mini|hochkant=1|Unterschrift von Trude Berliner

Trude Berliner, gebürtig Gertrude Gabriele Berliner (* 28. Februar 1904 in Berlin;Quellen: Antrag auf Einbürgerung von Gertrud Goette, Declaration of Intention, Nr. 436197, ausgestellt in New York am 29. Juni 1939 (kostenpflichtig abrufbar auf Ancestry.com); Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit von Gertrude Gabriele Götte, geb. Berliner, im Deutschen Reichsanzeiger Nr. 87 vom 16. April 1941 † 26. Februar 1977 in Pacific Beach, San Diego), war eine deutsche Schauspielerin, Tänzerin und Sängerin.

Leben Von 1920 bis 1933 trat die beliebte und vielbeschäftigte Künstlerin an den Berliner Varieté- und Theaterbühnen auf, meist in Operetten und Komödien. Ab 1924 spielte sie in Stummfilmen mit, bevor sie von 1929 bis 1933 zu einem begehrten Star des aufkommenden Tonfilms wurde. Nach der Machtergreifung durch die Nazis 1933 floh sie aus Deutschland und gastierte an einigen deutschsprachigen Bühnen des Auslands und in holländischen Exilkabaretts.

1939 emigrierte sie in die USA, wo sie zuerst in New York, dann in Los Angeles an einigen deutschsprachigen Kabarettveranstaltungen mitwirkte. Es gelang ihr nicht, in Hollywood an ihre frühere Karriere als Filmschauspielerin anzuschließen, sie wurde nur für wenige kleine Nebenrollen engagiert. Zur Sicherung ihres Unterhalts arbeitete sie in den 1940er und 1950er Jahren als Keramikmalerin und zusammen mit ihrem Mann Max Schoop als Farmverwalter.

Jugend mini|hochkant=1.2|Zirkus Busch in Berlin, um 1900.

Gertrude Gabriele Berliner wurde am 28. Februar 1904 als Tochter des jüdischen Kaufmanns Liebmann Ludwig Berliner und seiner Ehefrau Jenny, geb. Cohn, in Berlin im Spandauer Viertel um den Hackeschen Markt geboren. Ihr Elternhaus lag in der Nähe des Zirkus Busch, „dessen Rundbau geheimnisvoll faszinierend wirkte und mit seiner Buntheit in die bürgerliche Welt im Hause der Familie Berliner herübergriff“.Filmwelt 1932D’heil 2015 Über ihre Herkunft ist nichts bekannt, außer dass sie einen Bruder hatte, siehe #Arnold Berliner.

Schon als Kind erhielt sie in Berlin Gesangs- und Ballettunterricht bei Nanny Mangelsdorff, die Solotänzerin an der Königlichen Oper Berlin und „eine beliebte Tanzpädagogin der alten Schule des Spitzentanzes“ war. Mit acht Jahren wurde sie Mitglied der „Berliner Theaterkinder“, mit denen sie unter anderem in Montis Operettentheater und in Weihnachtsstücken am Berliner Theater und im Zirkus Busch auftrat.Trapp 1999 Ihr erster regulärer Bühnenauftritt war die Rolle des Heinerle in der Operette „Der fidele Bauer“ von Leo Fall am Theater des Westens. 1916 wurde die 13-Jährige von Max Mack, einem Pionier des deutschen Stummfilms, für die Rolle des „Kindes“ in dem Melodram „Adamants letztes Rennen“#Pelletier 2005 engagiert.

Weimarer Republik Nach dem Ersten Weltkrieg begann Trude Berliner ihre Karriere als vielbeschäftigte und beliebte Bühnendarstellerin. Sie trat an den Berliner Varieté- und Theaterbühnen auf und gastierte an Theatern in Hamburg, Kopenhagen, Stockholm und Helsinki. Ab 1924 spielte sie in einigen Stummfilmen mit, und von 1930 bis 1933 in jährlich bis zu zehn Tonfilmen. Einige ihrer Lieder wurden in den 1930er Jahren auf Schallplatte aufgenommen (siehe #Diskographie). Von 1930 bis 1933 arbeitete sie auch für den Rundfunk.Frenzel 1956 In ihrer Freizeit war sie „eine eifrige Sportlerin, die Tennis, Reiten, Rudern und Autofahren bevorzugt“.

Theater In den 1920er JahrenEs ist nicht bekannt, in welchem Jahr Trude Berliner ihre Theaterlaufbahn begann. feierte Trude Berliner an verschiedenen Berliner Varieté-Bühnen wie der Scala oder dem Wintergarten Erfolge als Schauspielerin und Tanzsoubrette, Anfang der 1930er Jahre trat sie auch im „Tingel-Tangel-Theater“ auf, einem 1931 von Friedrich Hollaender gegründeten politisch-literarischen Kabarett.

Die „charmante, komödiantisch begabte Künstlerin“#Leimbach 1991. spielte meist in Operetten und Komödien an bedeutenden Bühnen in Berlin: an dem Theater am Schiffbauerdamm,Heutiger Name des Theaters. am Lustspielhaus, am Großen Schauspielhaus, im Berliner Theater und an der Komischen Oper.#Weniger 2011 Zu einem ihrer letzten großen Auftritte vor der Emigration zählt die Berliner Uraufführung von Paul Abrahams Operette „Ball im Savoy“ 1932 im Großen Schauspielhaus, in der sie in der Rolle der argentinischen Tänzerin Tangolita glänzte.

Film Als junges Mädchen hatte Trude Berliner bereits 1916 in dem Film „Adamants letztes Rennen“ mitgewirkt. Als Erwachsene begann sie ihre Karriere als Filmschauspielerin 1924 mit einer kleinen Rolle als Kammerzofe in der Rokoko-Komödie „Der geheime Agent“. Nach einigen weiteren Filmen drehte sie 1930 mit dem Detektivfilm „Masken“ ihren letzten Stummfilm, in dem sie die Gehilfin eines Detektivs spielte.

Als Ende der 1920er Jahre „die Bilder sprechen lernten“, meisterte Trude Berliner dank ihrer Bühnenerfahrung mühelos den Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm. 1929 spielte sie in dem Film „Dich hab’ ich geliebt“ mit, der filmhistorisch bedeutsam wurde als „der erste in einem deutschen Atelier aufgenommene hundertprozentige Tonfilm“.#Wendtland 1991.1. Bis zu dem durch die Nazis erzwungenen Ende ihrer Karriere in Deutschland wirkte Trude Berliner in den Jahren 1929 bis 1933 an 30 Spielfilmen mit. Die „hübsche Brünette“ mit der erotischen Ausstrahlung gehörte nicht zu den Topstars, trug aber als Publikumsliebling zum Erfolg vieler Filme bei. Die meisten Produktionen waren, dem Zeitgeschmack entsprechend, Unterhaltungsfilme ohne größeren Tiefgang, die in der schweren Nachkriegs- und Inflationszeit zur Aufmunterung der Kinogänger beitragen sollten. Trude Berliner spielte oft Neben- oder Episodenrollen, in denen sie „kesse, quirlige Mädchen, oft mit berlinerischer Herkunft“ mimte, aber auch eine Reihe von Hauptrollen. In Rollen als Schauspielerin, Tänzerin, Sängerin, Schlagzeugerin, Schokoladenverkäuferin und Mannequin konnte sie zudem auch „ihr gesangliches und tänzerisches Talent unter Beweis stellen“. Trude Berliners letzter Spielfilm, den sie vor ihrer Emigration noch drehen konnte, war die Komödie „Es war einmal ein Musikus“, die am 19. April 1934 uraufgeführt wurde, „eine publikumssichere Mischung mit viel Musik, Humor und witzigen Dialogen“.

Von der Fachpresse wurde Trude Berliner durchweg freundlich beurteilt: „Trude Berliner hat ihr sicheres Publikum“, „Trude Berliner, deren darstellerischer Schmiß jetzt außer Frage steht“, „sehr lustig: Trude Berliner in einer Schwipsszene“, „Trude Berliner bringt für die kleine Kanaille aus dem Volke … Witz, Laune und die notwendige Keßheit mit“.Zitate aus den Zeitschriften „Der Film“ und „Filmwoche“ nach Wendtland 1991.1 Die „Filmwelt“ schrieb 1932 über sie:

„Mit 11 Tonfilmrollen stand sie im vorigen Jahre an der Spitze der am meisten beschäftigten Darsteller. Trude Berliner … hat von ihrer Vaterstadt den Grundzug ihres Wesens übernommen: Rasche Entschlußfähigkeit, Witz, eine gewisse Keßheit, die durch Gutmütigkeit gemildert wird, Schlagfertigkeit und nimmermüde Beweglichkeit, alles Eigenschaften, die sie auch auf ihre Filmrollen überträgt und dadurch zu bemerkenswerten darstellerischen Abschnitten macht.“

Emigration Europa Die Machtergreifung durch die Nazis beendete 1933 abrupt die Karriere der jüdischen Künstlerin. Sie verließ ihr Domizil in Berlin-Friedenau, Varziner Straße 22, und ging zunächst nach Zürich und bald darauf nach Wien, wo sie mit Elisabeth Bergner in der Operette „Die Katze im Sack“ auftrat. Im Mai 1934, auf der Durchreise nach England, gastierte sie kurz in Rudolf Nelsons Exilkabarett „La Gaîté“ in Amsterdam.#Bergmeier 1998, S. 212. Nach einer ausgedehnten Südamerika-Tournee 1936 übernahm sie ein Engagement am Neuen Deutschen Theater in Prag, von wo sie im Frühjahr 1938 über Paris in die Niederlande flüchtete. Von Mai bis August 1938 wirkte sie in Willy Rosens Kabarett „Das Theater der Prominenten“ in Scheveningen mit, von September bis Oktober in Amsterdam.#Bergmeier 1998, S. 99, 101, 203, 212Zu den Exilkabaretts in den Niederlanden siehe auch: #Budzinski 1996, S. 90.

USA mini|hochkant=1.2|Anzeige für eine Varietéveranstaltung mit Trude Berliner in New York, 1939.

Am 8. Februar 1939Weniger 2011: „am 8. Februar 1939“. Da sie von Dezember 1939 bis mindestens Ende März 1940 in New York auftrat, wird die Angabe „blieb bis zum dt. Überfall in den Niederl.; emigr. 1940“ (Trapp 1999) so nicht stimmen. flüchtete Trude Berliner aus Den Haag über Le Havre nach New York.New York, USA, Listen ankommender Passagier und Besatzungen: „SS Champlain“, passengers sailing from Le Havre (France), February 8th 1939, arriving New York Feb 15 1939, Eintrag Nr. 2 und 3 (Am 16. April 1941 wurde sie formell von Nazi-Deutschland ausgebürgert.)#Hepp 1985. In den Jahren 1939 und 1940 wirkte Trude Berliner in New York an einigen Kabarettveranstaltungen mit, für die sie zusammen mit dem amerikanischen Schauspieler und Kabarettisten Charles Brock (1891–1961) die Conférence übernahm.Laut der deutschen Exilzeitschrift „Aufbau“: „Ein Abend im Lachtopp“ am 10. Dezember 1939, „Große Sylvesterfeier im Lachtopp“ am 31. Dezember 1939, „Großer Kabarett-Abend im Thirty-Nine-Club“ am 28. Januar 1940, „Berliner Abend“ am 3. April 1940.

Die spärlichen Möglichkeiten, die New York der Kabarettistin und Schauspielerin bot, veranlassten Trude Berliner im Sommer 1941 nach Los Angeles zu übersiedeln, in der Hoffnung, in dem Mekka des Films ihr Auskommen zu finden.#Aufbau 1941.1, #Aufbau 1941.2. Um die Jahreswende 1941/1942 trat sie zusammen mit zahlreichen anderen Exilkünstlern in Los Angeles bei drei „Künstlerabenden“ auf, die vom Jewish Club of 1933 veranstaltet wurden, jedoch ergaben sich keine weiteren Engagements dieser oder ähnlicher Art.

Trude Berliner war von 1925 bis 1931 in erster Ehe mit dem Kaufmann Karl Götte (* 1893 in Essen) verheiratet; mit ihn hatte sie den Sohn Ludwig (* 22. April 1927 in Essen).Declarations of intention for citizenship, Southern New York, Nr. 436197 vom 29. Juni 1939. Das Datum der Hochzeit ist dort mit dem 24. April 1925 in Hamburg angegeben.Der „Deutsche Reichsanzeiger und Preußische Staatsanzeiger Nr. 87 vom 16. April 1941“, der Trude Berliners Ausbürgerung bekanntgab, enthielt den Eintrag: „Götte, Gertrude Gabriele Sara, geb. Berliner, geb. am 28. 2. 1904 in Berlin“ (#Hepp 1985). 1946 heiratete sie in Los Angeles den Maler Max Schoop,Gertrud Trude Berliner bei Geneanet der dort mit seiner Mutter und seinem Bruder Paul lebte.Zum Zeitpunkt der Volkszählung 1940 wurde Max Schoop noch als „ledig“ geführt (ancestry.com). Trude Berliner erging es wie den meisten Filmschauspielern im Exil, es gelang ihr nicht wieder Fuß zu fassen. Die fünf Minirollen, die sie von 1942 bis 1945 spielen durfte, meist ohne Namensnennung, trugen kaum zu ihrem Lebensunterhalt bei. In den 1940er Jahren arbeitete Trude Berliner zeitweise als Keramikmalerin in der Fabrik von Hedi Schoop, einer der beiden Schwestern ihres Mannes Max Schoop, die schon seit 1934 in Los Angeles lebte. Sie hatte 1943 den Filmschauspieler Ernö Verebes geheiratet, den Trude Berliner aus ihrer Berliner Zeit und von gemeinsamen Dreharbeiten her kannte.#Kafka 1943. Später betrieb Trude Berliner ein Tierheim und bewirtschaftete in den 1950er Jahren neun Jahre lang mit ihrem Mann zusammen die Dos Parlmas Ranch, die Baumwoll- und Dattelpalmenfarm des Schauspielers Ray Morgan, die in der kalifornischen Wüste bei San Diego nahe der mexikanischen Grenze lag.#Seelig 1958.

Lebensabend