mini|Römisch-Katholische Kirche in Yunnan (spätes 19. Jahrhundert) Die römisch-katholische Kirche in China hat eine lange Geschichte. Christlicher Glaube existierte in China in verschiedenen Formen bereits seit der Tang-Dynastie, also mindestens seit dem 8. Jahrhundert. In der heutigen Volksrepublik ist die römisch-katholische Kirche seit Maos Zeiten verboten, lediglich eine sogenannte „Chinesische Katholisch-Patriotische Vereinigung“, die keine Kontakte zum Vatikan unterhalten darf und die Autorität des Papstes nicht anerkennt, ist erlaubt. Die römisch-katholische Kirche existiert als Untergrundkirche. Ihre Mitglieder sind staatlichen Verfolgungsmaßnahmen ausgesetzt. Bischöfe und Priester werden regelmäßig inhaftiert und in staatliche Umerziehungslager transferiert, wo seit 1949, vor allem aber seit 1957 viele von ihnen starben bzw. zu Märtyrern wurden.

Yuan-Dynastie (1271–1368) Die ersten Informationen über katholische Missionare aus Europa in China stammen aus dem 13. Jahrhundert. Der italienische Franziskanerpriester Johannes von Montecorvino kam 1294 in Peking (Khanbalik) an. 1299 baute er dort eine Kirche und 1305 eine zweite gegenüber dem kaiserlichen Palast. Nach einem Studium der Lokalsprache machte er sich daran, das Neue Testament und die Psalmen zu übersetzen. Zwischen 6.000 und 30.000 Menschen traten um das Jahr 1300 zum christlichen Glauben über. In der Folge sandte Papst Clemens V. 1307 sieben franziskanische Bischöfe, um Johannes von Montecorvino zum Erzbischof von Peking zu weihen. Die drei von ihnen, welche die Reise überlebten, weihten ihn daraufhin 1308 und wurden selbst nacheinander Bischöfe von Zaiton. 1312 kamen drei weitere Bischöfe, um Johannes bei seiner Arbeit zu unterstützen. Er starb 1328. Diese Missionsbewegung hatte einigen Erfolg während der mongolischen Yuan-Dynastie, besaß aber im Endeffekt nur geringen Einfluss.

Ming- (1368–1644) und Qing-Dynastie (1644–1911) mini|Adam Schall von Bell in einem Mandaringewand

Während der Gegenreformation kam es zu einer Ausweitung der missionarischen Anstrengungen vor allem in Asien. Jesuiten und andere römisch-katholische Missionare versuchten in China Fuß zu fassen. Anfangs hatten sie gemischten Erfolg, später erlangten sie aber einen größeren Einfluss, besonders im interkulturellen wissenschaftlichen und künstlerischen Austausch, innerhalb der gehobenen Schichten Chinas und am chinesischen Hof.

Die Jesuitenmission wurde 1601 durch Matteo Ricci begründet. Er nutzte das Interesse der chinesischen Behörden an westlicher Technologie und Lehre als Zugang. Auch versuchte er, das Christentum mit konfuzianischer, taoistischer und buddhistischer Lehre in Einklang zu bringen.

Ricci starb 1610, die jesuitische Mission dauerte jedoch an und wurde bis 1722 ein wichtiger Teil des chinesischen Staates. 1644 wurde der deutsche Jesuit Adam Schall von Bell durch die neue Qing-Dynastie zum Leiter der astronomischen Behörde ernannt. Jesuiten besetzten des Weiteren Führungsposten in den Bereichen Mechanik, Musik, Bildende Kunst und weiteren, in denen besondere Fähigkeiten erforderlich waren.

Der praktische Umgang der Jesuiten mit dem Konfuzianismus führte später zu Konflikten mit den Dominikanern, die Mitte des Jahrhunderts von den Philippinen nach Peking kamen. Ihr Führer Dominigo Fernandez Navarrete antwortete auf die Frage nach der Errettung des Konfuzius, dass er, wenn selbst Sokrates, Platon und Aristoteles nicht errettet würden, „sicher auch nicht Konfuzius [errettet würde], der es nicht wert war, ihnen die Füße zu küssen.“ Als Antwort darauf entgegnete Antonio de Gouveia, ein portugiesischer Jesuit, dass Konfuzius sicher errettet würde, „was man von König Philipp IV. von Spanien nicht behaupten kann.“Charles Ralph Boxer: Fidalgos in the Far East 1550–1770. Oxford University Press, 1968, S. 164. mini|links|Theologisches jesuitisches Seminar (im Jahr 1900). Als zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Zukunft des Christentums in China zunächst gesichert schien, verschärfte sich der Ritenstreit in Europa. Die Jesuiten wurden beschuldigt, den neubekehrten Chinesen gewisse Riten wie beispielsweise die Ahnenverehrung zu gestatten, die in Europa als heidnisch galten. Der päpstliche Legat Charles Thomas Maillard de Tournon wurde 1705 nach Peking gesandt, um sich über die Orthodoxie dieser Riten ein Bild zu machen, welche von den Jesuiten als gesellschaftliche Bräuche bezeichnet wurden. Da er die offizielle Etikette (z. B. Kotau) missachtete, brüskierte er den chinesischen Kaiser Kangxi, der ihn zunächst wohlwollend empfangen hatte. 1707 gab Tournon ein Dekret heraus, in dem die Missionare unter Androhung schwerer kirchenrechtlicher Strafen zur Aufhebung dieser Riten verpflichtet wurden. Nachdem Papst Clemens XI. 1715 Tournons Dekret bestätigt hatte, wurden 1722 die christlichen Missionare von Kangxis Sohn und Nachfolger Yongzheng aus China ausgewiesen.

Volksrepublik China mini|Xujiahui-Kathedrale in Shanghai Seit 1949, der Gründung der Volksrepublik China durch die Kommunistische Partei Chinas folgend, war der Status der katholischen Kirche als einer Institution der chinesischen Gesellschaft höchst umstritten. Während die römisch-katholische Kirche offiziell verboten ist, verlangt die chinesische Regierung dennoch die Loyalität aller katholischen Christen zum Staat und dass Gottesdienste nur in staatlich zugelassenen Kirchen, die zur Chinesischen Katholisch-Patriotischen Vereinigung (KPV) gehören, stattfinden dürfen. Dadurch werden die Katholiken genötigt, die Verbundenheit mit dem Heiligen Stuhl zu lösen, da sie den Papst nicht als Kirchenoberhaupt ansehen dürfen. Dem Papst anhängende Katholiken feiern ihre Gottesdienste aus Angst vor Verhaftung im Untergrund.

Obwohl die kommunistische Partei offiziell eine säkulare Organisation ist, behält sie sich das Recht vor, Priester einzusetzen. Sie achtet dadurch darauf, dass die Aktivitäten der chinesischen Bevölkerung nicht durch externe Kräfte beeinflusst werden. Die Regierung unterscheidet dabei nicht zwischen politischer und religiöser Loyalität. Somit kann sie nicht damit umgehen, dass die katholische Kirche einerseits dem Heiligen Stuhl und gleichzeitig dem chinesischen Staat gegenüber loyal sein kann.

Nach einer Untersuchung des chinesischen Katholizismus durch das US-amerikanisch-katholische Magazin Commonweal ist die Chinesische Katholisch-Patriotische Vereinigung eine Organisation zur Beaufsichtigung der chinesischen katholischen Kirche.

Inzwischen sind rund 60 % der Bischöfe der staatlichen Kirche auch vom Vatikan akzeptiert. Im Sommer 2005 einigten sich der Vatikan und Peking darauf, einen unterstützenden Bischof in Shanghai zu benennen. In: AsiaNews, 29. Juni 2005 (englisch) In der Vergangenheit war eines der größten Probleme in den Beziehungen zwischen dem Vatikan und Peking die Frage gewesen, wer Bischöfe einsetzt.

Als weiteres Zeichen der Wiederannäherung lud Papst Benedikt XVI. im Oktober 2005 vier chinesische Bischöfe (zwei staatlich anerkannte, zwei Untergrundbischöfe, von denen einer kurz zuvor in die anerkannte Kirche übergetreten war) zur Synode zur Frage der Eucharistie ein.Papst lädt chinesische Bischöfe zur Synode zur Frage der Eucharistie. Catholic World News, 8. September 2005 (englisch) China untersagte es den Bischöfen sofort, an der Versammlung teilzunehmen.

2006 schätzte man die Zahl der Katholiken auf 13 Millionen, davon 5 Millionen Anhänger der chinesischen Katholisch-Patriotischen Vereinigung.China benennt neuen katholischen Bischof. BBC, 7. Mai 2006 (englisch) Unbestätigte Schätzungen gingen von 40 Millionen Katholiken der Rom anhängigen Untergrundkirche und 20 Millionen Katholiken der staatlichen Kirche aus. Cardinal Kung Foundation (englisch). Im Gegensatz dazu belaufen sich Schätzungen des Holy Spirit Study Centre in Hongkong im Jahr 2017 auf ca. 10 Mio. Katholiken insgesamt, d. h. im offiziellen Teil der Kirche und im Untergrund zusammengenommen.Katharina Wenzel-Teuber: Statistik zu Religion und Kirche in der VR China. In: China heute, Jg. 37 (2018), Heft 1, Nr. 197, S. 40.

Am 27. Mai 2007 schrieb Papst Benedikt XVI. einen Brief an die chinesischen Katholiken, der das Datum vom Pfingstsonntag trägt. Zwei Hauptpunkte werden in seinem Brief deutlich: zum einen eine tiefe Zuneigung zur ganzen katholischen Gemeinschaft in China und zum anderen eine begeisterte Treue zu den Werten der katholischen Tradition im Bereich der Ekklesiologie, also eine Leidenschaft für die Liebe und für die Wahrheit. Er erinnerte an diese Grundprinzipien der katholischen Ekklesiologie, damit die Katholiken Probleme besser verstehen konnten, die verschiedenen Fragen und die konkreteren Aspekte des Lebens der katholischen Gemeinschaft betrafen. Im Brief setzte sich Papst Benedikt XVI. mit der Geschichte Chinas und der katholischen Kirche auseinander und setzte damit auch ein Zeichen für die Zukunft der Katholiken in China. Der Papstbrief beginnt mit der Aufforderung eines offenen Dialoges bezüglich der Spannungen zwischen der katholischen Untergrundgemeinde und der offiziellen chinesischen Kirche. Dabei beschrieb der Papst auch einige kritische Situationen, jedoch nicht in zugespitzter Weise, sondern zeigte Verständnis für beide Seiten.Brief des Heiligen Vater Papst Benedikt XVI. an die Bischöfe, die Priester, die Personen des gottgeweihten Lebens und an die gläubigen Laien der katholischen Kirche in der Volksrepublik China. In: China heute, Jg. 26 (2007), Heft 4-5, Nr. 152–153, S. 136–152.

Im Brief gab er „einige Orientierungspunkte in Bezug auf das Leben der Kirche und das Werk der Evangelisierung in China [...].“Brief von Papst Benedikt XVI. an die chinesischen Katholiken, 27. Mai 2007 In diesem Brief (Abschnitt 9) benennt er Spannungen:

Kardinal Joseph Zen Ze-kiun, Bischof von Hongkong, sprach am 30. Juni 2007 in seiner öffentlichen Stellungnahme zum Brief an die chinesischen Katholiken von einem Lichtblick, der Hoffnung, die Papst Benedikt XVI. mit diesem Brief der chinesischen Kirche geschenkt hat. Auch Aloysius Jin Luxian, Bischof von Shanghai, bekräftigte mit seinen Aussagen die Freude, die durch diesen Brief in den katholischen Gemeinden ausgelöst wurde. Qin Gang, Sprecher des Außenministeriums der Volksrepublik China, hingegen beteuerte nach Veröffentlichung des Briefs, dass eine diplomatische Beziehung mit dem Vatikan nur aufgenommen werde, sofern der Vatikan die diplomatischen Beziehungen mit Taiwan abbreche.Kommentare aus China zum Brief von Papst Benedikt XVI. an die chinesischen Katholiken. In: China heute, Jg. 26 (2007), Heft 4-5, Nr. 152–153, S. 153–158.

Untergrundbischof Joseph Wei Jingyi von Qigihar (nordöstliches China) veröffentlichte im Juli 2007 einen zweiseitigen Hirtenbrief, in dem er seine Gemeinde aufforderte, den Brief Benedikts zu lesen und zu befolgen. In diesem Zusammenhang nannte er ihn einen „neuen Meilenstein in der Entwicklung der Chinesischen Kirche.“‘Underground’ bishop urges faithful to implement Pope’s letter. Catholicnews (englisch) Im September 2007 wurde ein Koadjutor für die Guiyang Diözese gemeinsam vom Vatikan und der staatlichen Kirche ernannt.Vatican approval for Guiyang Episcopal ordination made public. AsiaNews, 10. September 2007 (englisch)

Am 1. Mai 2014 wurde erstmals seit 1949 wieder ein Kloster einer kontemplativen Ordensgemeinschaft gegründet, nämlich das der Augustinerinnen in Lintou in der Provinz Shanxi.Katholische Nachrichten-Agentur (KNA), 14. Mai 2014.

Jedes Jahr ruft die katholische Kirche am 24. Mai zum Weltgebetstag für China auf. Diesen Gebetstag hat Papst Benedikt XVI. bewusst auf den Tag der traditionellen Wallfahrt zur Sheshan-Basilika, zum größten Marienheiligtum Chinas nahe Shanghai, gelegt.