mini|Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln Die Geschichte Südgeorgiens und der Südlichen Sandwichinseln umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet des britischen Überseegebiets Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln von der Entdeckung durch Europäer im 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Vor der Entdeckung durch europäische Seefahrer waren die Inseln unbewohnt. Die Inseln wurden 1775 vom Seefahrer James Cook für das Vereinigte Königreich beansprucht, was heute nur von Argentinien in Frage gestellt wird. Zwischen 1786 und 1965 besaßen Robbenjagd und Walfang eine große wirtschaftliche Bedeutung, seither werden die Inseln nur noch temporär von Forschern und britischen Beamten bewohnt. Während des Falklandkrieges fanden auf diesen Inseln nennenswerte Gefechte statt.Dieser Artikel (Version vom 24. Februar 2008) beruht auf einer Übersetzung aus dem Englischen

16. bis 19. Jahrhundert Entdeckung durch europäische Seefahrer mini|„Roché Island“ auf einer Karte des 18. Jahrhunderts (R.W. Seale, um 1745, Ausschnitt)

Die südatlantische Insel Südgeorgien, gelegen südlich der Antarktischen Konvergenz, war das erste antarktische Territorium, das jemals entdeckt wurde.

Eine Annahme mit vielen Anhängern ist die, dass Amerigo Vespucci Südgeorgien auf einer seiner Reisen gesichtet haben könnte. Im April 1502 sichtete Vespucci auf einer Fahrt im Südatlantik auf von ihm geschätzten 52° südlicher Breite angeblich eine Insel, die er als hohes, finsteres und raues Land beschrieb, auf dem menschliches Leben durch eisige Kälte verunmöglicht wurde – eine Beschreibung, die auf Südgeorgien zuträfe. Die Annahme wurde jedoch durch eine Analyse der Aufzeichnungen Vespuccis widerlegt.

Eine weitere hartnäckige irrige Meinung ist die, dass Südgeorgien identisch mit der mythischen Insel Pepys sein könnte, die der englische Bukanier William Cowley im Dezember 1683 angeblich entdeckte. Laut Cowleys Tagebuch liegt die Stelle, an der er Land sichtete, jedoch mehr als 1700 Kilometer oder 920 Seemeilen nördlich von Südgeorgien. Es wird vermutet, dass er eine der Falklandinseln gesehen hatte, sich aber bei der Positionsbestimmung irrte.

mini|hochkant|links|Edmund Halley

Die eigentliche Entdeckung ereignete sich wahrscheinlich, wie viele andere frühe Entdeckungen in dieser Region, als Resultat schlechten Wetters, das ein Schiff vom Kurs abbrachte. Der englische Kaufmann Anthony de la Roché geriet auf dem Weg von Chiloé nach Salvador da Bahia bei der Isla de los Estados in stürmisches Wetter, verfehlte die Le-Maire-Straße und wurde weit nach Osten abgetrieben. Zuflucht fand er wohl in einer der südwestlichen Buchten Südgeorgiens, wo sein Schiff im April 1675 vierzehn Tage lang vor Anker lag. Kartographen begannen, die Insel als „Roché Island“ auf ihren Karten einzuzeichnen, um den Entdecker zu ehren.

Im Januar 1700 wurde die Umgebung Südgeorgiens von Sir Edmund Halley im Zuge seiner Kartografierung von Deklinationen im Südatlantik erforscht. Sein Schiff HMS Paramore (oder Paramour) drang in die Antarktische Konvergenz ein und gelangte bis etwa 170 Kilometer (90 Seemeilen) nördlich Südgeorgiens, wo Halley einige flache Eisberge mit Inseln verwechselte, wie es vor ihm möglicherweise auch Vespucci passiert sein könnte.

1756 wurde die Insel vom spanischen Schiff León unter Kapitän Gregorio Jerez gesichtet und San Pedro genannt.

Diese frühen Besuche resultierten nicht in Gebietsansprüchen von Großmächten. Vor allem hatte Spanien – anders als im Fall der Falklandinseln – niemals Ansprüche auf Südgeorgien, das ohnehin in das im Vertrag von Tordesillas von 1494 Portugal zugeteilte Gebiet gefallen wäre.

Inbesitznahme für Großbritannien mini|Karte Südgeorgiens von James Cook, 1777 (Süden ist oben) Die erste Landung auf Südgeorgien, gefolgt von Erforschung und Kartografierung, erfolgte durch James Cook. Wie von der Admiralität beauftragt, nahm er am 17. Januar 1775 für das Königreich Großbritannien Besitz von der Insel und gab ihr den neuen Namen „Isle of Georgia“, dies zu Ehren von König George III. Der deutsche Naturforscher Georg Forster, der Cook an diesem Tag bei seinen drei Landungen in der Possession Bay begleitete, schrieb:

mini|hochkant|links|James Cook

Von Südgeorgien aus segelte Kapitän Cook gen Südosten und entdeckte – nachdem er Cape Disappointment, das Kap der Enttäuschung benannt hatte, da er feststellte, dass die Insel nicht die gesuchte Terra Australis war – die Clerke Rocks und eine Gruppe von Inseln, die er nach Lord Sandwich „Sandwich Land“ nannte. Der Zusatz „Südliche“ war nötig, da Cook auch das heutige Hawaii mit „Sandwichinseln“ benannte. Der Archipel der Südsandwichinseln umfasst die Inseln Candlemas, Vindication, Saunders, Montagu, Bristol, Bellingshausen, Cook und Morrell, die von Cook entdeckt wurden, und die Traversayinseln (Zavodovski, Leskov und Visokoi), die von der russischen Expedition von Fabian Gottlieb von Bellingshausen und Michail Petrowitsch Lasarew in den Schiffen Wostok und Mirny von 1819 entdeckt wurden.

Die Gruppe der Shag Rocks und Black Rock, die das britische Überseegebiet von South Georgia and the South Sandwich Islands in westlicher Richtung begrenzen, liegen 270 Kilometer oder 150 Seemeilen nordwestlich Südgeorgiens. Sie wurden vermutlich 1762 vom spanischen Schiff Aurora entdeckt, weshalb sie auf frühen Karten auch als Aurora-Inseln erscheinen. Die Aurora-Inseln wurden 1819 vom US-Robbenfänger Hersilia besucht und umbenannt. Kartografiert wurden sie erst 1920 von der HMS Dartmouth. Die Clerke Rocks östlich Südgeorgiens wurden 1775 von Cooks Kommandanten Charles Clerke entdeckt.

Seit November 1909 lebt ein Magistrat ununterbrochen (bis auf 22 Tage im Jahr 1982) in Südgeorgien, der die britische Regierung vertritt. Am 18. März 1909 erkannte Argentinien formell und ohne Einwände die britische Herrschaft über die Insel an.

mini|Das Gebiet um die Cumberland Bay im zentralen Südgeorgien: Cumberland East Bay, Moraine-Fjord und Cumberland West Bay; Thatcher-Halbinsel mit dem King Edward Point und Grytviken; Allardyce Range mit dem Mount Paget (NASA-Bild)

Robbenjagd und Walfang Während des späten 18. und des gesamten 19. Jahrhunderts wurde Südgeorgien von englischen und US-amerikanischen Robbenjägern bewohnt, die von Berichten James Cooks angezogen wurden. Diese lebten dort jeweils für einige Zeit und überwinterten auch manchmal. Die ersten Robben der Insel wurden 1786 vom englischen Robbenjagdschiff Lord Hawkesbury erlegt, während der erste kommerzielle Besuch auf den Südsandwichinseln 1816 durch ein weiteres englisches Schiff, die Ann, stattfand.

Die Robbenjäger verfolgten ihr Geschäft auf unhaltbare Art und Weise, die Robbenpopulation wurde in kurzer Zeit beinahe ausgerottet. Als direkte Folge hatten die Robbenjagdaktivitäten um Südgeorgien drei deutliche Höhepunkte: 1786 bis 1802, 1814 bis 1823 und 1869 bis 1913. Die Anteile an erlegten See-Elefanten stiegen nach und nach, da die Trangewinnung an Wichtigkeit gewann. Ab dem Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Bestände dann effektiver reguliert.

Im 19. Jahrhundert wurde die effektive, anhaltende und unangefochtene britische Herrschaft auf Südgeorgien durch das Britische Patent von 1843 gesichert, das 1876, 1892, 1908 und 1917 revidiert wurde. Außerdem erschien die Insel ab 1887 im Jahrbuch des Kolonialbüros. Ab 1881 regulierte das Vereinigte Königreich die ökonomischen Aktivitäten durch Verwaltungsgesetze wie die Robbenjagderlasse von 1881 und 1899. Südgeorgien wurde dabei von den Falklandinseln aus regiert, ohne aber politisch oder finanziell ein Teil jener zu sein. Diese Arrangements blieben bis 1985 bestehen, als Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln ein eigenes Britisches Überseegebiet wurden.

Forschungsstation 1882–1883 mini|Weihnachten 1882 in der Station der Deutschen Polar-Kommission in Süd-Georgien: Schrader, Vogel, von den Steinen, Mechaniker Zschau, Ingenieur Mosthaff, Will, ClaussIm Zuge des ersten Internationalen Polarjahrs vom 1. August 1882 bis 31. August 1883 wurde auf Südgeorgien im Moltke-Hafen in der Royal Bay eine Forschungsstation errichtet. Ziel dieser Internationalen Polarjahr-Expedition auf Südgeorgien war die Ermittlung von Klima- und geophysikalischen Daten durch gleichzeitige meteorologische, magnetische und Bodenmessungen. Zusätzliches Ziel der Forschungsreise war die Beobachtung des sehr seltenen Venustransits vor der Sonne am 6. Dezember 1882.Tuatara: Volume 18, Issue 2, July 1970 - Botany of the Southern Zone - Exploration, 1847–1891 by E. J. Godley - Seite 79 - The International Polar Investigation 1882-83 . Die Expedition unter Leitung von Carl Schrader sowie den Mitgliedern Karl von den Steinen (Arzt und Ethnologe), Peter Vogel (Mathematiker), Otto Clauss (Astronom und Physiker; 1858–1891), Hermann Will (Botaniker und geologischer Sammler) und Eugen Mosthaff (Ingenieur und Maler) bestand zudem jeweils aus einem Mechaniker, Koch, Tischler, Segelmacher und Bootsmann. Die Mitglieder erreichten am 12. August 1882 auf der Moltke unter Kapitän Pirner zum ersten Mal SüdgeorgienE. J. Godley: Botany of the Southern Zone - Exploration, 1847-1891, S. 82 f.. Nach acht Tagen mit schlechten Wetterbedingungen erreichten sie einen geeigneten weitläufigen Hafen in der Royal Bay an der Nordostküste der Insel. Angekommen errichteten sie mit Hilfe von 100 Seeleuten die Materiallager und brachten 40 Tonnen Kohle an Land. Zudem errichteten sie Holzhütten, das Observatorium zur Beobachtung des Venustransits, Schuppen für die Geräte und einen Stall für drei Rinder, siebzehn Schafe und neun Ziegen. Am 3. September waren die Vorbereitungen abgeschlossen. Im Anschluss verließ Kapitän Pirner mit der Moltke die Insel. Während des folgenden Jahres erfolgten geregelte meteorologische Beobachtungen, Messungen des Magnetismus und astronomische Beobachtungen. Das Ufer der Royal Bay und die äußere Küste zum Norden wurden erforscht. Zudem erfolgten kleinere Bergbesteigungen und Besichtigungen zweier großer Gletscher, die in die Royal Bay münden. Am 1. September 1883 lief die Korvette Marie unter Kapitän Krokisius in den Hafen in der Royal Bay ein. Am 6. September 1883 verließ die Expedition auf der Marie die Insel in Richtung Montevideo.Durch Central-Brasilien (1886) - Karl von den Steinen - Vorwort

20. Jahrhundert mini|hochkant|links|Carl Anton Larsen Im frühen 20. Jahrhundert erlebte Südgeorgien einen ungeahnten Anstieg an ökonomischen Aktivitäten und Besiedlung. Einer Anzeige der Regierung der Falklandinseln folgend wurde die Insel 1900 an eine Gesellschaft aus Punta Arenas vermietet. Ein darauf folgender Interessenkonflikt mit der Compañía Argentina de Pesca, die seit Dezember 1904 von Grytviken aus auf Walfang ging, wurde von den britischen Behörden gelöst, die der Gesellschaft auf Anfrage die Walfangrechte überschrieben.

Südgeorgien wurde zum weltgrößten Walfangzentrum – es gab Küstenbasen in Grytviken (betrieben von 1904 bis 1964), Leith Harbour (1909 bis 1965), Ocean Harbour (1909 bis 1920), Husvik (1910 bis 1960), Stromness (1913 bis 1961) und Prince Olav Harbour (1917 bis 1931).Whaling Stations on South Georgia Island, auf der Website der Fundación Histarmar (englisch), abgerufen am 12. Juli 2016. Unter den beteiligten Gesellschaften waren die Compañía Argentina de Pesca, die Christian Salvesen & Co. (UK), die Albion Star (South Georgia) Ltd. (Falklandinseln), die norwegischen Walfanggesellschaften Hvalfangerselskap Ocean, Tønsberg Hvalfangeri und Sandefjord Hvalfangerselskap und die Southern Whaling and Sealing Company aus Südafrika. In den letzten Saisons des Walfangs um Südgeorgien wurden Grytviken und Leith Harbour von den japanischen Gesellschaften Kokusai Gyogyo Kabushike Kaisha und Nippon Suisan Kaisha gemietet (1963/64 bzw. 1963–65). In Südgeorgien wurden von 1904 bis 1965 175.250 Wale gejagt. Der Walfang sorgte auch für eine Kontamination gewisser Gebiete durch Schweröl, die heute dekontaminiert werden.

mini|hochkant|Norwegische Kirche in Grytviken (gebaut 1913)