miniatur|Uedemer Rathaus miniatur|„Uemse Knoll“ miniatur|Brunnen auf dem Marktplatz miniatur|Hohe Mühle mini|Ansicht von Norden

Die Gemeinde Uedem [] liegt nahe dem unteren linken Niederrhein im Nordwesten von Nordrhein-Westfalen und ist eine kreisangehörige Gemeinde des Kreises Kleve im Regierungsbezirk Düsseldorf. Sie ist Mitglied der Euregio Rhein-Waal.

Geografie

Ausdehnung des Gemeindegebiets Die Gemeinde Uedem hat 8.568 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2023) auf einer Fläche von 61 km². Uedem hat vier Ortsteile: Uedem (6.057 Einwohner, 5,52 km²) Keppeln (1.584 Einwohner, 19,29 km²) Uedemerbruch (553 Einwohner, 22,86 km²) Uedemerfeld (374 Einwohner, 13,27 km²) Das Naturschutzgebiet Uedemer Hochwald liegt vollständig im Gemeindegebiet.

Nachbargemeinden/-städte Die Gemeinde Uedem grenzt im Norden an die Gemeinde Bedburg-Hau und die Stadt Kalkar, im Osten an die Stadt Xanten und die Gemeinde Sonsbeck (beide Kreis Wesel), im Süden an die Stadt Kevelaer und die Gemeinde Weeze sowie im Westen an die Stadt Goch.

Geschichte In Keppeln wurde ein Gräberfeld aus der römischen Kaiserzeit ausgegraben.Harald von Petrikovits und Rudolf Stampfuß: Das germanische Brandgräberfeld Keppeln, Kr. Kleve. Verlag Curt Kabitzsch, Leipzig 1940. Nach archäologischen Funden seit der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts n. Chr. besiedelt.Frank Siegmund: Merowingerzeit am Niederrhein. Rheinische Ausgrabungen 34. Rheinland-Verlag, Bonn 1998, ISBN 3-7927-1247-4, S. 433 mit Taf. 214. 863 erste bekannte urkundliche Erwähnung als „in Odeheimero marca“ (in der Uedemer Mark).Glöckner, Karl, Codex Laureshamensis: 01. Band - Einleitung Regesten Chronik , Darmstadt 1929, S. 317; Chronik, 33 (Reg. 3468), „Donatio Ansfridi Palatini comitis, in Geizefurt“ Der Ortsname ist ein -heim-Name auf den Personennamen Udo; Namensformen in den frühen Quellen sind: Odeheimero, Uodheim, Udem, Uodem, Uedem, Oedeheym, Othehem.Heinrich Dittmeier, Die linksrheinischen Ortsnamen auf -dorf und -heim. Rheinisches Archiv 108. Bonn 1979, S. 89 Das ursprüngliche Dehnungs-e wird heutzutage als Umlaut gesprochen. Erste Erwähnung von Keppeln (1173), Uedemerbruch und Uedemerfeld (13. Jahrhundert). Kirche St. Laurentius in Uedem zum Jahr 1266 erstmals erwähnt und um 1300 als Pfarrkirche belegt. Der ursprüngliche Bau bestand jedoch mindestens seit um 1200 n. Chr.Friedrich Wilhelm Oediger, Die Kirchen des Archidiakonats Xanten. Bonn 1969, S. 285–286; Hans Erich Kubach, Albert Verbeek, Romanische Baukunst an Rhein und Maas. Berlin 1976, S. 1155–1156. - Die heutige Kirche ist ein Neubau aus dem Jahr 1885/86. 5. Januar 1359 erste Stadtprivilegien durch Graf Johann von Kleve. 1. Mai 1359 Befreiung aus der Hörigkeit – „Xantener Vertrag“. Nach der Besetzung des Rheinlandes durch französische Truppen 1797 Verlust der Stadtrechte (1798) und Bildung der Bürgermeisterein (französisch Mairie) Uedem (französisch Udem) mit den Gemeinden Uedem und Uedemerfeld sowie Keppeln mit den Gemeinden Keppeln und Uedemerbruch (Nach 1815 preußisch). Im Februar 1945, während des Zweiten Weltkrieges, tobte im nahe gelegenen Klever Reichswald und in der Umgebung von Uedem die große Schlacht im Reichswald (Operation Veritable; ein Teil dieser Operation war die Operation Blockbuster). Auf dem „Totenhügel“ nördlich von Uedem wurden die vorrückenden kanadischen Truppen in die schwerste Panzerschlacht ihrer Geschichte verwickelt. Der Transport der Panzer erfolgte über den Marienbaumer Bahnhof. Die Bombenangriffe auf Marienbaum am 27. und 28. Februar 1945 stoppten diese Versorgung. Ebenfalls war die Schneise zwischen dem Uedemer Hochwald und dem Tüschenwald („Hochwald gap“) Schauplatz schwerer Gefechte.

Religionen Die meisten Uedemer sind römisch-katholisch und gehören zur Pfarrkirche St. Laurentius. Zusätzlich existieren in Uedem die beiden Klöster der Gemeinschaft der Seligpreisungen und des Ordens von der Heimsuchung Mariens. Die zweitgrößte Gruppe ist die der evangelischen Gläubigen. Eine Minderheit ist muslimischen Glaubens.

Gebietsreform Die Gemeinde Uedem entstand in der heutigen Form am 1. Juli 1969 beim ersten kommunalen Neugliederungsprogramm in Nordrhein-Westfalen. Die Gemeinden Uedem, Keppeln, Uedemerbruch und Uedemerfeld des Amtes Uedem wurden zur neuen Gemeinde Uedem zusammengeschlossen.

Am 1. Januar 1975 wurde im Zuge des zweiten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen der Altkreis Kleve mit dem ehemaligen Kreis Geldern und Teilgebieten der Kreise Moers und Rees durch das Niederrhein-Gesetz zum neuen niederrheinischen Großkreis Kleve zusammengefügt.

Einwohnerentwicklung Die folgenden Angaben beziehen sich auf das heutige Gebiet der Gemeinde Uedem.Bevölkerung aller Gemeinden in Nordrhein-Westfalen ab dem 31. Dezember 1962 jeweils am Jahresende nach dem jetzigen Gebietsstand

Jahr Einwohner 1975 6.496 1980 6.397 1985 6.485 1990 6.822 1995 7.733 2000 8.330 2005 8.458 Jahr Einwohner 2010 8.218 2015 8.327 2017 8.249 2018 8.328 2020 8.371 2021 8.396 2022 8.513

Politik

Gemeinderat Der Rat der Gemeinde Uedem besteht aus insgesamt 24 Mitgliedern. Seit der letzten Kommunalwahl am 13. September 2020 sind im Gemeinderat CDU (51,17 %, 13 Sitze), BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (17,88 %, 4 Sitze), SPD (13,69 %, 3 Sitze), FDP (12,69 %, 3 Sitze) und AfD (4,57 %, 1 Sitz) vertreten.

Bürgermeister Als Bürgermeister der Gemeinde Uedem wurde 2025 Rainer Weber (CDU) mit 54,32 % der Stimmen wiedergewählt. Sein Gegenkandidat war Pierre Keysers (parteilos – aufgestellt von Bündnis 90/Die Grünen, SPD, FDP; 45,68 %).

Wappen Blasonierung: In Rot die silberne (weiße) Torburg mit drei Türmen, deren mittlerer breiter und höher ist als die begleitenden Seitentürme. Auf den Dächern goldene (gelbe) Knäufe, im offenen Tor goldenes (gelbes) Fallgitter. An der Stirnseite des Mittelturms das Klever Landeswappen mit seiner Helmzier (rotes gold (gelb) – gekröntes Stierhaupt) mit seinen rot-weißen Helmdecken.

Bedeutung: Das Wappen der Gemeinde Uedem geht zurück auf das Bild des Stadtsiegels aus dem 14. Jahrhundert (Ewald, Rheinische Siegel, Band III, Tafel 80 Abbildung 2). Dieses Siegel, das wahrscheinlich bei der Verleihung der Stadtrechte durch Graf Johann von Cleve an Uedem im Jahre 1359 eingeführt worden war, existiert heute noch in einem Abdruck aus dem Jahr 1369 im Hauptstaatsarchiv zu Düsseldorf. Die Farben sind dem Klevischen Stammwappen entnommen. Das jetzige Wappen ist vom Regierungspräsidenten im Jahr 1971 genehmigt worden.Wappenbeschreibung und -erklärung

Flagge Die Gemeinde führt folgende Flaggen:

Banner: Rot-weiß-rot längsgestreift. Das Verhältnis der Breiten ist 1 : 3 : 1. Das Gemeindewappen ist in der oberen Hälfte des Mittelstreifens zur Stange hin etwas verschoben.

Hissflagge: Rot-weiß-rot quergestreift. Das Verhältnis der Breiten ist 1 : 3 : 1. Das Gemeindewappen ist im Mittelstreifen zur Stange hin verschoben.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Am Rathaus befindet sich die Bronzeplastik einer ortsüblichen Zuckerrübe, die „Uemse Knoll“.

Im Osten von Uedem befindet sich die Hohe Mühle, die während der Öffnungszeiten besichtigt werden kann. Darinnen befindet sich auch ein Schuster- und Lederwarenmuseum, welches die traditionelle Uedemer Schuhfabrikation thematisiert. mini|Wall (Mitte) und Graben (rechts) eines der 13 römischen Übungslager im Nordwesten des Hochwaldes alternativtext=LIDAR Bild des Hochwaldes mit den darin zu erkennenden Übungslagern|mini|Römische Übungslager – Die Rechtecke mit abgerundeten Ecken liegen zwischen den rechtwinkligen Forstwegen. Im Uedemer Hochwald findet sich eine europaweit einzigartige Ansammlung von 13 römischen Übungs-Marschlagern, die während Manövern in der Zeit zwischen 1. und 3. Jahrhundert errichtet wurden und noch mit bis zu 0,5 m hohen Wällen außergewöhnlich gut erhalten sind. Sie wurden von vermutlich in Xanten (Vetera Castra) stationierten römischen Soldaten erbaut, indem um ein rechteckiges Areal ein Spitzgraben ausgehoben und der Auswurf auf der Innenseite zu einem Wall aufgeschüttet wurde. Auf den Wall wurden zusätzlich angespitzte Holzpfähle (Pilum murale) gesteckt und untereinander verbunden. Charakteristisch für die Lager sind die abgerundeten Ecken und ein Eingang mit vorgelagertem Wallknick, der ein Stürmen der Tore verhinderte. Ein relativ gut vom Weg aus zu erkennender Wall mit Graben liegt an der Südwestecke der ersten Wegkreuzung des Forstweges, der vom Nordwestrand des Waldes bis zu dem Parkplatz am Bohrloch führt. Bislang (2023) gibt es allerdings keine Hinweisschilder, die Wandernden die Sensation erläutern. Die Erschließung der Fundplätze durch Vermittlungs- und Präsentationsangebote ist jedoch in Vorbereitung. Es sind keine Pläne bekannt, ein Stück Spitzgraben mit Wall und Pilum murale zu touristischen Zwecken zu rekonstruieren.

Im Westteil des Uedemer Hochwaldes befindet sich ein bedeutendes Hügelgräberfeld, vermutlich aus der Hallstattzeit.vgl. Naturschutz im Kreis Kleve: Grabhügel Läuft man vom Parkplatz der Straße Am Hochwald in nordöstliche Richtung, läuft man nach rund 300 Metern auf das Waldstück zu. Weiter nach Nordosten gehend passiert man mehr als 40 mit Dünensand aufgeschüttete Grabhügel, die im Wald abseits des Weges zu erkennen sind. Zwischen ihnen befinden sich weitere kleine, kaum noch erkennbare Erderhebungen, so dass von einer Gesamtzahl von über 200 Gräbern ausgegangen wird. Bislang (2023) fehlen Informationstafeln, die das Auffinden erleichtern und die Bedeutung im Ausgang der Niederrheinischen Grabhügelkultur erläutern könnten. Pläne, einzelne Hügel zur Anschauung freizuschneiden und wie beispielsweise in Belginum wieder mit Gras zu bepflanzen, sind bislang nicht bekannt geworden.

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft mini|Video: Herstellung von Sicherheitsschuhen in manueller und industrieller Fertigung in Uedem, 2002 Die traditionelle Industrie in Uedem bestand aus Schuhfabriken und landwirtschaftsbezogenen Verarbeitungsbetrieben. Außer einer überregional bedeutenden Fabrik für Arbeitssicherheitsschuhe, einer kleineren Werkstatt für orthopädische Schuhe und einem Schuhgroßhandel ist von der ehemals blühenden Schuhindustrie nichts geblieben. Ortsansässig sind ein Automobilzulieferer, eine Firma für Großelektroanlagen- und Leitungsbau, Steuerungstechnik und Schaltschrankanbau, ein Kartoffelgroßhandel sowie eine Spedition. Die Landwirtschaft spielt weiterhin eine größere wirtschaftliche Rolle, dazu kommt ein ländlicher Tourismus mit Reiterhöfen und Ferien auf dem Bauernhof. Ein weiterer Wirtschaftsfaktor ist in Uedem die Bundeswehr/NATO. In einem „Friedenspalast“ betreibt die Maharishi Weltfriedens-Stiftung ein Ayurveda-Gesundheitszentrum.

Verkehr Straßenverkehr Der östliche Teil der Schustergemeinde wird täglich durch mehr als 10.000 Fahrzeuge belastet,Manuelle Verkehrszählung 2005 (pdf) da die ehemals außerhalb des Ortes verlaufende Umgehungsstraße L5 (Am Kirchhecken/Gustav-Adolf-Straße) durch die fortgeschrittene Ausdehnung der Wohngebiete inzwischen wieder innerorts verläuft. Der Zustand der stark belasteten Straße verschlechtert sich dabei stetig, was eine zunehmende Belastung der Anwohner durch Lärm, Staub und Erschütterungen mit sich bringt. Die angespannte Situation hat mittlerweile eine Interessengemeinschaft gegen die Verkehrsbelastung hervorgebracht.http://verkehr-raus-aus-uedem.de/ Die Verkehrsinfrastruktur am Niederrhein ist in der Ost-West-Achse unterentwickelt, somit werden alle kleinen Ortschaften durch den Querverkehr zwischen den Autobahnen A 3 und A 57 sowie überregional zwischen dem niederländischen Raum und dem Münsterland stark belastet. Eine neue, nördlich geplante Ortsumgehung für Uedem (L5n) wurde aufgrund fehlender Landesmittel ausgesetzt, der Ausbau der Ost-West-Trasse B 67 als B 67n südlich von Uedem soll dagegen nach den bisherigen Plänen bis 2018 realisiert sein.Landesverkehrsplanung NRW