mini|hochkant=1.5|Blick auf Altenberg mit Geisingberg im Hintergrund mini|Blick über die Pinge auf die Reste der Tagesanlagen um den Arno-Lippmann-Schacht (2009)
Altenberg ist eine Stadt im sächsischen Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Die Gemeindeteile Oberbärenburg, Schellerhau, Zinnwald-Georgenfeld und Geising zählen zu den „staatlich anerkannten Erholungsorten“ im Osterzgebirge. Der Hauptort Altenberg hat seit 2016 den Status eines Luftkurorts. Die Stadt ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Altenberg. Historisch war der Zinnerzbergbau über Jahrhunderte bedeutend.
Geographie Lagebeschreibung Die Stadt Altenberg befindet sich im Osterzgebirge, ihr höchster Punkt ist der Kahleberg (). Im Gemeindegebiet entspringt die Rote Weißeritz, einer der beiden Quellflüsse der Weißeritz. Während die Ortsteile Kipsdorf und Bärenstein im Weißeritztal beziehungsweise Müglitztal auf etwa 400 bis 500 m Höhe liegen, liegt der Ortsteil Falkenhain auf etwa 650 bis 700 m Höhe; der Ortsteil Zinnwald-Georgenfeld liegt auf über 800 m Höhe. Nördlich von Altenberg befindet sich die Wüstung Weigelswalde.
Die Grenze zu Tschechien ist fünf Kilometer entfernt.
Stadtgliederung Bärenstein, Geising und Lauenstein sind Stadtteile, die anderen Orte werden als Ortsteile bezeichnet:
Ortsteilhttps://www.rathaus-altenberg.de/ortsteile/; abgerufen am 14. August 2024 Eingemeindung Einwohnerzahl Altenberg (Kernstadt) * – 1904 Bärenfels * 1999 279 Bärenstein * 2004 900 Falkenhain * 1999 232 Fürstenau * 2011 183 Fürstenwalde * (einschließlich Rudolphsdorf und Kratzhammer) 2011 301 Geising * 2011 1206 Gottgetreu 2011 20 Hirschsprung 1965 124 Kipsdorf * 1996 273 Lauenstein * 2011 517 Liebenau * 2011 424 Löwenhain 2011 178 Müglitz 2011 29 Neu-Rehefeld 1994 14 Neuhermsdorf ? 12 Oberbärenburg * 1996 214 Rehefeld-Zaunhaus * 1994 145 Schellerhau * 1996 383 Waldbärenburg 1996 21 Waldidylle 1999 139 Zinnwald-Georgenfeld * 1994 423 Die mit Stern (*) versehenen Gemeindeteile haben eine Ortschaftsverfassung mit einem Ortsvorsteher.https://www.rathaus-altenberg.de/bilder/Hauptsatzung-2022.pdf; abgerufen am 3. November 2025 Stand der Einwohnerzahlen: 31. Dezember 2018 (Neuhermsdorf: 31. Dezember 2023)
Geschichte mini|Ansicht von 1839 Gründung Nachdem Bergleute am südlichen Fuß des Erzgebirges im Umfeld von Krupka (Graupen) wahrscheinlich bereits im 12. Jahrhundert mit dem Abbau von Zinnseifen begonnen hatten, drangen sie in späteren Jahrzehnten auf der Suche nach der eigentlichen Lagerstätte immer weiter in Richtung Erzgebirgskamm vor. Dabei entdeckten sie zuerst die Vorkommen um Zinnwald (1378 urkundlich erwähnt), bevor sie um 1440 in Altenberg fündig wurden. Die Lagerstätte, der sogenannte Zwitterstock, erwies sich im Laufe der Jahrhunderte als bedeutendste Zinnlagerstätte Mitteleuropas. Im unmittelbaren Umfeld der zahllosen kleinen Zechen, in denen die Förderung begann, entstand Altenberg als Streusiedlung der Bergleute.
Entwicklung der Stadt Ursprünglich gehörten die Flurstücke den Herren von Bernstein, Besitzer der Bärensteiner Herrschaft. Am 16. Dezember 1446 verkaufte der Ritter Hans von Bernstein den vierten Teil seiner Herrschaft an den Kurfürsten, damit wurde der Kurfürst Grundherr des Gebietes mit dem jetzigen Altenberg. Aufgrund der Ergiebigkeit der Erzlagerstätte entwickelte sich der Ort rasch zur wichtigsten Bergstadt im Osterzgebirge. Der wirtschaftliche Aufschwung führte bereits 1451 zur Verleihung des Stadt- und Marktrechtes. In diesem Zusammenhang wurde der Ort als „frymarkt“ erwähnt. Als Stadt wurde Altenberg 1489 als „uf dem Aldenberge“ und 1534 als „zum Aldenbergk“ erwähnt. Der Name wird als (im Vergleich mit dem Berg und dem Ort Geising) alter Berg erklärt. Vom bis ins 20. Jahrhundert wirtschaftlich prägenden Bergbau zeugen noch die Altenberger Pinge, ein 1620 entstandener Einsturztrichter, die Zinnwäsche (technische Schauanlage), eine der ehemals 13 Wäschen mit Pochwerken und Schüttelherden im Raum Altenberg-Geising-Zinnwald, sowie der Neubeschert-Glück-Stolln, in dem die alten Abbauverfahren nachgestaltet sind.
Seit dem 18./19. Jahrhundert ergänzten verschiedene Heimarbeiten (Holzspielzeug- und Strohblumenproduktion) die Erwerbsmöglichkeiten im Bergbau. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Altenberg aufgrund der schneesicheren Lage und der guten Erreichbarkeit (1923 Anschluss an das Eisenbahnnetz) zum Wintersportzentrum im Osterzgebirge.
Vom 9. bis 14. Februar 1937 fanden in Altenberg die Deutschen Ski-Meisterschaften statt.
Von direkten Kampfhandlungen des Zweiten Weltkrieges blieb Altenberg bis unmittelbar vor Kriegsende verschont. Im Zuge der Prager Operation rückten sowjetische Truppen ab dem 6. Mai 1945 über den Kamm des Osterzgebirges in Richtung Prag vor. Dabei kam es in Altenberg und Umgebung zu Rückzugsgefechten mit den Truppen der deutschen Heeresgruppe Mitte. Zur Unterbrechung der Rückzugswege wurde der Altenberger Bahnhof am 4., 5. und 7. Mai 1945 aus der Luft angegriffen.Wolfgang Fleischer: Das Kriegsende in Sachsen 1945. Podzun Pallas, Wölfersheim-Berstadt 2004, S. 146 Dabei wurde auch die Stadtkirche St. Nikolaus aus dem frühen 16. Jahrhundert zerstört, die Ruine wurde 1953 abgetragen. (Abruf am 3. Januar 2014) Am 8. Mai 1945 wurden die durch die Stadt nach Böhmen flüchtenden deutschen Truppen nochmals mehrfach von sowjetischen Tieffliegern angegriffen. Angehörige der Wehrmacht plünderten am 9. Mai die teilweise verlassenen Häuser und versorgten sich mit Zivilbekleidung. Gleichzeitig kam es zu einem Gefecht zwischen den sowjetischen Truppen und einer im April 1945 in Altenberg gegründeten Werwolfgruppe. Am Abend des 9. Mai brach in der Stadt ein Brand aus, der sich bis zum nächsten Tag auf einen Großteil der Bebauung ausbreitete und 120 Wohnhäuser vernichtete.Wolfgang Fleischer: Das Kriegsende in Sachsen 1945. Podzun Pallas, Wölfersheim-Berstadt 2004, S. 151 Die Ursachen des Brandes sind bis heute nicht restlos geklärt. Insgesamt wurden in den letzten Kriegstagen etwa drei Viertel des historischen Stadtzentrums zerstört. Unter den vernichteten Bürgerhäusern waren zahlreiche charakteristische Bauten des 17. und 18. Jahrhunderts. Als vornehmstes Gebäude galt das aus dem 17. Jahrhundert stammende Gewerkenhaus am Breiten Markt. Es hatte über dem Erdgeschoss aus Bruchstein ein Fachwerkobergeschoss und ein steiles Walmdach.Heinrich Magirius: Altenberg. In: Götz Eckardt (Hrsg.) Schicksale deutscher Baudenkmale im Zweiten Weltkrieg. Band 2, Henschel-Verlag, Berlin 1978, S. 369 mini|Zinnerzabbau unter Tage (1980) mini|Blick auf die Tagesanlagen des VEB Zinnerz (1982)
In den 1950er Jahren begann der Ausbau des Kurwesens. Nachdem der Bergbau 1991 aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt worden war, konzentrierte sich der Ort verstärkt auf den Fremdenverkehr und das Erholungs- und Kurwesen. Altenberg hat sich zu einem bedeutenden Wintersportzentrum im Osterzgebirge entwickelt.
Die Gemeindeteile Oberbärenburg, Schellerhau, Geising und Zinnwald-Georgenfeld zählen zu den „staatlich anerkannten Erholungsorten“ im Osterzgebirge.Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Kultur und Tourismus über die Änderung der Liste der Kur- und Erholungsorte im Freistaat Sachsen gemäß § 3 Absatz 5 des Sächsischen Kurortegesetzes vom 13. Dezember 2022 (SächsABl. 2023 S. 4) auf: revosax.sachsen.de Die Gemeindeteile Bärenstein, Kurort Bärenfels, Falkenhain, Kurort Kipsdorf, Rehefeld-Zaunhaus, Waldidylle und Lauenstein waren dies bis 2010 ebenfalls.Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit über die Liste der Sächsischen Kur- und Erholungsorte gemäß § 3 Abs. 5 SächsKurG vom 9. Februar 2006 (SächsABl. S. 185) auf: revosax.sachsen.de.2010 keine Erholungsorte mehr, siehe Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr über die Änderung der Liste der Kur- und Erholungsorte im Freistaat Sachsen gemäß § 3 Abs. 5 SächsKurG vom 13. Mai 2010 (SächsABl. S. 817) auf: revosax.sachsen.de. Der Hauptort Altenberg hatte bis 2016 den Status eines Kneippkurorts und ist seitdem Luftkurort.Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit über die Änderung der Liste der Sächsischen Kur- und Erholungsorte gemäß § 3 Abs. 5 Sächsisches Kurortegesetz (SächsKurG) vom 25. Oktober 2006 (SächsABl. S. 1012) auf: revosax.sachsen.deBekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr über die Änderung der Liste der Kur- und Erholungsorte im Freistaat Sachsen gemäß § 3 Absatz 5 des Sächsischen Kurortegesetzes vom 5. Dezember 2016 (SächsABl. S. 1549) auf: revosax.sachsen.de
Eingemeindungen Hirschsprung wurde 1965 eingemeindet. Es folgten zwei Gemeinden 1994, drei Gemeinden 1996, zwei Gemeinden 1999, Bärenstein 2004 und Geising 2011.
Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung BärenburgStatistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen 1. Januar 1996 Bärenfels 1. Januar 1999 Bärenstein (Dorf) 1926 Eingemeindung nach Bärenstein (Stadt) Bärenstein (Stadt) 1. Januar 2004 Falkenhain 1. Januar 1999 Fürstenau 1. Januar 1994 Eingemeindung nach Geising Fürstenwalde 1. Januar 1994 Eingemeindung nach Geising Geising 1. Januar 2011 GeorgenfeldGemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 1. Januar 1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches BundesamtVerzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden und Nachweis über die Aufgliederung der selbständigen Gutsbezirke und Staatsforstreviere, 1952, Herausgeber: Ministerium des Innern des Landes Sachsen 1. Juli 1950 Zusammenschluss mit Zinnwald zu Zinnwald-Georgenfeld Hirschsprung 1. Januar 1965 Kipsdorf 1. April 1996 Lauenstein 1. März 1994 Eingemeindung nach Bärenstein Liebenau 1. Januar 1994 Eingemeindung nach Geising Löwenhain 1. Januar 1974 Eingemeindung nach Geising RehefeldGemeinde- und Ortsverzeichnis für das Königreich Sachsen, 1904, Herausgeber: Statistische Bureau des königlichen Ministeriums des Inneren 1. März 1879 Zusammenschluss mit Zaunhaus zu Rehefeld-Zaunhaus Rehefeld-Zaunhaus 1. Januar 1994 Schellerhau 1. Januar 1996 Zaunhaus 1. März 1879 Zusammenschluss mit Rehefeld zu Rehefeld-Zaunhaus Zinnwald 1. Juli 1950 Zusammenschluss mit Georgenfeld zu Zinnwald-Georgenfeld Zinnwald-Georgenfeld 1. Januar 1994
Eingemeindung von Geising Der Geisinger Stadtrat stimmte am 21. Dezember 2010 mehrheitlich der Eingemeindung nach Altenberg zum 1. Januar 2011 zu.Maik Brückner: Geising stimmt der Eingemeindung zu, Sächsische Zeitung vom 23. Dezember 2010 Durch die Kommunalaufsicht des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge wurde die Eingemeindung am 29. Dezember 2010 genehmigt.Mandy Schaks: Die Städte Altenberg und Geising gehen ab Januar gemeinsame Wege, Sächsische Zeitung (Dippoldiswalde) vom 30. Dezember 2010 Sie wurde maßgeblich durch die prekäre finanzielle Situation Geisings beeinflusst. Die Stadt konnte 2010 keinen ausgeglichenen Haushalt mehr vorlegen, die Schulden beliefen sich Ende 2010 auf 4,8 Mio. €, darunter allein 2,28 Mio. € Fehlbeträge.Maik Brückner: Leistet sich Geising zu viel?, Sächsische Zeitung (Dippoldiswalde) vom 23. Oktober 2010
Durch die Eingemeindung wuchs Altenberg auf eine Fläche von über 146 km² und wurde damit die mit Abstand größte Gemeinde im Landkreis. Die Einwohnerzahl stieg von ca. 5.700 Einwohnern auf knapp 8.900 Einwohner. Zugleich entstand eine neue regionale Touristenhochburg: 2009 zählten beide Gemeinden zusammen knapp 423.000 Übernachtungen, dies entspricht ca. 17 % der im Landkreis registrierten Übernachtungen.Statistisches Landesamt Sachsen – Gemeindestatistik Sachsen Tourismus und Kurwesen sichern in beiden Gemeinden ca. 1.800 Arbeitsplätze.
Entwicklung der Einwohnerzahl