mini|Die Westsahara ist heute geteilt; der Westen steht unter der Kontrolle Marokkos (grün) und der Osten und Süden unter der Kontrolle der Polisario (gelb). mini|Karte der Westsahara mini|Status quo – geteilte Westsahara: Marokko kontrolliert den Westen und die Polisario die Gebiete im Osten und Süden (gelb); entlang der Waffenstillstandslinie (1991) hat Marokko eine ca. 2500 km lange Grenzbefestigung errichtet mini|Ehemaliges Spanisch-Sahara mini|Teilung der Westsahara zwischen Marokko (rot) und Mauretanien (grün) von 1976 bis 1979

Der Westsaharakonflikt ist ein Konflikt zwischen Marokko und der Frente Polisario um das Territorium Westsahara. Marokko beansprucht die Westsahara als Teil seines Staatsgebietes, während die Polisario die Unabhängigkeit des gesamten Territoriums anstrebt. Sie hat 1976 die Demokratische Arabische Republik Sahara ausgerufen, die von etwa 80 Staaten anerkannt wurde, von denen etwa 30 die Anerkennung wieder zurückgezogen oder bis zu einer Konfliktlösung suspendiert haben. Die Westsahara ist in einen größeren westlichen Bereich unter der Kontrolle von Marokko sowie einen östlichen und südlichen, auch freie Zone genannt, unter der Kontrolle der Frente Polisario geteilt.

Vorgeschichte Spanien hatte den Rifkrieg 1893 und den Rifkrieg 1909 geführt und nach dem Vertrag von Fès vom 30. März 1912 und dem französisch-spanischen Vertrag vom 27. November 1912 das Protektorat Spanisch-Marokko errichtet. 1921 begann es einen Krieg mit dem Ziel, seine Herrschaft auf das gesamte ihm zugesprochene Kolonialgebiet in Nordmarokko auszudehnen. 1926 gelang es Spanien schließlich, ausgehend von seinen alten Stützpunkten an der Küste (Plaza de soberanía), das gesamte Protektoratsgebiet zu erobern, unter anderem mit Chemiewaffeneinsätzen, bei denen über 10.000 Senfgasbehälter abgeworfen wurden, was Auswirkungen bis heute hat. Die einheimische Bevölkerung widersetzte sich der Kolonialisierung bis in die 1930er Jahre hinein. Nach der Unabhängigkeit Marokkos von Frankreich im Jahr 1956 verstärkte sich in der Westsahara der Widerstand gegen die spanische Fremdherrschaft.

Nachdem 1960 große Teile Afrikas binnen weniger Monate unabhängig geworden waren („Afrikanisches Jahr“), brachten Marokko und Mauretanien die Westsahara-Frage 1963 vor den Entkolonialisierungsausschuss der Vereinten Nationen. 1965 forderte die UN-Vollversammlung der Vereinten Nationen Spanien in einer ersten Resolution zum Westsaharakonflikt auf, das Gebiet zu entkolonialisieren und der Bevölkerung das Recht auf Selbstbestimmung zu gewähren. Das Interesse Marokkos an der Westsahara wird historisch mit einer gegen die Kolonialmächte gerichteten Befreiungsideologie erklärt, deren Ziel in der Mitte des 20. Jahrhunderts die Schaffung eines Groß-Marokko war, das ganz Mauretanien und den Westen Algeriens umfassen sollte. Nach der Unabhängigkeit wurden die umfassenden Ansprüche fallengelassen, um zumindest die Westsahara zu halten. Dieser Wüstenstreifen war wirtschaftlich und militärisch kaum von Bedeutung, bis in den 1960er Jahren eine spanische Gesellschaft mit dem Abbau der großen Phosphatvorkommen von Bou Craa begann, die wenige Jahre zuvor durch Zufall entdeckt worden waren.

1967 erklärte sich Spanien dazu bereit, ein Referendum über den Status der Westsahara durchzuführen. Marokko und Mauretanien befürworteten das Vorhaben. Als Spanien die Durchführung des Referendums in der Folge jedoch immer weiter hinauszögerte, gründete im Mai 1973 eine Gruppe ehemaliger Studenten um al-Wali Mustafa Sayyid die Befreiungsbewegung Frente Polisario, die einen bewaffneten Kampf gegen die spanische Herrschaft begann. Ihre erste bekannte militärische Aktion war ein Angriff auf einen Straßenkontrollpunkt in El-Khanga am 20. Mai 1973. In den folgenden Monaten konzentrierten sich die Angriffe auf die Phosphatmine in Bou Craa und das rund 100 Kilometer lange Förderbandsystem für den Transport des Rohstoffs zum Hafen El Aaiún. Spanien reagierte im März 1974 mit der Operation Barrido, bei der die Polisario unter anderem durch den massiven Einsatz von Hubschraubern zerschlagen werden sollte.

Rückzug Spaniens Seit 1974 forderte der marokkanische König Hassan II. den Anschluss der Westsahara an Marokko ohne die Durchführung eines Referendums. Ende 1974 kündigte Spanien an, im folgenden Jahr die Bevölkerung in einem Referendum über die Zukunft der Westsahara entscheiden zu lassen. Mauretanien und Marokko erwirkten noch im selben Jahr die Resolution 3292 der UN-Vollversammlung: Spanien wurde darin aufgefordert, das Referendum nicht durchzuführen; stattdessen sollte der Internationale Gerichtshof ein Gutachten zur Klärung der Zugehörigkeit des westsaharischen Gebietes erstellen. Nachdem Marokko und Mauretanien vom politischen Ziel einer Unabhängigkeit der Westsahara hin zu einer Annexion abgeschwenkt waren, zog sich Algerien aus der bis dahin bestehenden gemeinsamen Initiative zurück und begann im Sommer 1975 mit der Unterstützung der Polisario. Dies umfasste auch die Vermittlung eines Waffenstillstands und von Geheimverhandlungen zwischen Spanien und der Polisario in Algier. Dabei bot die Polisario den Spaniern die 20-jährige Nutzung der Phosphatmine sowie Fischereirechte an. Im Gegenzug sollte Spanien die Befreiungsbewegung öffentlich anerkennen. Gegenüber Mauretanien bot die Polisario die Schaffung einer Föderation beider Staaten unter der Führung des mauretanischen Präsidenten im Gegenzug zu militärischer Unterstützung gegen Marokko an. Jedoch scheiterten diese Verhandlungen und beide Staaten lehnten sich eher an die marokkanischen Forderungen an.

Der Internationale Gerichtshof musste derweil zwischen den historischen Bindungen der Westsahara an Marokko und Mauretanien auf der einen Seite und dem Recht des saharauischen Volkes auf Selbstbestimmung abwägen. Das endgültige Gutachten, das am 16. Oktober 1975 veröffentlicht wurde, stellte fest, dass das Selbstbestimmungsrecht einen höheren Wert habe.. Internationaler Gerichtshof. Abgerufen am 31. Dezember 2015. Zitat:„… the Court has not found legal ties of such nature as might affect the application of General Assembly resolution 1514 (XV) in the decolonization of Western Sahara and, in particular, of the principle of self-determination through the free and genuine expression of the will of the peoples of the Territory.“ Daher sollte die Bevölkerung der Westsahara in einem Referendum über ihre Zukunft entscheiden.

Noch am gleichen Tag kündigte Hassan II. einen Marsch marokkanischer Zivilisten in die Westsahara an, um die historischen Bindungen zwischen Marokko und der Westsahara zu unterstreichen. Nachdem marokkanisches Militär im Vorfeld in der nördlichen Westsahara eingedrungen war, um ein Eingreifen Algeriens zu verhindern und um Polisario-Kräfte zu binden, fand der Grüne Marsch vom 6. bis 10. November statt. Marokko hatte 350.000 Teilnehmer organisiert, die an mehreren Stellen die marokkanisch-westsaharische Grenze überschritten und einige Kilometer tief in westsaharisches Gebiet vorstießen. Ein Vorstoß auf die Hauptstadt Al-Aiun fand jedoch wegen der spanischen Militärpräsenz nicht statt. Am Grünen Marsch nahm auch der deutsche Journalist Mourad Kusserow teil, der für die Deutsche Welle arbeitete. Er berichtete darüber in einer durchweg pro-marokkanischen Sicht in seinem Buch Schicksal Agadir.Mourad Kusserow: Schicksal Agadir – Maghrebinische Abenteuer, Verlag Donata Kinzelbach, Mainz 2012, ISBN 978-3-942490-07-8

Am 14. November 1975 wurde in Madrid ein Abkommen geschlossen, das den Abzug der Spanier festschrieb und die Westsahara zwischen Marokko und Mauretanien aufteilte. Am folgenden Tag verkündete die Polisario, dass sie dieses Abkommen als nichtig betrachte. Am 25. November erklärte Hassan II. die Westsahara-Frage für endgültig gelöst und ernannte Ahmed Bensouda zum Gouverneur der marokkanischen Zone. Von Oktober 1975 an schlossen sich die ursprünglich von den Spaniern als Gegengewicht zur Polisario initiierte sahaurische Partei PUNS sowie die einheimischen Polizei- und Militärtruppen weitgehend der Polisario an. Einige Verbände formierten sich zur Saharischen Volksbefreiungsarmee (Ejército de Liberación Popular Saharaui: ELPS), die zunächst unabhängig von der Polisario agierte, später jedoch in ihr aufging. Dennoch wurde die Kampfkraft der einheimischen Kämpfer international als gering eingeschätzt. Beobachter erwarteten einen schnellen Zusammenbruch in der Konfrontation mit der besser bewaffneten und in der Aufstandsbekämpfung erfahrenen marokkanischen Armee. Als Ergebnis von Verhandlungen zwischen Marokko, Mauretanien und Spanien beschloss das spanische Parlament, die Kolonialherrschaft über die Westsahara zum 26. Februar 1976 aufzugeben. Die Zivilverwaltung sollte bis dahin aufgelöst, das Militär schrittweise zurückgezogen und dessen Positionen an marokkanische und mauretanische Einheiten übergeben werden.

Annexion mini|Aktionen im Rahmen des Grünen Marsches im Oktober/November 1975 Im Anschluss an den Grünen Marsch begann die militärische Besetzung der Westsahara. Die Marokkaner gingen dabei zunächst entlang der Küste vor. Innerhalb weniger Tage besetzten sie die größte Stadt El Aaiún und die Minen von Bou Craa. Am 28. November erreichten die Marokkaner die zweitgrößte Stadt Smara. Anfang Dezember 1975 befanden sich rund 25.000 Soldaten und damit rund ein Drittel der marokkanischen Armee in der Westsahara. Die mauretanische Streitmacht war wesentlich kleiner, da die gesamte Armee des Landes aus rund 3000 Soldaten und 2000 Mann Militärpolizei bestand. Beide Staaten konnten auf französische Militärberater und Ausrüstung zurückgreifen. US-Diplomaten zufolge wurden die größeren Städte der Region im Rahmen der Besetzung nahezu vollständig von ihrer Bevölkerung verlassen. Bis Ende 1975 wurden rund 70.000 Flüchtlinge gezählt. Ende Februar befanden sich rund 100.000 Frauen, Kinder und Alte in Flüchtlingslagern in Algerien.

Am 12. Januar 1976 verließen die letzten spanischen Soldaten das Territorium. Rund 150 spanische Beamte blieben länger im Land, um die Übergabe der Verwaltung an die Besatzer zu organisieren. In mehreren Fällen überließen spanische Truppen ihre Waffen und vereinzelt auch Befestigungsanlagen der saharauischen Widerstandsbewegung. Zu diesem Zeitpunkt waren zudem Waffenlieferungen und militärische Beratung durch Algerien angelaufen. Während der Annexion beschränkten sich die Saharauis weitgehend auf die Abschirmung von Flüchtlingsgruppen gegen die einmarschierenden Truppen. Mehrtägige Kämpfe entbrannten lediglich um den Jahreswechsel herum an der südlichen Küste der Westsahara um die Siedlungen La Guerra und El Argoub, die von der Polisario gegen die Mauretanier verteidigt wurden. El Argoub fiel am 11. Januar.

Zu einer ersten offensiven Operation der Guerilla kam es am 29. Dezember 1975 mit einem Überfall auf die mauretanische Stadt Zouérat, insbesondere auf die dortigen Minenanlagen. Am 21. Januar 1976 eroberten die Saharauis die mauretanische Grenzfestung Ain Ben Tili. Im Rahmen der vorangegangenen Belagerung hatten die Angreifer ein marokkanisches Kampfflugzeug vom Typ Northrop F-5 abgeschossen, das die Mauretanier unterstützen sollte. Eine darauf folgende Offensive der Saharauis gegen die Siedlungen Bir Moghrein und Inal wurde von mauretanischen Truppen zurückgeschlagen.

Im Norden Mauretaniens sowie in angrenzenden westsaharischen Gebieten operierten zudem algerische Truppen. Diese fingen Flüchtlinge auf und leiteten sie nach Algerien weiter, versorgten aber auch die saharauischen Kämpfer mit Proviant und Sanitätsmaterial. Vom 27. Januar an kam es in diesem Zusammenhang nahe Amgala zu einem mehrtägigen Gefecht zwischen marokkanischen und algerischen Truppen, das mit dem Rückzug der geschlagenen Algerier endete. Von da an verstärkte Algerien seine Unterstützung der saharauischen Guerilleros, zog aber seine eigenen Truppen zurück. Bei einem Gefecht vom 13. bis 15. Februar brachte die Polisario den Marokkanern nahe Amgala eine Niederlage bei.