mini|hochkant=1.8|Grundriss ehem. Prioratskirche Die ehemalige Prioratskirche Saint-Pierre befindet sich in der französischen Gemeinde Pont-l’Abbé-d’Arnoult im Département Charente-Maritime in der Region Nouvelle-Aquitaine, 23 km nordwestlich von Saintes und 15 km südlich von Rochefort.

Saint-Pierre, ehemalige Prioratskirche und Priorat mini|hochkant|Schiff, Richtung Chor mini|links|hochkant=1.2|Übersicht von Nordost

Geschichte mini|hochkant|Chor Die Kirche und das ehemalige Priorat sind Bauwerke des Mittelalters, erbaut vom 12. bis in das 13. Jahrhundert reichend, und im 15. Jahrhundert erweitert und verstärkt. Ein Vorgängerbau der Kirche, von dem man noch beachtliche Reste von Bruchsteinmauerwerk in der nördlichen Langhauswand sehen kann, stammte aus dem 10. Jahrhundert.

Im 12. Jahrhundert wurde in Pont-l’Abbé ein Priorat gegründet, als Tochterpriorat der Abbaye-aux-Dames aus dem nahen Saintes, das der Obhut der Mutterabtei unterstellt wurde, reich dotiert mit einträglichen Ländereien. Das Priorat zählte zu denen der Margarete von Navarra, Schwester des französischen Königs François I. Die Priorate beanspruchten alle feudalen Rechte an Abgaben (Steuern, Gebühren, Zehnten…), und im Gegenzug sorgten sie für die Verwaltung und für Maßnahmen zur Verteidigung.

Die Äbtissin von Saintes veranlasste zur gleichen Zeit den Beginn der Bauarbeiten an der romanischen Kirche, unter Verwendung bereits vorhandener Bauteile, und an den heute verschwundenen Prioratsgebäuden. Die Kirche wurde dem heiligen Petrus gewidmet. Der Klosterbezirk erhielt eine ihn umfassende Wehrmauer, von der neben der Kirche noch ein Torbogen erhalten ist.

Der erste Bauabschnitt Anfang des 12. Jhs., umfasste die Vergrößerung und Erhöhung des Schiffs und seiner Einwölbung. Die Kapitelle mit Pflanzen- und Tiermotiven, trage Züge von Skulpturen der Kirche Saint-Eutrope in Saintes. Der zweite romanische Bauabschnitt aus der zweiten Hälfte des 12. Jhs. bestand vor allem aus der Errichtung und künstlerischen Gestaltung des Erdgeschosses der Westfassade. Die oberen Teile blieben zunächst zurück.

Im 13. Jahrhundert wurden die alten Partien im Osten vollständig erneuert, der Chor, die Vierung und der nördliche Querschiffarm. Außerdem erstellte man die obere Etage der Fassade nicht mehr in romanischer Tradition. mini|hochkant|Schiff, aus dem Chor Im 15. Jahrhundert, setzt sich die Stilrichtung des Flamboyant durch, mit seinen neuen „flammenden“ Formen. Das bis dahin erste Joch des Schiffs wurde erheblich verändert. Darin eingebaut wurde ein Narthex, als Basis eines neuen Glockenturms, der darüber hochgezogen wurde. Gleichzeitig entstanden dabei noch mächtige Verbreiterungen der Fassadenhintergründe und deren Vertiefung bis hinter den Narthex, außerdem gewaltige Mauervorlagen zur Abstützung der wohl gefährdeten Seitenwände des Schiffs. Gegen Ende des Jahrhunderts wurden aus dem südlichen Querhausarm eine Kapelle und dem nördlichen eine neue Kapelle zugeordnet.

Während der Religionskriege im 16. Jahrhundert wurde das Kloster in Brand gesetzt. Danach wurde es wieder hergestellt, veranlasst durch Françoise II., Äbtissin in Saintes und im 17. Jahrhundert umgestaltet. Der Untergang des Klosters im 17. Jahrhundert lockte viele Interessenten an. Während der Französischen Revolution ist das Priorat als Nationalgut verkauft worden zum Abbruch durch die Bevölkerung.

Im Jahr 1887 wurde die Kirche als „Monument Historique“ klassifiziert.

Saint-Pierre, ehemalige Prioratskirche mini|hochkant|Schiff, Nordwand, Teile aus Vorgängerbau, rechts unten

Die romanisch-gotische Kirche Saint-Pierre steht in geschlossener Bebauung der Ortsmitte neben einem der ehemaligen, heute noch wehrhaft wirkenden Stadttore aus zwei massiven Rundtürmen ohne außenseitige Fenster Das dazwischen befindliche große Portal wird mit einem angespitzten Rundbogen überspannt. Der darüberliegende Verbindungstrakt reicht bis zur Höhe der Türme reichend.

Inneres Die Kirche ist einschiffig, ihr romanisches Schiff (fr. la nef) zwischen Narthex und Querhaus ist in vier Joche unterteilt. Es wird überwölbt mit einer Rundtonne, die auf den Wänden und kräftigen Gurtbögen aufliegt. Letztere tragen ihre Lasten über Kämpfer und Kapitelle in halbe Dienste an den Wänden. Am Übergang zum Querhaus fällt auf, dass die Mittellinie von Chor und Vierung gegenüber derjenigen des Schiffs deutlich versetzt ist, aus dem Schiff gesehen nach rechts. Die Längswände sind schön gegliedert, in jedem Joch mit einer großen rundbogigen Blendarkade aus einem einfachen Rückversatz, vom Boden bis in die Höhe der Kapitelle reichend, in der wiederum eine deutlich kleinere Blendarkade sitzt, vom Boden bis in mittlere Höhe. Zwischen den beiden Bögen der Blendarkaden ist je ein rundbogiges Fenster angeordnet. In der Wand zum Narthex gibt es in dessen voller Breite eine große Öffnung mit gotischem Spitzbogen. Beidseitig der Öffnung reicht je eine kräftige Mauervorlage bis in Kapitellhöhe. Der Narthex und der rückwärtige Teil des Schiffs werden hell erleuchtet durch Tageslicht, das durch das Mittelfenster der Fassade einfällt. mini|Pfeilerbündel Vierung / Chor

Den neuen gotischen Stil weisen die östlichen Bauteile aus dem 13. Jh. auf. Die drei Felder des Querhauses, inklusiver der Vierung (nicht ausgeschieden), das der Kapelle und die zwei des Chores sind mit Kreuzrippengewölben überdeckt, die von Gurtbögen unterteilt sind. Die gotischen Fenster haben nur leicht angespitzte Bögen und sind von schlanken Stützen mit Kapitellen flankiert, die in Wandrückversätzen stehen. Der Rückversatz reicht bis in die Spitze des Bogens, ausgefüllt von einem gebogenen Rundstab. Die gerade Chorrückwand hat zwei dieser Fenster. Der ehemalige südliche Querhausarm ist im 15. Jh. von der Vierung durch eine Wand abgetrennt und zu einer Kapelle umgestaltet worden. Aus der großen Öffnung unter dem Gurtbogen wurde eine deutlich kleinere.

Die Vierungspfeiler weisen Bündel von je fünf und die des Chores je drei Rundsäulen auf, die dickeren tragen Gurtbögen, die schlankeren Gewölberippen. mini|Kapitell im Schiff Die Oberflächen nahezu aller Wände, Pfeilervorlagen und Gewölbe sind steinsichtig, aus sorgfältig bearbeiteten weißen Natursteinen. Das Tonnengewölbe des Schiffs ist verputzt und dezent getönt. In zwei Feldern der Nordwand des Schiffs sind noch die Überreste des Vorgängerbauwerks aus dem 11. Jh. aus grauem Bruchsteinmauerwerk sichtbar gemacht worden.

Äußere Gestalt Die Gestalt von Saint-Pierre reproduziert die innere Gliederung des Kirchenbauwerks und lässt die Zugehörigkeit der Bauteile zu den Stilrichtungen des Mittelalters erkennen. Die klare Linie des Schiffs und seine Rundbogenfenster, ohne besonderen Schmuck, deuten auf eine Entstehung in der Romanik. Die östliche Gruppe der Gebäudeelemente Querhaus und Chor verraten mit ihren Fenstern, deren Bögen und Schmuck der Einfassungen, ihre Zuordnung zur Gotik. Die ganze Gruppe wird rundum von einem Band umfasst, teils aus einem Gesims auf skulptierten Kragsteinen, im Wechsel mit einfachen Blendarkaden mit gotischen Spitzbögen. mini|Fassade Erdgeschoss mini|Archivolten – Hauptportal Das Westwerk offenbart seine Entstehungsgeschichte vor allem durch die Entwicklung seiner künstlerischen Gestaltung, von unten über mehrere Etagen bis ganz oben zum Turmhelm (sh. Fassade).

Die Dachformen entsprechen in einfachster Form der von ihnen verlangten Funktion. Schiff und Chor werden durch jeweils ein flach geneigtes Satteldach überdeckt, deren Firste und Traufen parallel zu ihren Längsrichtungen verlaufen. Auch das Querhaus hat ein Satteldach, aber nicht wie meist üblich in Gebäudequerrichtung. Seine Traufen finden sich über der Nord- und Südwand der Querhausarme, sein First über der Vierung. Bei gleichen Neigungswinkeln aller Dächer ergibt sich daraus ein Höhenversatz der Dachflächen bei den Übergängen Schiff – Querhaus und Querhaus – Chor. Die Dachflächen von Lang- und Querhaus und Chor sind mit roten Ziegeln eingedeckt. An den knappen Traufüberständen sind „moderne“ Dachrinnen montiert. mini|Archivolten – Blindportal, links

Der quadratische Glockenturm erhebt sich auf den Wänden des Narthex, ragt mit einem allseits geschlossenen Sockel aus der Dachfläche des Schiffs und wird knapp über dem First von einem Kraggesims begrenzt. Darüber befindet sich mit gleichem Grundriss die Glockenstube, auf jeder Seite zwei schlanke Schallluken mit angespitzten Bögen. Die Glockenstube wird oben von einem ausladenden, zweifach abgestuften Gesims abgeschlossen mit einer Balustrade aus Maßwerk im Flamboyant – Stil, in deren Ecken je ein skulptierter Pfeiler diagonal gestellt aufragt. Der achteckige spitz zulaufende Turmhelm sitzt auf der Decke der Glockenstube auf. Er springt an seinem Fuß um eine Umgangsbreite gegenüber der Brüstung zurück. Der steinerne Turmhelm ist an seinen Graten mit profilierten Rippen versehen, die mit Krabben geschmückt sind. Die Spitze des Turmhelms wird bekrönt durch eine Kreuzblume.

Die Außenwände der Kirche sind aus großformatigen grauen Natursteinen mit glatter Oberfläche im Blockverband gemauert. Bis auf eine Ausnahme gilt das für alle Bauteile und Bauabschnitte. Lediglich die Nordwand des Schiffs besteht, in größeren Teilflächen innenseitig zu sehen, aus grauem Bruchsteinmauerwerk, vermutlich die Relikte des Vorgängerbaus aus dem 11. Jh.

Fassade Ihre Berühmtheit verdankt die Kirche Saint-Pierre ihrer Westfassade aus dem 12. und 13. Jh. und hier wiederum ihren Archivoltenportalen.

Gliederung Die Gliederung der Fassade entspricht dem in der romanischen Baukunst der Saintonge üblichen Schema. Horizontal erfolgt eine Unterteilung in zwei etwa gleich hohe „Geschosse“, in mittlerer Höhe durch einen Blendarkadenfries, mit 22 Spitzbögen, von kleinen Skulpturen aus Köpfen und Masken unterstützt. Das Obergeschoss schließt mit einem ausladenden Gesims oberseitig ab, das von skulptierten außergewöhnlich hohen Kragsteinen getragen wird.

mini|Archivolten – Blindportal, rechts Die vertikale Unterteilung in drei Abschnitte besteht aus vier, mehr als zur Hälfte aus der Wand herausragenden Säulen (Dienste), vom Bodenniveau der Kirche bis zum oberen Kraggesims reichend. Diese wiederum sind jeweils in drei unterschiedlich dicke und lange Säulenstücke unterteilt, mit eigenen Basen und Kapitellen. Die unteren Säulenabschnitte, mit mehr als doppeltem Querschnitt als die oberen, reichen vom Boden bis zu den Archivolten – Kapitellen, die mittleren von dort bis zu den Blendarkaden, und die oberen und längsten über die ganze Obergeschoss – Höhe. mini|Portaldetail Archivolten – Skulptur Beidseitig der äußeren Säulenstellung wurde die Fassade später um je ein gutes Stück verbreitert aus den nachträglich angefügten Stützvorlagen mit glatten Steinoberflächen. Durch Verlängerung des Blendarkadenfrieses auf die vorgenannten Verbreiterungen werden diese zum Bestandteil der Fassade und lassen sie dadurch wesentlich größer erscheinen. In ganzer Höhe des Obergeschosses verjüngen sich die Verbreiterungen bis zu den äußeren Säulen.

In Höhe des Fußbodens der Kirche schiebt sich ein Podestsockel aus der Fassade heraus, der in seiner Länge bis über die äußeren Säulen hinausragt. Eine halb so lange Treppe führt drei Stufen hinauf auf das Podest und zum Eingangsportal. mini|Detail Archivolten – Blindportal rechts

Im Mittelfeld des Erdgeschosses befindet sich das fünfstufige Archivoltenportal, das die ganze Feldbreite ausfüllt. Das Gleiche geschieht in den schmaleren Seitenfeldern, die von dreistufigen Archivolten – Scheinportalen – gefüllt werden. Die Bögen sind kaum erkennbar angespitzt.

Das Obergeschoss wird entsprechend dem Untergeschoss gegliedert, statt der Portale sind es hier in der Mitte ein dreistufiges Archivoltenfenster und beidseitig zweistufige Archivolten – Blindfenster, die die Breiten der Felder nicht ausfüllen.

Feinstruktur