Die Düssel ist ein rund vierzig Kilometer langer rechter Nebenfluss des Rheins in Nordrhein-Westfalen. Sie entspringt in Wülfrath-Blomtrath an der Stadtgrenze zu Velbert-Neviges im Kreis Mettmann. Nach einem Verlauf durch die Städte Wülfrath, Wuppertal, Mettmann, Haan und Erkrath mündet sie im Stadtgebiet von Düsseldorf vierarmig in den Rhein. Die Düssel ist die Namensgeberin für den Wülfrather Ortsteil Düssel und das dortige Haus Düssel, die Landeshauptstadt Düsseldorf sowie deren Stadtteil Düsseltal.
Etymologie Der Name Düssel geht wahrscheinlich auf das germanische *thusila zurück, verwandt mit althochdeutsch thōsōn „brausen, rauschen, tosen“. Um 1065 wird der Bach als Tussale (die Brausende, Rauschende, Tosende) bezeichnet.Karl Klockenhoff: Rund um das Neandertal. Heimatkundliche Wanderung durch eine Düssellandschaft (= Beiträge zur Geschichte und Volkskunde des Kreises Dinslaken am Niederrhein, Beiheft III). Verlag Hermann Michael, Mettmann 1967Albrecht Greule: Deutsches Gewässernamenbuch. Etymologie der Gewässernamen und der dazugehörigen Gebiets-, Siedlungs- und Flurnamen. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2014, ISBN 978-3-11-019039-7, S. 107 (Google Books)
Der Lauf der Düssel Naturräumliche Gliederung des Verlaufs Die Düssel durchquert laut dem Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands in ihrem Lauf mehrere Naturräumliche Einheiten. Der Quellbereich liegt im Düsselhügelland (3371.18), der Oberlauf berührt kurz das Dornaper Kalkgebiet (3371.16) und der Mittellauf mit dem Neandertal durchquert die Mettmanner Lößterrassen (3371.00). Es schließt sich bei Alt-Erkrath ein kurzer Abschnitt durch den Naturraum Düsseltalmündung (550.13) an. Das Mündungsdelta befindet sich in der Düsseldorf-Duisburger Rheinebene (575.30).Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands: Blatt 108/109: Düsseldorf/Erkelenz (Karlheinz Paffen, Adolf Schüttler, Heinrich Müller-Miny) 1963; 55 S. und Digitalisat der zugehörigen Karte (PDF; 7,4 MB)
Verlauf bis Düsseldorf mini|links|hochkant|Düsselschlucht im Neandertal 1835 mini|Düssel mit Zu- und Nebenläufen auf einer Karte von 1645. Die Hauptdüssel beginnt rechts oben bei Tennes Heyde (W.Blaeu / J.Blaeu – Atlas Maior: Iuliacensis et Montensis Ducatus – Ausschnitt) mini|Düsselquelle in Wülfrath 2006 mini|Zusammenfluss von Mettmanner Bach und Düssel am Kunstwerk Woher-Wohin mini|Düssel im Neandertal mini|Neandertal bei Hochwasser mini|Düssel in Erkrath bei Normalpegel mini|Düssel in Erkrath bei Hochwasser mini|Nördliche Düssel in Gerresheim mini|Den Stadtgraben in der Königsallee speist Düsselwasser mini|Kühlwetterstraße hinter dem Eisstadion an der Brehmstraße mini|Staustufe des Kittelbachs in der Heinrichstraße mini|Historische Rheinmündung der Nördlichen Düssel am Burgplatz, Foto Julius Söhn, 1897 mini|Heutige Mündung der Nördlichen Düssel am Burgplatz, nur 250 m nach … mini|… der der Südlichen Düssel, beide unterhalb der Rheinuferpromenade
Die Düssel bildet sich aus vier bis acht Quellgewässern. Die höchstgelegene der Quellen, die der eigentlichen Düssel, befindet sich in Wülfrath bei Gut Blomtrath an der Stadtgrenze zu Neviges. Von hier durchfließt die Düssel die Wülfrather Ortsteile Schlupkothen, Aprath und Düssel, am ehemaligen Schloss Aprath und der Aprather Mühle vorbei, bevor sie in Hahnenfurth und Schöller Wuppertaler Gebiet passiert und ihren Lauf auf dem Gebiet der Stadt Haan fortsetzt. Hier vereint sie sich im Ortskern von Gruiten-Dorf mit der Kleinen Düssel, einem Zufluss, der 4,3 km lang ist und östlich in der Gemarkung Bolthausen im Wuppertaler Stadtteil Vohwinkel entspringt.
Westlich von Gruiten fließt sie durch das Naturschutzgebiet Neandertal und markiert dort die Stadtgrenze zwischen Erkrath und Mettmann. Dort hat sich der Fluss tief in den Untergrund aus devonischen Tonschiefern und Riffkalksteinen eingeschnitten und bildet so ein teilweise enges Tal, das in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zwischen Gruiten und Braken nur durch die Trassen einer werkseigenen Kleinbahn für den Kalksteinabbau erschlossen war (heute Wegetrassen). Die schluchtartige Enge der Flasche ist mit dem Kalksteinabbau verschwunden. Die zweite Enge am 1672 erwähnten und 1986 restaurierten und zwischen den Höfen Thunis und Bracken befindlichen Kalkofen Huppertsbracken ist noch erhalten. Zahlreiche Mühlengebäude wie die Winkelsmühle liegen in diesem Talabschnitt. Teilweise sind Anlagen zur Wiesenbewässerung erhalten (Flößgräben).
Als größter Nebenbach fließt der Düssel, aus einem weiträumigeren Tal kommend, der Mettmanner Bach zu. An dieser Stelle, einer kleinen Talweitung, querte die mittelalterliche Kölnische Straße (Strata coloniensis) das Tal. Danach verengte es sich abrupt zu einer für den nordwestdeutschen Raum außergewöhnlichen Schlucht, Gesteins oder Hundsklipp genannt.
Diese Schlucht wurde ab etwa 1800 nach dem bekannten, in Düsseldorf lebenden Pastor, Komponisten und Kirchenmusiker Joachim Neander Neandershöhle und ab etwa 1850 Neanderthal genannt. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war das Tal ein beliebtes Ziel für die Maler der Düsseldorfer Schule, die hier ihre Studien an Felsformationen und Pflanzen betrieben. 1837 regte das Neanderthal den Maler Eduard Steinbrück zum allegorischen Bild Die Nymphe der Düssel an, das Prinz Carl von Preußen ihm abkaufte., abgerufen am 11. September 2013 im Portal asgard.nu Durch den Kalksteinabbau ab 1849 ist die Enge des früheren Neandertals, die die Maler zu romantischen Motiven angeregt hatte, verschwunden und ein weiträumiges Tal entstanden.
An der Einmündung des Mettmanner Baches befinden sich der Kunstweg MenschenSpuren und das 1996 eingeweihte Neanderthal Museum. Etwas weiter dem Düssellauf folgend befindet sich an der pittoresken Felsnase Rabenstein die Fundstelle des berühmten Fossils Neandertal 1, das für den Neandertaler namensgebend war, einen Urzeitmenschen des Pleistozäns. Die Fundstelle konnte 1997 wiederentdeckt werden und wurde vor einigen Jahren der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Etwas weiter im Herzen von Erkrath gibt es seit 2018 den Skulpturenweg an der Düssel. Derzeit befinden sich am Düsselufer zwischen Bachstraße und Toni-Turek-Stadion (Neanderlandsteig) Kunstobjekte von Mitgliedern der Künstlervereinigung Neanderartgroup und befreundeten Künstlerkollegen. Lokalkurier, 6. Mai 2018. Abgerufen am 18. April 2020. Alle Objekte haben einen direkten Bezug zum Neanderthal oder zur Düssel.rbuchholz: Skulpturenweg an der Düssel, Erkrath. Neanderart Group, 13. Juni 2019. Abgerufen am 7. Dezember 2020.
Aus dem Neandertal kommend durchfließt die Düssel die Stadt Erkrath, wo sie unter anderem zwischen den 1950er und 1970er Jahren wegen der Ausbreitung der Wohngebiete, dem Straßenbau und Neubauten wie der Stadthalle an einigen Stellen in ein neues Flussbett verlegt wurde. Hier münden der Hubbelrather Bach, in den kurz vorher der Stinderbach mündete, und der Rotthäuser Bach in die Düssel. Hinter dem Ortsausgang schlängelt sie sich an Haus Morp vorbei durch die überwiegend landwirtschaftlich genutzte Fläche zwischen Erkrath und Düsseldorf-Gerresheim; dies ist der letzte noch naturbelassene Abschnitt des Flusses.
Binnendelta in Düsseldorf mini|links|Teilung in die Südliche (links) und Nördliche Düssel in Gerresheim, jeweils reguliert durch Schieber mini|links|Derendorf bei Düsseldorf, 1855, Gemälde von Henry Lewis, am rechten Bildrand die Nördliche Düssel
Für Düsseldorf ist die Düssel namensgebend. Ein Binnendelta mit vier Armen zum Rhein liegt komplett auf dem Stadtgebiet. Erstmals teilt sich der Fluss am Höherhof in Düsseldorf-Gerresheim in die Südliche Düssel und die mit weniger als 1 % der Wasserführung wesentlich kleinere Nördliche Düssel. Beide Bachläufe werden zunächst von je einem Nebenbach bedeutend verstärkt und teilen sich später erneut. Die Nördliche Düssel teilt sich in die zentrumsnäher verlaufende Innere Nördliche Düssel und den Kittelbach; die Südliche Düssel teilt sich in die zentrumsnähere Innere Südliche Düssel und den Brückerbach, der die Hauptwassermenge führt. Die nur wenig voneinander entfernten unterirdischen Mündungen der beiden in der Düsseldorfer Altstadt verlaufenden Inneren Arme sind wegen des Rheinufertunnels verrohrt, wogegen die beiden abzweigenden Bäche offen in den Rhein münden. Durch Spaltwerke an den drei Scheiden kann der Abfluss geregelt werden. Bei Hochwasser des Rheins wird so der Zufluss zu den inneren Armen gedrosselt, so dass deren kritischere Mündungen in der Innenstadt entlastet werden.
Kurz vor ihrer Mündung in den Rhein werden die Innere Südliche und Nördliche Düssel durch den Stadtgraben auf der Königsallee verbunden. Seit 2018 ist die Anbindung an die Nördliche Düssel freigelegt. Die Südliche Düssel ist hingegen weiterhin über eine kurze Verrohrung verbunden. Grabungen im Jahre 2012 bestätigten die Vermutung, dass eine ähnlich verlaufende Verbindung historisch als Verteidigungslinie schon einmal bestand. Zusammen mit dem Rhein bilden die vier Gewässer damals wie heute ein Viereck um die ehemalige Kernstadt Düsseldorf.
Ehemals nahm die Südliche Düssel an ihrem Beginn einen deutlich anderen Verlauf, der noch bis 1963 in Form eines Seitenarmes des neu gegrabenen, heutigen Flussbettes existierte.Landkartenarchiv: Falk Stadtplan Düsseldorf von 1963 Die verrohrten Abschnitte in der Innenstadt werden seit der Jahrtausendwende vermehrt zwecks freundlicherer Landschaftsgestaltung naturnah freigelegt. Fast alle Wasserarchitekturen der Stadt, mit Ausnahme des Benrather Schlosses (Itter) und Kalkumer Schlosses (Schwarzbach), werden vom Düsselwasser gespeist.
Nördliche Düssel