Welzheim ist eine Stadt und ein Luftkurort in Baden-Württemberg, im Welzheimer Wald, 40 km östlich von Stuttgart.
Geographie Welzheim hat Anteil an den Naturräumen Schurwald und Welzheimer Wald sowie Schwäbisch-Fränkische Waldberge.Naturräume Baden-Württembergs. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Stuttgart 2009
Stadtgliederung Auf der Gemarkung Welzheim liegen die Kernstadt Welzheim und 24 weitere separat gelegene Ortsteile (Weiler, Höfe und Häuser); die Weiler Aichstrut, Birkachhof, Breitenfürst, Eberhardsweiler, Eckartsweiler, Eselshalden, Gausmannsweiler, Langenberg, Lettenstich, Obersteinenberg, Schafhof, Seiboldsweiler, Steinbruck, Taubenhof und Vorderhundsberg, die Höfe Bausche (Obere und Untere Bausche), Neuhof und Obermühle und die (Einzel-)Häuser Aichstruter Sägmühle, Berghof, Eckartsweiler Sägmühle, Ebnisee, Eierhof, Halde, Klingenmühle, Lachenäcker, Laufenmühle, Leinhalde, Ölmühle und Rübäcker.
Diese Ortsteile – mit Ausnahme der Ortsteile Aichstruter Sägmühle und Obermühle – werden in der Hauptsatzung der Stadt Welzheim als Stadtteile geführt. Die offizielle Benennung der Stadtteile erfolgt in der Form „Welzheim-…“. In Welzheim wurde vor der Kommunalwahl 2019 die Unechte Teilortswahl gemäß baden-württembergischer Gemeindeordnung abgeschafft. Die Sitzzahl im Gemeinderat entspricht den gesetzlichen Regelungen entsprechend der Einwohnerzahl. 23 Stadtteile umfasst die Stadt Welzheim: Klingenmühle, Laufenmühle, Breitenfürst, Birkachhof, Neuhof, Bausche, Eselshalden, Langenberg, Lettenstich, Obersteinenberg, Steinbruck, Taubenhof, Vorderhundsberg, Aichstrut, Eberhardsweiler, Leinhalde, Schafhof, Eckartsweiler, Gausmannsweiler, Seiboldsweiler, Eierhof und Ebnisee.
Wüstungen Im Stadtgebiet liegen die abgegangenen Ortschaften Brandweinhäusle, Cunenweiler, Gausmannsweiler Sägmühle, Glasern (nicht mit Sicherheit), Koppenmühle, Krähenhof, Obere Aichstruter Sägmühle, Rumischweiler, Tierbad,Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 567–569.Hauptsatzung der Stadt Welzheim vom 24. April 2001 (PDF; 50 kB) Untere Mühle und der unauffindbare Burgstall bei Gausmannsweiler.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Welzheim. Statistisches Landesamt.
Nachbargemeinden Welzheim grenzt (im Uhrzeigersinn) an die Gemeinden Kaisersbach, Alfdorf, Plüderhausen, Urbach, Schorndorf und Rudersberg.
Geschichte Altertum links|mini|Das bis 1983Dieter Planck: Restaurierung und Rekonstruktion römischer Bauten in Baden-Württemberg in: Günter Ulbert, Gerhard Weber (Hrsg.): Konservierte Geschichte? Antike Bauten und ihre Erhaltung. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1985, ISBN 3-8062-0450-0, S. 149. rekonstruierte Westtor am Ostkastell von Welzheim mini|Welzheim um 1900
Die Geschichte von Welzheim reicht zurück bis in die Zeit des römischen Reiches: Um 160 n. Chr. errichteten die Römer hier im Zuge des Baus der Grenzanlage Obergermanisch-Raetischer Limes einen Kastellort. Zwischen den beiden Kastellen und südlich des Westkastells entstand in den folgenden Jahren außerdem eine zivile Siedlung. Dieser Vicus lag also etwas südlich des mittelalterlichen und neuzeitlichen Welzheim. Zur 800-Jahr-Feier der Stadt im Jahre 1980 wurde das kleinere Ostkastell rekonstruiert und im Jahr 1993 durch einen archäologischen Park ergänzt; die Reste des Westkastells wurden im 20. Jahrhundert überbaut.
Nach dem Abzug der Römer spätestens im Jahre 260 n. Chr. liegt die Geschichte der Siedlung bis zur ersten Erwähnung im Jahre 1181 im Dunkeln. Die Fortsetzung des antiken Ortsnamens *Castra Valentiana/Valentiniana im hochmittelalterlichen Namen Wallenzin setzt indes Siedlungskontinuität in der Völkerwanderungszeit und im frühen Mittelalter voraus. Im Jahr 1266 erhielt Welzheim das Stadtrecht. Der Ort wird später als Dorf oder Marktflecken bezeichnet. Die Verleihung des Stadtrechts wurde am 13. Mai 1840 bestätigt.
Mittelalter Die älteste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1181 als „Wallenzin“, auch „Wallinzin“. Spätere Namensformen sind dann (1355) „Wallenzingen“, 1446 „Walzen“, 1473 „Walzan,“ hierauf „Welnze“ und „Welzen“. Der Ortsname „Wallenzin“ wird auf lateinisch *Castra Valentiana oder *Castra Valentiniana (Lager des Valentius oder Valentinus) zurückgeführt, den mutmaßlichen Namen des römischen Welzheim.Lutz Reichardt: Ortsnamenbuch des Rems-Murr-Kreises, Stuttgart 1993, S. 391–394; Werner Besch et al.: Sprachgeschichte – Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung. 2. Auflage. 4. Teilband. de Gruyter, Berlin 2004, S. 3466
Weitere historische Namensformen sind „Weltzach“ (auf einer Karte Gerhard Mercators von 1585), „Weltza“ (1592), „Weltzah“ (1596), und Weltzheim (1700).
1499 wurde die vermutlich neuerbaute Sankt-Gallus-Kirche geweiht.Zeittafel, Stadt Welzheim, abgerufen am 17. März 2008 Am 13. Juni 1556 brannten große Teile Welzheims sowie das Schloss ab.
Bestandteil von Württemberg Welzheim war ein reichsfreies Territorium, das als württembergisches Reichsafterlehen ab 1335, spätestens ab 1379 den Schenken von Limpurg gehörte, dessen eine Hälfte sie spätestens 1379, die andere Hälfte 1418 den Grafen von Württemberg zu Lehen auftrugen. Der evangelische Herzog Eberhard Ludwig hatte Wilhelmine von Grävenitz im Jahr 1707, nachdem ihr Bruder Friedrich Wilhelm von Grävenitz sie nach Stuttgart geholt hatte, dieser seiner neuen Mätresse zusammen mit ihrem Bruder ein Wiener Grafendiplom als Personalisten vermittelt, da keiner von beiden über eine reichsunmittelbare Herrschaft verfügte. Mit dem Wiener Diplom stand es den beiden offen, die Reichsstandschaft und den Reichsgrafenstand zu erlangen. Am 13. November 1718 schenkte der Herzog Wilhelmine, die im Jahr 1711 in einer Scheinehe Gräfin Würben/Wrbna wurde, die reichsunmittelbare Herrschaft Welzheim, die nach Erlöschen des Hauses Limpurg im Mannesstamm 1713 an Württemberg zurückfiel. Da Wilhelmine die Herrschaft als Kunkellehen halten wollte, wurde ihr Bruder zusammen mit ihr 1726 damit belehnt. Diesem gelang es, dem Fränkischen Reichskreis beizutreten. Er wurde 1728 wegen Welzheim in das Fränkische Reichsgrafenkollegium aufgenommen und hatte als Reichsgraf Sitz und Stimme auf dem Reichstag. Inzwischen hatte die Grävenitz-Herrschaft schon ein Vierteljahrhundert angedauert und großen Widerstand im Territorium Württemberg verursacht. Als Herzog Eberhard Ludwig 1733 verstarb, inhaftierte der Nachfolger, der katholische Herzog Carl Alexander, die gesamte Grävenitz-Verwandtschaft am Hof. Friedrich Wilhelm von Grävenitz, der Bruder der sofort vertriebenen Wilhelmine, schloss mit dem neuen Herzog einen Vergleich: Gegen eine Entschädigung von 65.000 Gulden trat er alle seine Güter an Württemberg ab und verlor somit die Reichsstandschaft.
Nach Akten des Landesarchivs Stuttgart Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Findbuch A 441 L, wurde die Herrschaft Welzheim unmittelbar nach Wilhelmines Sturz 1733 von Württemberg mediatisiert und war dann bis 1807 ein Kammerschreiberei-Oberamt. mini|hochkant|Rathaus von 1731 Am 5. September 1726 zerstörte eine zweite große Brandkatastrophe fast die ganze Stadt. Auch die Kirche brannte bis auf die Grundmauern nieder; sie wurde in der Folge wieder aufgebaut. Das Rathaus wurde 1731 neu erbaut.
Der Dichter Justinus Kerner lebte zwischen 1812 und 1816 in Welzheim.
Ein Jahr nach der Gründung des Königreichs Württemberg wurde Welzheim 1807 Sitz des gleichnamigen Oberamtes. Dies blieb so bis 1938, jedoch mit einer Unterbrechung von 1810 bis 1819, als sich die Verwaltung des Oberamts in Lorch befand. Welzheim war bis 1977 auch Sitz eines Kirchenbezirks der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. 1911 wurde Welzheim als Endstation der Wieslauftalbahn an das Netz der Württembergischen Eisenbahn angeschlossen.
NS-Zeit Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg kam Welzheim 1938 zum Landkreis Waiblingen.
Während der Zeit des Nationalsozialismus gab es in der Stadt das Schutzhaftlager Welzheim, bis heute oftmals euphemistisch als „Polizeigefängnis“ bezeichnet. Der prominenteste Häftling dort dürfte der Kommunist und Gewerkschafter Friedrich Schlotterbeck gewesen sein, der der Widerstandsgruppe Schlotterbeck aus Luginsland angehörte. Etwa 10.000 bis 15.000 Häftlinge haben das Lager durchlaufen. Auf dem Friedhof, es sind dort 35 KZ-Opfer begraben, erinnert ein Gedenkstein an das Geschehen.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 103f.
Nachkriegszeit Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eroberten amerikanische Soldaten die Stadt. Welzheim wurde Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörte somit 1945 zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.
Am 1. Januar 1969 wurden Eselshalden, Langenberg, Taubenhof und Vorderhundsberg als Teil der Gemeinde Pfahlbronn im Landkreis Schwäbisch Gmünd nach Welzheim im Landkreis Waiblingen umgegliedert. Die genannten Siedlungen bildeten zuvor zwei Exklaven des Landkreises Schwäbisch Gmünd.
Am 1. Juni 1974 wurde der Ortsteil Steinbruck von der Gemeinde Rudersberg in die Stadt Welzheim eingegliedert. Steinbruck war kurz zuvor am 1. Oktober 1972 als Bestandteil der Gemeinde Steinenberg zu Rudersberg eingemeindet worden.
Durch die Kreisreform in Baden-Württemberg gelangte Welzheim am 1. Januar 1973 zum Rems-Murr-Kreis.
Seit 1986 wird der Stadtkern saniert. 1991 überstieg die Einwohnerzahl erstmals die Zahl 10.000 und im selben Jahr erlangte Welzheim das Prädikat Luftkurort wieder. Im Jahre 2000 begann man mit dem Bau der Umgehungsstraße.welzheim.de Chronik von Welzheim
In Breitenfürst hat am Abend des 26. Mai 2010 eine Windhose für Verwüstungen gesorgt. Umgestürzte Bäume beschädigten unter anderem ein Gartenhaus, zudem wurde ein Wartehäuschen an einer Bushaltestelle sowie ein Wohnwagen weggerissen.Tornado richtet im Rems-Murr-Kreis schwere Verwüstungen an. In: Schwarzwälder Bote vom 27. Mai 2010
Kirchen und Religionsgemeinschaften mini|Sankt-Gallus-Kirche Evangelische Kirche Die heute evangelische St.-Gallus-Kirche wurde 1181 erstmals erwähnt. Die Kirche gehörte seit der Zeit König Konrads III. zum Kloster Lorch, welches 1534 durch Herzog Ulrich der Reformation unterzogen wurde. Die Kirchengemeinde gehörte bis 1977 zum Kirchenbezirk Welzheim und seitdem zum Kirchenbezirk Schorndorf.
Katholische Kirche Die 1960 entstandene römisch-katholische Pfarrei der Christus-König-Kirche gehört zum Dekanat Rems-Murr.
Weitere Religionsgemeinschaften Es gibt zudem einen CVJM, die Süddeutsche Gemeinschaft, mehrere freikirchliche Gemeinden (Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde – Baptisten, Evangelisch-methodistische Kirche, Neuapostolische Kirche, Evangelischer Brüderverein) sowie eine Moschee.
Politik Gemeinderat Das Verfahren der unechten Teilortswahl wurde zur Kommunalwahl 2019 abgeschafft. Seither bestimmt die Anzahl der Sitze im Gemeinderat alleine die in der Gemeindeordnung festgelegte Kategorie der Gemeindegröße.
Der Gemeinderat in Welzheim hat nach der letzten Wahl 22 Mitglieder (vorher 20). Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Endergebnis.2024 Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.