Die 1821 gegründete Kantonsschule Trogen (KST), kurz auch «Kanti Trogen», ist die einzige Mittelschule des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Sie ist damit eine der ältesten Bildungsinstitutionen des Kantons und nach der Alten Kantonsschule Aarau die zweitälteste Mittelschule der Schweiz, abgesehen von den kirchlich geprägten Bildungsstätten. Zum Angebot der Kantonsschule gehört neben dem Gymnasium auch eine Wirtschafts- und Fachmittelschule. Seit 1907 wird eine einheitliche Sekundarschule geführt; aktuell erfolgt dies im Auftrag der drei Gemeinden Trogen, Wald und Rehetobel.

Lehrgänge und Angebote Gymnasium

Die gymnasiale Ausbildung schliesst an die 2. oder 3. Klasse der Sekundarstufe I an und endet nach vier Jahren mit der eidgenössischen Maturitätsprüfung. Mit dem Maturitätszeugnis kann jede an einer schweizerischen Universität oder Hochschule angebotene Fachrichtung studiert werden. Seit dem Herbst 2016 bietet die Schule auch die zweisprachige Maturität an (Deutsch – Englisch).

Fachmittelschule

Die Fachmittelschule (FMS) existiert seit 2005 an der Kantonsschule Trogen und bietet eine ausgeprägte Allgemeinbildung. Ergänzend dazu kommen praktische Einsätze als Vorbereitung auf eine Berufsbildung oder ein Fachhochschulstudium in den Bereichen Gesundheit/Naturwissenschaften, Pädagogik und Soziale Arbeit.

Wirtschaftsmittelschule

Mangels ausreichender Nachfrage wurde der Lehrgang Wirtschaftsmittelschule (WMS) per Sommer 2026 eingestellt. Die WMS blickte jedoch auf eine lange Geschichte zurück: Sie wurde bereits 1897 unter dem Namen Merkantilabteilung (später Handelsabteilung) eröffnet und verband eine schulisch organisierte Grundbildung mit praktischer Ausbildung in Betrieben sowie Aufenthalten in verschiedenen Sprachgebieten.

Sekundarschule

Die Sekundarschule bietet im kooperativen Modell drei Leistungsniveaus in Mathematik, Französisch und Englisch sowie ausgebautem Wahlfachsystem als Vorbereitung für Berufslehren und weiterführende Schulen.

Sportschule Appenzellerland

Seit 2005 ist die KST Partnerschule der Sportschule Appenzellerland. Dieses Angebot richtet sich an begabte Nachwuchsleistungssportler und bietet in der gesamten Vielfalt Ausbildungsmöglichkeiten in den Stufen Sek I und Sek II an, indem ein individualisiertes Gesamtpaket für die Erfüllung schulischer und sportlicher Ziele geschnürt wird.

Echange

Die KST bietet seit 2015 die Möglichkeit für Austauschprogramme mit Gymnasien des Kantons Wallis an: Am Lycée-Collège de la Planta und dem Lycée-Collège des Creusets in Sion oder am Lycée-Collège de l'Abbaye in Saint-Maurice. Das Echange-Jahr dauert ein Schuljahr und wird anstelle der 4. Klasse des Gymnasiums der Kantonsschule Trogen absolviert. Optional ist es für Lernende der 4. und der 5. Klassen auch möglich, an einem drei Monate dauernden Kurzaustausch teilzunehmen.

Geschichte Gründung, Lage mini|Rektor Samuel Müller (Mitte, obere Reihe) mit vier Professoren und Zöglingen der KST, 1879 Ein ehemaliger Schüler der KST beschrieb die Lage der Schule wie folgt: «Die Kanti Trogen ist eine der am schönsten gelegenen Kantonsschulen der Schweiz. Ich mag mich noch erinnern, wie ich jedes Mal gerne aus dem Postauto gestiegen bin, und dann das kleine Weglein runter, wo Du schon die ganze Aussicht hattest.»Markus Winiger: Einmal Trogen-Lausanne, bitte – Ehemalige Schüler der Kantonsschule Trogen berichten aus Lausanne und Umgebung. In: KVT-Mitteilungen. Nr. 85, Eigenverlag, Trogen 2006, S. 21. Dass die Kantonsschule von Appenzell Ausserrhoden ihren Sitz fernab der grossen Städte im kleinen Trogen hat, ist historisch bedingt. Als 1820 der Philanthrop Johann Caspar Zellweger mit einigen Gesinnungsfreunden eine höhere Privatschule gründete, standen ihm nicht beliebig viele Möglichkeiten offen. Die durch Leinwandhandel reich gewordene Familie Zellweger hatte in Trogen für ihre Wohn- und Geschäftszwecke diverse Gebäude errichten lassen. Eines dieser Gebäude, das als Arbeiterbehausung der nahegelegenen Spinnerei diente, stellte der Gründer für seine Schule zur Verfügung und schenkte es 1824 dem Kanton. Die aussergewöhnliche Standortwahl hatte also rein praktische Gründe. So wurde am 1. Februar 1821 die „Lehr- und Erziehungsanstalt für die Söhne der gebildeten Stände“ (mit drei Lehrern und 17 Schülern) im Alten Konvikt von Johann Conrad Zuberbühler als erstem Rektor eröffnet (Zuberbühler war sieben Jahre Schüler und Gehilfe von Johann Heinrich Pestalozzi gewesen). Zwar wurde das Institut 1825 zur Kantonsschule erhoben, jedoch weiterhin von der Gemeinde Trogen und privaten Gönnern finanziell getragen. Erst im Jahre 1864 beschloss der Grosse Rat des Kantons, die Schule auch finanziell unter sein Patronat zu stellen.

Ansehen mini|Kantonsschulareal 1926, ehemals ländliche Idylle für Gymnasiasten aus aller Welt. Aquarell von Otto Schmid Bis in die 1960er-Jahre kamen nur etwa ein Drittel der Schüler aus dem Kanton Appenzell Ausserrhoden, was in der schweizerischen Mittelschullandschaft als Kuriosum bezeichnet werden kann. Zu den ausserkantonalen Einzugsgebieten zählten Kantone aus der ganzen Schweiz, dem Ausland und allen Erdteilen, da die KST schon früh den Ruf hatte, eine vorbildliche Schule zu sein.Peter Fässler: Bilderbuch einer pädagogischen Idylle. In: Appenzeller Zeitung. 8. Oktober 1988. So schrieb bereits Pfarrer Alfred Altherr 1882 über den verstorbenen Rektor Schoch und das Gymnasium in Trogen:

Und noch im Jahre 1966 bestätigte die Aussage einer Bäuerin die Bedeutung der Kanti:

Die Hauptgründe für das hohe Ansehen der KST waren vor allem:

Die Schüler lebten fernab vom städtischen Treiben mit seinen Ablenkungen Die ländliche Umgebung und Höhenluft von Trogen wurde als gesundheitsförderlich angesehen. «Wir haben eben gar viele junge Leute aus allen Gegenden der Schweiz, bei denen der Hausarzt für Trogen votierte.» (Rektor Wildi in einem Brief an den Schulleiter der Zürcher Handelsschule)Ernst Wildi: Brief an T. Bernet vom 12. April 1933. Staatsarchiv Appenzell Ausserrhoden, D.027-60-9-02. Die KST war bis Ende der 1970er-Jahre vor allem eine Internatsschule, was bedeutete, dass die Schüler rund um die Uhr betreut, nacherzogen und kontrolliert wurden (nach der Schule im Konvikt oder einer Dorfpension). «Eine grosse Zahl der Eltern, die ihre Kinder nach Trogen schicken, suchen hier eben nicht nur einen rechten Unterricht, sondern Erziehung. Dass diese in Trogen gefunden werden kann, anerkennt der ausserordentlich kritische Alt-Rektor Dr. Fiedler in Zürich, der beste Kenner der schweizerischen Mittelschulen, der in einem der letzten Hefte der Körpererziehung Trogen als die in der Erziehung führende Schule in der Schweiz nennt (neben Biel). Ich darf aus genauer Einsicht in die tatsächlichen Verhältnisse sagen, dass diese Einschätzung sehr wesentlich durch das staatliche Konvikt und die Pensionen der Kantonsschullehrer bedingt ist.» (Rektor Wildi in einem Brief an die Kantonsschulkommission)Ernst Wildi: Brief an die Kantonsschulkommission vom 6. Dezember 1932. Staatsarchiv Appenzell Ausserrhoden, D.027-61-5-01. In der freien Zeit fanden gemeinsame Aktivitäten durch ein reges Vereinsleben statt (im 20. Jahrhundert existierten rund 20 Schülervereine an der KST) Die KST war eine kleine Schule und bot damit in den Augen der meisten Eltern eine persönlichere Betreuung Durch das Kadettenkorps Trogen wurde unter anderem auch die Disziplin geschult Die KST war bekannt dafür, auch schwierige Schüler aufzunehmen, welche an anderen Orten gescheitert waren Insgesamt entstand durch diese Lebensweise unter den Schülern eine intensive Kameradschaft und hohe Identifikation mit der Schule und der Ortschaft. Dieser prägende Faktor liess die Ehemaligen Jahre später erneut ihre Söhne und Töchter an die Kantonsschule nach Trogen schicken

Mädchen Dass an der KST bereits 1895 Mädchen die Schule besuchen konnten, lag am damaligen Rektor August Meier, der den Vorstoss unternahm, auch Schülerinnen aufzunehmen; so schrieb er diesbezüglich an die Kantonsschulkommission: «Für das gegenwärtige Jahr möchte ich Ihnen eine Frage vorlegen, welche mit der Zeit für unsere Schule Wichtigkeit bekommen möchte. Mehr und mehr sucht man den Töchtern neue Gebiete zu eröffnen und dies ist vielerorts auch auf dem Gebiet der Wissenschaft geschehen. Die Erörterung der Frage, ob auch unsere Schule den Mädchen den Weg zum Studium öffnen soll. [...] Auf die ausgesprochene Idee führte mich mein Töchterlein ‹Adeline›, die das 1. Jahr die Mädchenrealschule besucht, sich als fähig erweist und sehr wahrscheinlich studieren möchte.»August Meier: Brief an die Kantonsschulkommission vom 11. Juni 1895. Staatsarchiv Appenzell Ausserrhoden, D.027. 65 Jahre später erinnerte sich Adeline Meier zurück: «Im Herbst 1895 war es dann so weit, dass Elise Frei von Rehetobel mit mir in die Gymnasialabteilung der 2. Klasse eintreten durfte. [...] Im Frühjahr 1896 gesellte sich als dritte im Bunde Sophie A. Lutz aus dem Pfarrhaus in Speicher zu uns. [...] Das für uns Mädchen so wichtige Ereignis des Einrittes in die Kantonsschule in Trogen warf keine hohen Wellen, denn Herr Direktor Dr. Wiget [Nachfolger von Meier] erwähnte es mit keinem Worte im Jahresbericht für 1895/96.»Adeline Meier: Die ersten Kantonsschülerinnen. In: KVT-Mitteilungen Nr. 40, Eigenverlag, Trogen 1961, S. 26/27. 1907 schliesslich enthielt der Artikel 1 der reorganisierten Kantonsschule dann die Bestimmung: «Soweit es die Verhältnisse zulassen, sollen auch Mädchen Aufnahme finden.» Mit Ella Amstein unterrichtete von 1926 bis 1936 dann auch die allererste Frau an der Kantonsschule Trogen.

Reorganisation und Ausbau mini|1931: Die Lehrerschaft der Kantonsschule Trogen mit Rektor Ernst Wildi