Jojoba (Simmondsia chinensis), genauer der Jojobastrauch, ist die einzige Art der monotypischen Pflanzengattung Simmondsia, der Familie der Simmondsiaceae, aus der Ordnung der Nelkenartigen (Caryophyllales). Das Hartlaubgewächs (Sklerophyllie)Jean-Luc E. Cartron, Gerardo Ceballos u. a.: Biodiversity, Ecosystems, and Conservation in Northern Mexico. Oxford University Press, 2005, ISBN 0-19-515672-2, S. 373. wird als Nutzpflanze verwendet.

Namensherkunft und botanische Geschichte Der Trivialname Jojoba stammt aus der Sprache des Tohono O’Odham-Stamms, wo er „ho-ho-wi“ ausgesprochen wird und dann von den Spaniern „ho-ho-ba“ genannt wurde.Howard Scott Gentry: A Desert Boxwood Still in the Desert. In: The Boxwood Bulletin. Volume 5, Nr. 2, 1965, S. 32–36. online (PDF; 27 MB), bei The American Boxwood Society, abgerufen am 24. April 2017.

Erste Erwähnungen der Jojoba-Samen stammen von spanischen Missionaren, 1716 von dem Jesuiten Luis Xavier VelardeR. K. Wyllys: Padre Luis Velarde’s Relaciόn of Pimería Alta 1716. In: New Mexico Historical Review. Volume 6, Number 2, 1931, S. 111–157. und 1769 in den Tagebüchern des Franziskaners Junípero Serra.Emory Dean Keoke, Kay Marie Porterfield: Encyclopedia of American Indian Contributions to the World. Checkmark Books, 2003, ISBN 0-8160-4052-4, S. 148. Der Strauch sowie der Name „Jojoba“ wurde von dem Jesuiten Francisco Javier Clavijero später in dem Buch Storia Della California postum, Venedig 1789, erwähnt und dadurch bekannt.Wade C. Sherbrooke, Edward F. Haase: Jojoba: A Wax-Producing Shrub of the Sonoran Desert; Literature Review and Annotated Bibliography. Office of Arid Lands Studies, University of Arizona, Tucson, (AZ) 1974, online (PDF; 2,87 MB), auf hdl.handle.net, abgerufen am 24. April 2017. Im Original, S. 54 f, .

Es existieren auch viele weitere Trivialnamen Wilde Haselnuss, Schweins-, Hirsch-, Schaf-, Ziegennuss, Kaffeebeere(nuss), Zitronenblatt.

Das Jojoba-Öl wurde erstmals von Léon Diguet 1895 analysiert.Léon Diguet: Le Jojoba. In: Revue des sciences naturelles appliquées. 42, 1895, S. 685–687. online bei Gallica – BnF, abgerufen am 24. April 2017. 1933 wurde erst die spezielle Konsistenz des Jojoba-Öls erkannt, dass es ein Wachs ist und zudem eine verblüffende Ähnlichkeit mit Walratöl aufweist.R. A. Greene, E. O. Foster: The liquid wax of seeds of Simmondsia californica. In: Bot. Gazette. Volume 94, 1933, S. 826–828, .

Beschreibung mini|hochkant|links|Illustration aus Bulletin of the California Academy of Sciences (1884–1886) mini|Blühende männliche Pflanze mit aufrechten, ledrigen Laubblättern mini|Blühende weibliche Pflanze mini|Weibliche Blüte mit zwei Tragblättern

Vegetative Merkmale Jojoba wächst als immergrüner, reich verzweigter, monopodialer Strauch, dessen Wuchshöhen von 0,5 bis 4 Meter variieren, üblich sind 2 bis 2,5 Meter. In natürlicher Umgebung können die Sträucher bis 200 Jahre alt werden. Er besitzt Pfahlwurzeln, welche bis 10 Meter tief in den Boden eindringen können. Anomales Sekundäres Dickenwachstum erfolgt durch ein konzentrisches Kambium. Das hellbraune Holz ist hart. Die leicht raue Rinde ist anfänglich blassgrün, später dunkler, hellbraun bis grau, mit Flecken, StreifenPaul H. Thomson: Jojoba Handbook. 3. Auflage, Bonsall Publications, 1982, ISBN 0-9602066-1-2, S. 71. und Fissuren.

Die gegenständig angeordneten, aufrecht stehenden Laubblätter sind in kurzen Blattstiel und eine Blattspreite gegliedert. Die äquifaziale, xerophytische, ledrige, dicke, steife, behaarte (mit dem Alter kahle), blassgrüne, einfache Blattspreite ist bei einer Länge von 2 bis 6 Zentimetern sowie einer Breite von 1 bis 2 Zentimetern elliptisch bis lanzettlich mit symmetrisch spitzem oder gerundetem oberen Ende und ganzrandig mit einer dicken Cuticula. Die Blattadern sind fiedernervig. Anomocytische (d. h.: die Schließzellen sind ohne definierte Nebenzellen), eingesunkene Stomata befinden sich in etwa gleicher Zahl auf beiden Blattseiten, Nebenblätter fehlen. Das Blattgewebe enthält phenolische Stoffe. Die Laubblätter sind mit einer Wachsschicht überzogen, welche vor Transpiration schützt.Paul-Gerhard Gülz: Chemische Zusammensetzung und Oberflächenstruktur der epikutikularen Wachse bei verschiedenen Organen von Jojoba. In: Berichte der Deutschen Botanischen Gesellschaft. Volume 99, Issue 1, 1986, S. 89–97, doi:10.1111/j.1438-8677.1986.tb02949.x. Die Laubblätter haben eine ein- bis dreijährige Lebensdauer, abhängig von den Feuchtigkeitsbedingungen.

Blütenstände und Blüten mini|Männlicher Blütenstand mini|Kapselfrüchte am Zweig eines weiblichen Strauches Simmondsia chinensis ist eine zweihäusig getrenntgeschlechtige (diözisch) Pflanze. Es gibt aber auch Exemplare mit zwittrigen Blüten.Jules Janick, Robert E. Paull: The Encyclopedia of Fruit and Nuts. CABI International, 2008, ISBN 978-0-85199-638-7, S. 849–853. Das Geschlecht von Jojoba-Pflanzen kann nicht mit morphologischen Zeichen bestimmt werden, bis die Pflanzen die Reproduktionsreife bei drei oder mehr Jahren erreichen.A. G. Ince, M. Karaca: Early determination of sex in jojoba plant by CAPS assay. In: The Journal of Agricultural Science. Volume 149, Issue 3, 2011, S. 327–336, doi:10.1017/S0021859610000948. Die Blüten sind achselständig, die Blütenstiele sind fein behaart.

Die männlichen Blüten stehen zu mehreren (7 bis 36) in einem traubigen Blütenstand zusammen und die weiblichen Blüten stehen meist einzeln, selten auch zu zweit, können aber vereinzelt auch in kleinen Gruppen erscheinen. Die weiblichen Blüten stehen über ein bis vier Tragblättern, welche sich während der Ontogenie verkleinern.

Die kleinen, eingeschlechtigen, radiärsymmetrischen Blüten sind meist fünfzählig (selten vier- oder sechszählig). Es sind keine Kronblätter vorhanden. Die männlichen Blüten sind gelb und 3 bis 4 Millimeter groß. Sie besitzen vier bis sechs grüne, fein behaarte Kelchblätter. Die männlichen Blüten enthalten zwei Kreise mit meist fünf (selten vier oder sechs) freien, fertilen Staubblättern mit kurzen Staubfäden. Die weiblichen Blüten sind mit einer Größe von 8 bis 14 Millimetern zwar klein, aber größer als die männlichen, und hellgrün. Sie besitzen vier bis sechs behaarte Kelchblätter. Die Kelchblätter der weiblichen Blüten sind haltbar und vergrößern sich bis zur Fruchtreife auf 10 bis 20 Millimeter. Drei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen, anfänglich dreifächerigen Fruchtknoten verwachsen. Jedes Fruchtknotenfach enthält eine hängende, anatrope, bitegmische Samenanlage, später sterben zwei ab und es ist nur noch ein Fach vorhanden. Drei freie Griffel sind vorhanden, die in papillösen Narben enden.

mini|Illustration eines Jojoba-Samens Früchte und Samen Es werden eiförmige, dreifächerige, meist einsamige, 2 bis 4 Zentimeter große, mit ca. 1,5 Zentimeter Durchmesser, ledrige, glatte, grüne, eichelähnliche Kapselfrüchte (Streufrucht) gebildet. Sie werden bis zur Reife orangebraun und runzlig. Die Kapselfrüchte sind 3 bis 6 Monate nach der Befruchtung reif und öffnen sich an den ventralen Nähten lokulizid (fachspaltig), um die 1,2 bis 1,5 Zentimeter langen und 0,7 bis 1,0 Zentimeter dicken „nussähnlichen“ Samen zu entlassen. Die nussbraunen, runzligen, erdnussähnlichen Samen haben eine dünne, sehr harte und feste Schale. Sie sind wie die Blätter mit einer Wachsschicht überzogen. Das Endosperm ist kaum oder nicht vorhanden. Der große, gerade Embryo ist gut entwickelt, er enthält in den zwei SpeicherkotyledonenCarl Hoeppe: Simmondsia chinensis – eine Pflanze mit Zukunft. In: Der Tropenlandwirt. 76, Nr. 2, 1975, S. 36–41, online (PDF; 3,48 MB), bei Journal of Agriculture and Rural Development in the Tropics and Subtropics, abgerufen am 22. April 2017. (Simmondsia chinensis ist zweikeimblättrig), ca. 50 % Wachs, welches in der Keimung verwertet wird, es kann durch Pressen gewonnen werden.Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Pharmakognosie. 5. Auflage. Springer, 1992, ISBN 3-662-09268-9, S. 63. Der Presskuchen enthält ca. 30 % Protein.Meganne O. Wisemanz, Ralph L. Price: Characterization of Protein Concentrates of Jojoba (Simondsia chinensis) Meal. In. Cereal Chem. 64(2), 1986, S. 91–93, online (PDF; 532 kB), bei AACC International, abgerufen am 22. April 2017. Die Früchte können wie Oliven geerntet werden. Die Tausendkornmasse beträgt 400–800 Gramm.Babasaheb B. Desai: Seeds Handbook. Marcel Dekker, 2004, ISBN 0-8247-4800-X, S. 228.

Inhaltsstoffe mini|hochkant|Jojoba-Öl

Simmondsia chinensis enthält (kondensierte) Tannine. Es werden Calciumoxalat-Kristalle akkumuliert.Mohamed L. Ashour, Nahla A. Ayoub u. a.: Simmondsia chinensis (Jojoba): A Comprehensive Pharmacognostic Study. In: Journal of Pharmacognosy and Phytochemistry. Volume 2, Issue 2, 2013, online (PDF; 6,19 MB), auf phytojournal.com, abgerufen am 24. April 2017. Der Embryo beziehungsweise die Keimblätter im Samen enthalten cyanogene Glycoside und flüssige Wachse aus Estern mit hoher molarer Masse zwischen 38 und 44 C-Atomen, es sind Mono-Carbonsäureester aus langkettigen, überwiegend einfach ungesättigten Fettsäuren und Alkoholen, als Speicherstoffe. (PDF; 1,56 MB). bei Bio SHEA, abgerufen am 1. Mai 2017. Weiter sind Tocopherole, Sterole, Phospholipide, Vitamin A, Squalen enthalten.

Das klare, gelbe bis braune, Jojoba-Öl (Wachs) mit dezentem Geruch, wird nicht ranzig, weil es keine Triglyceride (Fette) enthält und es ist bis zu 25 Jahre haltbar.Sabine Krist: Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle. 2. Auflage. Springer, 2013, ISBN 978-3-7091-1004-1, S. 304. Der Schmelzpunkt liegt bei ca. 7 °C, daher ist es das einzige flüssige natürliche Wachs. Es ist zudem hoch druck- und temperaturbeständig. Das flüssige Wachs kann auch hydriert werden und ergibt dann ein hartes, weißes, kristallines Wachs, ähnlich dem Carnaubawachs.Nasir El Bassam: Handbook of Bioenergy Crops. Earthscan, 2010, ISBN 978-1-84407-854-7, S. 218, . Eine Isomerisierung des Öls ist ebenfalls möglich, hier erhält man eine dicke, opake Creme. Weiter kann es für verschiedene Anwendungen sulfoniert, oxidiert und chloriert werden.

Chromosomenzahl Der haploide Chromosomensatz besteht aus 13 Chromosomen. In den somatischen Zellen der Pflanze liegt Tetraploidie vor, die Chromosomenzahl beträgt also 4 × 13 = 52.

Analytik Zur zuverlässigen qualitativen und quantitativen Bestimmung der Inhaltsstoffe kann die Kopplung der Hochtemperatur-Gaschromatographie mit der Massenspektrometrie herangezogen werden.A. Tada, K. Ishizuki, T. Yamazaki u. a.: Method for the determination of natural ester-type gum bases used as food additives via direct analysis of their constituent wax esters using high-temperature GC/MS. In: Food Sci Nutr. 2(4), 2014, S. 417–425, PMID 25473499. Ergänzend kann auch die Dünnschichtchromatographie zur Charakterisierung der Bestandteile eingesetzt werden.A. Tada, A. Masuda, N. Sugimoto u. a.: Analysis of constituents of ester-type gum bases used as natural food additives. In: Shokuhin Eiseigaku Zasshi. 48(6), 2007, S. 179–185, (japanisch) PMID 18203503.

Ökologie Die Bestäubung erfolgt über den Wind (Anemophilie).

Systematik Die Erstbeschreibung dieser Art erfolgte 1822 unter dem Namen Buxus chinensis durch Johann Heinrich Friedrich Link in Enumeratio Plantarum: Horti regii botanici berolinensis altera 2, S. 386. Sein botanisches Artepitheton chinensis geht auf einen Irrtum zurück, da ein Botaniker bei der Erstbestimmung die Samen irrtümlich mit Proben anderer Pflanzenarten aus dem Kaiserreich China durcheinanderbrachte. Der Jojoba-Strauch ist in China nicht heimisch.Frederic Rosengarten, S. 295.