Die Atlanta-Klasse, teilweise auch als Atlanta-Oakland-Klasse bezeichnet,Al Adcock: US Light Cruisers in action (Warships No. 12). S. 27 war eine Klasse Leichter Kreuzer der United States Navy. Die elf, in drei Baulosen, zwischen 1941 und 1946 fertiggestellten Schiffe waren die kleinsten und am leichtesten bewaffneten gepanzerten Kreuzer der US-Marine aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges; sie standen bis 1956 im Dienst. Die bekanntesten Schiffe der Klasse waren die Juneau, vor allem wegen der tragischen Geschichte der fünf Sullivan-Brüder, die alle im Zuge deren Versenkung ums Leben kamen. Erwähnenswert ist auch die San Diego, die mit 18 Battle Stars das Schiff mit den meisten Einsätzen (dieser Schiffsklasse) im Pazifik war.

Geschichte mini|links|Die Flint, das dritte Schiff der zweiten Baugruppe, vor dem Stapellauf

Planung und Bau Die Planungen für die Atlanta-Klasse begannen nach der Londoner Flottenkonferenz von 1936, die Schiffe der Klasse waren als Ersatz für die technisch veralteten Leichten Kreuzer der Omaha-Klasse aus den frühen Zwanzigerjahren geplant, deren Bewaffnung nicht mehr den modernen Erfordernissen entsprach. Primäre Aufgabe der neuen Schiffe sollte die Sicherung der Flottenverbände vor feindlichen Luftangriffen sein, zudem sollten sie als Zerstörerführer den Kampf von Zerstörerverbänden gegen feindliche Verbände unterstützen. Der ursprüngliche Entwurf von 1938, der von dem New Yorker Ingenieurbüro Gibbs & Cox erstellt wurde, sah für die Schiffe eine Bewaffnung aus neun 6-Zoll-Geschützen als Primär- und sechs 5-Zoll-Geschützen als Sekundär- und Luftabwehrbewaffnung vor. Probleme mit der Radarfeuerleitung der 6-Zoll-Geschütze machten es notwendig, die Pläne abzuändern, sodass die ersten vier Schiffe der Klasse zwischen März und Mai 1940 mit 16 5-Zoll-Geschützen in acht Doppeltürmen auf Kiel gelegt wurden. Das erste Schiff der Klasse, die Atlanta, wurde Heiligabend 1941 in Dienst gestellt, die anderen drei folgten bis Ende Februar 1942. Beim zweiten Baulos der Klasse wurden die beiden seitlichen Geschütztürme entfernt. Sie hatten nur einen eingeschränkten Feuerbereich und waren auch insoweit überflüssig, als im achteren Bereich ohnehin nur ein einziges Feuerleitgerät für ursprünglich fünf Geschütztürme mit zehn Rohren vorhanden war. Die vier Schiffe der nach dem ersten Schiff, der Oakland, auch als Oakland-Klasse bezeichneten Gruppe wurden zwischen Juni 1943 und Februar 1945 in Dienst gestellt. Eine dritte Gruppe aus drei Schiffen, die zur Verringerung der Topplastigkeit eine niedrigere Anordnung der Geschütztürme hatten, wurde nach dem ersten Schiff, der Juneau, das nach der Versenkung der ersten Juneau ebenfalls diesen Namen erhielt, als Juneau-Klasse bezeichnet. Die Schiffe wurden erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zwischen Februar und November 1946 in Dienst gestellt. Die Baukosten betrugen pro Schiff etwa 23,2 Millionen US-Dollar.Terzibaschitsch: Kreuzer der U.S. Navy. Von der Omaha-Klasse bis zur Long Beach. S. 157.

Einsatz Bis etwa Anfang 1943 wurden die Schiffe der Klasse zumeist ihrer Rolle als Zerstörerführer entsprechend mit kleineren Zerstörerverbänden eingesetzt und operierten eigenständig gegen japanische Verbände. Mit der Verlagerung der amerikanischen Strategie hin zu großen Kampfverbänden um Flugzeugträger wurden die Schiffe dann zumeist als Luftabwehrschiffe eingesetzt, um die Träger vor japanischen Luft- und Kamikazeangriffen zu schützen. In dieser Rolle wurden sie auch nach dem Krieg weiter eingesetzt, 1949 erhielten die noch aktiven Schiffe die Kennung CLAA (Cruiser light, anti air), um diese Rolle zu verdeutlichen.

Verbleib und Schicksal Zwei Schiffe der Klasse gingen verloren, die Atlanta und die Juneau (CL-52) sanken nach schweren Torpedotreffern während der Seeschlacht von Guadalcanal am 13. November 1942. Die Reno nahm am 24. Oktober 1944 während der See- und Luftschlacht im Golf von Leyte an der erfolglosen Rettungsaktion für den schwer getroffenen Leichten Flugzeugträger Princeton teil, war aber zur Luftabwehrsicherung nicht mehr in unmittelbarer Nähe, als der Träger explodierte. Die Reno hatte allerdings die unerfreuliche Aufgabe, das Wrack des Trägers mit zwei Torpedos zu versenken, nachdem ein entsprechender Versuch eines Zerstörers gescheitert war. Wenige Tage später, am 3. November, wurde die Reno durch einen Torpedotreffer des japanischen U-Boots I-41 dann selbst schwer beschädigt und konnte nur mit großer Mühe nach Ulithi eingeschleppt werden, wo sie provisorisch wiederhergestellt wurde. Die endgültige Reparatur in Charleston dauerte bis zum Kriegsende.

Die beiden verbliebenen Schiffe des ersten Bauloses wurden im November 1946 außer Dienst gestellt, die vier Schiffe des zweiten Bauloses zwischen November 1946 und Juli 1949. Auch die drei Schiffe der Juneau-Unterklasse wurden trotz ihres geringen Alters zwischen Mai 1949 und Juli 1956 ausgemustert. Alle Schiffe blieben noch für einige Jahre in der Reserveflotte, bis 1973 wurden sie dann nach und nach verschrottet.

Einheiten Name Bauwerft Kiellegung Stapellauf Indienststellung Verbleib Atlanta-Unterklasse Atlanta (CL-51) Federal Shipbuilding and Drydock Company,Kearny 22. April 1940 6. September 1941 24. Dezember 1941 Am 13. November 1942 gesunken (Seeschlacht von Guadalcanal) Juneau (CL-52) 27. Mai 1940 25. Oktober 1941 14. Februar 1942 Am 13. November 1942 gesunken (Seeschlacht von Guadalcanal) San Diego (CL-53) Fore River Shipyard,Quincy 27. März 1940 26. Juli 1941 10. Januar 1942 Außerdienststellung 4. November 1946;Streichung aus dem Flottenregister 1. März 1959;zum Abbruch verkauft 3. Februar 1960 San Juan (CL-54) 15. Mai 1940 6. September 1941 28. Februar 1942 Außerdienststellung 9. November 1946;Streichung aus dem Flottenregister 1. Mai 1959;zum Abbruch verkauft 3. Oktober 1961 Oakland-Unterklasse Oakland (CL-95) Union Iron Works,San Francisco 15. Juli 1941 23. Oktober 1942 17. Juli 1943 Außerdienststellung 1. Juli 1949;Streichung aus dem Flottenregister 1. März 1959;zum Abbruch verkauft 1. Dezember 1959 Reno (CL-96) 1. August 1941 23. Dezember 1942 28. Dezember 1943 Außerdienststellung 4. November 1946;Streichung aus dem Flottenregister 1. März 1959;zum Abbruch verkauft 22. März 1962 Flint (CL-97) 23. Oktober 1942 25. Januar 1944 31. August 1944 Außerdienststellung 6. Mai 1947;Streichung aus dem Flottenregister 1. Juni 1965;zum Abbruch verkauft 6. Oktober 1966 Tucson (CL-98) 23. Dezember 1942 3. September 1944 3. Februar 1945 Außerdienststellung 11. Juni 1949;Streichung aus dem Flottenregister 1. Juni 1966;zum Abbruch verkauft 24. Februar 1971 Juneau-Unterklasse Juneau (CL-119) Federal Shipbuilding and Drydock Company,Kearny 15. September 1944 15. Juli 1945 15. Februar 1946 Außerdienststellung 23. Juli 1955;Streichung aus dem Flottenregister 1. November 1959;zum Abbruch verkauft 29. April 1960 Spokane (CL-120) 15. November 1944 22. September 1945 17. Mai 1946 Außerdienststellung 27. Februar 1950;Streichung aus dem Flottenregister 15. April 1972;zum Abbruch verkauft 17. Mai 1973 Fresno (CL-121) 12. Februar 1945 5. März 1946 27. November 1946 Außerdienststellung 17. Mai 1949;Streichung aus dem Flottenregister April 1965;zum Abbruch verkauft 17. Juni 1966

Technische Beschreibung mini|Seitenansicht der San Diego

Rumpf, Aufbauten und Panzerung Der Rumpf der Kreuzer der Atlanta-Klasse war 164,9 Meter lang und 16,1 Meter breit. Der Tiefgang betrug 6,1 Meter, die Konstruktionsverdrängung 6718 ts und die Einsatzverdrängung etwa 8300 ts.

Das Deckshaus war in zwei Bereiche geteilt, der vordere trug zwei Geschütztürme, die Brücke sowie einen Schornstein. Der achtere Decksaufbau trug einen Großteil der leichten Bewaffnung und einen zweiten Schornstein.

Die Panzerung war gegenüber vergleichbaren Kreuzerklassen der Zeit sehr schwach, ihre Maximalstärke betrug 89 mm im Panzergürtel an der Bordwand. Die Deckspanzerung sowie die Panzerung der Geschütztürme waren 32 mm stark, der Kommandoturm war mit 64 mm Panzerstahl geschützt. Im Schiffsinneren waren die Magazine zusätzlich noch einmal mit 32 mm Stahl verstärkt.

Antrieb Der Antrieb erfolgte durch zwei kombinierte Hochdruck-Niederdruck-Turbinen von Westinghouse Electric mit nachgeschaltetem Reduktionsgetriebe, die zwei Propeller antrieben. Die Atlanta-Klasse war damit die einzige Kreuzerklasse der U.S. Navy aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, die nicht über vier Propeller verfügte. Der Dampf für die Turbinen kam mit 45 bar Druck aus vier Dampfkesseln von Babcock & Wilcox. Die Gesamtleistung betrug 75.000 sHP entsprechend ca. 76.000 wPS.Üblicherweise werden amerikanische sHP = Shaft Horsepower und deutsche wPS = Wellen-Pferdestärken 1:1 übernommen, bei genauer Rechnung gilt jedoch 1 PS = 735,5 W und 1 HP = 745,7 W, siehe Horst Stöcker, Taschenbuch der Physik, 4. Auflage Frankfurt am Main 2000, S. 1036.

Die Geschwindigkeit wurde seinerzeit zur Täuschung inoffiziell von amerikanischen und britischen Quellen übertrieben hoch angegeben („40 kn“James C. Fahey, The Ships and Aircraft of the U.S. Fleet, Jahrgang 1942 (War Edition), New York 1942, S. 14. oder „38 kn und mehr“Francis E. McMurtrie, Jane’s Fighting Ships 1941, London 1941, S. 468.). Das durchsichtige Manöver verfing aber nicht, sowohl die zeitgenössischen deutschenAlexander Bredt: Weyers Taschenbuch der Kriegsflotten 1941/42, München/Berlin 1941, S. 196. wie französischenP. Vincent-Bréchignac, Les Flottes de Combat 1940, Paris 1940, S. 339. Flottenhandbücher weisen sie korrekt mit den 33 Knoten aus, die dem tatsächlichen Design entsprachen.Norman Friedman, U.S. Cruisers, London 1985, S. 219, 233. Das Probefahrtergebnis lag mit 33,67 kn bei 78.985 PS für die Atlanta dann auch im erwarteten Bereich.Norman Friedman, U.S. Cruisers, London 1985, S. 477. Der Treibstoffvorrat von 1360 Tonnen ermöglichte eine Reichweite von 3475 Seemeilen (6437 Kilometer) bei 25 Knoten oder 8500 Seemeilen (15740 Kilometer) bei 15 Knoten.Norman Friedman, U.S. Cruisers, London 1985, S. 477; ebenso Stefan Terzibaschitsch, Kreuzer der U.S. Navy – Von der Omaha-Klasse bis zur Long Beach, 2. Auflage Herford 1984, S. 320.

Für Notfälle hatten die Schiffe ursprünglich einen 250-kW-Notstromgenerator, der von einem Achtzylinder-Dieselmotor von General Motors angetrieben wurde. Nach 1943 wurden die Schiffe mit einem zweiten Notstromgenerator ausgerüstet.

Bewaffnung Hauptbewaffnung mini| Die San Juan 1942, zu sehen sind sieben der acht 127-mm-Zwillingstürme Die Hauptbewaffnung der Kreuzer bestand aus 16, bei den beiden letzten Baulosen zwölf Geschützen, Kaliber 5 Zoll (127 mm), Kaliberlänge 38, die in Mark-29-Zwillingstürmen untergebracht waren. Sechs der Geschütztürme waren in der Kiellinie aufgestellt, je drei vor und drei achtern der Aufbauten. Das erste Baulos verfügte zudem über zwei weitere Geschütztürme steuerbord und backbord seitlich des achteren Aufbaus, die so genannten „waist turret“ (wörtlich: Hüfttürme, deutsche Bezeichnung: Flügeltürme), die allerdings einen eingeschränkten Feuerbereich hatten. Bei den Kreuzern des dritten Bauloses wurden die mittleren vier Geschütztürme eine Decksebene tiefer aufgestellt, um die Topplastigkeit der Schiffe zu verringern.