalisten oder Buchautoren.

Im Gegensatz zur Betrachtung als Magie bezieht sich der „Fluch des Pharao“ in den Darstellungen der Medien über Jahre hinweg offenbar alternativ nur auf die scheinbare Häufung von Todesfällen und auf Versuche, diese naturwissenschaftlich/medizinisch zu erklären, etwa durch Anführung giftiger oder strahlender Substanzen oder von Krankheitserregern (Schimmel), die vielleicht absichtlich zum Schutz des Grabs eingesetzt worden sein sollen. Mit diesen Deutungen wird die Existenz des „Fluchs“ bezweifelt.

Schließlich gibt es noch die scherzhaft abgewandelte Bedeutung vom „Fluch des Pharao“ als Reisediarrhoe (Reisedurchfall), eine tatsächlich häufige Darmerkrankung.

Grabflüche im Alten Ägypten mini|hochkant|Halbtotale des Tals der Könige

Grabflüche und Todeswünsche sind zwar für das Alte Ägypten belegt, jedoch in allen Epochen selten. So gibt es Beispiele in Gräbern, die Drohungen enthalten, um Respekt für die Toten zu erlangen. Wissenschaftler, die sich eingehend mit Grabflüchen beschäftigt haben, weisen aber darauf hin, dass sich die Flüche vorwiegend ausdrücklich an Bedienstete der Nekropolen richteten. Diese waren tagtäglich der Versuchung ausgesetzt, sich Grabbeigaben anzueignen oder sich von Grabräubern bestechen zu lassen.Thomas Hoving: Der goldene Pharao Tut-ench-Amun. München / Zürich 1978, S. 182–184. Andere Grabflüche wiederum sollten bei Vernachlässigung des Totenkults oder des Gedächtnisses an den Verstorbenen greifen. In ihnen werden sowohl irdische als auch jenseitige Strafen beschworen.Hans Bonnet: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. S. 195. Aus der 5. Dynastie stammt die vielleicht älteste Warnung des Alten Reiches, in der es heißt:

In der 13. Dynastie hatte anscheinend eine Person namens Teti einen Teil der Grabbeigaben veruntreut und wurde dafür von den Priestern streng bestraft:

Die Flüche betrafen sowohl die „Leibessphäre“ einer Person, also die eigene körperliche Existenz, als auch die „Sozialsphäre“, hier insbesondere den Namen und das soziale Umfeld, wie die Familie.Jan Assmann: Tod und Jenseits im Alten Ägypten. Beck, München 2003, ISBN 3-406-49707-1, S. 54. Derartige Inschriften mit Verfluchungen richteten sich gegen potenzielle Grabräuber und hatten die vollständige Auslöschung einer Person zum Ziel: Im Jenseits (dem Weiterleben nach dem Tode) wie im Diesseits (dem Andenken des Verstorbenen).

Entdeckung des Grabes

Die Grabstätte Tutanchamuns ist eines der Gräber im Tal der Könige, dem antiken Theben am Westufer des Nils. In der ägyptologischen Nomenklatur der Fundstätten im Tal der Könige wird Tutanchamuns Grab als KV62 bezeichnet. Es besteht aus vier Kammern: Vorkammer, Seitenkammer (Annex), Grabkammer und Schatzkammer.

Die Ausgrabung leitete der Archäologe Howard Carter im Auftrag des britischen Aristokraten Lord Carnarvon. Aus finanziellen Gründen sollte dies die letzte von Carnarvon geförderte Grabung und Zusammenarbeit mit Carter sein.

Am 4. November 1922 entdeckte Carter den oberirdischen Zugang zum Grab: Eine abwärts führende und mit Schutt verfüllte Treppe. Einen Tag später wurde an deren Ende der obere Teil einer Tür mit Siegelabdrücken der Totenstadt freigelegt. Carter schuf eine kleine Öffnung und sah einen weiteren mit Geröll gefüllten Gang. In der Annahme, das unberührte Grab einer bedeutenden Persönlichkeit oder einen ähnlich wertvollen Fund vor sich zu haben, telegrafierte er dem in England weilenden Lord Carnarvon. Die zuvor freigelegten Stufen ließ er bis zur Ankunft Carnarvons wieder mit Geröll auffüllen. Zum 7. November notierte Howard Carter in seinem Tagebuch:Howard Carters Tagebuch 28. Oktober bis 31. Dezember 1922.Dies und Zitate Carters, die seine Begeisterung ausdrücken. Auch auf der englischsprachigen Wikiquote

Lord Carnarvon traf am 23. November in Luxor ein, am folgenden Tag seine Tochter Lady Evelyn. Wichtigster Mitarbeiter Carters war Arthur R. Callender. In Anwesenheit des Generalinspektors der damaligen Altertümerverwaltung (heute SCA), Reginald Engelbach, und von ihm mitgebrachter Privatpersonen wurde die Treppe am 24. November bis zu dem mit Siegeln versehenen Eingang wieder freigelegt.

Erste Freilegungen und Publikumstermine mini|hochkant|Grundriss von KV62. Links oben die Grabkammer (2) mit dem Sarkophag, daneben die „Schatzkammer“. Darunter die „Vorkammer“ (4), an die linksseitig eine „Seitenkammer“ und rechts ein Korridor (8) anschließen. Die Treppe (10) führt zur Felsoberfläche und endet in einem versiegelten Eingang (9).

Der versiegelte Eingang wurde am 25. November geöffnet, der anschließende Gang bis zu einer weiteren Tür mit Siegeln war bis zum Nachmittag des nächsten Tages in Anwesenheit von Lord Carnarvon und seiner Tochter freigelegt. Am 27. November drang man in den nächsten Raum vor: die sogenannte „Vorkammer“ (Antechamber). Hier wurde eine Vielzahl an Objekten, darunter zwei lebensgroße Wächterstatuen, Möbelstücke und Vasen, in einem heillosen Durcheinander vorgefunden, die in den nächsten Wochen katalogisiert und abtransportiert wurden. Nachmittags stieß ein Vertreter Engelbachs hinzu, der selbst erst am 28. November eintraf.

Am 29. November fand eine „offizielle“ Graböffnung in Anwesenheit bedeutender Persönlichkeiten der Umgebung statt, nachmittags wurde ein Bericht an die Londoner Times per Laufbote abgeschickt.vgl. Auf: Times Online. vom 26. Juni 2008. Weitere Besucher mussten am folgenden Tag wegen des Zustands der Vorkammer abgewiesen werden.

Von Dezember 1922 bis Januar 1923 waren keine Besucher im Grab und die Forscher konnten ihre Arbeiten fortsetzen. Nur am 22. Dezember 1922 kam es durch die Öffnung des Grabes für die ägyptische und europäische Presse sowie bedeutende Persönlichkeiten zu einer kurzen Unterbrechung.Howard Carters Tagebuch 1923 (1. Januar bis 31. Mai).

Am 16. Februar 1923 wurde die eigentliche Grabkammer in Anwesenheit von hochrangigem Publikum, darunter Lord Carnarvon und dessen Tochter, geöffnet.In der gedruckten Literatur, so in Howard Carters Publikation Das Grab des Tut-ench-Amun. (Wiesbaden 1981), S. 91, wird stattdessen durchgehend der 17. Februar 1923 angegeben, offenbar ausgehend von der Darstellung durch Carter und Mace, wo Freitag, der 17. Februar 1923 angegeben ist. Carter und Mace geben in ihren Aufzeichnungen dagegen Freitag, den 16. Februar an. Tatsächlich war der 16. ein Freitag, nicht der 17. In einem an seine Mutter vom 17. Februar 1923 beschreibt Gardiner die Veranstaltung – Yesterday. Schließlich findet man den Hinweis des Griffith Instituts (ganz unten): Die Grabkammer war fast vollständig durch einen vergoldeten Holzschrein ausgefüllt, die Wände waren mit religiösen Motiven auf goldfarbenem Hintergrund dekoriert.

Am 18. Februar fand eine weitere „offizielle“ Graböffnung für Besucher statt, unter ihnen die Königin der Belgier, Elisabeth Gabriele Herzogin in Bayern. Am nächsten Tag war die Presse geladen, und an den folgenden Tagen trafen bis zur Grabschließung am 26. Februar 1923 immer weitere Besucher ein.

Am 5. April 1923 starb Lord Carnarvon und die Geschichte um einen „Fluch des Pharao“ nahm ihren Lauf. Die Funde, für die das Grab des Tutanchamun berühmt ist, standen zu diesem Zeitpunkt noch aus: Die vier vergoldeten Schreine, die den äußeren Quarzit-Sarkophag und die Mumie Tutanchamuns enthielten, wurden erst in der nächsten Grabungssaison (1923/1924) geöffnet und abgebaut. Die Arbeit an den ineinander verschachtelten und vergoldeten Holzsärgen und einem Sarg aus reinem Gold erfolgte im Oktober 1925, und die Mumie mit der goldenen Totenmaske wurde gefunden. Die Arbeit an der Schatzkammer begann erst im Oktober 1926.Eintrag im Tagebuch von Carter am 23. Oktober 1926.

Presse und Berichterstattung