Die Invasion in der Schweinebucht war ein von den Vereinigten Staaten organisierter militärischer Angriff kubanischer Exilanten auf Kuba. Sie wurde am 17. April 1961 mit verdeckter Unterstützung der CIA von rund 1300 seit 1959 aus Kuba geflohenen Freiwilligen von Guatemala aus durchgeführt und hatte den Sturz der Revolutionsregierung unter Fidel Castro zum Ziel. Die Invasion markierte einen ersten Höhepunkt der gegen die Castro-Regierung gerichteten Aktionen der USA. Nachdem die US-Regierung vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen zunächst jede Beteiligung an der Invasion abgestritten hatte, übernahm Präsident John F. Kennedy vier Tage später die volle Verantwortung.
Die gescheiterte Invasion war nicht nur ein militärisches, sondern vor allem ein politisches Debakel für die Vereinigten Staaten. Neben scharfer Kritik im In- und Ausland und verlorenem Vertrauen in die nur 90 Tage alte Regierung unter Kennedy stärkte sie Castro, der die bereits 1959 eingeleitete kommunistische Ausrichtung der kubanischen Revolution nun offen vertrat. Befürchtungen eines zweiten Invasionsversuchs beschleunigten die weitere Annäherung Kubas an die Sowjetunion bis zur Eskalation in der Kubakrise 1962.Alan Posener: John F. Kennedy mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1997, S. 86–89; Howard Jones: The Bay of Pigs. Oxford University Press, New York 2008, S. 116–173; Larry J. Sabato: The Kennedy Half-Century. The Presidency, Assassination, and Lasting Legacy of John F. Kennedy. Bloomsbury, New York 2013, S. 82–85.
Hintergrund
Die Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und Kuba Kubas Politik und Wirtschaft wurden bis zur kubanischen Revolution stark von den USA beeinflusst. Auch die Mafia hatte in Havanna einen profitablen Stützpunkt. Nach dem Sturz Fulgencio Batistas ging die US-Regierung davon aus, dass es sich bei der revolutionären Bewegung auf Kuba um einen der zahlreichen Versuche in Lateinamerika handelte, mit sozialer Demagogie neue Herrschaftseliten an die Macht zu bringen (Caudillismo).
Wirtschaftliche Intervention der USA auf Kuba Die erste tiefgreifende Maßnahme war die Sperrung der Öllieferungen nach Kuba. Da die gesamte Stromerzeugung Kubas auf Basis der Ölverbrennung erfolgte, hätte dies zum Scheitern der Revolution führen können. Die kubanische Revolutionsregierung gewann schließlich die UdSSR als neuen Erdöllieferanten. Nun wiesen die Vereinigten Staaten die US-Erdölraffinerien auf Kuba an, kein sowjetisches Erdöl zu verarbeiten. Diese Raffinerien verdankten ihre Monopolstellung einem Vertrag, der sie aber auch dazu verpflichtete, Erdöl unabhängig von dessen Herkunft zu verarbeiten. Die kubanische Regierung sah sich angesichts des Vertragsbruchs der Betreiberunternehmen dazu gezwungen, die Raffinerien unter staatliche Zwangsverwaltung zu stellen.
Die militärische Option In der Atmosphäre des Kalten Krieges war jedoch eine Kanonenbootpolitik wie vor dem Ersten Weltkrieg nicht mehr möglich, da eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Kubas nach dem Rio-Vertrag von 1947 und der Charta der Organisation Amerikanischer Staaten unzulässig war und unabsehbare geopolitische Reaktionen insbesondere in der Dritten Welt hätte auslösen können.
Die US-Regierung unter Dwight D. Eisenhower ließ die CIA nach den Vorbildern der Operation Ajax von 1953 im Iran und der Operation PBSUCCESS von 1954 in Guatemala einen Putsch vorbereiten. Im Falle eines Hilferufes von der aus Florida eingeflogenen kubanischen Exilregierung hätte sich Vizepräsident Richard Nixon durch einen Militärschlag als Präsidentschaftskandidat profilieren können. Die Vorbereitungen für die scheinbar nur von Exilkubanern durchgeführte Operation konnten jedoch nicht mehr vor der Präsidentschaftswahl 1960 abgeschlossen werden, die der als Nachfolger Eisenhowers kandidierende Nixon knapp verlor.
Kennedy wurde nach seiner Amtseinführung am 20. Januar 1961 von der bevorstehenden Aktion in Kenntnis gesetzt. Am 17. Februar fragte er seine Berater, ob man „den Sturz Castros mit Waffenlieferungen in Verbindung“ bringen könnte: „Könnte man nicht behaupten, das eigentliche Angriffsziel wären moderne Düsenbomber und Raketen, die Amerikas Sicherheit bedrohten?“Zitiert nach Bernd Greiner: Kuba-Krise, 1988, S. 19. Der Plan eignete sich jedoch nicht für die Situation im Jahr 1961, da Kuba zu diesem Zeitpunkt nur wenige sowjetische Waffen besaß. Die kubanische Luftwaffe bestand zunächst aus einigen aus der Batista-Zeit verbliebenen Bombern vom Typ Douglas B-26C Invader, Jagdbombern vom Typ Hawker Sea Fury FB.11 sowie Strahltrainern vom Typ Lockheed T-33A, die erst später durch sowjetische Typen ersetzt wurden.
Die einzig politisch international vertretbare Option bestand darin, einen Volksaufstand auszulösen und die kubanische Opposition von kubanischem Territorium aus die USA um Unterstützung bitten zu lassen. Damit wäre der Weg für die Landung des US-Militärs auf Kuba geebnet gewesen.
Vorbereitung Im Januar 1960 setzte die CIA eine eigene Abteilung ein, die Western Hemisphere Branch 4 (WH/4) unter Jacob Donald Esterline. Trotz ihres raschen Wachstums – im April 1961 hatte sie bereits 588 Mitarbeiter – stieß sie rasch auf Schwierigkeiten, die Kompetenzstreitigkeiten, Rivalitäten zwischen verschiedenen Standorten und nicht zuletzt die Entschiedenheit der Eisenhower-Regierung zur Ursache hatten, auf keinen Fall einfach nur das offenkundig korrupte Batista-Regime wieder einsetzen zu wollen. Man rekrutierte daher bevorzugt Auténticos des ehemaligen Präsidenten Carlos Prío sowie Gegner des Batista-Regimes, die mit Castros Revolutionsregierung unzufrieden waren. Als politische Gruppierung hinter dem Landungsunternehmen wurde im Oktober 1960 die Frente Revolucionario Democrático (Revolutionäre Demokratische Front, FRD) gebildet, eine Koalition aus vier, später fünf verschiedenen Gruppen von Exilkubanern, die ihren Sitz ursprünglich in Mexiko hatte. Ihr militärischer Arm, die Brigade 2506, bestand aus 1143 Mann. Sie waren zwar vor allem in Miami rekrutiert worden, ihr Training erfolgte aber, um die Geheimhaltung zu gewährleisten, außerhalb der Vereinigten Staaten, etwa in Panama, Puerto Rico, Nicaragua und vor allem in Guatemala.House Select Committee on Assassinations: Appendix to Hearings. Band 10. Washington 1979, S. 61 (online Abgerufen am 13. Mai 2013); David Kaiser: The Road to Dallas. The Assassination of John. F. Kennedy. Harvard University Press, Cambridge MA 2008, ISBN 978-0-674-02766-4, S. 46 ff.
Die Kämpfer wurden in Retalhuleu in Guatemala zuerst in Sabotagetechniken ausgebildet. 40 von ihnen wurden heimlich nach Kuba verschifft, wo sie Widerstandszellen aufbauen sollten. Bereits 48 Stunden nach Beginn der Operation 40 war von den Agenten kein Lebenszeichen mehr zu vernehmen.
Auch aufgrund der Zersplitterung der Oppositionsparteien erkannte die CIA, dass eine Revolution von innen praktisch ausgeschlossen war, und trainierte schließlich Hunderte von Exilkubanern, die später als Brigade 2506 bekannt wurde, für eine groß angelegte Invasion mit US-Unterstützung, die den Codenamen Operation Zapata trug.
Aufgabe der exilkubanischen Konterrevolutionäre, zu denen neben vielen Agenten des ehemaligen Geheimdienstes von Ex-Diktator Batista auch Söhne von Großgrundbesitzern gehörten, war es, einen Guerillakrieg zu beginnen und so einen Aufstand der innerkubanischen Opposition auszulösen; anfangs wurde das Landungsunternehmen mit anderen Plänen der CIA koordiniert, Castro mit Hilfe der Mafia vergiften zu lassen.David Kaiser: The Road to Dallas. The Assassination of John. F. Kennedy. Harvard University Press, Cambridge MA 2008, S. 64. Dies misslang aber ebenso wie die Aufstandsvorbereitung, da das Castro-Regime in den ersten Monaten des Jahres 1961 die Opposition brutal zerschlug und Tausende in Lagern inhaftierte. Der neugewählte amerikanische Präsident Kennedy war bestrebt, die Beteiligung seiner Regierung so wenig offensichtlich wie möglich zu machen, doch der Deputy Director of Plans (stellvertretende Planungsdirektor) der CIA, Richard M. Bissell, überzeugte ihn mit dem Argument, eine Auflösung des Trainingslagers in Guatemala würde verheerend auf alle antikommunistischen Bewegungen in ganz Lateinamerika wirken. Im März 1961 stimmte er der Invasion unter der Maßgabe zu, dass die Kommandanten der Landungsbrigade darüber informiert wurden, dass US-Truppen nicht eingreifen würden: Sie hätten selbst ein nennenswertes Territorium auf der Insel zu erobern, bevor Washington eine neue Regierung Kubas diplomatisch anerkennen könne. Die Kommandanten stimmten zu. Um die Basis des erhofften Aufstands zu verbreitern, wurde die FRD wenige Wochen vor dem Angriffstermin umorganisiert und hieß jetzt Concilio Revolucionario Cubano (Kubanischer Revolutionsrat, CRC). Echte Befehlsgewalt über die Invasionstruppen erhielten sie aber nicht und wurden von ihren amerikanischen Ausbildern oft herablassend behandelt. Dies und Kennedys öffentliche Erklärung vom 12. April 1961, dass „unter keinen Umständen eine Intervention in Kuba durch US-Streitkräfte“ stattfinden würde und die US-Regierung „alles tun wird […], um sicherzustellen, dass keine Amerikaner in irgendwelche Aktionen innerhalb von Kuba involviert sind“, in der John F. Kennedy Presidential Library empörten die Führung des CRC.David Kaiser: The Road to Dallas. The Assassination of John. F. Kennedy. Harvard University Press, Cambridge MA 2008, S. 74–80.
Ausführung Planung Die Schweinebucht schien ein idealer Platz für dieses Unternehmen zu sein: Sie befindet sich an der Küste des Sumpfgebietes Ciénaga de Zapata, das einen natürlichen Schutz vor militärischen Aktionen der kubanischen Revolutionsarmee bot. Sie liegt am Rande des Escambray-Gebirges, von dem aus Konterrevolutionäre noch bis Mitte der 1960er Jahre militärische Aktionen gegen die kubanische Regierung durchführten. Sie war nur wenig bevölkert, so dass mit lokalem Widerstand nicht gerechnet wurde.
Der von der CIA ausgearbeitete Plan ging von Geheimdienstberichten aus, die von interessierter Seite, den Revolutionsgegnern auf Kuba, kamen, die alle ihre Hoffnungen auf ein militärisches Eingreifen der USA richteten und deshalb wider besseres Wissen von einer breiten antirevolutionären Stimmung auf Kuba berichteten. Auch die Kampfkraft der im Escambray operierenden Revolutionsgegner wurde übertrieben.
Am 14. April stimmte Kennedy der Durchführung des CIA-Plans endgültig zu, behielt sich aber als Oberkommandierender für den Kriegseinsatz die Entscheidung darüber vor, ob die bereitstehenden Marineeinheiten zum Einsatz kommen.
Ablauf mini|Kubanische T-34/85 mit Infanterie beim Gegenangriff mini|Heck eines der abgeschossenen B-26-Flugzeuge im Revolutionsmuseum in Havanna Zur Vorbereitung der Invasion bombardierten am 15. April 1961 B-26-Flugzeuge der US Air Force drei kubanische Flugplätze. Die Bomber waren mit kubanischen Hoheitszeichen versehen worden und sollten den Anschein einer Gegenrevolution erwecken. Fünf der US-Bomber wurden von kubanischen Flugzeugen abgeschossen. Der Luftkampf wurde sofort Diskussionsgegenstand in der Vollversammlung der Vereinten Nationen, wo US-Botschafter Adlai Stevenson Mühe hatte, die Linie der US-Regierung zu vertreten. Außenminister Dean Rusk stoppte daraufhin einen zweiten Luftangriff, den Esterline aber zwingend notwendig für einen Erfolg der Invasion hielt. Die CIA-Führung versuchte vergeblich, Präsident Kennedy zu erreichen, der bereits nach Glen Ora ins Wochenende gefahren war, und entschied sich, trotzdem mit der Invasion fortzufahren.David Kaiser: The Road to Dallas. The Assassination of John. F. Kennedy. Harvard University Press, Cambridge MA 2008, S. 81 f.