Die Gesellschaft Deutscher Chemiker e. V. (GDCh) ist eine wissenschaftliche Gesellschaft in Deutschland mit Sitz in Frankfurt am Main, die ursprünglich nur Diplom-Chemikerinnen und Diplom-Chemikern offenstand. Die GDCh wurde 1949 in Frankfurt am Main in der Tradition der Deutschen Chemischen Gesellschaft zu Berlin (DChG, gegründet 1867) und des Vereins Deutscher Chemiker aus Vorläufervereinigungen der Besatzungszonen gegründet. Im Jahre 1910 wurde das erste weibliche Mitglied in den Verein Deutscher Chemiker aufgenommen. Nach der Herstellung der Einheit Deutschlands traten viele Mitglieder der ehemaligen Chemischen Gesellschaft der DDR der GDCh bei. Infolge einer Satzungsänderung kann seit dem 11. Oktober 2006Zuvor musste in der Tradition der DChG von 1867 jeder Aufnahmeantrag von zwei aktiven Mitgliedern mit Unterschrift befürwortet werden. Ein (begonnenes) Chemie-Studium, meist nach der Vordiplom-Prüfung, war daher Voraussetzung. jeder Interessierte Mitglied der Gesellschaft werden, wenn er die Zwecke und Ziele der Gesellschaft unterstützen will und an der Chemie wissenschaftlich interessiert ist. So verpflichtet sich jedes Mitglied der GDCh unter anderem zur Einhaltung des Verhaltenskodex und bekennt sich somit zu Freiheit, Toleranz und Wahrhaftigkeit in der Wissenschaft.

Überblick und Struktur Die GDCh hat rund 28.000 Mitglieder (Stand Februar 2026) aus Wissenschaft, Wirtschaft und freien Berufen, davon um die 8100 studentische und Jungmitglieder. Der Anteil der weiblichen Mitglieder liegt bei derzeit ca. 30 % (Stand Februar 2026). Die GDCh gliedert sich in 33 Fachgruppen und Arbeitsgemeinschaften (Stand JFebruar 2026), die zum einen spezielle Fachgebiete (wie Analytische Chemie, Lebensmittelchemische Gesellschaft usw.), zum anderen bestimmte Interessengruppen (Chancengleichheit, Öffentlicher Dienst) vertreten. Darüber hinaus gibt es das 1997 gegründete JCF (JungesChemieForum) als Zusammenschluss der jungen Mitglieder der GDCh, vorrangig Studierende und Doktoranden. Regional ist die GDCh in 60 Ortsverbänden und 55 Regionalforen des JCF (meist an Chemie-Universitätsstandorten) vertreten (Stand Februar 2026).

Die Aufgabe der GDCh ist die Förderung der Chemie und der Chemikerinnen und Chemiker auf gemeinnütziger Grundlage, unter anderem durch Tagungen, Fortbildungen, Auszeichnungen und die Herausgabe von Fachliteratur, wie die monatlich erscheinende Mitgliederzeitschrift Nachrichten aus der Chemie oder die weltweit bedeutendste Chemiezeitschrift Angewandte Chemie mit ihrer englischsprachigen Edition.

Geschäftsstelle Die GDCh unterhält eine Geschäftsstelle im Carl-Bosch-Haus in Frankfurt am Main, Varrentrappstraße 40–42; Geschäftsführer ist Tom Kinzel.

Zweck der Gesellschaft Deutscher Chemiker Förderung der wissenschaftlichen Arbeit in Forschung und Lehre Weiterentwicklung der Aus- und Fortbildung an Schulen und Hochschulen Schaffung von Netzwerken und Förderung der internationalen Zusammenarbeit Dialog mit der Öffentlichkeit, Präsentation in Politik und Gesellschaft Förderung der Nachhaltigkeit zugunsten zukünftiger Generationen

Ortsverbände Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist über ihre 60 Ortsverbände in allen Regionen Deutschlands vertreten. Diese sind meist an Standorten chemischer Forschung und Produktion präsent. Die GDCh-Ortsverbände veranstalten Kolloquien mit Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland, bieten populärwissenschaftliche Vorträge an, bringen die Chemie in regionale Aktivitäten ein und sind Ansprechpartner vor Ort für Journalisten, Lehrer und Schüler.

JungesChemieForum rahmenlos|rechts|Logo des GDCh-JungChemikerForums

Das JCF (JungesChemieForum, bis zum 28. September 2024: JungChemikerForumAuswertung der Umfrage zur Namensänderung auf dem Herbstorganisationstreffen am 28. September 2024) ist die 1997 gegründete Organisation der jungen Mitglieder der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die insgesamt mehr als 9000 Mitglieder und damit fast 30 % der gesamten Gesellschaft ausmacht. In ihm koordinieren und organisieren junge Chemiker ihre Interessen und Aktivitäten, wie zum Beispiel Jobmessen, Symposien, Kolloquien, Workshops und Vorträge. Mit 54 Regionalforen (meist an Chemie-Universitätsstandorten) ist das JCF ebenfalls in allen Regionen Deutschlands vertreten. Einige Angebote werden mit Partnervereinen wie der jungen DPG organisiert.

Fachgruppen Folgende Fachgruppen sind unter dem Dach der GDCh vertreten:

Analytische Chemie Die Fachgruppe Analytische Chemie ist mit aktuell ca. 2200 Mitgliedern die zweitgrößte Fachgruppe der GDCh. Sie gliedert sich in zehn Arbeitskreise. Die Junganalytiker (Mitglieder jünger als 40 Jahre) sind mit zwei Mitgliedern im Vorstand vertreten. In der Fachgruppe sind Chemiker – aber auch Naturwissenschaftler aus Physik, Biologie und den Ingenieurwissenschaften – aus Industrie, KMU, Hochschulen, Forschungsinstituten sowie Ämtern und Behörden beheimatet, die sich mit der Entwicklung von Instrumenten und Methoden für die Analytik beschäftigen. Die Fragestellungen, die von Analytikern bearbeitet werden, sind in der Regel stark anwendungsorientiert. Hierbei spielen sowohl die Konzentrationsanalytik (quantitative Analyse) als auch die Strukturanalytik (qualitative Analyse) eine wichtige Rolle.

Die analytische Chemie umfasst die Themen: Atom- und Molekülspektroskopie, Bioanalytik, Oberflächenanalytik, Elektroanalytik, Chemometrik, Element- und Speziesanalytik, Chemo- und Biosensoren, Industrielle Analytik, Klinische und forensische Analytik, Massenspektrometrie, Nanoanalytik, Pharmazeutische Analytik, Probenvorbereitung, Trenntechniken, Prozessanalytik, Wasser- und Umweltanalytik.

Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) Die AKCC-Mitglieder sind überzeugt, dass die Chemie noch mehr leisten könnte, wenn ihre Entscheidungsgremien in Wissenschaft und Wirtschaft ausgewogen mit Frauen und Männern besetzt wären. Hierzu gibt es drei Initiativen: Projekte bzw. Netzwerke zur Frauenförderung, Perspektiven für ambitionierte Karrierewege durch Präsenz von weiblichen und männlichen Vorbildern (Zielgruppe JungesChemieForum), Stimulierung der Diskussion über Chancengleichheit.

Der Arbeitskreis fordert bessere Aufstiegschancen und setzt sich für geeignete Rahmenbedingungen ein, z. B. für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Davon werden Hochschulen und Unternehmen profitieren. Der AK Chancengleichheit in der Chemie leistet Beiträge zum wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt.

Die Abstimmung zur Auflösung des AKCC wurde mit Stichtag 16. Juni 2017 durchgeführt. Die Auflösung der GDCh-Sektion Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) ist von den Mitgliedern mit der erforderlichen Mehrheit befürwortet worden. Da nicht alle AKCC-Mitglieder am 3. März 2017 erschienen waren, wurde die Beschlussfassung laut Geschäftsordnung im Anschluss durch Online, bzw. schriftliche Umfrage bei den Mitgliedern herbeigeführt. In diesem Falle gilt die Zweidrittelmehrheit (75 %) der abgegebenen gültigen Stimmen. Der Anteil an Zustimmungen betrug 83,1 %.

Die Sektion Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (AKCC) wird somit zum 31. Dezember 2017 aufgelöst.

Bauchemie Die Bauchemie stellt eine klassische Querschnittswissenschaft dar. Die Fachgruppe sieht sich deshalb als Forum für den interdisziplinären Dialog zwischen Chemikern, Bauingenieuren, Geowissenschaftlern, Architekten, Denkmalpflegern und Baustoffkundlern. Mit der Organisation von nationalen und internationalen Tagungen sowie von Workshops wird ein enges Netzwerk aus Interessierten am Fachgebiet gefördert. Die Fachgruppe unterstützt Nachwuchswissenschaftler mit der Vergabe von Förderpreisen für herausragende Diplom-/Masterarbeiten als auch Dissertationen auf dem Gebiet der Bauchemie. Die Teilnahme an Fachgruppenveranstaltungen wird für Studierende und Promovierende, die Mitglieder der Fachgruppe sind, mittels Stipendien unterstützt.

Biochemie Die Fachgruppe Biochemie wurde 1981 gegründet und führt über 700 Wissenschaftler aus Hochschule, Forschungsinstituten und Industrie zusammen. Durch intensiven Austausch stellt sich die Fachgruppe den aktuellen Herausforderungen in Forschung, Anwendung und Ausbildung und trägt wirkungsvoll zur Erhaltung und Förderung der Wettbewerbsfähigkeit des Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorts Deutschland bei. Die Fachgruppe richtet regelmäßig nationale oder internationale Arbeitstagungen aus, die sowohl der Biochemie allgemein als auch wechselnden Sonderthemen gewidmet sind. Diese reichen von der Katalyse in der Biochemie über die Stabilität und Stabilisierung von Proteinstrukturen, von der Chemie der Genforschung, der Chemie der neuronalen Informationsübertragung bis hin zur biologischen Energieübertragung. Darüber hinaus unterstützt die Fachgruppe Tagungen anderer Organisationen auf dem Gebiet der Biochemie. Sie fördert weiterhin die universitäre Ausbildung, die Qualifizierung von Jungwissenschaftlern, die Weiterbildung der Lehrer und widmet sich besonders der Berufssituation der Hochschulabsolventen. Zudem publizieren die Mitglieder der Fachgruppe regelmäßig in den Nachrichten aus der Chemie, der Mitgliederzeitschrift der GDCh. Sie tragen so zur Verbreitung neuester biochemischer Forschungsergebnisse und zu einem besseren Verständnis dieser spannenden Disziplin bei. Das Netzwerk von Fachleuten der verschiedenen biochemischen Spezialgebiete wird auf nationaler und internationaler Ebene ständig verbessert und erweitert. Darüber hinaus pflegt die Fachgruppe intensiven Kontakt zu anderen Fachgruppen, wie der FG Medizinische Chemie, der Liebig-Vereinigung für Organische Chemie und der Fachsektion Chemische Biologie.

Chemie des Waschens Das Ziel der Fachgruppe Chemie des Waschens ist es, ein Forum für Interessierte aus Industrie, Behörden, Hochschulen, Instituten und Medien zu schaffen, in dem Diskussionen zu allen technischen Fragen rund um Wasch- und Reinigungsmittel offen und konstruktiv geführt werden können. Dabei richtet sich das Augenmerk auf wissenschaftsorientierte Aussagen zum nachhaltigen Nutzen für die Menschen in ihrer Umwelt.

Von besonderem Interesse für Jungmitglieder sind der jährlich ausgeschriebene Förderpreis im Bereich Grundlagenforschung bei Wasch- und Reinigungsmitteln sowie die Vergabe von Stipendien zur Teilnahme an der Jahrestagung, der European Detergents Conference EDC.

Chemie-Information-Computer (CIC) Die Fachgruppe „Chemie-Information-Computer“ (CIC) möchte Wissenschaftler zusammenzubringen, die Interesse an der Computer-gestützten Lösung/Bearbeitung von chemischen Fragestellungen haben. Hierunter fallen Bereiche der Chemoinformatik (Methoden der Informatik, die versuchen, chemische Probleme zu lösen, wie z. B. die effiziente Speicherung und Suche von Molekülstrukturen und Moleküleigenschaften in Chemieinformationssystemen), die Molekül-Modellierung (z. B. Wirkstoffdesignansätze oder Computersimulationsmethoden), die Molekülmechanik und quantenchemische Methoden. Außerdem fördert die Fachgruppe den Einsatz von Open-Access- und Open-Source-Konzepten und engagiert sich auch international in der Computational Chemistry Community.

Nachwuchswissenschaftler werden jährlich für herausragende Diplom-/Master- und Doktorarbeiten auf dem Gebiet Chemie-Information-Computer von der Fachgruppe während der Tagung German Conference on Chemoinformatics (GCC) mit dem CIC Award for Computational Chemistry ausgezeichnet.

Aktuell:

Die Fachgruppe hat sich im Jahr 2018 umbenannt in "Computer in der Chemie" (CIC). Sie sieht ihre Aufgaben in

der Förderung der Computeranwendungen in den chemischen Wissenschaften als Unterrichtsbestandteile an den Hochschulen in der Regel jährlich stattfindende internationalen Fachgruppenjahrestagung, der Unterstützung von Open Access und Open-Source-Entwicklungen im Themengebiet der Fachgruppe, der Zusammenarbeit zwischen Industrie und Hochschule, der Mitwirkung in einschlägigen nationalen und internationalen Arbeitskreisen,