Die Domschule Schleswig ist ein Gymnasium mit altsprachlichem Zweig in Schleswig. Sie wurde 1307 erstmals urkundlich erwähnt und ist somit die älteste Schule Schleswig-Holsteins, eine der ältesten Schulen im Norden Europas sowie eine der ältesten Schulen im gesamten deutschen Sprachraum.
Geschichte Die Domschule als Ausbildungsstätte des klerikalen Nachwuchses im Mittelalter Die Geschichte der Schleswiger Domschule ist eng mit der des Schleswiger Domes verbunden. Mit dem Bau des ersten Domes wurde nach der Gründung des Bistums Schleswig durch Kaiser Otto I. im Jahr 947 begonnen. Der Grundstein für den heutigen St. Petri-Dom wurde 1134 gelegt.
Über die mittelalterlichen Schule am Schleswiger Dom weiß man aufgrund der fehlenden Primärquellen wenig. Die Historiker vermuten, dass sie schon im 11. Jahrhundert existierte, mit hoher Wahrscheinlichkeit spätestens ab 1096, als das Domkapitel als Beirat des Bischofs eingerichtet wurde. Ihre erste urkundliche Erwähnung datiert aus dem Jahr 1307: In ihrem Testament hinterließ Cecilia Litle in diesem Jahr den Scholaren am Dom St. Peter einige Mark Silber.
Da es ausschließlich um die Ausbildung kirchlicher Nachwuchskräfte ging, werden vor allem Grundfertigkeiten im Lesen und Schreiben lateinischer Texte Gegenstand des Unterrichts gewesen sein, verbunden mit der Vermittlung biblischer und theologischer Inhalte. Mit Sicherheit ist es keine allgemeine Schule für die Bürger der Stadt Schleswig gewesen.
Die Domschule als Gelehrtenschule zur Zeit der Reformation mini|hochkant=1.6|Stadtansicht Schleswigs um 1600 Dies ändert sich mit der Reformation Martin Luthers, welche in Norddeutschland vor allem von Johannes Bugenhagen vorangetragen wurde. Verbunden mit den Ideen des Humanismus entstand im 16. Jahrhundert das Bedürfnis, auch Gemeindemitglieder zu befähigen, ad fontes – zu den Quellen – kirchlicher und antiker Texte vorzudringen. Neben Bürgerschulen sollten nun Lateinschulen und Gelehrtenschulen auch den Laien offenstehen, damit sie in theologischen Diskussionen in ihren Gemeinden qualifiziert mitreden könnten. Damit gewann neben dem Lateinischen das Griechische als Ursprungssprache des Neuen Testaments und auch das Hebräische einen Platz im Programm gehobener Schulen. Zugleich sollten diese Schulen auf das Studium an den immer zahlreicher werdenden Universitäten vorbereiten.
Der Versuch, anknüpfend an Bugenhagens Kirchenordnung von 1542 im 16. Jahrhundert aus der Schleswiger Domschule als Paedagogicum publicum, eine gemeinsame Landeshochschule für Schleswig-Holstein, erwachsen zu lassen, war nicht von Erfolg gekrönt.Geschichte der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Die Landesteilung zwischen König Christian III. mit seinen Halbbrüdern Hans und Adolf I. 1544 verhinderte die Ausführung dieses Plans, da jeder der drei Herzöge lieber eine eigene höhere Schule wollte. Erst 1557 wurde mit der Schulordnung des Domschulrektors Michael Stanhufius die reformatorisch-humanistischen Akzente auch an der Schleswiger Domschule umgesetzt. Sie wurde jedoch nicht zur Gelehrtenschule ausgebaut.
Die Domschule als Vorstufe zur schleswig-holsteinischen Landesuniversität
Erst 1808 gelang es dem damaligen Generalsuperintendenten Jacob Georg Christian Adler als kirchlichem Schulaufsichtsbeamten, eine Schulreform durchzusetzen, die aus der Domschule eine nach damaligen Maßstäben anerkannte „Gelehrtenschule“ machte, die sich aber noch in Vielem vom gleichzeitig entstehenden preußischen „Gymnasium“ unterschied. 1814 übernahm dann der Staat die Schulaufsicht über die Gelehrtenschulen von der Kirche – die Domschule Schleswig und das Christianeum in Altona wurden der dänischen Krone direkt unterstellt. Die Vorbereitung auf ein Universitätsstudium war nun eindeutige Aufgabe dieser Schulen.
Die Domschule in der Zeit der Deutsch-Dänischen Kriege
Die Revolution von 1848 bedeutete für Schleswig-Holstein und Dänemark vor allem den offenen Ausbruch des Nationalitätenkonflikts in den Elbherzogtümern. Ein Blick auf die bekannten Domschüler dieser Zeit zeigt, dass ein beträchtlicher Teil der Hauptakteure der deutsch-gesinnten schleswig-holsteinischen Freiheitskämpfer bereits in ihrer Gymnasialzeit miteinander in Kontakt kamen. Die Schule litt stark unter den Folgen der Schleswig-Holsteinischen Erhebung. So sank die Schülerzahl von 135 (1847) auf 27 (Ostern 1851) und erholte sich danach nur langsam.Zeitschrift für die Altertumswissenschaft 1854, Sp. 64
Nach 1850/51, als die Schleswig-Holsteinische Erhebung um Zugehörigkeit zu einem deutschen Nationalstaat vorerst gescheitert war, gab es intensive Versuche aus Kopenhagen, die Domschule zu „danisieren“. So wurden bei der Einstellung neuer Lehrer Reichsdänen deutschen Bewerbern aus den Herzogtümern Schleswig und Holstein eindeutig vorgezogen, erstmals wurde zudem Dänisch neben Deutsch und Latein zur Unterrichtssprache erhoben und die alten Klassenbezeichnungen (Oberprima, Secunda etc.) beseitigt. Weiters wurden über Dreiviertel des bisherigen Kollegiums auf Betreiben Kopenhagens ausgetauscht.Ludwig Adolf Wiese: Das höhere Schulwesen in Preussen: historisch-statistische Darstellung, Band 2, Berlin 1869, S. 344
Die Königlich-Preußische Domschule Als Schleswig-Holstein 1864/1866 preußische Provinz wurde, erfolgte die Wiedereinführung der alten Klassenbezeichnungen und die Wiedereinführung von Latein/Deutsch als einzigen Unterrichtssprachen. Schließlich erfolgte auch die räumliche Trennung vom Dom. An der Königstraße entstand für die nunmehr königlich-preußische Domschule ein neuer, repräsentativer Bau, der von den Ansprüchen der neuen Herrscher künden sollte. 1869 konnte das alte Domschulgebäude (Süderdomstraße 15) aufgegeben werden: 285 Schüler bezogen die 10 neuen Klassenräume an der Königstraße.
Von den Ideen Wilhelm von Humboldts, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Entwicklung des preußischen Gymnasiums mit dem Ziel initiiert hatte, selbständig denkende Persönlichkeiten und Staatsbürger auszubilden, war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr viel übrig. Auch im gymnasialen Unterricht haben sich vor allem Vorstellungen von Drill und Gehorsam durchgesetzt, fürchtet jedenfalls der damalige Domschuldirektor Keck.
Die Staatliche Domschule in der Weimarer Republik und im Dritten Reich Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und der Novemberrevolution 1918 wurde aus der „Königlichen Domschule“ die „Staatliche Domschule“. Intensive Auseinandersetzungen um reformpädagogische Ansätze wie den „Arbeitsunterricht“ prägen die Jahre der Weimarer Republik.
Ab 1933 hatte sich die Schule mit den Anforderungen des NS-Regimes auseinanderzusetzen. Natürlich wurden die Domschüler (fast alle) Mitglieder von Jungvolk und HJ. Unter den Lehrern gab es überzeugte Nationalsozialisten. Am 20. April wurde „Führers Geburtstag“ mit dem Horst-Wessel-Lied und entsprechenden Gedichten gefeiert. Aber zur Entlassungsfeier der Abiturienten standen ausschließlich Lieder aus dem evangelischen Gesangbuch auf dem Programm.
1937 wurde der altsprachliche Gymnasialzweig auf Weisung der Regierung eingestellt. Die Domschule wurde – mit entsprechender Umstellung der Lehrpläne – „Deutsche Oberschule“. Dem damaligen Direktor Heinrich Theune gelang es jedoch, den altsprachlichen Zweig mitten im Krieg 1941 wieder zu reaktivieren.
Die Domschule als Gymnasium in der Gegenwart Ab 1946 konnte der Schulbetrieb nach zwischenzeitlicher Zweckentfremdung des Gebäudes als Lazarett wieder regelmäßig stattfinden. Die Domschule wurde jetzt „Staatliche Oberschule für Jungen und Gymnasium“.
Eine Reihe größerer und kleinerer Anbauprojekte zwischen 1950 und 1970 zeugen vom Wandel der Schule in der Nachkriegszeit. Über Jahre hatten provisorisch gedachte Pavillons das Raumangebot ergänzt. 1957 feierte man das 650-jährige Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung. Mit dem Schuljahr 1972/73 brachte die Einführung der Koedukation neue Herausforderungen in die von den Ausstrahlungen der 68er Unruhe verunsicherte Domschule. Aber auch die Einführung der reformierten Oberstufe (damals noch „Studienstufe“) 1978 ließ die Schule nicht untergehen, ebenso wenig wie der Wechsel der Trägerschaft im Jahre 1982: Nun wurde aus der staatlichen Domschule ein „Gymnasium der Stadt Schleswig für Jungen und Mädchen mit altsprachlichem Zweig“.
Im Jahr 2007 wurde das 700-jährige Jubiläum schließlich mit einem feierlichen Festakt im Dom zu Schleswig begangen, welchem die einjährige akademische Vortragsreihe Non scholae, sed vitae discimus ehemaliger Domschüler vorausging. des Jubiläums (pdf, abgerufen am 4. Oktober 2015)
2009 wurde schließlich die schuleigene Mensa gebaut und in Betrieb genommen, um den Ansprüchen eines Gymnasiums mit offenem Ganztagsangebot mit über 30 freiwilligen Arbeitsgemeinschaften gerecht zu werden.
Gebäude mini|Der Schleswiger Dom St. Petri als ursprünglicher Sitz der Schule im Mittelalter Ursprünglich war die Domschule direkt im romanischen Sankt-Petri-Dom, mit dessen Bau 1135 begonnen wurde und den man etwa 60 Jahre später fertigstellte, in der Altstadt von Schleswig untergebracht.
Um 1220/1230 wurde die Kanonikersakristei am nördlichen Querhaus errichtet. Dieser Raum diente dem Domkapitel zunächst als Versammlungsraum und Sakristei, nach 1567 der Domschule als Hörsaal.
Nach der Reformation erfolgte der Umbau zur Fürstengruft als Grablege der Gottorfer Herzöge. Das Grabmal für Herzog Friedrich III. ist eine Arbeit des flämischen Bildhauers Artus Quellinus I. aus dem Jahr 1654 und „das erste Zeugnis des Quellinus-Barock im Lande“.Hartwig Beseler: Kunst-Topographie Schleswig-Holstein Neumünster 1974, S. 679
Der Hattensche Hof als Sitz von 1806 bis 1869 mini|Der Hattensche Hof Nachdem der Platz im Dom nicht mehr ausreichte, bezog die Domschule den Hattenschen Hof in der Süderdomstraße, der Ende des 16. Jahrhunderts auf dem Gelände des 1560 niedergelegten Schleswiger Dominikanerklosters errichtet wurde. Erster Eigentümer war Hofrat Johann Philipp von Hertinghausen, der das Gebäude im Jahr 1602 bezog.
Seinen Namen erhielt der Hattensche Hof von Hofrat Johann von Hatten, der ihn vom Erstbesitzer übernahm und in dessen Familienbesitz er über 100 Jahre lang blieb. Von 1720 bis 1805 wurde das Gebäude dann als Waisenhaus genutzt, von 1806 bis 1869 war hier schließlich die Domschule untergebracht. Danach zogen das Preußische Staatsarchiv und das Preußische Hochbauamt ein. Heute gehört das Gebäude der Schleswig-Holsteinischen Landesbauverwaltung.
Die Königstraße seit 1869 der Sitz der Domschule mini|Heutiger Altbau der Domschule
Im Jahr 1869 bezog die Domschule schließlich ihren derzeitigen Sitz in der Königstraße. Dieser stellt ein Gebäude-Ensemble im neugotischen Stil dar, welcher für das Stadtbild der Schleistadt Schleswig kennzeichnend ist.
Am 1. Mai 1867 fand die feierliche Grundsteinlegung statt, unter anderem im Beisein von Generalleutnant von Manstein und des königlichen Regierungspräsidenten Freiherr von Zedlitz. Die Festpredigt hielt der damalige Dompropst Hansen.
Die Planung des Schulgebäudes begann bereits in den frühen 1860er Jahren (Beginn der Erdarbeiten: März 1866, Grundsteinlegung: 1. Mai 1867, Einweihung: 12. Oktober 1869, Schulbetrieb ab 13. Oktober 1869, Baukosten: 103.000 Mark, Wohnhaus Direktor: 25.700 Mark). Die ersten konkreten Pläne des Kieler Architekten Gustav Ludolf Martens vom März 1865 waren für das Michaelisfeld vorgesehen und orientierten sich eng an der Neuorganisation des Schulwesens in Schleswig-Holstein im 19. Jahrhundert auf preußischer Grundlage mit entsprechenden Bauvorschriften.
Zuständig für die Bauaufsicht und -genehmigung war der Königliche Bauinspektor Johann Friedrich Holm, der mit dem Baugrundstück und zum Teil auch mit den Bauplänen von Martens nicht einverstanden war.