Die atlantische Hurrikansaison 1988 begann offiziell am 1. Juni und endete am 30. November. Innerhalb dieser Periode bilden sich im nördlichen Atlantischen Ozean die meisten tropischen Wirbelstürme, da in diesem Zeitraum geeignete Bedingungen existieren – wie etwa ein warmer Ozean, feuchte Luft und wenig Windscherung –, um die Bildung von tropischen Wirbelstürmen zu ermöglichen.
Die tropische Aktivität begann mit dem ersten tropischen Tiefdruckgebiet am 30. Mai bereits vor dem Beginn der offiziellen Hurrikansaison, der Tropische Sturm Alberto entwickelte sich aber erst am 8. August, etwa einen Monat später als üblich. Der letzte Sturm des Jahres war der Tropische Sturm Keith, der am 24. November außertropisch wurde.
Während der atlantischen Hurrikansaison 1988 gab es 19 tropische Tiefdruckgebiete, von denen zwölf die Stärke eines tropischen Sturmes erreichten; ein System wurde erst bei der Nachanalyse als tropischer Sturm klassifiziert. Fünf Stürme entwickelten sich zu Hurrikans, von denen mindestens drei die Kategorie drei auf der Saffir-Simpson-Hurrikan-Windskala erreichten und somit als schwere Hurrikans gelten. Vier Hurrikans und drei tropische Stürme trafen das Festland.
Die Hurrikane Gilbert und Joan waren verheerende Hurrikans in der Karibik und im Golf von Mexiko. Gilbert erreichte sogar ein neues Rekordminimum für den Luftdruck im Atlantischen Becken, der erst durch Hurrikan Wilma in der außergewöhnlichen Hurrikansaison 2005 unterboten wurde. Beide Stürme hinterließen zusammen mehr als 500 Tote und Schäden in Höhe von mehr als 12,5 Milliarden US-Dollar.
Saisonprognosen +Voraussagen tropischer Wirbelsturmaktivitätenfür die Saison 1988QuelleDatumStürmeAnzahl derHurrikaneKat. 3+CSUDurchschnitt (1950–2000)9,65,92,3NOAADurchschnitt (1950–2005)11,06,22,7Rekordwerte (hoch)28158Rekordwerte (niedrig)420 CSUJuni117X Tatsächliche Aktivität1253X
Voraussagen über die erwartete Aktivität der kommenden Hurrikansaison wurden 1988 durch den Hurrikanexperten William M. Gray und seine Mitarbeiter an der Colorado State University erstellt.
Die Prognose vom Juni 1988 lautete auf elf Stürme, von denen sieben den Status eines Hurrikans erreichen sollten (damals wurde noch keine Einschätzung abgegeben, wie viele davon zu einem schweren Hurrikan werden könnten).
Saisonaktivität Die Atlantische Hurrikansaison 1988 begann zwei Tage vor ihrem offiziellen Beginn am 30. Mai. Die Saison hatte einen überdurchschnittlichen Verlauf, da sich 19 tropische Wirbelsturmsysteme bildeten. Zwölf dieser Tiefdruckgebiete erreichten die Stärke eines tropischen Sturmes und fünf dieser Stürme wurden zu einem Hurrikan. Zum ersten Mal seit 27 Jahren erreichten drei Hurrikane die Stärke eines schweren Hurrikans, also eines Hurrikans, der mindestens die Kategorie drei auf der Saffir-Simpson-Hurrikan-Windskala erreichte. Vier Hurrikane und drei tropische Stürme zogen über Land. Dabei wurden 550 Personen getötet und die verursachten Schäden summierten sich auf 7 Milliarden US-Dollar (1988). Der letzte Sturm der Saison löste sich am 14. November, gut zwei Wochen vor dem offiziellen Ende der Saison, auf.
Die Aktivität in den ersten beiden Monaten der Saison war beschränkt, weil eine Luftströmung in der oberen Troposphäre starke Windscherung verursachte. Obwohl kräftige tropische Wellen sich von der Küste Afrikas lösten, verloren diese meist schnell an Intensität, während sie den Atlantischen Ozean überquerten. Deswegen bildete sich im Juni und Juli kein tropisches Tiefdruckgebiet. Im August nahm die Windscherung dann ab. Die Fehlerrate der offiziellen Zugbahnvorhersagen lag zwischen 30 und 40 % unter dem Durchschnitt der vorhergehenden zehn Jahre. Die Prognosen für die nächsten 24, 48 und 72 Stunden waren genauer, als in den achtzehn Jahren zuvor. Die Genauigkeit der Berechnungen des Jahres 1988 wurden bis zur atlantischen Hurrikansaison 1996 nicht mehr erreicht.
Stürme Tropisches Tiefdruckgebiet Eins
Die erste tropische Depression der Saison formierte sich am 30. Mai in der nordwestlichen Karibik. Auf dem Weg nach Norden gelangte diese in eine Gegend mit unvorteilhaften Bedingungen und wandelte sich deshalb am 2. Juni in der Floridastraße zu einem Tiefdrucktrog.
Die mit dem System zusammenhängenden Niederschläge dauerten über Kuba eine Woche an. Insgesamt wurden in der Mitte Kubas 600 mm Niederschlag verzeichnet. In den daraus resultierenden Fluten kamen 21 Menschen ums Leben, tausende verloren ihr Heim. Der Spitzenwert der Regenfälle lag bei 1025 mm und erreichte eine Tageshöchstmenge von 867 mm. Nach den bis ins Jahr 1963 zurückreichenden Aufzeichnungen war das die dritthöchste bekannte Niederschlagsmenge in Kuba durch einen tropischen Wirbelsturm überhaupt.
Auf Kuba war die Provinz Cienfuegos am stärksten betroffen. In Camagüey löste das Tiefdruckgebiet einen Tornado aus, der Gebäude und fünf sowjetische Flugzeuge zerstörte, 65.000 Einwohner mussten evakuiert werden, wobei teilweise Hubschrauber und Amphibienfahrzeuge eingesetzt wurden.
Tropischer Sturm Alberto
Der erste benannte tropische Sturm der Saison entwickelte sich ab dem 4. August vor der Küste South Carolinas aus einem schwachen Tiefdrucktrog. Am nächsten Tag wurde durch Satellitenauswertungen eine Zirkulation festgestellt und am 6. August stellte das NHC die Bildung eines tropischen Tiefdruckgebietes fest. Eine sich annähernde schwache Wetterfront drängte das Tief nordostwärts und verbesserte so seine Ausströmung in der Höhe. Am 7. August wurde das System zum Tropischen Sturm Alberto hochgestuft; dieser lag zu dem Zeitpunkt südlich von Nantucket, Massachusetts.
Mit 41,5° nördlicher Breite wurde Alberto weiter nördlich zum tropischen Sturm als jeder andere tropische atlantische Wirbelsturm seitdem 1941 die Beobachtung von tropischen Wirbelstürmen verlässlich wurde. Der Sturm erhöhte seine Vorwärtsgeschwindigkeit nordostwärts auf 25 Knoten und traf am Abend des 7. August auf den Westen Nova Scotias, wo er nur geringe Auswirkungen hatte. Über dem kalten Wasser des Sankt-Lorenz-Golfes wurde Alberto am 8. August außertropisch und löste sich kurz darauf nördlich von Neufundland auf. Entlang seiner Zugbahn rief Alberto leichte Regenfälle und böige Winde hervor, in deren Zusammenhang jedoch keine wesentlichen Schäden verzeichnet wurden.
Tropischer Sturm Beryl
Das dritte tropische Tiefdruckgebiet des Jahres bildete sich am 7. August aus einem Bodentief im Südosten Louisianas. Das System entwickelt sich besser, als es in Richtung der Mündungen des Mississippi Rivers trieb. Schon bald war die Konvektion des Systems ausreichend stark, sodass das National Hurricane Center (NHC) die Warnung zu dem System aufnahm. Am 8. August wurden Sturmwarnungen für die Küste von Louisiana bis zum Florida Panhandle ausgelöst. Über dem offenen Golf von Mexiko entwickelte Beryl Wind eines leichten tropischen Sturms und Böen erreichten die Küsten Louisianas, Mississippis und Alabamas. Die Niederschläge durch Beryl waren im mittleren Küstenabschnitt umfangreich und erreicht bei Dauphin Island, Alabama 400 mm.
Das mit einer gut ausgebildeten Ausströmung ausgestattete Zirkulationszentrum Beryls wanderte am 9. August über warmes Wasser und die Aussichten für die weitere Entwicklung waren günstig, eine sich annähernde Front aus nordwestlicher Richtung drehte die Bahn des Sturms jedoch zurück auf das Festland im Südosten Louisianas. Als Beryl am nächsten Morgen über den Bayou Teche hinwegzog, hatte sich das System zu einer Depression abgeschwächt. Die Schäden durch Beryl waren gering und, soweit bekannt wurde, töteten die Auswirkungen Beryls eine Person.
Tropisches Tiefdruckgebiet Vier
Das Tropische Tiefdrucksystem Vier entwickelte sich am 12. August über den südlichen Bahamas aus einer tropischen Welle. Das System wanderte nord-nordwestwärts und gelangte am nächsten Tag bei Jacksonville, Florida an Land. Den Küsten Floridas und Georgias brachte das System böigen Wind und Gewitter, ohne jedoch größere Schäden anzurichten. Es zog dann über den Süden Georgias und den nordöstlichen Abschnitt der Golfküste und hinterließ in den südöstlichen Bundesstaaten bis zu 180 mm Niederschlag. Das System gelangte zwar wieder über Wasser, löste sich dennoch am 15. August in der Nähe der Mündung des Mississippi Rivers auf.
Die anfänglichen Prognosen gingen davon aus, dass sich das Tiefdrucksystem zum dritten tropischen Sturm des Jahres entwickeln würde. Es verlor jedoch wegen ungünstiger Bedingungen in der Höhe und den Einfluss der Bahamas sein gut definiertes Zentrum. Nach den Angaben des National Weather Service erreichte das Tiefdruckgebiet Windgeschwindigkeiten von 80 km/h.
Tropisches Tiefdruckgebiet Fünf
Das fünfte tropische Tiefdruckgebiet des Jahres im atlantischen Becken bildete sich am 20. August in der Nähe der Kapverden. Zu diesem Zeitpunkt wurden bereits heftige Regenfälle und Winde bis zu 54 km/h registriert. Die Depression driftete die nächsten drei Tage nordnordwestlich der Inseln, ohne sich wesentlich zu entwickeln.
Am 24. August erhöhte sich die Vorwärtsgeschwindigkeiten auf 25 km/h und die Zugrichtung drehte nach Westen. Kühles Wasser schwächte das System am 26. August zu einer tropischen Welle ab. Diese zog weiter in west-nordwest licher Richtung, ohne das Aussichten auf ein Wiedererstarken bestanden, trotzdem entwickelte sich das Resttief am 30. August etwa 290 km südöstlich der Küste North Carolinas wieder zu einem Tiefdruckgebiet und das Büro Washington des National Weather Service verfolgte das System als Sturmzentrum, bis es sich am 1. September in die Frontalzone eingegliederte.
Tropisches Tiefdruckgebiet Sechs
Das Tropische Tiefdruckgebiet Sechs formierte sich aus einer tropischen Welle, die sich am 12. August von der Küste Afrikas löste und den Atlantik westwärts querte. Am 20. August, während der Annäherung an die Inseln über dem Winde, erklärte das NHC das System als tropisches Tiefdrucksystem, das allerdings nach der Überquerung der Inselgruppe auf weniger vorteilhafte Bedingungen stieß. Da es auf den Inseln recht stürmisch war, wurde eine weitere Intensivierung des Systems zu einem tropischen Sturm über dem warmen Wasser der westlichen Karibik erwartet; allerdings wurde das System am 23. August in der Nähe von Jamaika zu einer tropischen Welle abgestuft. Diese wanderte dann weiter westwärts über die Karibik, überquerte Mittelamerika und entwickelte sich im östlichen Pazifik schließlich zum Hurrikan Kristy.
Tropischer Sturm Chris
Chris bildete sich aus einer starken tropischen Welle, die sich am 15. August von der westafrikanischen Küste löste. Am 21. August trennte sich ein Konvektionsgebiet im nördlichen Teil der Welle ab und entwickelte sich zum Tropischen Tiefdruckgebiet Sieben. Der Sturm wanderte am südlichen Rand eines subtropischen Hochdruckrückens westwärts über den Atlantik. Über die nächsten sieben Tage fanden sich wenige Anhaltspunkte für eine Intensivierung des Systems, das noch ein tropisches Tiefdruckgebiet war, als es die Inseln über dem Winde und Großen Antillen sowie die Bahamas überquerte.
Das System passierte am 24. August südlich von Puerto Rico und hinterließ auf der Insel örtlich bis zu 300 mm Niederschlag. Das Unwetter ist auf Puerto Rico für drei Tote verantwortlich. Am 28. August wurde das System zum Tropischen Sturm Chris hochgestuft; zu diesem Zeitpunkt wanderte es vor der Küste Floridas nordwärts. Bei Savannah, Georgia gelangte der Sturm an Land. Chris verursacht in diesem Gebiet durch Wind und Regen leichte Schäden. Während der Abschwächung zum tropischen Tiefdruckgebiet lud Chris über South Carolina schwere Regenfälle ab. Dann vereinigte sich das System mit einer Kaltfront und wurde außertropisch. Auf seinem Weg entlang der Ostküste beschleunigte sich die Vorwärtsgeschwindigkeit und nach dem Durchzug von Nova Scotia löste es sich am 30. August auf. Heftige Gewitter lösten in South Carolina einen Tornado aus, der eine Person tötete.
Hurrikan Debby