Glückstadt (dänisch: Lykstad) ist eine rechts der Unterelbe gelegene Kleinstadt in Schleswig-Holstein. Sie ist nach Itzehoe die zweitgrößte Stadt im Kreis Steinburg, der zur Metropolregion Hamburg gezählt wird. Glückstadt ist überregional bekannt durch die traditionsreiche Matjes-Produktion und durch die Elbfähre Glückstadt–Wischhafen, die die Elbmarschen in Holstein mit dem Elbe-Weser-Dreieck in Niedersachsen verbindet.
Geographie Geographische Lage Das Gemeindegebiet von Glückstadt erstreckt sich am nordöstlichen Ufer der Elbe im Bereich der Krempermarsch, einer der Holsteinischen Elbmarschen. Die Stadt liegt etwa bei Elbkilometer 674.Näherungsweise bestimmt nach topographischer Karte im Digitalen Atlas Nord Innerhalb des Gemeindegebiets liegt ebenfalls die im Flusslauf der Elbe gelegene Rhinplate, die das Hauptgewässer der Bundeswasserstraße zur holsteinischen Uferseite hin abtrennt. Das Stadtgebiet ist zur Elbe hin zusätzlich durch Deichbauten geschützt und befindet sich teilweise unterhalb von Normalhöhennull.Vgl. Angaben in der Topographische Karte auf Digitaler Atlas Nord Im südöstlichen Stadtgebiet mündet der Kremper Rhin in den Herzhorner Rhin. Dieser entwässert etwa 1,4 Kilometer unterhalb vom Zusammenfluss durch zwei Schleusenbauwerke und ein Schöpfwerk in den Außenhafen von Glückstadt und mündet dort in die Elbe.
Stadtgliederung Die Stadt besteht neben der Kernstadt aus den Stadtteilen Bole, Butendiek, Kimming, Nord, Gewerbegebiet und Tegelgrund und den Siedlungen Nordmarksiedlung, Hans-Böckler-Siedlung und Temming-Siedlung.
Nachbargemeinden Benachbarte Gemeindegebiete von Glückstadt sind:
Geologie Glückstadt lagert auf Marschland, das erst wenige Jahre vor der Stadtgründung zu diesem Zweck eingedeicht wurde.
Geschichte mini|Monument König Christian IV. Glückstadt wurde 1617 von Christian IV. (Dänemark und Norwegen) gegründet, um dem wachsenden Hamburg einen Gegenpol zu bieten. Der Ort wurde nach Plänen des in holländischen Diensten stehenden französischen Festungsbaumeisters Pieter de Perceval in Niederländischer Festungsmanier errichtetWilhelm Sager: Heere zwischen den Meeren - Heeres- und Kriegsgeschichte Schleswig-Holsteins. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft. Husum 2003, ISBN 3-89876-113-4, S. 41–42. und sollte eine uneinnehmbare Festungs- und Hafenstadt an der Unterelbe werden. Der Name Glückstadt und die Fortuna im Wappen standen sinnbildlich für diesen Plan: „Dat schall glücken und dat mutt glücken, und denn schall se ok Glückstadt heten!“ (Christian IV.).
Zuflucht Der König versuchte, neue Einwohner durch das Versprechen der Religionsfreiheit zu gewinnen. Die ersten Einwohner übersiedelten aufgrund der kostenlos zur Verfügung gestellten Baugrundstücke und Steuerfreiheiten aus den Orten der näheren Umgebung in die neue Stadt.
Glückstadt wurde bald eine Exulantenstadt. Eine der ersten Exulantengruppen waren niederländische Reformierte (Contraremonstranten). Ebenfalls aus den Niederlanden kamen Remonstranten und Mennoniten (Täufer). Im Jahr 1624 garantierte Christian IV. in einem Toleranzedikt allen drei niederländischen Religionsgemeinschaften ihre Religion und Zusammenkünfte frey, sicher und womögliches ungehindert innerhalb beschlossen Thüren exercieren zu dürfen. Die Mennoniten waren zudem gegen Zahlung einer jährlichen Gebühr von Bürgermilitär und Bürgereid befreit. Reformierte, Remonstranten und Mennoniten nutzten in den ersten Jahren gemeinsam das zweistöckige Haus in der Schlachterstraße 7 als Kirche und Schule. Außerhalb der damaligen Stadtgrenzen an der Itzehoer Straße gab es einen gemeinsamen niederländischen Friedhof (auch Reformierter Friedhof genannt). Die Remonstrantengemeinde löste sich jedoch noch im Laufe des 17. Jahrhunderts auf, und die Mennonitengemeinde konnte mit dem Kauf des Hauses Am Hafen 34 im Jahr 1655 ein eigenes Gebetshaus etablieren. Dieses Haus wurde noch bis 1734 als Mennonitenkirche genutzt. Anschließend wurde es der noch heute bestehenden Mennonitengemeinde in Altona übergeben, die es 1792 schließlich verkaufte. Die Kirche in der Schlachterstraße 7 wurde noch bis 1816 als reformierte Kirche weitergeführt. Zwei Jahre später wurde jedoch auch diese Kirche verkauft. Der ehemals gemeinsam genutzte niederländische Friedhof wurde zeitweise noch von der katholischen Gemeinde genutzt und wird heute von der lutherischen Gemeinde verwaltet.
Neben den drei protestantischen Religionsgemeinschaften bildeten die ursprünglich aus Portugal stammenden sephardischen Juden eine weitere bedeutende Religionspartei der ersten zwei Jahrhunderte. Bereits 1619 hat ihnen der dänische König Christian IV. ein Toleranzprivileg ausgestellt, das ihnen auch innere Rechtsautonomie und uneingeschränkte Handelsfreiheit innerhalb des dänischen Gesamtstaates zusicherte. 1620 kamen die ersten aus den Niederlanden. 1630 wurde ihnen der Bau einer Synagoge gestattet. 1767 wurde die Synagoge in der Königstraße 6 neu aufgebaut. In den folgenden Generationen nahm die Zahl jüdischer Bürger jedoch immer weiter ab, was schließlich zum Verkauf und Abbruch der Synagoge im Jahr 1895 führte. Der jüdische Friedhof von 1622 ist jedoch zum Teil erhalten geblieben. Noch heute befinden sich dort Grabsteine sephardischer Juden aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die Stadt Glückstadt hatte sich nach dem Tod des letzten jüdischen Einwohners im Jahr 1914 verpflichtet, den Friedhof an der Pentzstraße instand zu halten. Dennoch wurden in der NS-Zeit sämtliche Grabsteine entfernt und das Gelände eingeebnet. Nach 1945 wurde der Versuch unternommen, den Friedhof zu rekonstruieren. Waren es in den ersten Jahrzehnten ausschließlich aus Portugal stammende sephardische Juden, siedelten sich später auch deutsche Juden in Glückstadt an.
Katholiken durften ihre Religion zunächst (im lutherischen Holstein) nicht offen ausüben. Ihnen wurde 1630 erstmals gestattet, im Haus des spanischen Konsuls Gabriel de Roy private Gottesdienste abzuhalten. Von 1687 an versammelte sich die katholische Gemeinde in einer kleinen Kapelle Am Hafen 25. 1782 konnte die erste katholische Kirche an der namenlosen Straße fertiggestellt werden. 1966 wurde schließlich die noch heute genutzte Marienkirche eingeweiht. Zwischen 1645 und 1773 befand sich in Glückstadt eine Missionsstation der Jesuiten. Zeitweise wurde der Reformierte (Niederländische) Friedhof auch als Begräbnisstätte der Katholiken genutzt.
In den 1660er Jahren gab es auch Bemühungen, die von der Gegenreformation aus Polen-Litauen vertriebenen Unitarier (Polnische Brüder) in Glückstadt anzusiedeln. Initiator war hier vor allem der polnische Theologe Stanisław Lubieniecki, der zuvor bereits am Königshof in Kopenhagen für ein Asyl geworben hatte. Die Unitarier warben gegenüber dem Stadtrat damit, dass sie die Stadt durch Wälle vor Überflutungen der Elbwiesen sichern könnten. Zudem hätten sie für die religiöse Toleranz eine größere Geldsumme gezahlt. Dennoch misslang eine Ansiedlung und Gemeindebildung in Glückstadt.
Verwaltungsstadt Die Festung, deren Ausbau ab 1619 energisch vorangetrieben wurde, bewährte sich im Dreißigjährigen Krieg. Glückstadt blieb die einzige Festung in Schleswig-Holstein, die während des Krieges nicht durch Belagerung bezwungen werden konnte.mini|Glückstadt mit der Festungsanlage und dem Schloss im Jahre 1762 Nach dem Dreißigjährigen Krieg verließen die meisten Exulanten 1644–1648 Glückstadt, das jetzt fast ausschließlich eine Festungs-, Residenz- und Verwaltungsstadt wurde. Die Mennoniten besaßen jedoch noch bis ins 18. Jahrhundert ein Gebetshaus in der Stadt.Robert Dollinger: Geschichte der Mennoniten in Schleswig-Holstein, Hamburg und Lübeck. In: Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins. Band 17, Neumünster 1930. Die niederländische Kirche in der Schlachterstraße wurde noch bis 1816 als reformierte Kirche geführt. Der historische Stadtkern ist bis heute ein Musterbeispiel für eine auf dem Reißbrett entworfene Fürstenstadt der Neuzeit.
Wirtschaftlich bedeutend waren Zucker-, Salz- und Seifensiedereien, eine Ölmühle, eine Münze und der Walfang um Grönland. Glückstadt wurde 1659 kurzfristig Sitz der Glückstädter Africanischen Kompanie, die 1671 zugrunde ging,Manfred Guido Schmitz: Die Dänische Africanische Compagnie in Glückstadt, Wilhelm Johann Müller und „Die africanische Landschafft Fetu“. Schmitz, Nordstrand/Nordsee 2011, S. 45, ISBN 978-3-938098-66-0. sowie von einer isländischen und norwegischen Handelskompanie.
1649 wurde die Regierungskanzlei für die königlichen Landesteile von Schleswig und Holstein von Flensburg nach Glückstadt verlegt, so dass Glückstadt Verwaltungszentrum wurde. 1713 wurde die Funktion auf die königlichen Teile Holsteins beschränkt, nach dem Ende des Gottorfer Herzogtums 1773 aber auf ganz Holstein ausgedehnt. Nach der Trennung von Justiz und Verwaltung 1834 blieb Glückstadt Sitz des holsteinischen Obergerichts, das bis 1867 bestand. Ab 1867 gab es hier nur noch ein Amtsgericht, das 1982 aufgehoben wurde. Seit 1867 gehörte Glückstadt zum Kreis Steinburg. Als „Hauptstadt“ Holsteins wurde Glückstadt 1845 an die neu errichtete Stammstrecke der Schleswig-Holsteinischen Marschbahn-Gesellschaft angeschlossen.
Außerhalb des Fahrwassers mini|links|Glückstadt um 1895
mini|Briefkopf der 1868 gegründeten Dampf-Seifen Fabrik Th. v. Leesen am Hafen der Stadt
Bereits im 18. Jahrhundert war der wirtschaftliche Höhepunkt Glückstadts erreicht, und es zeigte sich, dass die Konkurrenz Hamburgs und Altonas zu stark war. Entscheidend war hierbei, dass die Schifffahrt durch die heute vor der Stadt in der Elbe liegende Sandbank behindert wurde und das tiefe Fahrwasser westlich der Sandbank in Richtung Hamburg erhalten blieb. Insgesamt war die Entwicklung Glückstadts deutlicher von Militär und Regierung geprägt als von Gewerbe und Handel. Später siedelten sich noch einige bedeutende Betriebe an, z. B. ein Ausbesserungswerk und die Firma Gehlsen mit einem Sägewerk, allerdings schlossen diese und einige andere Betriebe gegen Ende des 20. Jahrhunderts.
Die Druckerei Augustin war weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Sie besaß mit dem Drucken fremder Sprachen wie Chinesisch, Arabisch, Hebräisch, Koptisch, Sanskrit, Japanisch und mit dem Drucken von Hieroglyphen ein Alleinstellungsmerkmal. Ein Schwerpunkt war der Druck chinesischer Schriften, die von den Setzern nach dem Bild der Seiten gesetzt wurden. Das geschah mit dem sogenannten chinesischen Zirkel, in dem die Schriftzeichen kreisförmig sortiert und nummeriert waren. Im März 1912 kam dieser chinesische Zirkel mit dem Postschiff aus Shanghai in Glückstadt an. Jimmy Ernst, der Sohn von Max Ernst und Luise Straus-Ernst, machte hier von 1934 bis 1938 seine Lehre als Schriftsetzer, bis ihm mit Hilfe des Druckers Heinrich W. Augustin die Flucht nach Amerika gelang. In den 70er Jahren endete der Bleisatz der Druckerei Augustin. Der Betrieb wurde über eine Auffanggesellschaft modernisiert und weitergeführt. Die alten Räume der Setzerei und Druckerei wurden geschlossen und blieben weitgehend unverändert.
Die Süberlingsche Kapelle und Musikschule existierte von 1877 bis 1937.
NS-Zeit