Die Heinkel He 72 Kadett war ein deutsches Schul- und Reiseflugzeug der Ernst Heinkel Flugzeugwerke.

Geschichte Die He 72 wurde 1933 durch Paul John Hall als Doppeldecker in Holzbauweise entworfen. Dieser Entwurf ging auf ein Projekt Halls zurück, das er unter der Bezeichnung P1020 für die Bayerischen Flugzeugwerke bis zu deren Konkurs entwickelte. Die Maschine war für den Kunstflug und als Reiseflugzeug verwendbar. Die Musterflugzeuge He 72 A und He 72 B wurden mit einem Argus-As-8-R-Reihenmotor bzw. einem Siemens-Sh-14-Sternmotor ausgestattet. Serienmaschinen erhielten als Motorisierung den Siemens Sh 14. Im Rahmen der Entwicklung der He 172 wurden einige der He 72 mit Townend-Ring-Motorverkleidungen und Radverkleidungen ausgerüstet. Diese bekamen die Bezeichnung „Sonderkadetten“.Volker Koos: Ernst Heinkel Flugzeugwerke 1933–1945, S. 43, S. Heel Verlag, Königswinter, 2003

Verwendung Im Sommer 1934 kam es zu Verhandlungen mit der Schweizer Luftwaffe, um einen Lizenzbau zu vereinbaren. Der Vertrag kam jedoch nicht zustande. 1936 wurden sechs He 72 nach Bulgarien geliefert. Die deutsche Amazonas-Expedition von 1936/37 setzte eine der He 72 mit Schwimmern ein. Diese He 72 D (Werknr.604) mit dem Kennzeichen D-EFON, bewährte sich unter diesen schwierigen Bedingungen. Bei der Luftwaffe war die He 72 eines der meistgenutzten Anfängerschulflugzeuge. Im Mai 1940 waren 629 im Bestand der Luftwaffe, im Januar 1944 waren es noch 417 Exemplare.Volker Koos: Ernst Heinkel Flugzeugwerke 1933–1945, S. 42–43, S. Heel Verlag, Königswinter, 2003 1937 kam eine He 72 bei der Erprobung von Start-Hilfsraketen zum Einsatz, diese Start-Hilfsraketen waren mit einem von Hellmuth Walter entwickelten Antrieb ausgestattet.H.Beauvais/K.Kössler/M.Mayer/C.Regel: Die deutschen Flugerprobungsstellen bis 1945. S. 218 Bernard & Graefe Verlag, Bonn 1998 Die Versuche verliefen erfolgreich.

Produktionszahlen Die Serienproduktion der He 72 begann bereits im März 1934 und endete im September 1937. Im Dezember 1934 erfolgte der Übergang der Produktion von Heinkel auf Fieseler.

+Produktionszahlen der He 72Unterlagen aus dem Bundesarchiv/Militärarchiv Freiburg, Bestand RL 3. Das Buch Nagel, Rolf/Bauer, Thorsten: Kassel und die Luftfahrtindustrie seit 1923, Melsungen 2015, S. 232, nennt für die einzelnen Jahre für Fieseler geringfügig abweichende Produktionszahlen (1934: 0, 1935: 137, 1936: 252, 1937: 106), kommt in der Gesamtzahl aber auch auf 495 Flugzeuge Jahr Heinkel Fieseler Summe 193322 19342713274 1935116116 1936262262 1937114114 Summe 273 495 768

Konstruktion Die Rumpfstruktur besteht aus einem Stahlrohrgerüst mit Stoffbespannung. Die Tragwerk-Konstruktion wurde in Holzbauweise mit Stoffbespannung gefertigt. Höhen und Seitenleitwerk waren ebenfalls in Holzbauweise gefertigt. Für das Fahrgestell wurde ein Spornradfahrwerk genutzt. Als Motorisierung kam ein Vierzylinder-Reihenmotor Argus As 8 R mit 150 PS bzw. der Siemens-Sh-14-Sternmotor zum Einsatz.

Versionen mini|He 72 „Sonderkadett“ He 72 A: Musterflugzeug mit Vierzylinder-Reihenmotor Argus As 8 R mit 150 PS, 1933 He 72 B: Musterflugzeug mit Siebenzylinder-Sternmotor Siemens & Halske Sh 14 A mit 160 PS, 1933 He 72 C: verbesserte Serienversion der He 72 A, 1934 He 72 D: verbesserte Serienversion der He 72 B, 1934 He 72 L: (B-Reihe) Serienausführung mit verkleidetem Fahrgestell, Sternmotor BMW-Bramo Sh 14 A mit 160 PS sowie einer Townend-Ring-Motorverkleidung („Sonderkadett“). Einsatz als Schulflugzeug in der Luftwaffe He 72 W: Seeausführung mit Schwimmern anstatt Fahrwerk.

Technische Daten Kenngröße Daten (He 72 B)EHF Datenblätter Nr. 547 und 548 vom 1. September 1933 Besatzung 2 Spannweite 9,00 m Länge 7,50 m Höhe in Fluglage 2,70 m Flügelfläche 20,70 m² Leermasse 524 kg Zuladung 296 kg Startmasse 820 kg Triebwerk 1 × Siemens Sh 14 A mit Brennstoff 110 l (90 kg) Höchstgeschwindigkeit 190 km/h in Bodennähe Reisegeschwindigkeit 160 km/h Landegeschwindigkeit 77 km/h Steigzeit auf 1000 m 3,7 min Dienstgipfelhöhe 5000 m Reichweite 820 kmHeinkel. Chronik und Typenblätter der Firma Heinkel-Flugzeugbau. 3. Auflage, Aviatic, Oberhaching 1996, ISBN 3-925505-08-3, S. 70.

Siehe auch Liste von Flugzeugtypen

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Militärisches Schulflugzeug He 072 Kategorie:Flugzeugtyp des Zweiten Weltkrieges (Deutsches Reich) Kategorie:Einmotoriges Flugzeug mit Kolbenmotor Kategorie:Luftfahrzeug der Wehrmacht Kategorie:Erstflug 1933