miniatur|Alfred Nossig Alfred Nossig (geboren 18. April 1864 in Lemberg, Kaisertum Österreich; gestorben 22. Februar 1943 in Warschau) war ein polnischer Schriftsteller, Publizist, Künstler und Statistiker. Er betätigte sich auch als Porträtbildhauer, schrieb eine Monographie über Paderewski und das auf der Novelle Chata za wsia von Józef Ignacy Kraszewski basierende Libretto für Paderewskis Oper Manru von 1901.George Upton: The Standard Operas - Their Plots, Their Music and Their Composers, General Books LLC, 2005, S. 245
Leben In seiner Jugend war Alfred Nossig, der aus einer jüdischen Familie kam, Anhänger der polnischen Assimilation, Mitherausgeber polnischsprachiger Blätter, dann erfolgte die Hinwendung zum Zionismus.
Er organisierte eine ab 10. Januar 1894 stattfindende mehrtägige Konferenz der Vertreter von Vereinen für Palästinakolonisation in Paris (Teilnehmer u. a. Willy Bambus, Ruben Brainin, Oppenheimer, Elim d’Avigdor, Albert Goldsmid, Joseph Prag, Adam Rosenberg, Zadoc Kahn, M. Halévy, Sergei Voronoff, Narcisse Leven; Nathan Birnbaum wurde nicht eingeladen, obwohl auf der Konferenz auch über die finanzielle Unterstützung der „Jüdischen Volkszeitung“ – Birnbaum arbeitete an ihr maßgeblich mit und war nominell Chefredakteur –, des Nachfolgeblattes der eingegangenen „Selbst-Emancipation“, beschlossen werden sollte).
Nossig war Teilnehmer des 1. Zionistenkongresses (Basel 1897), bald aber Gegner Herzls. 1902 gründete er den „Verein für Statistik der Juden“ in Berlin. Nossig war auch Mitherausgeber der Zeitschrift „Palästina“ (1902–1938). 1908 erfolgte die Gründung der „Allgemeinen Jüdischen Kolonisationsorganisation“ in Berlin (zur „Förderung jüdischer landwirtschaftlicher Kolonisation in Palästina, Syrien und der Sinai-Halbinsel“; rege Tätigkeit bis Ende des Ersten Weltkriegs). 1928 Gründung der jüdischen Abteilung des „Friedensbundes der Religionen“. Nossig verließ 1933 Berlin und ging zurück nach Polen.Alfred Nossig in der YIVO Encyclopedia abgerufen am 19. April 2011
Nossig wurde 1939 nach der deutschen Eroberung Polens im Warschauer Ghetto inhaftiert und wurde Mitglied des Warschauer Judenrats.
Er wurde 1943 von der jüdischen Abwehrorganisation der Kollaboration mit den Deutschen für schuldig befunden, zum Tode verurteilt und am 22. Februar des Jahres erschossen.
Schriften (Auswahl) Proba rozwiazania kwestji zydowskiej („Versuch zur Lösung der jüdischen Frage“), 1887 (die erste zionistische Schrift in Polen) Materialien zur Statistik des jüdischen Stammes, 1887 Sozialhygiene der Juden, 1894 Revision des Sozialismus, 1900 Die moderne Agrarfrage, 1902 Politik des Weltfriedens, 1902 Jüdische Statistik, 1903 Das jüdische Kolonisationsprogramm, 1904 Die Entwicklung des Zionismus, 1905 Jüdische Realpolitik, 1907 Jüdische Landpolitik, 1907 Integrales Judentum, 1921 (PDF, auf Wikipedia Commons) Bolschewismus und Juden, 1921 Zionismus und Judenheit, 1928
Dramen (Auswahl) Tragödie des Gedankens (polnisch, 1885) Der König von Zion, 1887 Göttliche Liebe, 1899 Abarbanell, 1907
Plastiken (Auswahl) Der ewige Jude Der Makkabäer Nordau König Salomo
Literatur Ela Bauer: Nossig, Alfred, in: YIVO Encyclopedia of Jews in Eastern Europe
Joseph Walk (Hrsg.): Kurzbiographien zur Geschichte der Juden 1918–1945. Hrsg. vom Leo Baeck Institute, Jerusalem. Saur, München 1988, ISBN 3-598-10477-4. Michael Zylberberg: The Trial of Alfred Nossig : Traitor or Victim, in: Michael R. Marrus (Hrsg.): The Nazi Holocaust. Vol. 6. The Victims of the Holocaust. Westport: Meckler, 1989, ISBN 0-88736-260-5, S. 239–247 Thomas Brechenmacher, Christoph Bothe: Bruno Blau. : Ein deutsch-jüdisches Leben. Berlin : Duncker & Humblot, 2018, S. 41ff.
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Einzelnachweise
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