Unter der Bezeichnung Große Landesausstellung können die elf staatlichen Museen aus Baden-Württemberg ihre Bestände zu ausgewählten Themen präsentieren. Die Großen Landesausstellungen in Baden-Württemberg befassen sich hauptsächlich mit Themen, die einen Bezug zum südwestdeutschen Raum haben. Seit 1977 gab es diese besondere Form einer Sonderausstellung mit der Bezeichnung Große Landesausstellung, jedoch noch bis 1997 in unregelmäßiger Abfolge. Seit 1997 werden Große Landesausstellungen mindestens in jährlicher Folge organisiert, zunehmend auch mehrere pro Jahr. Nachdem von 2005 bis 2014 teilweise bis zu fünf Große Landesausstellungen in einem Jahr stattfanden, soll diese Zahl ab 2015 auf maximal drei beschränkt bleiben. Durch die Ausrichtung auf das Land, seine Kultur und seine Geschichte soll die Landesidentität gefördert werden. Einige Ausstellungen befassen sich mit allgemeinen Themen aus Kunst, Kultur und Naturwissenschaften.

Das Land Baden-Württemberg fördert die Großen Landesausstellungen mit Zuschüssen. Für das Jahr 2008 zum Beispiel waren hierfür etwa 3,5 Millionen Euro vorgesehen. Die einzelnen Ausstellungen werden in der Regel zusätzlich durch Sponsoren unterstützt. In den Jahren 2017 bis 2020 sollen insgesamt rund zwölf Millionen Euro von der Landesregierung investiert werden, damit die elf staatlichen Museen in Baden-Württemberg Sonderausstellungen organisieren können. Davon werden 10 Große Landesausstellungen und 11 weitere Landesausstellungen ohne den Titel Große Landesausstellung stattfinden.Große Landesausstellungen, Artikel in den Stuttgart Nachrichten vom 26. Juni 2015

Landesausstellung von 1955 mini|Sonderbriefmarke der Deutschen Bundespost aus Anlass der Landesausstellung 1955 in Stuttgart Bereits 1955 fand in Stuttgart unter der Bezeichnung Landesausstellung Baden-Württemberg eine große Ausstellung zur Geschichte, Gesellschaft und Kultur der früheren Landesteile Württemberg, Baden und Hohenzollern statt. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auch auf einer Leistungsschau der Industrie und Wirtschaft des 1952 gegründeten neuen Bundeslandes. Die Landesausstellung wurde am 1. Juli 1955 von Bundespräsident Theodor Heuss auf dem ehemaligen Messegelände des Killesbergs eröffnet und diente der Förderung der Akzeptanz des neuen Bundeslandes.Annegret Kotzurek, Rainer Redies: Stuttgart von Tag zu Tag. Eine Chronik 1955–1999. Silberburg-Verlag, Tübingen 2011, ISBN 978-3-8425-1140-8, S. 34 Insofern steht diese vom 1. Juli bis zum 2. Oktober 1955 als Landesausstellung bezeichnete Veranstaltung wegen ihrer besonderen messeähnlichen Art nicht in der Tradition der 1977 begonnenen Großen Landesausstellungen der elf staatlichen Museen.Baden-Württemberg: ein Buch vom neuen Bundesland; herausgegeben zur Landesausstellung Stuttgart, 1. Juli bis 2. Oktober 1955, Verlag Gerd Hatje, Stuttgart 1955

Die Großen Landesausstellungen 1977 bis 1997 Als erste Große Landesausstellung gilt die Staufer-Ausstellung, die 1977 zum 25. Landesjubiläum vom Württembergischen Landesmuseum durchgeführt wurde.Die Zeit der Staufer. Geschichte – Kunst – Kultur. Katalog der Ausstellung in vier Bänden, Württembergisches Landesmuseum, Stuttgart 1977 Die Ausstellung fand vom 26. März bis 5. Juni 1977 im Alten Schloss und im Kunstgebäude statt. Rund 1.000 Exponate aus 17 verschiedenen Staaten waren zu sehen. Es kamen während der nur 72 Tage geöffneten Ausstellung insgesamt 675.000 Besucher.Helmut Schneider: Warum wurden die Staufer zum Superhit? Artikel vom 17. Juni 1977 in der Wochenzeitung DIE ZEIT Für diese hohe Zahl waren die Räumlichkeiten nicht ausgelegt, so dass die Besucher mit langen Warteschlangen und dichtem Gedränge in den Museumsräumen zurechtkommen mussten. Für den hohen Ansturm sorgte unter anderem auch, dass zur gleichen Zeit in Stuttgart die Bundesgartenschau lief, und für den gemeinsamen Besuch der Gartenschau und der Großen Landesausstellung kombinierte Eintrittskarten angeboten wurden. In zunächst sporadischen Abständen von mehreren Jahren dazwischen folgten weitere Große Landesausstellungen: Vom 27. Juni bis 25. Oktober 1981 widmete sich eine Große Landesausstellung dem Barock in Baden-Württemberg. Neben Gegenständen aus der bildenden Kunst stand die barocke Architektur auf dem Gebiet des heutigen Baden-Württembergs vom Ende des Dreißigjährigen Krieges bis zur Französischen Revolution im Fokus. Die Ausstellung hatte 110.000 Besucher und wurde vom Badischen Landesmuseum (BLM) im Schloss Bruchsal durchgeführt.Barock in Baden Württemberg. Vom Ende des Dreißigjährigen Krieges bis zur Französischen Revolution. Ausstellung des Landes Baden-Württemberg, 2 Bände (Katalog und Aufsätze). Badisches Landesmuseum, Karlsruhe 1981, ISBN 3-923132-00-X Vom 14. August bis zum 20. Oktober 1985 wurde im Stuttgarter Kunstgebäude die Große Landesausstellung Keltenfürst von Hochdorf vom Württembergischen Landesmuseum und vom Landesdenkmalamt ausgerichtet. Vom 21. Juni bis zum 19. Oktober 1986 fand im Heidelberger Schloss die Große Landesausstellung Die Renaissance im deutschen Südwesten statt. Anlass war das 600. Gründungsjubiläum der Uni Heidelberg. Die Ausstellung wurde durch das Badische Landesmuseum veranstaltet und hatte 70.000 Besucher.Die Renaissance im deutschen Südwesten. Badisches Landesmuseum, Karlsruhe 1986, ISBN 978-3-923132-08-9 1987 war die Große Landesausstellung Baden und Württemberg im Zeitalter Napoleons des Landes Baden-Württemberg aus Anlass des 125-jährigen Bestehens des Württembergischen Landesmuseums Stuttgart im Kunstgebäude zu sehen. Sie fand vom 16. Mai bis 15. August 1987 statt und stand unter der Schirmherrschaft von Lothar Späth.Baden und Württemberg im Zeitalter Napoleons. Württembergisches Landesmuseum, Stuttgart 1987, Katalog ISBN 3-922608-44-2, Aufsätze ISBN 3-922608-48-5 Geringe Besucherzahlen führten zu einem Defizit von 4,5 Millionen DM.Annegret Kotzurek, Rainer Redies: Stuttgart von Tag zu Tag. Eine Chronik 1955–1999. Silberburg-Verlag, Tübingen 2011, ISBN 978-3-8425-1140-8, S. 188 1990 besuchten 24.000 Besucher die Große Landesausstellung Klar und lichtvoll wie eine Regel. Planstädte der Neuzeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, die zum 275. Gründungsjubiläum der Stadt Karlsruhe vom 15. Juni bis 14. Oktober 1990 im Karlsruher Schloss stattfand. Veranstalter war das Badische Landesmuseum.Planstädte der Neuzeit: vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Badisches Landesmuseum, Karlsruhe 1990 Vom 2. Juni bis zum 3. Juli 1992 richtete das Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim die Große Landesausstellung Tradition und Umbruch. 40 Jahre Wirtschaft in Baden-Württemberg aus.Tradition und Umbruch: 40 Jahre Wirtschaft in Baden-Württemberg. Landesmuseum für Technik und Arbeit, Mannheim 1992 1993 veranstaltete das Linden-Museum in Stuttgart die Große Landesausstellung Die Gärten des Islam. Vom 14. Juni bis 14. September 1997 fand eine Große Landesausstellung zu den Alamannen im SüdwestLB Forum in Stuttgart statt. Die Ausstellung wurde vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg (ALM) konzipiert und stand unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Roman Herzog sowie des Schweizer Präsidenten Arnold Koller.Die Alamannen. Begleitband zur Ausstellung. Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1997, ISBN 3-8062-1302-X

1998 bis 2009 1998

1998 wurde vom 28. Februar bis zum 2. August eine Große Landesausstellung mit dem Titel 1848/49 – Revolution der deutschen Demokraten in Baden im Karlsruher Schloss durchgeführt (145.000 Besucher, BLM).1848/49 – Revolution der deutschen Demokraten in Baden. Badisches Landesmuseum, Karlsruhe 1998, ISBN 978-3-923132-66-9

1999 Vom 5. Juni bis 22. August 1999 zeigte die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe das Werk Jean Siméon Chardins unter dem Titel J. S. Chardin – Werk – Herkunft – Wirkung.Jean Siméon Chardin: 1699 – 1779; Werk – Herkunft – Wirkung. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern-Ruit 1999, ISBN 978-3-7757-0833-3 1999 reiste die Wanderausstellung Vorderösterreich mit dem Untertitel Nur die Schwanzfeder des Kaiseradlers? Die Habsburger im deutschen Südwesten im Rahmen der Landesausstellung von Stuttgart über Rottenburg am Neckar und Schallaburg nach Freiburg im Breisgau. Initiiert wurde die Ausstellung vom Württembergischen Landesmuseum.Vorderösterreich. Nur die Schwanzfeder des Kaiseradlers? Die Habsburger im deutschen Südwesten. Württembergisches Landesmuseum Stuttgart, Süddeutsche Verlagsgesellschaft, Ulm 1999, ISBN 3-88294-278-9 Vom 20. Mai 1999 bis 30. Januar 2000 lief im Linden-Museum Stuttgart die Große Landesausstellung Zeit der Buddhas. Vom 11. Dezember 1999 bis zum 7. Mai 2000 zeigte das Badische Landesmuseum in Karlsruhe die Große Landesausstellung Jahrhundertwenden 1000 – 2000. Rückblicke in die Zukunft.Jahrhundertwenden 1000 – 2000: Rückblicke in die Zukunft. Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1999, ISBN 978-3-7890-6315-2

2000 2000 bis 2001 wurde die Große Landesausstellung Mythos Jahrhundertwende. Mensch, Natur, Maschine in Zukunftsbildern 1800–1900 – 2000 vom Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim ausgerichtet.Mythos Jahrhundertwende: Mensch, Natur, Maschine in Zukunftsbildern 1800–1900 – 2000. Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2000, ISBN 978-3-7890-6519-4

2001 Vom 27. Januar bis 29. April 2001 beherbergte das Badische Landesmuseum in Karlsruhe die Große Landesausstellung Im Labyrinth des Minos – Kreta, die erste europäische Hochkultur. Die Ausstellung stand unter der Schirmherrschaft von Konstantinos Stefanopoulos und Erwin Teufel.Im Labyrinth des Minos – Kreta – die erste europäische Hochkultur. Verlag Biering & Brinkmann, München 2000, ISBN 3-930609-26-6 2001 wurde die Große Landesausstellung Troia – Traum und Wirklichkeit veranstaltet. Im Forum der Landesbank Baden-Württemberg in Stuttgart war die Ausstellung vom 17. März bis zum 17. Juni 2001 zu sehen. Es handelte sich um eine vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg, dem Troia-Projekt der Universität Tübingen, dem Braunschweigischen Landesmuseum, dem Herzog Anton Ulrich-Museum und der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland gemeinsam organisierte Ausstellung. Im Rahmen der Ausstellung wurde der Traum Troja, vertreten durch Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, der historischen Wirklichkeit gegenübergestellt. Insgesamt besuchten 850.000 Besucher die Ausstellung an den drei Standorten Stuttgart, Braunschweig und Bonn. Die Ausstellung stand unter der Schirmherrschaft von Ahmet Necdet Sezer und Johannes Rau.Troia – Traum und Wirklichkeit. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 3-8062-1543-X Vom 29. September 2001 bis zum 3. Februar 2002 wurde das spätmittelalterliche Leben, Handwerk und Kunstschaffen in den Städten entlang des Oberrheins in der Großen Landesausstellung Spätmittelalter am Oberrhein dokumentiert.Spätmittelalter am Oberrhein. Badisches Landesmuseum, Karlsruhe 2001, ISBN 978-3-923132-86-7Internetseite zur Großen Landesausstellung Spätmittelalter am Oberrhein (150.000 Besucher, BLM)

2002 2002 war die Große Landesausstellung Schwarzwaldhochstraße – Aktuelle Kunst in und aus Baden-Württemberg in der Staatlichen Kunsthalle in Baden-Baden zu sehen. 2002 bis 2003 richteten das Haus der Geschichte Baden-Württemberg, das Württembergische Landesmuseum und das Badische Landesmuseum gemeinsam die Große Landesausstellung Mit 100 Sachen durch die Landesgeschichte aus.Mit 100 Sachen durch die Landesgeschichte. Info Verlag, Karlsruhe 2002, ISBN 3-88190-292-9 Die beiden 2002 begonnenen Großen Landesausstellungen erhielten Sondermittel anlässlich der Gründung des Landes Baden-Württemberg vor 50 Jahren.

2003