Die Heidemark-Gruppe mit Sitz in Ahlhorn ist einer der größten deutschen Produzenten und Vermarkter von Geflügel. Seit 2026 gehört das Unternehmen zur Storteboom Food Group, der europäischen Geflügelsparte des britischen Boparan Private Office. mini|Heidemark in Ahlhorn
Geschichte Das Unternehmen führt seine Anfänge auf einen 1968 in Garrel gegründeten Putenschlachtbetrieb in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft zurück. Das verschuldete Unternehmen wurde 1975 von dem gelernten Landwirt Reinhold Kalvelage, der damals ein Mischfutterwerk in Höltinghausen besaß, übernommen, um eigene Forderungen nicht zu verlieren.
Anfänglich war das Unternehmen ein Kleinbetrieb, der mit wenig Personal einmal in der Woche Puten schlachtete, die dann als ganze Stücke tiefgefroren in Garrel gelagert und erst vor Weihnachten verkauft wurden. Ab Mitte der 1970er Jahre wurden auch frische Teilstücke vom Truthahn vermarktet, ab Ende der 1970er Jahre auch Brühwürste und geräucherte Putenbrust. 1980 nannte Kalvelage das Unternehmen in Heidemark um. Ende der 1980er expandierte das Unternehmen, mit panierten Putenschnitzeln und marinierten Filetsteaks kam der Einstieg in das SB-Marktsegment. 1995 wurde die Produktion von Schnitzeln und Räucherware von Garrel nach Vahldorf (Sachsen-Anhalt) verlegt (etwa 100 Mitarbeiter). 1997 kam dort eine neue Schlachterei (ebenfalls 100 Mitarbeiter) hinzu. Im Jahr 1999 brannte das Werk in Vahldorf völlig aus. 2003 schloss sich die Heidemark-Gruppe mit der Unternehmensgruppe Rothkötter (Hähnchenfleischproduzent und Mischfuttermühle) in einem Joint-Venture unter Nutzung des von Kalvelage eingeführten Markennamens Heidemark zusammen; in der Folgezeit umfasste das Sortiment sowohl Hähnchen- als auch Putenprodukte. Ab Mitte 2008 verkaufte die Unternehmensgruppe Rothkötter wieder unter eigenen Namen.
Im April 2007 verkaufte die Velisco Geflügel GmbH & Co. KG ihre Putengeflügel-Produktion in Ahlhorn (Landkreis Oldenburg) an Heidemark. Heidemark übernahm jedoch weiterhin die Belieferung des bisherigen Velisco-Mehrheitseigentümers Gebr. Nölke GmbH & Co. KG mit Putenfleisch für dessen Geflügelwurstproduktion (Marke „Gutfried“). Nölke verkaufte seine Anteile an Velisco an den Garreler Unternehmer Ulrich Wendeln (Produzent bzw. Händler von Futtermitteln Fleming + Wendeln und Ölsaaten Goldene Mühle, Landhandel u. a.). Alle drei Unternehmensgruppen kooperieren seither eng. So produzieren Heidemark und Velisco derzeit am Standort Ahlhorn übergangsweise noch für beide Unternehmensgruppen.Putenschlachter strukturieren sich neu, dlz agrarmagazin, 5. April 2007 Heidemark hat nach eigenen Angaben im Zusammenhang mit der Übernahme des Standortes Ahlhorn in Bezug auf die Produktionsqualität „zügig die dort notwendigen Konsequenzen gezogen“, die dann auch „mit auslösend für die Verlagerung von Produktionsaktivitäten in den Stammbetrieb nach Garrel“ , abgerufen am 6. Dezember 2007 gewesen seien, als deren Folge im Juli 2007 230 Mitarbeitern in Ahlhorn gekündigt wurde.Dementsprechende Angaben auch in: „Keine Entscheidung im Streit um Kündigungen: Arbeitsgericht vertagt Heidemark-Prozess“, Münsterländische Zeitung, 29. November 2007.Ein Gutachten der „Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover“ (Bernhard Nowak), das Heidemark selbst in Auftrag gegeben hatte, nachdem es im Sommer 2007 zu Reklamationen gekommen war, hatte die „Schnittführungen“ und die „Mikrobiologie“ der Fleischprodukte aus Ahlhorn bemängelt, sowie erheblich verlängerte Standzeiten des zerlegten Fleisches, eine unzureichende Personalhygiene und die räumlichen Gegebenheiten, welche eine Produktion „auf dem neusten Stand der Wissenschaft und Technik“ nicht zuließen. Quelle: „Kunden reklamierten schon im Sommer: Gutachten belegt Mängel im Schlachthof Ahlhorn“, Münsterländische Tageszeitung, 7. Dezember 2007Später wurde diese Formulierung auf der Website verallgemeinert zu: „wurde die Zerlegung im Stammbetrieb Garrel konzentriert, während alle Schlachtaktivitäten nach Ahlhorn verlagert wurden.“ Laut der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten liefen im Anschluss an diese Verlagerungsaktivitäten rund 70 Kündigungsschutzverfahren von Mitgliedern, sowie weitere Klagen nichtorganisierter Ex-Mitarbeiter, die jedoch alle juristisch entkräftet werden konnten.
Die Heidemark Vertriebs- und Logistikgesellschaft mbH in Garrel wurde 2008 in die Gefluegelpartner.EU GmbH überführt, die im April 2013 wiederum zur Food and Carry GmbH in Ahlhorn wurde. Im Herbst 2015 wurde das Mischfutterwerk in Höltinghausen an Agravis verkauft. 2016 wurde eine Neugliederung des Unternehmens vorgenommen. Der bis dahin alleinige Eigentümer Christoph Bernhard (Bernd) Kalvelage übertrug 76 % der Anteile an dem Unternehmen an seinen Sohn Christopher Kalvelage, die restlichen 24 % an seinen Sohn Jan-Bernd Kalvelage. Der Betrieb für Convenience-Produkte in Garrel wurde als SK-Meat-Vertriebs GmbH ausgelagert, deren Eigentümer über die Holdinggesellschaft PK-Holding zu gleichen Teilen die Tochter Sarah Kalvelage und der ehemalige Geschäftsführer von Geflügelpartner.eu, Herbert Paschertz, sind.Generationswechsel: Heidemark stellt sich neu auf. Lebensmittel Zeitung 19 vom 13. Mai 2016. Seite 018 / Frischware. Nach Verschmelzung mit der Heidemark Geflügel Verwaltungs GmbH und der GT Geflügeltransporte Verwaltungs GmbH im Jahr 2016 lag der Hauptsitz der Heidemark GmbH in Höltinghausen.
Anfang 2026 verkaufte die Familie Kalvelage ihre Anteile an die Storteboom Food Group, die zum Boparan Private Office des britischen Unternehmers Ranjit Boparan aus Birmingham gehört. Rund ein Jahr zuvor hatte Andres Ruff die Geschäftsführung vom geschäftsführenden Gesellschafter Christopher Kalvelage übernommen. Die Europäische Kommission gab die Übernahme im Mai 2026 frei. Zum Zeitpunkt des Verkaufs erzielte Heidemark mit Standorten in Deutschland und Partnern in Polen einen Umsatz von rund 760 Millionen Euro, die Boparan-Gruppe rund 5 Milliarden Euro.Lebensmittel Zeitung, 8/2026, 20. Februar 2026, Britischer Milliardär kauft Heidemark, Seite 18. Heidemark wurde dabei als eigenständige Gesellschaft in die Storteboom Food Group eingegliedert.
Produkte Der Schwerpunkt des Sortiments liegt auf Putenfleisch. 2025 übernahm Heidemark die Gut Bergmark Premium Geflügel GmbH & Co. KG und stieg damit in die Verarbeitung von Hähnchenfleisch ein. Das Zubereitungsspektrum umfasst Frisch- und Grillware sowie Convenience-Tiefkühlprodukte, der Schwerpunkt liegt auf portioniertem und zubereitetem Frischgeflügel für die Selbstbedienungstheken des Lebensmittel-Einzelhandels.
Vertriebskanäle Beliefert werden Kunden in ganz Europa, in Deutschland vor allem der Lebensmitteleinzelhandel. Darüber hinaus werden Lebensmittelhersteller und -weiterverarbeiter (darunter auch Produzenten von Babynahrung), der Fleisch- und Wurstwarengroßhandel sowie große Einzelkunden (zum Beispiel Lufthansa) und die Gastronomie beliefert.Hermann von Laer: Das Oldenburger Münsterland – eine moderne Industrie-Region, Kapitel „Firmengruppe Heidemark in Garrel“. In: Jahrbuch Oldenburger Münsterland, 2002 S. 296–300 (PDF-Datei). Als Werksverkaufsladen ergänzt der Heidemark-Geflügelshop in Ahlhorn die Vertriebskanäle.
Etwa 80 % der Produktion wird an Kunden innerhalb Deutschlands verkauft, der Rest in Europa exportiert. Es wird auch nach dem Halal-Standard geschlachtet.
Die aktuelle Veterinärkontrollnummer der Verarbeitungsbetriebe lautet: (Bearbeitungsstand: 7. Dezember 2007). Ahlhorn, Heidemark Mästerkreis GmbH & Co.: EZG 22 (auch zugelassen für Südafrika), DE-NI 10067 EG
Struktur Die Heidemark GmbH ist die zentrale, operative Gesellschaft der Unternehmensgruppe und verfügt über eine Reihe von Tochtergesellschaften, u. a.: .Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2016 bis zum 30.06.2016 im Bundesanzeiger Food and Carry GmbH: Logistikgesellschaft der Unternehmensgruppe. Heidemark Mästerkreis GmbH & Co. KG: Produktionsgesellschaft für den Standort Ahlhorn Heidemark Polska Sp. z o.o.
Das Produktionssystem von Heidemark ist in der Putenfleischsparte weitgehend vertikal integriert, d. h. von den Elterntierherden über die Brütereien, die Organisation der Mastbetriebe, die Schlachtung, die Weiterverarbeitung, die Kühlung und die Vertriebslogistik mittels eigener Kühlfahrzeugflotte liegt die gesamte Wertschöpfungskette und Qualitätskontrolle in einer Hand. Heidemark ist nach eigenen Angaben zertifiziert nach QS, IFS, BRC und praktiziert das System der 5-D-Kennzeichnung. .
Seit Februar 2026 ist das Boparan Private Office mit Hauptsitz in Birmingham, Großbritannien, Eigentümer des Puten- und Hähnchenverarbeiters Heidemark. Heidemark gehört seitdem zur europäischen Sparte der Storteboom Food Group, die sich vollständig im Besitz von Boparan Private Office befindet. Bis zur Übernahme durch das Boparan Private Office war Christopher Kalvelage Hauptgesellschafter des Unternehmens gewesen. Er hatte 2015 gemeinsam mit seinem Bruder Jan-Bernd Kalvelage die Anteile des Vaters Christoph Bernhard Kalvelage, des Sohnes des Unternehmensgründers, übernommen. Die Heidemark GmbH wurde bis dahin von der Kalvelage Holding GmbH kontrolliert.Kalvelage Holding GmbH: Konzernabschluss und Konzernlagebericht 2015 im Bundesanzeiger
Kennzahlen Im Jahr 2023 erzielte der Heidemark-Verbund einen Umsatz von 713 Millionen Euro. Heidemark zählt damit zu den fünf größten Unternehmen der deutschen Geflügelwirtschaft.afz – allgemeine fleischer zeitung, Nr. 41, 10. Oktober 2007, Seiten 19ff. PDF-Tabelle So werden in Ahlhorn jährlich rund 260.000 Tonnen Putenfleisch aus 14,7 Millionen Tieren hergestellt, was ungefähr einen Marktanteil von 45 Prozent bei der Putenfleischverarbeitung ausmacht. Die Unternehmensgruppe beschäftigt insgesamt rund 2.000 Mitarbeiter, davon etwa 1.300 in Ahlhorn.
Kritik Vorwurf der Verarbeitung verdorbenen Fleisches Im Dezember 2007 wurde durch Berichte des ARD-Fernsehmagazins „Panorama“ und des Hörfunksenders „NDR Info“ bekannt, dass drei der damals entlassenen Mitarbeiter eidesstattliche Versicherungen abgegeben haben, laut denen im April und Mai 2007 am Standort Ahlhorn größere Mengen (mehrere Tonnen) von bereits verdorben angeliefertem Putenfleisch umverpackt, teilweise mit gutem Fleisch vermischt, und dann neu etikettiert worden sein sollen.NDR-Pressemitteilung, 5. Dezember 2007. Diese eidesstattlichen Versicherungen waren jedoch Fälschungen, stellte das Amtsgericht Oldenburg in einem Urteil am 29. Januar 2009 fest.. Die Erklärungen der Mitarbeiter, die sauer wegen der Entlassung bei Heidemark gewesen seien, seien bei der NGG gefertigt oder nachgebessert worden, sagte der Vorsitzende Richter Rolf Lübben..