mini|Die Wagenhalle des Betriebshofs der Hörder Kreisbahn an der Hermannstraße ist bis heute erhalten. Die Hörder Kreisbahn war eine Straßenbahngesellschaft auf dem Gebiet des heute weitgehend zu Dortmund gehörenden Kreises Hörde. Im Jahre 1897 bekam die Allgemeine Lokal- und Straßenbahngesellschaft in Berlin (ALSAG) von der Kreisverwaltung des Kreises Hörde den Auftrag, eine Straßenbahn auf ihrem Gebiet einzurichten, und gründete für Bau und Betrieb die Hörder Kreisbahn. Die Gesellschaft selbst benutzte meist die Namensform Hörder Kreisbahnen. Die Strecke sollte, vor allem was die Stromzuführung betraf, nach dem System der finanziell eng verflochtenen Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft (AEG) in Berlin eingerichtet werden, wie es auch im Gestattungsvertrag der ALSAG mit der Gemeinde Aplerbeck festgehalten ist.Gestattungsvertrag ALSAG-Aplerbeck , abgerufen am 22. Mai 2019 Zu dieser Zeit betrieb die ALSAG auch die normalspurige Straßenbahn in der großen Nachbarstadt Dortmund einschließlich der Linien nach Hörde. Am 14. April 1928, kurz nach der Eingemeindung der Stadt Hörde (1. April 1928) und noch vor der Eingemeindung des größten Teils des Landkreises Hörde (1. August 1929) nach Dortmund durch das Gesetz über die kommunale Neugliederung des rheinisch-westfälischen Industriegebiets ging die Konzession und das Streckennetz der Hörder Kreisbahn an die Dortmunder Straßenbahn GmbH über.

Schienenstrecken mini|Ehemalige Hörder Kreisbahn, größte Ausdehnung des Straßenbahn-Schienennetzes 1903–1915

Eröffnungsdatum Strecke 30. / 31. Januar 1899 Hörde Rhein. Bhf – Hörde Post – Aplerbeck 4. März 1899 Hombruch-Barop – Brünninghausen – Steinerne Brücke 4. März 1899 Hörde Rhein. Bhf. – Brünninghausen 18. Mai 1899 Hörde – Schwerte 8. August 1899 Steinerne Brücke – Block Friedrich-Wilhelm 8. April 1900 Barop – Eichlinghofen 30. Mai 1900 Hörde Piepenstockplatz – Wellinghofen 26. März 1902 Schwerte – Westhofen 26. März 1902 Asseln – Aplerbeck – Berghofen Gockel (Schwerter Wald) 18. September 1903 Westhofen – Hohensyburg

Wie auf der Karte dargestellt, hatte zwischen 1903 (Eröffnung der Standseilbahn nach Hohensyburg) und dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs das Streckennetz der Hörder Kreisbahn seine größte Ausdehnung (ca. 38 km, sieben Linien); so auch dargestellt auf einer Amtlichen Entfernungskarte von 1904Amtliche Entfernungskarte des Kreises Hörde: Nach amtlichen Ermittlungen bearbeitet im Katasterbureau der königlichen Regierung zu Arnsberg. Mittelbach’s Verlag, Leipzig 1904, , abgerufen am 12. August 2019 mit Ausnahme der kurzen Abschnitte Rheinischer Bhf. Hörde – Hochofen, Brünninghausen – Steinerne Brücke und Hombruch – Barop.

Ende planmäßiger Betrieb Streckenabschnitt Betriebsunterbrechungen 31. August 1910 Schwerte, heutige Rathausstr. (ersetzt durch Neubaustrecke über Bhf.) 30. September 1914 Standseilbahn Hohensyburg, Bergstation – Talstation Winterhalbjahre 30. September 1920 Straßenbahn Talstation Hohensyburg – Westhofen Bhf. 30. September 1914 – 1. Mai 1920 (Sonderfahrten am 25. Juni 1921) 31. Oktober 1922 Westhofen Bhf – Schwerte Markt 15. November 1927 Hombruch Markt – Barop (Meterspur), Ersatz durch Neubau (Normalspur) 15. November 1922 – 1. Januar 1923 8. April 1929 Wellinghofen – Hörde Brücherhofstr. 10. Dezember 1933 Asseln – ehem. Zeche Schürbank. (Ersatzverkehr mit Bus, später Buslinie) Asseln – Zeche Schleswig: 31. Oktober 1922 – 17. Oktober 1928 10. Dezember 1933 ehem. Zeche Schürbank – Aplerbeck (Ersatzverkehr mit Bus, später Buslinie) 1. August 1943 (?) Block Friedrich-Wilhelm – Brünninghausen 15. November 1922 – 1. Januar 1923 vor Kriegsende (21. Februar 1945 ?) Eichlinghofen – Hörde (ab 16. Oktober 1947 Ersatz durch Obus) Abschnitt Eichlinghofen – Barop: 1. November 1922 – 1. Januar 1923 1952 (16. Juni 1952 ?) Aplerbeck – Depot Berghofen vor Kriegsende (21. Februar 1945 ?) – 18. Mai 1945 1953 (4. Mai 1953 ?) Depot Berghofen – Hörde (Ersatz durch Obus) vor Kriegsende (21. Februar 1945 ?) – 18. Mai 1945 30. Juni 1954 Schwerte Markt – Depot Berghofen (Ersatz durch Bus) vor Kriegsende (21. Februar 1945 ?) – 18. Mai 19451. April 1971 Schwerter Wald (Gockel) – Aplerbeck Markt 2. Mai 1929 – 1. September 1929 (wegen Umspurung) 27. Mai 1983 Hörde Brücherhofstr. – Hörde Brückenplatz 8. April 1929 – 10. November 1930 (wegen Umspurung)

Aplerbeck Markt – Hörde Rhein. Bahnhof

Kurzfassung: Die erste Strecke der Hörder Kreisbahn wurde am 30. Januar 1899 zwischen Aplerbeck Markt und der vorläufigen Endhaltestelle Hörde Rheinischer Bahnhof im Westen der Stadt Hörde eröffnet. Wo genau diese Haltestelle lag, ist nicht abschließend belegt. Die Strecke führte von Aplerbeck vorbei an Schüren und am Depot im Hörder Osten (auf Berghofer Gebiet) durch die Chausseestraße (heute Schürufer Straße und Hermannstraße) ins heutige Hörder Zentrum (Hörder Brückenplatz, damalige Haltestelle Hörde Post), weiter über einen niveaugleichen Bahnübergang über die Bergisch-Märkische Bahn (BME) und die Hochofenstraße. Eine wesentliche Verbesserung der Infrastruktur ergab sich 1914 / 1915 durch die Eröffnung einer Straßenunterführung im Verlauf der Hochofenstraße. Der ursprüngliche Wagenpark mit den Nummern 1 – 30 soll von der Kölner Waggonfabrik Herbrand geliefert worden sein, mit elektrischer Ausrüstung von der Firma AEG. Nach der Übernahme der Hörder Kreisbahn durch die Dortmunder Straßenbahn am 14. April 1928 scheiterte die ursprünglich geplante Umspurung auch dieser Strecke auf Normalspur am Geld und an der Setzung anderer Prioritäten. Die Strecke Eichlinghofen – Hörde und damit auch der Stammstrecken-Abschnitt Rheinischer Bahnhof – Hörde wurde deshalb bis zur Stilllegung 1945 in Meterspur betrieben, der Abschnitt Hörde – Aplerbeck konnte schon am 18. Mai 1945 wieder in Betrieb gehen, wurde dann aber abschnittsweise stillgelegt: Depot Berghofen – Aplerbeck (1952) und Depot Berghofen – Hörde (1953).

Im Einzelnen: Die erste Strecke der Hörder Kreisbahn eröffnete am 30. Januar 1899 zwischen Aplerbeck und Hörde, wie alle weiteren Strecken als von Anfang an elektrifizierte Straßenbahn auf Meterspur. Im „Hörder Volksblatt“ von Sonnabend, dem 28. Januar 1899 erschien ein Vorab-Bericht über die noch am gleichen Tag vorgesehene behördliche Abnahme der Strecke Hörde – Aplerbeck und deren geplante Inbetriebnahme am folgenden Montag, dem 30. Januar, sowie über die anstehende Verlängerung der Strecke nach Schwerte mit geplanter Inbetriebnahme am 1. April 1899 (tatsächlich erfolgt am 18. Mai 1899) sowie unter anderem über die Streckenführung zwischen Hörde Post und Aplerbeck Markt. Der westliche Streckenast zum Bahnhof „Hörde rheinisch“ wird nicht erwähnt.Hörder Volksblatt vom 28. Januar 1899, Vorab-Bericht über die Eröffnung der Hörder Kreisbahn, , abgerufen am 2. Juni 2022 Ergänzend gaben die Kreisbahnen in einer Annonce vom 28. Januar 1899 öffentlich bekannt, dass die Betriebseröffnung der Linie Rheinischer Bahnhof – Post Aplerbeck Markt mit dem 30. Januar 1899 erfolgen werde. Vorgesehen sei ein 12-Minuten-Takt, genannt werden auch die vorgesehenen Haltestellen. Die Anzeige erschien in der „Dortmunder Zeitung“ am 30. Januar und im „Hörder Volksblatt“ am 31. Januar 1899 und war unterzeichnet vom Leiter der Betriebs-Verwaltung der Kreisbahnen, Stoephasius.Anzeige der Hörder Kreisbahnen im „Hörder Volksblatt“ vom 31. Januar 1899 zur Eröffnung der Strecke Hörde – Aplerbeck, , abgerufen am 2. Juni 2022 Stoephasius war übrigens ehrenamtlich auch Chef der Hörder Feuerwehr.

Außerdem erschien in der „Dortmunder Zeitung“ vom 1. Februar 1899 eine in blumiger Sprache verfasste Würdigung der Eröffnung der Hörder Kreisbahnen. Der Hauptaugenmerk lag auf den demnächst auch für Dortmunder leichter erreichbaren Ausflugszielen. Erwähnt wurden Schwerte mit dem Freischütz, Westhofen und Hohensyburg, die Hochöfen an der Chaussee nach Schloss Brünninghausen, Barop mit dem Wohnsitz des Industriepioniers Friedrich Harkort und Wellinghofen. Nicht direkt erwähnt wurde der Bahnhof „Hörde rheinisch“.Die Eröffnung des Betriebes auf den hörder Kreisbahnen. Bericht in der „Dortmunder Zeitung“ vom 1. Februar 1899. , abgerufen am 2. Juni 2022 Der Bericht wurde wortgleich auch im „Hörder Volksblatt“ vom 2. Februar 1899 nachgedruckt.Nachdruck des Berichtes der „Dortmunder Zeitung“ über die Eröffnung der Hörder Kreisbahnen im „Hörder Volksblatt“. , abgerufen am 2. Juni 2022.

Entgegen der Ankündigung in den Anzeigen der Hörder Kreisbahnen wurde der Betrieb auf dem Westast der Strecke am Eröffnungstag nur bis zum Bahnübergang der Bergisch-Märkischen Bahn an der Chausseestraße (heute Hochofenstraße) aufgenommen, wie die „Dortmunder Zeitung“ am 4. Februar berichtete:

Schließlich erschien im „General-Anzeiger für Dortmund und die Provinz Westfalen“ am 30. Januar 1899 ein ausführlicherer Bericht über die behördliche Abnahme der Strecke Hörde – Aplerbeck der Hörder Kreisbahnen (und der gleichzeitig eröffneten Verbindungsstrecke Hörde Kreishaus – Hörde Post der Dortmunder Straßenbahn) am 28. Januar 1899.Bericht über die behördliche Abnahme Hörde Kreishaus – Hörde Post der Dortmunder Straßenbahn und Hörde – Aplerbeck der Hörder Kreisbahnen, , abgerufen am 3. Juni 2022 Anwesend waren die Vertreter der Genehmigungsbehörden und zahlreiche lokale Honoratioren. Die Fahrt ging zunächst vom Kreishaus an der Ecke Dortmunder Straße (heute Willem-van-Vloten-Straße) / Viktoriastraße (heute Hörder Semerteichstraße) zur Endstelle Hörde Post, dann westwärts mit der Kreisbahn in Richtung Brünninghausen bis zum Gleisübergang des Anschlussbahn der Zeche Crone über die Chaussee, wieder zurück über Hörde Post zum Depot in Berghofen (im Bickefeld) mit Besichtigung der dortigen Anlagen, schließlich weiter über Schüren nach Aplerbeck.

Der oben erwähnte Bahnübergang der Zechenbahn Crone lag nur etwa 100 m westlich des etwa 300 m langen Sträßchens, das damals von der Chaussee zum heute fast vergessenen Bahnhof „Hörde rheinisch“ führte (etwa im Verlauf der heutigen Heinz-Nixdorf-Straße). Das wirft die nicht endgültig geklärte Frage auf, ob nicht an diesem Bahnübergang auch dauerhaft die als „Bahnhof Hörde rheinisch“ bezeichnete Haltestelle lag. Dass also (entgegen manchen Annahmen) der eigentliche Bahnhof mit dem Empfangsgebäude von der Straßenbahn überhaupt nicht angefahren wurde. Die 1957 in diesem Streckenabschnitt stillgelegte sogenannte Rheinische Bahn, an der der Bahnhof lag, verlief in diesem Abschnitt etwa auf der Achse der heutigen Robert-Schuman-Straße am Nordrand des heutigen Gewerbegebietes Phönix-West.Svovoba, Rolf; Schenk, Michael: Die Rheinische Eisenbahn zwischen Hagen und Dortmund einschließlich der Zweigbahn nach Bochum-Langendreer, Berlin 2005, VBN Verlag Bernd Neddermeyer, ISBN 3-933254-59-0, Seite 40 (beim Verlag vergriffen) Im weiteren Sinn gehörten zum Bahnhof Hörde rheinisch aber auch die umfangreichen Gütergleise: Der eigentliche Güterbahnhof, die Anschlussgleise zur Verbindungsbahn („Eliasbahn“) zum Stahlwerk Phönix-Ost und weiter mit der Hafenbahn nach Asseln, die internen Gleise des Hochofenwerks einschließlich der Schlackenbahn, die Verbindungskurve zur Bergisch-Märkischen Bahn und der Anschlussbahnhof der Zechenbahn Crone direkt neben der früheren Hochofenstraße. Die Rheinische Bahn ist nicht zu verwechseln mit der ehemaligen Bergisch-Märkischen Bahn, an der der heute einzige Hörder Bahnhof liegt.