Der Bahnhof Westend ist ein S-Bahnhof im Berliner Ortsteil Charlottenburg des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf, unmittelbar an der Grenze zum namensgebenden Ortsteil Westend gelegen. Er wurde am 15. November 1877 – zunächst als Charlottenburg-Westend – in Betrieb genommen und mehrfach erweitert, ist mittlerweile allerdings auf einen S-Bahnsteig reduziert worden. Infolge des Reichsbahnerstreiks wurde 1980 der S-Bahn-Verkehr eingestellt, bis 1993 ein Bahnsteig für den S-Bahn-Verkehr der Ringbahn wiedereröffnet wurde. Eine Wiederherstellung der Gesamtanlage ist nicht vorgesehen.

Aufbau und Geschichte Die Bahnhofsanlage befindet sich an der Überführung des Spandauer Damms über die Ringbahn. Zunächst wurde sie für die verkehrliche Anbindung der Villenkolonie Westend angelegt. Der spätere Kaiser Friedrich III. wohnte als Kronprinz im Schloss Charlottenburg und nutzte ein von Süden in den Bahnhof mündendes Kopfgleis für seinen Hofzug.Paul Dost: Der rote Teppich. Geschichte der Staatszüge und Salonwagen. Stuttgart 1965, S. 110. Zwischen dem ersten großen Ausbau 1884 und der Jahrhundertwende befand sich der Komplex in seinem größten Ausbauzustand, und zwar mit vier Bahnsteigen und mehreren Kehrgleisen. Die Bahnsteige wurden in Ost-West-Richtung mit den Buchstaben A bis D bezeichnet, die ersten drei waren zudem über einen Tunnel miteinander verbunden.

Nördlich des Bahnhofs gab es eine große Abstellanlage mit Wagenhalle für die Ringbahnzüge, die Ende 1929 im Rahmen der Elektrifizierung der Nahverkehrsgleise in ein S-Bahn-Betriebswerk umgebaut wurde. Das Betriebswerk wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Außerdem wurde dort 1879 ein großer Güterbahnhof als Endpunkt des Güterverkehrs der Kanonenbahn errichtet und 1911 mit der Zuschüttung des angrenzenden Kochsees erweitert. Als sich nach dem Zweiten Weltkrieg der Güterfernverkehr zunehmend von der Schiene auf die Straße verlagerte, wurde der Güterbahnhof Anfang der 1990er Jahre stillgelegt.Ehemaliger Güterbahnhof Charlottenburg an der Sophie-Charlotten-Straße 1-4

Nach dem Reichsbahnerstreik 1980 wurde der S-Bahn-Verkehr auf dem Bahnhof Westend eingestellt, bis 1989 Vorarbeiten zur Wiedereröffnung des Südrings begannen, die sich jedoch wieder verzögerten, als nach dem Mauerfall die grenzüberschreitenden Strecken Priorität bekamen.

In Westend wurde dann nur der frühere Bahnsteig C wieder aufgebaut, der über zwei neue Zugänge in Stahl-Glas-Konstruktion von der Spandauer-Damm-Brücke aus zu erreichen ist. Das ehemalige Empfangsgebäude besteht deshalb jetzt ohne jegliche Verbindung zum Bahnsteig. Vorerst blieb Westend Endbahnhof der Ringbahn, 1997 wurde die Verlängerung nach Jungfernheide eröffnet und seit 2002 ist der gesamte Ring wieder in Betrieb.

Seit August 2014 erfolgt die Zugabfertigung durch den Triebfahrzeugführer mittels Führerraum-Monitor (ZAT-FM).

Sowohl nördlich als auch südlich der Bahnsteige befindet sich heute jeweils eine Abstell- und Kehranlage.

Empfangsgebäude mini|links|Südansicht des Empfangsgebäudes

Das denkmalgeschützteBaudenkmäler Charlottenburg-Wilmersdorf Empfangsgebäude schließt sich nördlich des ehemaligen Kopfbahnhofs der Vorortzüge an und verfügt über Ausgänge zum Spandauer Damm sowie zum Bahnhofsvorplatz östlich der Anlage. Es wurde 1884 vom Büro der Architekten Heinrich Joseph Kayser und Karl von Großheim entworfen und im Stil der Neorenaissance errichtet. Da das Gebäude keinen direkten Zugang zu den Bahnsteigen hatte, wurden die Fahrgäste entweder durch das Gebäude auf eine Freifläche östlich des Bahnhofs und weiter über einen Fußgängertunnel zu den Bahnsteigen geleitet oder sie nahmen den direkten Zugang auf die Bahnsteige vom Spandauer Damm, der heute einziger Zugang und ausschließlich zum Ringbahnsteig in Betrieb ist.

Das Empfangsgebäude wurde 1976 und 1985 umfangreich renoviert und stand nach der Einstellung des Zugverkehrs 1980 bis 1988 leer. Bis 2001 wurde es von der Karl-Hofer-Gesellschaft als Atelier- und Ausstellungsgebäude genutzt (Künstlerbahnhof), anschließend als Bürohaus für verschiedene Gewerke.

Bahnsteige mini|hochkant=2|Gleisplan Bahnhof Westend 1887 (Norden = rechts) mini|Der Bahnsteig C (links) und der nicht im Betrieb stehende Bahnsteig B (rechts), 2008 mini|Luftaufnahme des Güterbahnhofs Westend mit den Resten des S-Bahn-Betriebswerks, 1957

Der Bahnsteig A diente als Kopfbahnhof der Stadtbahn, deren Vorortverkehr in den Anfangsjahren des Bestehens der Strecke noch auf die Ringbahn geleitet wurde. Die Gleise endeten stumpf am Bahnsteig, an dessen nördlichem Ende sich das Empfangsgebäude befand. Der Bahnsteig wurde 1928 nicht elektrifiziert, fortan auch nicht mehr gebraucht und nach 1945 abgetragen. Auf dem Gelände befindet sich heute ein Fußweg. Der Bahnsteig B diente den Zügen der Lehrter und Stadtbahn, die südlich Westend weiter auf der Ringbahn verkehrten. Aus südlicher Richtung bestand für die Ringbahnzüge die Möglichkeit, den Bahnsteig zusätzlich anzufahren, gleiche Möglichkeit bot sich für die Stadtbahnzüge, die nicht am Bahnsteig A endeten. Hinter dem Bahnhof führte das B-Gleis weiter auf die Gleise der Lehrter Fernbahn. Nach der Elektrifizierung der Strecken 1928 wurde das Gleispaar der Lehrter Strecke nicht mehr gebraucht und teilweise von den Stadtbahnzügen genutzt. Ring- und Stadtbahn nutzten fortan gemeinsam den Bahnsteig B und den westlichen Nachbarbahnsteig. Dahinter errichtete man eine zweigleisige Kehranlage, die für die elektrischen Stadtbahnzüge notwendig wurde, sollten sie nicht weiter zum Nordring fahren. Gegen 1944 endete der Verkehr am Bahnsteig, da die Verbindungskurve von der Stadt- zur nördlichen Ringbahn stillgelegt wurde und vor Westend kein Gleiswechsel zwischen beiden Strecken vorhanden war. Bis heute besteht der Bahnsteig weiter, ist allerdings verwaist und kann aufgrund der nun größeren Breite des Nachbarbahnsteigs nicht mehr genutzt werden. Bahnsteig A verfügte wie heute noch Bahnsteig B über eine massive Stahlstützenreihe in einreihiger Bauform. Der Bahnsteig C der Ringbahn ist der einzige der vier Bahnsteige, der heute noch in Betrieb ist. Er entstand zusammen mit den anderen Bahnsteigen beim Umbau 1884 und ist etwas breiter ausgelegt als der benachbarte Stadtbahnsteig. Der Aufbau des Bahnsteigs und seiner anschließenden Gleisanlagen blieb bis zur Wiedereröffnung 1993 weitgehend unverändert, wurde später jedoch bedeutend verbreitert, sodass die Züge in Richtung Jungfernheide nun an den Bahnsteig C und B angrenzen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Vorortbahnsteigen besteht das Dach des Bahnsteigs aus einer zweireihigen Stützenreihe, wie sie für die Berliner Bahnhöfe der Jahrhundertwende üblich ist. Über zwei Aufzüge ist der Bahnsteig barrierefrei erreichbar. Der Bau eines zusätzlichen Zugangs am südlichen Bahnsteigende in Richtung Sophie-Charlotten-Straße ist geplant, eine Realisierung war im Jahr 2020 vorgesehen, wurde aber bisher nicht durchgeführt. Der Bahnsteig D lag an den Fernbahngleisen der Strecke und diente als Kopfbahnhof für die Züge, die von der Wetzlarer Bahn kommend auf die Ringbahn geleitet wurden. Da jedoch bereits 1882 eine direkte Verbindung von der Wetzlarer zur Stadtbahn angelegt worden war, erlangte der Bahnsteig nie große Bedeutung und wurde noch vor der Jahrhundertwende geschlossen und kurze Zeit darauf abgetragen.

Anbindung Der S-Bahnhof wird von den Linien S41, S42 und S46 der Berliner S-Bahn bedient. Es bestehen Umsteigemöglichkeiten zu den Omnibuslinien M45 und 139 der BVG.

Linie Verlauf Takt in der HVZ (min) 5 20

Literatur

Weblinks

Umgebungsplan des Bahnhofs (PDF; 0,1 MB)

Bahnhof Berlin-Westend. stadtschnellbahn-berlin.de

Einzelnachweise

Westend Westend Bahnhof Berlin Westend Kategorie:Berlin-Charlottenburg Kategorie:Neorenaissancebauwerk in Berlin Kategorie:Erbaut 1877 BerlinWestend Kategorie:Spandauer Damm Kategorie:Bauwerk von Kayser & von Großheim