miniatur|Allegorie des Englischen Bürgerkriegs von William Shakespeare Burton (1855).Ein Royalist liegt verwundet am Boden, ein Puritaner in Schwarz steht im Hintergrund.
Der Englische Bürgerkrieg () wurde von 1642 bis 1649 zwischen den Anhängern König Karls I. von England („Cavaliers“) und jenen des englischen Parlaments („Roundheads“) ausgetragen. In ihm entluden sich nicht nur die Spannungen zwischen dem absolutistisch gesinnten König und dem Unterhaus, sondern auch die Gegensätze zwischen Anglikanern, Puritanern, Presbyterianern und Katholiken. Der Krieg endete mit der Hinrichtung des Königs, der zeitweiligen Abschaffung der Monarchie und der Errichtung einer Republik in England. In einem größeren Zusammenhang spricht man von den Kriegen der Drei Königreiche (England, Schottland und Irland), die sich über den Zeitraum von 1639 bis 1651 erstreckten.
Ursachen des Bürgerkriegs Religiöse und dynastische Entwicklungen mini|Zeitgenössische Karikatur zum Englischen Bürgerkrieg Unter König Heinrich VIII. hatte sich England im Jahre 1534 durch die Gründung der Anglikanischen Staatskirche von der Katholischen Kirche getrennt. Nachdem Königin Maria I. Tudor mit dem Versuch einer Rekatholisierung des Landes gescheitert war, kam es unter ihrer Nachfolgerin Elisabeth I. zu einer Festigung der Anglikanischen Staatskirche. Da sich deren Lehre in den Augen vieler Engländer jedoch kaum vom Katholizismus unterschied, erfuhren in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts die radikal-calvinistischen Puritaner starken Zulauf.Thomas Frederick Tout: An advanced history of Great Britain from the earliest times to 1918, Longmans, Green and Co., New York und London 1919, S. 337ff., S. 376f.
Nach dem Tod der kinderlosen Elisabeth fiel die englische Krone durch ErbschaftJakob war der Urenkel von Margaret Tudor, der älteren Schwester von Heinrich VIII. an König Jakob VI. von Schottland. Als Jakob I. vereinte er 1603 beide Länder in Personalunion und bezeichnete sich seit 1604 als König von Großbritannien. Anders als seine katholische Mutter, die 1587 auf Betreiben beider Häuser des Parlamentes wegen wiederholter Verschwörungen gegen Elisabeth I. hingerichtete Maria Stuart, war Jakob zwar ein überzeugter Protestant, der stark vom in Schottland vorherrschenden Calvinismus geprägt war. Zugleich aber war er ein überzeugter Anhänger der Idee des „Divine Right of Kings“, des gottgegebenen Herrschaftsrechts. Die Überzeugung, dass die Könige ihre Herrschaft einzig der Gnade Gottes verdankten und daher auch nur ihm allein Rechenschaft schuldeten, brachte das Stuartkönigtum von Beginn an in einen Gegensatz zum englischen Regierungssystem, das damals bereits seit etwa 300 Jahren eine begrenzte Mitwirkung des Parlaments an den Staatsgeschäften kannte. Im Laufe des 17. Jahrhunderts setzte sich in den politisch und wirtschaftlich tonangebenden Schichten Englands immer mehr die Überzeugung durch, auch das Königtum sei nur ein von Menschen verliehenes Amt, der König also nicht völlig frei in seinen Entscheidungen und Handlungen, sondern eingebunden in die traditionelle Verfassungsordnung.
England unter Jakob I. Jakob I. stützte sich als König Englands auf die anglikanische Staatskirche, deren Bischöfe mehrheitlich ebenfalls vom Gottesgnadentum der Könige überzeugt waren. Zugleich lehnte sie die puritanische Lehre ab, die dem König das Recht absprach, seine Untertanen in Gewissensfragen einem Zwang auszusetzen. Als die anglikanische Bischofskonferenz 1604 sowohl den puritanischen als auch den katholischen Glauben verdammte, verschärften sich die religiösen Spannungen in England. Im November 1605 planten katholische Edelleute um Guy Fawkes in der sogenannten Pulververschwörung die Ermordung Jakobs I. und sämtlicher Parlamentarier. Der Anschlag wurde nur durch einen Zufall vereitelt. Dies führte zu einer kurzzeitigen Annäherung zwischen König und Parlament. Langfristig erwies es sich aber als folgenreicher, dass Jakob I. weiterhin absolutistische Tendenzen erkennen ließ und dass der Katholizismus fortan von weiten Teilen der Gentry (Landadel) und des protestantischen Besitzbürgertums als suspekt und staatsfeindlich angesehen wurde. Die Vorstellung von einem göttlich legitimierten Königtum, das keiner irdischen Macht und somit auch nicht dem Parlament verpflichtet sei, prägte Jakobs Politik. So ermöglichte er den Kauf von Titeln, was auf die Schwächung des niederen Adels abzielte. Die friedliche Haltung des Königs gegenüber der katholischen Großmacht Spanien ließ sein Ansehen weiter sinken. Im Parlament formierte sich eine Opposition gegen den König, die vor allem aus Angehörigen der Gentry und des Bürgertums bestand und auf die Wahrung der parlamentarischen Rechte bedacht war. Als folgenschwer erwies sich auch die massive Ansiedlung von englischen und schottischen Siedlern unter Jakob I. im irischen Ulster. Obwohl sich Irland seit dem späten 12. Jahrhundert unter englischer Oberhoheit befand und seit 1542 offiziell der englischen Krone unterstellt war, hatte sich der katholische Glaube dort gehalten. Der Neunjährige Krieg in Irland (1594–1603) zeigte, dass auch in diesem Teil der englischen Machtsphäre ein großes Konfliktpotential herrschte.
England unter Karl I. Als Jakob I. 1625 starb, folgte ihm sein Sohn Karl I. auf die Throne Englands, Schottlands und Irlands. Dessen Vermählung mit der katholischen Henrietta Maria de Bourbon, der Tochter König Heinrichs IV. von Frankreich, machte ihn insbesondere bei den Puritanern unbeliebt. Dazu kam, dass Karl I. noch stärker als sein Vater auf das göttliche Recht der Könige pochte und eine Aussöhnung mit der katholischen Kirche anstrebte. So kam es, dass das Parlament, in dem zahlreiche Puritaner vertreten waren, ihm die sogenannten Schiffsgelder, d. h. die Hafenzölle, die eine der wichtigsten Einnahmequellen des englischen Königtums waren, nur für ein Jahr bewilligte, anstatt für seine gesamte Regierungszeit, wie es bis dahin nach der Thronbesteigung eines neuen Königs üblich gewesen war. Das Parlament wollte damit seine erneute Einberufung nach Ablauf des Jahres erzwingen und sich damit die Möglichkeit sichern, weiterhin Einfluss auf die Regierungstätigkeit des Königs zu nehmen. Als es sich zudem anschickte, ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Herzog von Buckingham einzuleiten, den Vertrauten und führenden Minister des Königs, der die französische Heirat vermittelt hatte, löste Karl I. das Unterhaus 1626 auf.
Englands kurzfristiges Engagement im Dreißigjährigen Krieg gegen Spanien und zugunsten von Karls Schwager Friedrich V. von der Pfalz (Englisch-Spanischer Krieg von 1625 bis 1630) hatten die königlichen Finanzmittel weitgehend erschöpft. Neue Gelder konnte nur das Parlament bewilligen, so dass sich Karl I. 1628 gezwungen sah, das Unterhaus erneut einzuberufen. Damals wurde auch sein späterer Gegner Oliver Cromwell erstmals ins Parlament gewählt. Die Abgeordneten machten die Bewilligung der Mittel von der Annahme der Petition of Right durch den König abhängig. Darin forderten sie unter anderem seinen Verzicht auf Steuererhebungen ohne ihre Einwilligung und den Schutz vor willkürlichen Verhaftungen. Der König unterschrieb die Petition, hielt sich nach der Bewilligung der Finanzmittel aber nicht an die Forderungen und regierte im gleichen Stil weiter wie zuvor. Er beendete die kostspieligen militärischen Engagements in Europa, erhob willkürlich Steuern aus eigener Machtvollkommenheit, ließ Zahlungsunwillige verhaften und berief für die nächsten 11 Jahre kein Parlament mehr ein.
Bis 1640 regierte Karl I. de facto wie ein absolutistischer Herrscher. Er ließ seine politischen und religiösen Gegner verfolgen, wovon vor allem die Puritaner betroffen waren. Dabei stützte er sich auf Berater wie Thomas Wentworth, den späteren Earl of Strafford, und William Laud, den Erzbischof von Canterbury. Wentworth, ehemals Abgeordneter des Unterhauses, wurde 1632 zum Lord Deputy in Irland ernannt, wo er mit einer harten, zugleich pro-katholischen Politik die Lage beruhigte. Erzbischof Laud strebte nach einer einheitlichen, anglikanischen Kirchenverfassung, die auch das überwiegend presbyterianische Schottland einschließen sollte.Tout: S. 435–442.Cust, Hughes: The English Civil War, Arnold, London, 1997 S. 111–115.
Der Weg zum Bürgerkrieg Die presbyterianischen Schotten, die sich im Covenant with God, dem „Bund mit Gott“, zusammengeschlossen hatten, schritten 1638 zum Aufstand gegen Lauds Pläne. Karl I. beorderte 1639 Wentworth aus Irland zurück, ernannte ihn zum Earl of Strafford und befahl ihm, den Aufstand niederzuschlagen. Strafford scheiterte jedoch, während die Kosten für die sogenannten Bischofskriege stark anstiegen. Dadurch sah sich Karl I. 1640 dazu gezwungen, das Parlament einzuberufen und es um neue Finanzmittel zu bitten. Da die Abgeordneten aber Karls Herrschaft im Allgemeinen und sein militärisches Vorgehen gegen Schottland im Besonderen kritisierten, ließ der König das Parlament nach wenigen Wochen wieder auflösen. Man spricht daher vom Kurzen Parlament. Weitere englische Misserfolge im Kampf gegen die Schotten zwangen Karl I. noch im selben Jahr dazu, das Parlament erneut einzuberufen. Die Versammlung, die als Langes Parlament in die Geschichte eingehen sollte, wurde von den Puritanern unter der Führung von John Pym dominiert.
Um eine Wiederholung der Vorgänge von 1628/29 zu verhindern, zwang das Parlament Karl I. sofort zu entscheidenden Zugeständnissen. So musste er einwilligen, dass seinem engsten Berater Strafford der Prozess gemacht und er wegen Hochverrats 1641 hingerichtet wurde. Die irischen Katholiken befürchteten nun das Ende der ihnen entgegenkommenden Politik Straffords und eine gewaltsame Anglikanisierung. So kam es 1641 zur offenen Rebellion, der zahlreiche protestantische englische und schottische Siedler zum Opfer fielen.
Zur Niederschlagung der Katholiken in Irland war die große Mehrheit der Abgeordneten sofort bereit, Gelder zu bewilligen. Vor allem die Puritaner unter ihnen befürchteten aber, dass Karl I. die anzuwerbenden Truppen zur Festigung seiner Macht in England benutzen könne. Unter der Führung von John Pym versuchten sie daher, dem König das Kommando über die Truppen zu entziehen und es Männern zu übertragen, die das Vertrauen des Parlaments besaßen. Diesem Vorhaben aber stellte sich eine starke Minderheit von Abgeordneten entgegen, die in der Exekutivgewalt ein geheiligtes Vorrecht des Königs sah. Zur Begründung seines Vorhabens brachte Pym die sogenannte Große Remonstranz – die große Vorhaltung – ins Unterhaus ein. Diese Beschwerdeschrift, die dem König vorgelegt werden sollte, listete alle Verfehlungen auf, die seine Regierung aus Sicht des Parlaments seit 1625 begangen hatte. Zudem leitete sie politische Forderungen aus diesen Verfehlungen ab, darunter – erstmals in der Geschichte Englands – die nach einer parlamentarischen Kontrolle der Regierung. Die Remonstranz wurde erst nach langer, hitziger Debatte und nur mit knapper Mehrheit angenommen. Es zeigte sich, dass die darin enthaltenen Forderungen vielen Abgeordneten zu weit gingen. Im Streit um das Kommando über die Armee und um die Große Remonstranz wurde erstmals die Bruchlinie des kommenden Bürgerkriegs erkennbar, nämlich die zwischen den Gegnern und den Befürworten der Idee des Divine Right of Kings.