mini|Glasfassade Orgelschiff Die katholische Pfarrkirche Herz Jesu ist die kleinste und jüngste Kirche der römisch-katholischen Gemeinden in Schifferstadt. Die Kirchenstiftung wurde am 28. Februar 1955 durch den Pfarrer von St. Jakobus, Josef Schwartz, gegründet. Am 21. Februar 1960 erfolgte der „Erste Spatenstich“, an Palmsonntag, den 10. April 1960 die Grundsteinlegung. Am 22. Oktober 1961 konsekrierte Isidor Markus Emanuel, Bischof von Speyer den Kirchenneubau.
Bedeutung und Architektur Zum Zeitpunkt der Planung der Kirche war bereits eine Liturgische Bewegung zu spüren, die einige Jahre später als Liturgiereform aus dem zweiten Vatikanischen Konzil hervorging. Die modernen Möglichkeiten der Baukonstruktion machten es möglich, den Wünschen dieser Bewegung zu entgegnen. Im Falle der Herz Jesu-Kirche kam man wieder auf die Kreuzform zurück, in deren Mittelpunkt der massive Altarblock auf einem „Stufenberg“ steht, umgeben von der Kommunionbank. Diese Anordnung machte es möglich an beiden Seiten des Altares zu zelebrieren. Als Feierstätte des hl. Messopfers steht der Altar dennoch in der Mitte der Gemeinde und ist von allen Seiten einzusehen.
Bei der Konzeption der Kirche mögen die Gottesdienste in der Vierung des Kaiserdomes zu Speyer während der Restaurationszeit auf den Architekten gewirkt haben, auch in der Herz Jesu-Kirche gibt es Vierungspfeiler wie im Dom. Aus Stahlbeton gegossen tragen sie nicht eine Kuppel, sondern die über vier Kreuzarme geschleppte Dachdecke, die zusammen mit den gemauerten Wänden ein „festes Zelt Gottes“ bilden. Die Rippen dieser „Koenendecke“ sind sichtbar und bilden, sauber in Sichtbeton gegossen, nicht nur eine erwünschte Gliederung der Untersicht, sondern haben auch eine akustisch günstige Wirkung.
Die nordöstlichen Fassaden sind nicht gemauert, sondern aus farbigen Beton-Guss-Glas, welche das Tageslicht in verschiedenen Farben den Kirchraum durchfluten lassen. Die Orgel- und Sakristeiseite sind in Weiß- und Blautönen gehalten; die Glasfassade des Mittelschiffes in leuchtenden Rot- und Gelbtönen. Hinter dem Altar findet sich eine Tauf- und Beichtkapelle mit einer Fensterwand aus gelb und rot leuchtendem Betonglas. Alle Betonglaselemente sind nach einem Entwurf des Kunstmalers Quiente angefertigt.
Der Sängerchor sollte ursprünglich auf einem Podium im nördlichen Kreuzarm (auch Schiff genannt) untergebracht werden. Um die Sitzplatzzahl im Schiff nicht zu verringern, wurde eine Empore für den Chor eingebaut. Diese musste später für den Orgelneubau umgestaltet werden.
Die äußere Form der Kirche lässt klar eine Zelt- und Kreuzform erkennen. Im Stil der 1960er-Jahre sind die verwendeten Baustoffe deutlich sichtbar. Die Konstruktion besteht aus Stahl-Sichtbeton, die Wände sind mit Kalksandstein gemauert und außenseitig mit niederrheinischen Handstrichklinkern verkleidet. Die Dachhaut über der Stahlbetondecke ist mit betumierten Korkplatten isoliert und mit Alcufol eingedeckt. Die Dacheindeckung musste bereits von Juni bis Oktober 1973 erneuert werden.
Im Inneren wurde für den Fußboden Marmor-Mosaikplatten verwendet, für den Boden unter den Bänken Cellophalt. Der Altar und das Taufbecken ist aus römischen Travertin gefertigt. Anstelle der ursprünglich vorgesehenen Warmluftheizung ist in der Kirche eine elektrische Strahlungsheizung „System Umbratherm“ eingebaut worden. Sakristei und Jugendräume werden mit Gas geheizt.
Geschichte Gelöbnis zum Kirchenbau Bei den ständigen schweren Bombenangriffen des Jahres 1944 gelobte der damalige Pfarrer von St. Jakobus, Peter Maria Weihmann, am 8. Dezember 1944, wenn Schifferstadt von großen Kriegsschäden verschont bliebe, baue er eine Kirche zum Heiligsten Herzen Jesu. Gerade durch die letzten Kriegstage wurde deutlich, dass die Gefahr der Zerstörung sehr hoch war. Auch Schifferstadt war bedroht, da die SS einen Sperrriegel zwischen Schifferstadt und Dannstadt errichtet hatte, um den Brückenkopf in Speyer zu verteidigen. In der Nacht zum Schmerzensfreitag zog sich die SS durch Schifferstadt nach Speyer zurück. Die weißen Flaggen wurden gehisst und noch in der Nacht wurden die US-amerikanischen Truppen über den Rückzug der SS verständigt. Dadurch blieb Schifferstadt von der Bombardierung am nächsten Tag verschont.
Erwerb des Kirchenbauplatzes Im Frühjahr 1949 beschäftigte sich Pfr. Weihmann mit der Frage des gelobten Kirchenbaues, nämlich mit dem Erwerb eines 6.130 Quadratmeter großen Bauplatzes. Das Projekt zerschlug sich jedoch und man hörte bis zum November 1954 nichts mehr davon. Mittlerweile war ein anderes, weiter südlich gelegenes Gelände an der Ecke „Waldseer Straße“ und „Sturmstraße“ als Bauplatz ausfindig gemacht worden, das durch seine zentrale Lage als Platz für eine Kirche sehr geeignet erschien. Am 3. November 1954 ersuchten die beiden Pfarrämter St. Jakobus und St. Laurentius in einem gemeinsamen Brief die Stadtverwaltung Schifferstadt um Überlassung eines entsprechenden Baugeländes mit einer Größe von 1.448 Quadratmetern. Die Kirche sollte in absehbarer Zeit nebst Pfarrhaus und Schwesternhaus mit Kindergarten gebaut werden. Der Stadtrat stellte am 17. Dezember 1954 den Antrag bis zur endgültigen Aufstellung eines Bebauungsplanes zurück. Gleichzeitig wurde der Kirchenverwaltung empfohlen, das Restgelände von den angrenzenden Eigentümern zu kaufen. Im Laufe des Jahres 1956 schlossen daraufhin fünf Grundbesitzer Kaufverträge mit der Kirchenverwaltung ab, über insgesamt 5.240 Quadratmeter im Wert von 31.440 DM. Die Gesamtfläche des Grundstückes betrug somit 6.688 Quadratmeter.
Unterdessen waren wieder zwei Jahre verstrichen. Die zuständige Regierungsbehörde in Neustadt a. d. Weinstraße verwarf als letzte Instanz den Platz an der Waldseer Straße als zu eng und nicht ausbaufähig für den Bedarf einer Kirche. Schließlich war auch der Bau einer Schule in kirchlicher Nachbarschaft vorgesehen. Die Stadtverwaltung kam der Kirchengemeinde entgegen. Der eingesetzte Städteplaner schlug zusammen mit Bürgermeister Adam Teutsch der Kirchenstiftung einen Bauplatz etwa 300 Meter weiter südlich an der Salierstraße vor. In den Verhandlungen zwischen Pfr. Wagner (mittlerweile Pfr. von St. Jakobus) und dem Stadtbaumeister Prising wurde am 23. März 1959 folgendes vereinbart:
Die Kirchenstiftung Herz Jesu Schifferstadt erhält von der Stadt 7.700 Quadratmeter Gelände an der Salierstraße. Durch Beschluss vom 17. März 1959 werden 5.000 Quadratmeter kostenlos überlassen. 2.700 Quadratmeter werden gegen 3.375 Quadratmeter kircheneigenes Gelände an der Waldseer Straße getauscht. Das Gelände an der Salierstraße war „baureif“, daher wurde ein Aufschlag von 25 Prozent vereinbart. Die Kirchenstiftung übertrug darauf 3.360 Quadratmeter des 1956 erworbenen Eigentums in der Waldseer Straße an die Stadt. Die verbleibenden 3.100 Quadratmeter verblieben bei der Kirchenstiftung. Der Stadtrat beschloss in seiner Sitzung am 28. April 1959 die Schenkung. Der neue Bauplatz hatte eine Gesamtgröße von 7.753 Quadratmeter und war von freiem Feld umgeben. Der Schenkungsvertrag zwischen der Stadt und der Kirchenverwaltung wurde am 25. September 1959 beschlossen. Am 20. Oktober 1959 wurden die Verträge vom bischöflichen Ordinariat genehmigt. Am 28. Oktober 1959 gab das Landratsamt Speyer seine Genehmigung. Damit war die Bauplatzfrage, die zehn Jahre lang Gegenstand vieler Gespräche und Verhandlungen war, endlich gelöst. Dem Beginn des Baues stand nichts im Wege.
Finanzierung des Kirchenbaues Neben dem Erwerb des Bauplatzes spielte die Frage der Finanzierung die größte und ausschlaggebende Rolle. Pfr. Schwartz, der Nachfolger von Pfr. Weihmann, und seit dem 1. November 1951 im Amt, konnte sich erst nach Abschluss der umfangreichen Innensanierung der St.-Jakobus-Kirche im Januar 1955 damit beschäftigen. Die große Spendenfreudigkeit während der Sanierung ihrer Kirche ermutigten ihn wohl, das Werk anzugehen und erneut an die Opferbereitschaft seiner Pfarrkinder zu appellieren. Am 28. Februar 1955 versammelten sich auf Einladung der beiden Pfarrherren 43 Männer der Pfarreien St. Jakobus und St. Laurentius in der Wirtschaft „Zum Deutschen Haus“ um den Kirchenbauverein zu gründen. Schnell waren sich die Anwesenden über die Notwendigkeit und den Vereinsnamen einig: „Kirchenbau Herz Jesu Schifferstadt“. Für die erste Periode über zwei Jahre wurde Geistl. Rat L. Gouthier als Vorsitzender gewählt. Stellvertreter war der jeweilige Pfarrer der anderen Gemeinde. Mit der Gründung des Kirchenbauvereines stand die ganze Finanzierungskonzeption auf solider rechtlicher Grundlage. Regelmäßig wurden Sammlungen bei den Bürgern der Stadt durchgeführt. Bis zum 25. September 1961 wurden die Gelder wie folgt angelegt:
Herkunft des Geldes Betragin DMSammelbeträge340.801Kollekten (Opfergänge)78.226Freiwillige Spenden und Geschenke6.599Zusammen 425.626 Zinsguthaben bis 31. Dezember 196027.187Insgesamt452.813
Diese Leistung der 12.500 Katholiken in Schifferstadt machte Eindruck bei der oberhirtlichen Behörde, sodass Bischof Isidor Markus Emanuel in einem Schreiben dem Klerus und den Gläubigen seinen Dank übermitteln ließ. Das Bischöfliche Ordinariat erteilte nach längeren Verhandlungen mit dem Kirchenbauverein und dem Pfarramt St. Jakobus am 12. Juni 1959 die Genehmigung zur Erstellung des Rohbaues. Die Verhandlungen über die Bewilligung eines höheren Zuschusses zogen sich zwei Jahre hin, führten jedoch zum Erfolg. Am 27. April 1960 beschloss das Bischöfliche Ordinariat, die Kosten für die Herstellung des Rohbaues der Herz Jesu-Kirche von 354.000 DM zu übernehmen.
Bau der Kirche Vorbereitungen Zum Ende des Jahres 1958 traten die Arbeiten zum Kirchenbau mit der Vorplanung in das entscheidende Stadium. Am 19. April 1958 wurde ein Bauausschuss gegründet. Dieser führte im Jahr 1958 mehrere Besichtigungs- und Informationsfahrten mit Diözesanoberbaurat Wilhelm Schulte durch. Der Ausschuss entschied sich für den Bau einer Zentralkirche, in der der Altar im Mittelpunkt der Kirche steht. Noch keine Einigkeit bestand darin, ob die Kirche einen runden oder viereckigen Grundriss haben sollte. Nach längeren Verhandlungen zwischen Bauausschuss und dem Bischöflichen Bauamt wurde am 10. Mai 1959 in der Sitzung des Kirchenbauausschusses der Vorschlag des Bischöflichen Bauamtes geprüft und einstimmig gut geheißen, die Grundform der Kirche ist eine Kreuzform.
Aufgrund dieser Entscheidung entwarf der mit der ganzen Kirchenbauplanung beauftragte und verantwortlich zeichnende Architekt Oberbaurat Wilhelm Schulte II. die weiteren Pläne, die von Diplom-Bauingenieur Wilhelm Forcht ausgearbeitet wurden. Am 23. November 1959 lagen die Pläne fertig vor. Am 10. Februar 1960 erhielten sie die baupolizeiliche Genehmigung. Die Kosten für den Kirchenbau wurden auf 585.000 DM, für den Turm (dieser wurde vorerst nicht gebaut) auf 70.000 DM veranschlagt. Auf die befristete Ausschreibung der Bauarbeiten vom 1. Dezember 1959 bis 18. Dezember 1959 anhand eines Leistungsverzeichnisses über die Erd-, Isolier-, Maurer, Entwässerungs-, Beton- und Stahlbetonarbeiten reichten sechs Unternehmen ihre Angebote ein, die sich zwischen 318.000 DM und 384.000 DM bewegten. Den Bauauftrag erhielt am 8. Januar 1960 die Firma Pirmin Netter aus Otterstadt, die mit 330.302 DM das zweitniedrigste Angebot eingereicht hatte. Sie begann sogleich mit den Arbeiten auf dem Baugelände. Abmessungen, Absteckungen des Grundrisses, Aufstellung der Baumaschinen, Absperrungen usw. erfolgten nun.
Erster Spatenstich