Als Umlaut wird in der Sprachwissenschaft eine besondere Weise des Lautwandels von Vokalen bezeichnet,Vgl. Eintrag Umlaut in Duden online; ähnlich im Englischen, siehe umlaut in Merriam-Webster. wie sie beispielhaft für verschiedene germanische Sprachen beschrieben ist.Vgl. Fausto Cercignani: Early „Umlaut“ Phenomena in the Germanic Languages. In: «Language», 56/1, 1980, S. 126–136. Dabei wird die Aussprache eines Vokals assimilierend dem Vokal oder Halbvokal einer folgenden Silbe angeglichen, beispielsweise als i-Umlaut vor einem /i/-Laut. In der Geschichte des Hochdeutschen tritt i-Umlaut im Althochdeutschen als Primärumlaut bei umgelautetem /a/-Vokal in Erscheinung, wiedergegeben mit dem Schriftzeichen e. Im Mittelhochdeutschen sind weitere umgelautete Vokale schriftlich repräsentiert, in neuhochdeutscher Sprache mit eigenen Graphemen, heute oft den Umlautbuchstaben ä, ö und ü. Ähnliche Lautwandelprozesse aus dem i-Umlaut treten in anderen germanischen Sprachen auf; bei allen wird die frühe Umlautung von *e nach *i vor folgendem i-Laut angenommen, ausgenommen das Gotische.Fausto Cercignani: Alleged Gothic Umlauts. In: «Indogermanische Forschungen», 85, 1980, S. 207–213. Daneben sind Umlautentwicklungen vor einem /a/-Laut oder einem /u/-Laut als a-Umlaut beziehungsweise u-Umlaut bekannt, zum Beispiel im Isländischen.

Andere als die germanischen Sprachen haben dem Umlaut verwandte Erscheinungen. Dazu gehört insbesondere die im Griechischen und dem Avestischen häufige Epenthese des i.

Vom sprachgeschichtlichen Umlaut ausgehend werden auch die Buchstaben ä, ö, ü Umlaut genannt. Das diese von den Buchstaben a, o, u unterscheidende Zeichen ist das Umlautzeichen (englisch: umlaut). Zu beachten ist, dass der Umlaut im Sinne des Buchstabens den Umlaut im sprachgeschichtlichen Sinne bezeichnen kann, aber nicht muss. So liegt beispielsweise in Gäste ein Umlaut im doppelten Sinne vor, in Bär aber liegt kein Umlaut im sprachgeschichtlichen Sinne und umgekehrt in schwer kein Umlaut im Sinne der Buchstabenbezeichnung (wohl aber im sprachgeschichtlichen) vor.

Im englischsprachigen Raum werden Umlaute gelegentlich als sogenannte Rock Dots oder Heavy-Metal-Umlaute in Bandnamen verwendet, um ein fremdartiges, exotisches Erscheinungsbild zu generieren.

Sprachgeschichtlicher Umlaut Die Bezeichnung Umlaut im sprachhistorischen Sinne wurde von Jacob Grimm eingeführt, der auch das Phänomen der Brechung für den a-Umlaut beschrieb. Vom Umlaut zu unterscheiden ist der Ablaut, der eine andere etymologische Herkunft und Funktion hat.

Vokalveränderung Der Umlaut ist die Veränderung der Artikulation (Zungen- und/oder Lippenstellung) eines Vokals in einem Morphem, auf das eine Beugungs- oder Ableitungssilbe folgt oder früher folgte, die – im Falle des i-Umlauts – den Vokal i oder den Halbvokal j enthält. Im Falle des u-Umlauts und des a-Umlauts erfolgt die Änderung eines Vokals dementsprechend in die Richtung des Lautes u bzw. a (dazu Vokaldreieck oder Vokaltrapez). Der Ausdruck Umlaut bezeichnet eigentlich den Vorgang, also die Vokalveränderung, sekundär auch dessen Ergebnis, also die verschobenen Vokale.

In späterer Zeit trat Umlaut sehr häufig analogisch ein. Während er etwa in Gast – Gäste und Lamm – Lämmer lautgesetzlich ist, ist er etwa in Nagel – Nägel und Wald – Wälder eine sekundäre Übernahme. Im Gegenwartsdeutschen ist der Umlaut besonders vor dem Diminutivsuffix -chen produktiv, also auch vor entlehnten Wörtern: siehe z. B. Skandäl-chen, Motör-chen, Büs-chen.

Ursache der Vokaländerung i-Umlaut

Der helle Vokal i übt eine assimilierende Wirkung aus, indem er den Vokal einer vorausgehenden Silbe sich selbst ähnlich, also heller macht. In althochdeutschen Zeugnissen tritt diese Wirkung zunächst nur beim ă in Erscheinung, da dessen umgelautetes Allophon durch den Buchstaben e bezeichnet wird, sowie beim schon früher eingetretenen Wandel von ë (germanisches e) > i. In späterer Zeit, deutlich seit dem Mittelhochdeutschen, kommen auch bei den Vokalen â, ŏ/ô und ŭ/û je länger je mehr eigene Grapheme (heute ä, ö, ü) oder Digraphen wie ae, oe, iu (für die Diphthonge üe < uo, öu < ou) auf. Der Umlaut blieb auch erhalten, wenn das i oder j wegfiel oder zu Schwa abgeschwächt wurde. So heißt es im Mittelhochdeutschen ich valle, aber du vellest (fällst), weil die zweite Person ursprünglich ein i hatte (althochdeutsch fallis).

Auch bei Substantiven, deren Stammvokal im Plural umgelautet wird (Hand – Hände), erklärt sich diese Änderung durch den Einfluss eines früher in der Endsilbe der Pluralform stehenden i.

Anderseits kommt es auch nicht selten vor, dass scheinbar mit dem Verlust eines i oder j auch seine Wirkung, der Umlaut, verschwunden ist (sog. „Rückumlaut“), so wie zum Beispiel im Mittelhochdeutschen und Neuhochdeutschen im Infinitiv für gotisch brannjan (brennen) gesagt wird, aber im Imperfekt mittelhochdeutsch brante (heute: brannte geschrieben), obwohl die entsprechende gotische Form brannida lautet. Tatsächlich ist jedoch in solchen Fällen (lange Stammsilbe) primär nie ein Umlaut eingetreten (siehe schon althochdeutsch brennen / branta / gi-brant !), da das im Gotischen zwischen dem Wortstamm und der Ableitung des Imperfekts und des Partizip Perfekts noch erhaltene i im Westgermanischen schon vorher ausgefallen war. In diese Kategorie fällt u. a. auch denken / dachte / gedacht, bringen / brachte / gebracht, niederdeutsch sööken / sochte / (ge-)socht bzw. englisch to seek / sought / sought (suchen / suchte / gesucht – wegen des Wandels von germanisch *sōkjaną → suohhen im Hochdeutschen gänzlich ohne Umlaut); der konsonantische Lautwandel (k/g → ch/gh, Schwund des n) ist auf den frühen Wegfall des i zurückzuführen.

u-Umlaut In den skandinavischen Sprachen, vielleicht auch im Althochdeutschen (der Sachverhalt ist umstritten), hat auch u in der Folgesilbe die gleiche assimilierende Kraft wie das i. In diesem Fall spricht man vom u-Umlaut. Ein Beispiel ist der Plural von barn ‘Kind’, der im Dänischen, Färöischen und Isländischen børn beziehungsweise im Norwegischen (Nynorsk) born lautet. Dieser umgelauteten Pluralform liegt ein voraltnordisches *barnu zugrunde.Vgl. etwa Adolf Noreen: Altisländische und altnorwegische Grammatik, unter Berücksichtigung des Urnordischen. 3., vollständig umgearbeitete Auflage. Niemeyer, Halle 1903, S. 56 ff.

a-Umlaut Hierunter wird die Senkung vor einem a in der Folgesilbe verstanden; siehe a-Umlaut.

Umlaut als Bezeichnung von Buchstaben

mini|100px|Neue und alte Umlautformen

Als Umlaut bezeichnet man auch die Buchstaben Ä/ä, Ö/ö, Ü/ü. Die damit bezeichneten Laute sind oft, aber nicht immer im historischen Sinne umgelautete Vokale. Die Bedeutung „Buchstabe für den Laut ä, ö oder ü“ ist also vom Umlaut im sprachgeschichtlichen Sinne zu unterscheiden. Phonetisch liegt kein besonderer Unterschied im Laut- oder Ausdruckswert zu den Grundvokalen vor.Maximilian Weller, Grete Keienburg-Weller: Das Sprechlexikon. Lehrbuch der Sprechkunde und Sprecherziehung. Econ Verlag, Düsseldorf 1957, S. 259.

Die deutschen Umlautpunkte (allgemeiner auch Umlautzeichen genannt) entstanden aus einem über a, o oder u geschriebenen kleinen e (siehe dazu Herkunft der Umlautbuchstaben).

Ein Trema hat dieselbe Gestalt wie Umlautpunkte, aber eine andere Funktion. Es weist zum Beispiel in Aëlita auf die getrennte Aussprache von A und e hin. Zur in der Datenverarbeitung gelegentlich notwendigen Unterscheidung von Umlaut und Trema siehe Trema.

Artikulation im Deutschen

ä [], auch [] äu/eu [] ö [] oder [] ü [] oder []

Artikulation im Schwedischen Im Schwedischen stehen die Buchstaben Ä ( und ) und Ö ( und ) am Ende des Alphabetes, nach dem Å, welches ähnlich wie das deutsche O ausgesprochen wird. Den Buchstaben Ü gibt es in der schwedischen Sprache mit Ausnahme ausländischer Namen nicht. Diese werden z. B. in Telefonbüchern unter Y eingeordnet.Svenska skrivregler

Artikulation im Isländischen Der Buchstabe Ö ist der letzte im isländischen Alphabet. Gesprochen wird er: , wie ein Ö in Löffel. Beispiel: köttur (Katze) Steht er jedoch vor nk, ng oder gi, so spricht man ihn wie [], ähnlich wie in feuille (Blatt) Beispiel: fjallgöngumaður (Bergsteiger)

Artikulation im Estnischen Im Estnischen stehen die Buchstaben Ä, Ö und Ü am Ende des Alphabets und gelten als eigenständige Buchstaben. Eine Umschreibung von Ä als AE, Ö als OE und Ü als UE ist nicht möglich, da diese dann als Diphthonge gälten.

Artikulation im Finnischen Im Finnischen stehen die Buchstaben Ä () und Ö () am Ende des Alphabetes, nach dem Y, welches wie das deutsche Ü als ausgesprochen wird. Den Buchstaben Ü gibt es in der finnischen Sprache nicht.

Artikulation im Ungarischen Im Ungarischen werden die Buchstaben ö, ü und ő, ű so alphabetisch angeordnet, dass sie nach o bzw. u kommen. Somit ergibt sich die alphabetische Reihenfolge o, ó, ö, ő bzw. u, ú, ü, ű. Im Ungarischen heißen Umlaute ékezet, auf Deutsch Beschmückung oder Verschönerung, wobei die Umlaute mit Punkten kurz, die mit Strichen (˝, Doppelakut) lang auszusprechen sind.

Darstellung von Umlauten mini|hochkant=1.5|Entstehung der Umlautpunkte am Beispiel des ä

In Frakturschriften wurden die Umlaute durch ein nachgestelltes oder über den Buchstaben gestelltes kleines „e“ geformt (Beispiel: ae → aͤ). Die Konvention, Umlaute mit zwei Punkten über dem Buchstaben zu bezeichnen, entwickelte sich im Deutschen aus einer vertikalen Ligatur von Vokal und einem darüber angedeuteten Kurrent-e, das wie zwei verbundene Aufstriche (etwa wie 11) geschrieben wurde. Doch noch im 19. Jahrhundert stellte bei den Großbuchstaben der Ersatz von Ä, Ö, Ü durch Ae, Oe, Ue die Normalität dar; gewisse Frakturschriften verwandten damals selbst bei Kleinbuchstaben noch das übergeschriebene „e“. Auch die Antiqua kannte im Fall von Großbuchstaben die übergestellten Punkte ursprünglich nicht, sodass sich noch in älteren Texten des 20. Jahrhunderts häufig Ae, Oe, Ue statt Ä, Ö, Ü finden. In manchen Ortsnamen wie zum Beispiel Aegidienberg, Oettingen, Uelzen sowie regelhaft in der Deutschschweiz (Aefligen, Oerlikon, Ueberstorf) ist dies bis heute amtlich. Sonst ist diese Umschreibung nur noch üblich, wenn der verwendete Zeichensatz keine entsprechenden Buchstaben zur Verfügung stellt (Beispiele: ä → ae, Ä → AE oder Ae). In deutschsprachigen Kreuzworträtseln werden Umlaute dagegen meistens als AE, OE und UE geschrieben.

In der Schreibschrift gibt es neben den zwei übergestellten Punkten auch noch andere Schreibweisen (allographische Varianten). Die beiden häufigsten Varianten sind a) zwei kurze vertikale Striche anstelle der Punkte (daher ist in Ostösterreich, wo diese Schreibweise bevorzugt wird, auch von ü-/ä-/ö-Stricherl die Rede), b) ein horizontaler Strich über dem Buchstaben, der gerade oder leicht nach unten durchgebogen ist. Dieser Strich kann sowohl dem u-Bogen als auch dem Reduplikationsstrich ähneln, durch den in der deutschen Schreibschrift der Kleinbuchstabe u vom kleinen n respektive vom verdoppelten nn (n̄) unterschieden wird. Somit kann eine nachlässige Ausführung dieser Schreibweise zu einer Verwechselung zwischen u, nn (n̄) und ü führen.

In der Werbegraphik und bei stilisierter Schrift werden die Umlautpunkte oft verfremdet; z. B. wird stattdessen ein einzelner Punkt oder Strich oder ein anderes graphisches Merkmale verwendet, das origineller wirken und den Umlaut trotzdem unterscheiden soll (vgl. etwa die Logos der FPÖ und der KPÖ in Österreich).

Im Ungarischen sind dagegen zwei Formen der Umlautkennzeichnung jeweils als graphematisches Merkmal zu werten, d. h., sie haben bedeutungsunterscheidende Funktion. Von den Punkten (Trema) zu unterscheiden ist der so genannte Doppelakut (zwei nebeneinanderstehende Akut-Akzente), der wie der einfache Akut-Akzent auf anderen Vokalbuchstaben der Kennzeichnung der langen Aussprache dient.