Der 60-mm-Mörser M224 Lightweight Company Mortar System (LWCMS) (leichtes Kompanie-Mörsersystem) ist ein leichtes Steilfeuergeschütz mit Glattrohr für Indirektes Feuer zur Bodentruppenunterstützung. Der Mörser wird seit 1978 von den Streitkräften der Vereinigten Staaten auf Kompanieebene eingesetzt. Im Jahre 2013 rüsteten die Vereinigten Staaten die Afghanische Nationalarmee mit diesem Mörser aus. Im gleichen Jahr wurde die verbesserte und leichtere Version M224A1 eingeführt.
Beschreibung miniatur|Handgehaltener Modus (links),konventioneller Modus (rechts) mini|US-Marines beim Verschießen von Leuchtgranaten Der Mörser besteht aus den Hauptkomponenten Rohr, Zweibein, Bodenplatte und Zielvorrichtung, die in zwei Konfigurationen verwendet werden können. Bei der konventionellen Konfiguration werden das Rohr, das Zweibein, die schwere Bodenplatte M7 und das Zielgerät verwendet. Die handgehaltene Konfiguration besteht lediglich aus dem Rohr und der leichten Bodenplatte M8. Je nach Konfiguration hat der Mörser ein unterschiedliches Gewicht: handgehalten 8,2 bzw. 7,7 kg (M224/M224A1) und konventionell 21 bzw. 15,9 kg (M224/M224A1).
Am Rohr befindet sich ein Anschlussstück für die Bodenplatte, sowie eine Baugruppe mit Feuerwahlmodus und dem Abzug. Der Abzugsbügel kann auch als Griff genutzt werden. Das Zweibein bietet einen Schwenkbereich von 14°, darüber hinaus muss es versetzt werden. Das Zweibein kann an zwei Stellen des Rohrs befestigt werden und so die Höhenrichtbereiche 45° bis 56° sowie 56° bis 85° abdecken. Zwei Stoßdämpfer am Zweibein absorbieren den Rückstoß beim Abschuss. Die Seiten- und Höhenrichtung geschieht mittels zwei Handkurbeln. Das optische Zielgerät wird am Zweibein befestigt. Für den Nachteinsatz verfügt es über eine Tritiumbeleuchtung, um das Absehen erkennen zu können.
Die Bodenplatten M7/M7A1 und M8A1 sind rund und verfügen über einen Richtbereich von 360°. Die rechteckige Bodenplatte M8 verfügt über einen eingeschränkten Schwenkbereich von 90° und kann nur mit eingeschränkten Zusatztreibladungen der Munition verwendet werden.
Der Mörser verfügt über zwei Feuerarten. Bei der Einwurf-Feuerart feuert der Mörser die Granate automatisch ab, wenn diese über die Mündung eingeworfen wurde und auf den feststehenden Schlagbolzen aufschlägt. Bei der Abzugs-Feuerart ist der Schlagbolzen zurückgefahren und feuert die Granate erst ab, wenn der Abzug betätigt wird. Maximal sind 30 Schuss pro Minute möglich, bei anhaltendem Feuer sind es 8–20 Schuss pro Minute (je nach Munitionstyp). Die Schussweite liegt zwischen 70 und 3500 m.
Der Mörser M224 bzw. M224A1 besteht aus folgenden Komponenten:
Rohr: Länge: 1 m M225: Material: Stahl, Gewicht: 6,5 kg. An der Außenseite des Rohrs befinden sich Kühlrippen. M225A1 Material: Inconel 718, Gewicht: 6 kg. Keine Kühlrippen, die Außenseite ist glatt. Zweibein M170: Gewicht 6,9 kg. Material: Stahl, ein kunststoffummanteltes Drahtseil begrenzt die Spreizung der Beine. Mittels eines Hakens an dem Drahtseil werden die Beine für den Transport fixiert. M170A1: Gewicht: 5 kg, Materialien: Aluminium und Titan. Durch den Einsatz von selbstschmierenden Materialien und Beschichtungen wurde die Wartung des Zweibeins vereinfacht, da die Gelenke nicht mehr geschmiert werden müssen. Die Beine rasten für die Gefechtsstellung wie auch den Transport ein, das Drahtseil entfiel. Zusätzlich wurde eine Wasserwaage in das Zweibein integriert, um beim waagrechten Ausrichten des Mörser zu unterstützen. Bodenplatte M7: Material: Aluminium 2014-T6, Durchmesser: 48 cm, Gewicht: 6,4 kg M7A1: Material: Aluminium 7175-T74, Durchmesser: 46 cm, Gewicht: 3,6 kg M8 Material: Aluminium 2014-T6, Abmessungen: 25 cm × 18 cm, Gewicht: 1,7 kg M8A1 Material: Aluminium 7175-T74, Durchmesser: 30 cm, Gewicht: 2,3 kg Zielgerät M64/M64A1: Gewicht: 1,1 kg, Vergrößerung: 1,5-fach. Mittlerweile durch M67 ersetzt.M64 Telescope Mount, Sailer Instruments M67: Gewicht: 1,3 kg; Vergrößerung: 3,5-fach
Die Wiederbeschaffungskosten betrugen im Jahre 2001 10.658 US-Dollar.M224 Specifications, GlobalSecurity.org
Neben der eigentlichen Waffe werden von dem Mörsertrupp verschiedene Zubehörgegenstände mitgeführt, z. B. Reinigungsutensilien, Tragebehälter, Trageschlaufe, Messlatten oder der M115-Boresighter für Kalibrierung der Zielhilfe.
Der M224-Mörser ist die vielseitigste Waffe der Schützenkompanie. Die Zerstörungskraft ist nur bei einer Panzerabwehrhandwaffe wie SMAW größer, die maximale Reichweite nur beim Maschinengewehr wie dem M240. Es ist die einzige Waffe der Schützenkompanie für indirektes Feuer und kann zudem unterstützend wirken durch Beleuchtung, Markierung sowie zur Verschleierung.
Geschichte miniatur|Afghanische Soldaten üben mit M224, Dezember 2013 miniatur|Experimentelles Visier Der M224-Mörser wurde im Jahre 1978 eingeführt und ersetzte die alten Modelle aus dem Zweiten Weltkrieg, den M2-Mörser und M19-Mörser. Diese Waffen hatten eine effektive Reichweite von lediglich 2.000 Meter. Der M224-Mörser ist kompatibel mit der alten Munition, primär ist er aber für längere Munition mit höherer Reichweite bis 3.500 m ausgelegt. Der Mörser wurde bei verschiedenen leichten Bodeneinheiten der Streitkräfte der Vereinigten Staaten eingeführt. Zu den Nutzern gehören luftbewegliche Infanterie, Luftlandetruppen, Spezialeinheiten (z. b. United States Army Rangers, United States Army Special Forces) und leichte Infanterie (Schützenkompanien) der United States Army und des United States Marine Corps. Auch die United States Navy verwendet den Mörser bei der Spezialeinheit United States Navy SEALsMir Bahmanyar: US Navy SEALs, Verlag Osprey Publishing, August 2005, ISBN 978-1-84176-807-6, S. 44 und den Bautruppen Seabees. In manchen Einheiten ersetzte der 60-mm-M224-Mörser den 81-mm-M29-Mörser.Ray Bonds (Hrsg.): Modern Us War Machines, Verlag Military Press, 1987, ISBN 978-0-517-68802-1, S. 134
Die U.S. Army entfernte nach dem Koreakrieg die Mörser aus den Infanteriekompanien, führte sie aber nach den Erfahrungen im Vietnamkrieg wieder ein. Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten verfügen über 2000 Stück.
Der Mörser kam vor allem in Afghanistan und im Irak zum Einsatz. Diese beiden Konflikte zeichneten sich durch asymmetrische Kriegführung aus. Der M224-Mörser wurde dabei als zuverlässig, wirkungsvoll und schnell einsatzbereit bewertet. Beim Kampf in bebautem Gelände, wie z. B. den Kämpfen in Falludscha, konnten schwere Artillerie und Luftschläge wegen möglichen Kollateralschäden häufig nicht eingesetzt werden. So griffen die amerikanischen Soldaten auf die leichten Mörser M244 (60 mm) und M252 (81 mm) zurück. Weitere Erfahrungen aus den Konflikten zeigten, dass der M224-Mörser im handgehaltenen Modus insbesondere bei der Abwehr von Hinterhalten wertvoll war. Er war schnell einsatzbereit, wies eine starke Feuerkraft auf und bekämpfte im Steilfeuer Ziele, welche durch andere Infanteriewaffen nicht erreicht werden konnten. Jedoch wird die Reichweite (maximal 3.500 m) als nicht für alle Situation ausreichend angesehen. So können Spähtrupps und weit verteilte Einheiten der Kompanie nicht immer unterstützt werden. Eine Reichweitensteigerung wäre mit einem längeren Rohr möglich, ist aber auch mit einem höheren Gewicht verbunden.
Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten erkannten, dass es sinnvoll wäre den M224-Mörser zu verbessern. In einem Verbesserungsprogramm des USMC wurde vorgeschlagen, das Gewicht des M224 zu reduzieren, um die taktischen Anwendungsmöglichkeiten zu vergrößern. Daraufhin startete ein gemeinsames Projekt des Office of Naval Research (ONR) und United States Army Armament Research, Development and Engineering Center (ARDEC).
Das Rohr besteht nicht mehr aus Stahl, sondern aus Inconel, einer Nickelbasislegierung. Es ist leichter und hat eine längere Lebensdauer. Die Tests mit den neuartigen Material für Geschützrohre begannen im Jahre 2006. Auch das Fertigungsverfahren, das Zylinderdrückwalzen, war ebenfalls neu für Geschützrohre. Die um 20 % bzw. 4,2 kg leichtere Version M224A1 wurde 2011 eingeführt und soll die Version M224 schrittweise ersetzen. Neben dem Geschützrohr M225A1 wurde das Zweibein M170A1 und die Bodenplatte M7A1 komplett neu gestaltet. Durch diese Maßnahmen sank das Gesamtgewicht um 5,4 kg bzw. um 27 %.
2013 wurde noch die Bodenplatte M8A1 eingeführt. Sie ist zwar etwas schwerer als die M8-Bodenplatte, kann aber Munition mit allen Zusatztreibladungen abfeuern und bietet einen 360°-Schwenkbereich. Somit stellt sie in manchen Situationen eine Alternative zur schwereren M7A1-Bodenplatte dar.John B. Snyder: U.S. Army awards Watervliet $4.2M contract for new mortar baseplate, 29. Oktober 2012, United States ArmyJohn B. Snyder: Watervliet's $4.3M contract may lighten the load for Infantrymen, 28. August 2013, United States Army
Im Jahre 2013 lieferten die Vereinigten Staaten den M224-Mörser an afghanische Streitkräfte und schulten die Bedienungsmannschaften.
Am 18. März 2013 explodierte eine Mörsergranate bei einer Übung der 2nd Marine Division mit dem M224A1 im Hawthorne Army Depot. Die Explosion tötete sieben und verletzte acht Soldaten. Alle Mörser wurden zunächst für die Nutzung gesperrt, die nachfolgende Untersuchung machte einen menschlichen Fehler als Ursache aus.Sam LaGrone: ‘Human Error’ Blamed in Mortar Accident that Killed Seven Marines, 29. Mai 2013, United States Naval Institute Ebenfalls im Jahr 2013, am 3. Juli, ereignete sich in Afghanistan eine Explosion beim Mörsertraining der afghanischen Armee. Vier afghanische Soldaten und die Einsatzfotografin Hilda Clayton der US-Armee wurden dabei getötet. Obwohl der Typ des Mörser nicht bekanntgegeben wurde, ist es wahrscheinlich, dass es sich um den M224 handelte. Das letzte Bild Claytons, welches sie Millisekunden vor ihrem Tod gemacht hat, wurde 2017 veröffentlicht und ging durch die internationale Presse.Andrew Katz: The Story Behind an Army Combat Photographer's Final Picture in: Time, 2. Mai 2017Vanessa Steinmetz: Das letzte Bild in: Spiegel Online, 3. Mai 2017
2013 wurde ein Prototyp eines elektronischen Rotpunktvisieres getestet. Die Entwicklung wurde vom Office of Naval Research geplant. Dieses Visier wird in der Nähe der Mündung befestigt und verbessert die Zielgenauigkeit bei der handgehaltenen Aufstellung, insbesondere bei Dunkelheit. Gleichzeitig wurde eine Trageschlinge mit Hitzeschutz für das Rohr entwickelt. Die Versuche wurden im Einsatz in Afghanistan fortgeführt.Cuong Le: Marines test new mortar sight concept at Range, 12. November 2013, United States Marine CorpsMatthew M. Burke: Marines in Afghanistan getting mortar improvements, 7. November 2013, The Stars and Stripes Als weitere technische Weiterentwicklung wird Feuerleitung mit Minidrohnen auf Kompanieebene getestet.James Dunnigan: The 60mm Wonder Got Better, 5. Juni 2012
Munition miniatur|Sprenggranate M888 wird bei einer Übung in den handgehaltenen Mörser eingeworfen Der M224 wurde so konstruiert, dass die ältere Munition verwendet werden kann. Da der Mörser einen längeren Lauf als die älteren M2 und M19 Mörser hat, ist die Reichweite der älteren Munition größer. Umgekehrt können die speziell für den M224 entwickelte Munition mit verringerten Zusatztreibladungen auch in den älteren Mörsern verwendet werden.
Der Mörser M224 kann folgende Arten von Granatmunition verschießen: Sprenggranate: gegen Personen und leichte Bodenziele Rauchgranate: zur Deckung (Rauchwand), als Signal oder als Brandsatz Leuchtgranate: um in der Nacht das Operationsgebiet auszuleuchten Infrarot-Leuchtgranate: produziert Licht im infraroten Bereich, um die Umgebung für Nachtsichtgeräte auszuleuchten Übungsmunition
Das Gewicht der Munition beträgt je nach Typ 1,4 bis 1,8 kg.