Das Dorf Woltersdorf ist seit 1993 einer von 23 Ortsteilen der Gemeinde Nuthe-Urstromtal im Landkreis Teltow-Fläming in Brandenburg. Der Ort ist mit 1020 Einwohnern (Stand: 2017) der einwohnerstärkste Ortsteil der Gemeinde und hat eine Fläche von 37,9 km².Ortsteil Woltersdorf, Webseite der Gemeinde Nuthe-Urstromtal, abgerufen am 7. Januar 2019.

Geografische Lage mini|Steinerfließ Woltersdorf liegt etwa anderthalb Kilometer nordöstlich von Luckenwalde in einer seichten Niederung der Nuthe und dem Steinerfließ (Zufluss zur Nuthe), welche durch den Ort fließen. Im Nordwesten befindet sich das Dorf Ruhlsdorf, im Osten das Dorf Scharfenbrück und Südosten das Dorf Gottow. In direkter Nachbarschaft zum Dorf befinden sich ausgedehnte Kiefernwälder, Äcker, Wiesen und Feucht- und Nasslandschaften. Zum Ortsteil gehört auch der Wohnplatz Woltersdorf Siedlung, der westlich der Bahnstrecke Berlin-Halle in einem Waldgebiet liegt.

Namensherkunft Die eindeutige Namensherkunft für Woltersdorf ist nicht genau geklärt. Jedoch gibt es verschiedene Ansätze, wie der Name entstanden sein könnte. So bedeutet der Namensteil Walter im Althochdeutschen „Der wallende Herr“ und später „Der Waltende oder Gebieter“. Durch eine ungenaue Schreibweise kann aus dem „a“ ein „o“ geworden sein. Eine weitere Bedeutung des Namensteil Walter kann aus dem süddeutschen „woltern“ abgeleitet sein. Dies bedeutet so viel wie „tüchtig“ oder „sehr“. Vielleicht hieß aber auch nur der Ortsgründer Walter oder Wolter und benannte danach auch den Ort.

Geschichte Frühzeit bis 16. Jahrhundert Eine Besiedlung des Gebietes rund um Woltersdorf ist anhand zahlreicher Bodenfunde nachweisbar. Reste aus der Mittelsteinzeit, der Jungsteinzeit und der Bronzezeit verraten, das auch schon vor einigen tausend Jahren das Nuthetal von Menschen bewohnt bzw. als Rast- oder Werkplatz genutzt wurde (siehe Liste der Bodendenkmale in Nuthe-Urstromtal). Im Juli 2020 wurde in der Nuthe eine seltene, fast komplett erhaltene Geweihaxt aus der mittleren Steinzeit entdeckt. Bisher wurden jedoch keine Spuren aus der Slawenzeit gefunden. Es ist jedoch davon auszugehen, dass auch hier Slawen wohnten oder wenigstens das Gebiet im Wirkungsbereich der Slawen lag. Etwa zwei Kilometer nordwestlich von Holbeck befindet sich im Osten der Ritschken-Wiesen ein aus einer Bergkuppe herausgearbeiteter Turmhügel mit einem Durchmesser von 27 bis 28 Metern, der etwa sieben Meter über der Sohle eines umlaufenden Grabens liegt. Dieser wird von einem weiteren äußeren Wall umfasst; diese Anlage wurde 1816 als Schlossberg bezeichnet.

Die Geschichte von Woltersdorf reicht mindestens in das Jahr 1285 als woltersdorff zurück. Hier findet die Ersterwähnung des Dorfes statt. Grund der Erwähnung ist der Verkauf des Luckenwalder Burgbezirks, dem auch Woltersdorf angehörte, durch Olzo und Wedego von Richow an das Kloster Zinna. Davor gehörte das Gebiet zum Erzbistum Magdeburg, welches 968 gegründet wurde. Die Woltersdorfer betrieben ihren Lebensunterhalt mit Ackerbau und Viehzucht. 1413 kam es auf zinnaischen Gebiet zu mehreren Raubüberfällen durch Adelige aus Brandenburg. Viele Dörfer wurden geplündert, so wahrscheinlich auch Woltersdorf. Nach einigen Auseinandersetzungen und einem kurzen Frieden kam es jedoch immer wieder zu solchen Überfällen. Infolge von Erbfolgestreitigkeiten kam es am 27. April 1478 zu einem Scharmützel bei Woltersdorf, bei dem der Markgraf von Brandenburg ungarische Truppen besiegte. Der Schulze besaß im Jahr 1480 in Waltersdorf zwei Lehnhufen und gab von den Wiesen. Außerdem lebten im Dorf elf Hufner, die ebenfalls Abgaben von ihren Wiesen geben mussten. Hinzu kamen drei Kossäten und der Dammwächter. Dieser hatte die Aufsicht über die Dämme um das Dorf, welche Überflutungen durch die in der Nähe befindlichen Gewässer verhindern sollten. Die Gemarkung war 16 Hufen groß. Die Bauernhäuser bestanden aus Holz, wurden in Pfostenbauweise errichtet und waren mit Stroh oder Holzschindeln gedeckt. Der Pfarrer aus Luckenwalde erhielt von jeder Hufe eine Scheffel Roggen. Die Bewohner zahlten im Jahr 1534 insgesamt 22 Rheinische Gulden (fl) 10 Pfennig (d) zum 50. Pfennig an Abgaben. Nach der Reformation übernahm im Jahr 1553 das Amt Zinna das Dorf und den Forst mit allem Recht. Für 1562 waren lediglich 18 Hauswirte verzeichnet. Der Schulze besaß im Jahr 1568 nach wie vor zwei Lehnhufen und gab von den Wiesen. Die elf Einhufner, darunter ein Krüger, gaben von den Wiesen. Im Dorf lebten mittlerweile fünf Kossäten, darunter der Dammwächter. Ihm war es 1598 gestattet, ein Stück Acker am Dammtor am hohen Winkel zu bewirtschaften. Das Haus, in dem er zuvor gewohnt hatte, gehörte dem Rat der Stadt Luckenwalde. Im Jahr 1584 lebten in Woltersdorf 18 Hauswirte, die 7 Taler 1 Groschen (gr) 4 d Pfennig an Abgaben leisteten (1586).Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 549

17. Jahrhundert Um 1600 gab es im Dorf 18 Hauswirte, 1609 waren es der Schulze, elf Hufner und sechs Kossäten. Im Dreißigjährigen Krieg war das Dorf 1642 vollständig abgebrannt; es lebte nur noch der Schulze. Zuvor waren es 18 besessene Mann: der Lehnmann, elf Hufner und sechs Kossäten. Der Schulze bewirtschaftete zwei Lehnhufen, 1 ½ Morgen (Mg) Wiese im Huck und eine Wiese in Jänickendorf. Von den elf Einerbhufnern war einer der Krüger. Der Krug war 1670 an die Familie von Kratz gefallen, nach dem dieser 40 Jahre lang unbesetzt gewesen war. Zwei Einerbhufner besaßen jeder 1 ½ Mg Wiese. Von den sechs Kossäten besaß einer einen Garten, eine Horst und Busch beim Hammerfließ, einen Horst am Damm und zwei Stücke auf dem Kossätenland. Ein Kossät hatte zwei Gärten hinter dem Haus und im Gehege, zwei Flecke Acker von 10 Stücken, einen Fleck vor Niederdümde, einen Fleck vor seine Wiese bei der Lotschkewiese, vier Stücke vor Niederdümde und 1 ½ Mg Wiese. Ein Kossät besaß zwei Gärten hinterm Haus und im Felde, ein Fleck Acker aus einer Wiese, die im Busch lag, fünf Stück beim Kossätenland und 1 ½ Mg Wiese. Ein Kossät besaß einen Garten, einen Horst am Luckenwalder Gehege und zwei Stücke beim Kossätenäcker. Ein Kossät besaß einen Garten, zwei Hörste, von denen einer am hohen Winkel und der andere am Luckenwalder Gehege lag; außerdem ein Stück Acker an der Beerhorst und zwei Stück am Kossätenacker sowie ein Garten im Felde, einen neuen Acker im Tämmichen und 3 Mg Wiese. Ein Kossät besaß einen Garten, drei Hörste: einen bei Liebätz am vordersten Damm, einen in der Beerhorst und einen im Luckenwalder Gehege. Er besaß außerdem zwei Stück Acker beim Kossätenland und einen Garten im Felde. Die Gemarkung war nach wie vor 13 Hufen groß, darunter zwei Lehnhufen. Die Einwohner hatten das Recht zur Hütung. Hierfür war ihnen eine Fläche zugewiesen worden, die „auf der linken Hand“ nach Trebbin lag und der Stobitz genannt wurde. Jeder Hufner war verpflichtet, dem Pfarrer in Luckenwalde 1 Scheffel Roggen zu zahlen; der Schulze zwei. Der Diakonus erhielt von jedem Hufner 8 Eier und von jedem Kossäten je vier Stück. Die Kriegsschäden waren bis 1671 beseitigt, so dass wieder 18 Einwohner im Dorf leben konnten. Im Jahr 1684 waren 18 Güter verzeichnet: erneut das Schulzengut, elf Hufnerhöfe und sechs Kossätenstellen.

18. Jahrhundert In einer Statistik aus dem Jahr 1727 erschienen erneut der Lehnschulze, elf Hufner und sechs Kossäten. Die zwölf Bauern bewirtschafteten im Folgejahr 13 Hufen, auf denen sie 7 Wispel 5 Scheffel Aussaat ausbrachten; die sechs Kossäten 20 Scheffel 8 Metzen. Im genannten Jahr erschien auch erstmals ein Holzknecht. Eine Statistik aus dem Jahr 1745 berichtete von zwölf Hufnern, sechs Kossäten, einem Büdner sowie einer Papiermühle und einem Unterförster. Im Jahr 1772 lebten im Dorf zwölf Hufner (darunter der Schulze), sechs Kossäten, vier Büdner, ein Schmied, ein Förster, ein Kuhhirte, ein Pferdehirt und ein Schulmeister. Es gab 23 Männer und 27 Frauen sowie vier alte Männer und sechs alte Frauen. 21 Söhne waren älter als 10 Jahre, 20 darunter. 19 Töchter waren älter als 10 Jahre, 19 darunter. Im Dorf lebten außerdem noch 12 Knechte und 13 Mägde. Der Einlieger war mit einem Mann, vier Frauen und einer Tochter besetzt. Kurz darauf erschien die Schreibweise 1775 Woltersdorf, Waltersdorf (1775); der Ort bestand aus Dorf, Papiermühle und Forsthaus.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 547 Die Einwohner betrieben 29 Feuerstellen (1791).Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 550

19. Jahrhundert mini|Denkmalgeschützter ehemaliger Gasthof